Sieht und hört man David Garrett mit seiner Geige auf der Bühne, wirkt alles so leicht, locker und unbeschwert, als würde der Bogen von selbst auf den Saiten tanzen und die Musik geradezu aus der Geige herausfließen. Dass dem ganz und gar nicht so ist, beschreibt der Musiker in seiner Autobiografie. Er schildert seinen Lebensweg von klein auf, als er seine erste Geige bekam. Er erzählt von den vielen Stunden unentwegter Arbeit, die schon damals für ihn an der Tagesordnung waren. Er spricht von den Begegnungen mit großen Geigern, die er bewunderte und verehrte. Er berichtet von ersten, eigenen Erfolgen in seiner Kindheit, er spart aber auch nicht an kritischen Worten, wenn er erzählt, was ihm alles abverlangt wurde. Den Begriff „Wunderkind“ lehnt er ab, denn dessen Bedeutung wäre, dass ihm alles spielerisch zugefallen sein müsste. Hier erfährt man, wie viel Mühe, Schweiß und Tränen hinter den Fähigkeiten stecken. Vater Bongartz sieht es als selbstverständlich an, dass sein Sohn immer besser wird und Karriere macht und tut alles dafür. Sogar Privatlehrer engagiert er für David. Im Jugendalter kommt die Krise, die den jungen Musiker sogar krank macht.
Erst als er sein Leben selbst in die Hand nimmt, wendet sich das Blatt, was jedoch nicht bedeutet, dass es von nun an stetig bergauf ging. Der Weg des berühmten Geigers ist steinig und von einigen Niederlagen gesäumt, sowohl in Hinsicht auf seine Karriere als auch sein Privatleben. In seiner Autobiografie erzählt David Garrett sehr offen über sein Leben, seine Gedanken und Gefühle. Man lernt den Menschen hinter dem Musiker kennen.
Inzwischen hat er seinen Weg im Crossover gefunden. Indem er die Schönheit verschiedener Musikrichtungen und Stile vereint, lässt er Neues, Faszinierendes entstehen, was jedoch nicht bedeutet, dass er der Klassik untreu geworden ist.
So ganz nebenbei erfährt man beim Lesen interessante Fakten über die Geige, über die Eigenheiten verschiedener Modelle und auch Historisches, über ihre Schöpfer.
Das Buch ist so lebendig und kurzweilig geschrieben, dass ich von der ersten bis zur letzten Seite völlig gefesselt war.
Das bisherige Leben des großartigen Geigers, der zu den zehn besten der Welt zählt, hat mich fasziniert, und nun sehe ich vieles mit anderen Augen. David Garrett ist Geiger und Komponist, und er hat sich als Schauspieler betätigt, indem er im „Teufelsgeiger“ die Rolle des Paganini verkörperte. Dass er sich für seine Autobiografie die Unterstützung eines erfahrenen Schreibers (Leo G. Linder) geholt hat, ist nur allzu verständlich, und das Ergebnis hat mich vollkommen überzeugt, denn es ist in einem lockeren Stil geschrieben, so wie David Garrett auch erzählt, wenn man Interviews von ihm hört.
Das Buch ist sehr schön ausgestattet, denn es enthält zahlreiche Fotos aus David Garretts Leben. Jedem Kapitel ist ein QR-Code zugeordnet, über den man zum Teil bisher unveröffentlichte Aufnahmen, Konzertmitschnitte und Fotos abrufen kann. Es hat mir große Freude gemacht, diese Dateien zu betrachten und den Musikaufnahmen zu lauschen. Ich finde die Art, zusätzliche Bonusstücke einzubinden, genial und bin vom Gesamtergebnis dieses Buches begeistert.