Nach den X-Files produzierte Chris Carter die Mystery-Serie MILLENIUM, und weil das Marketing niemals schläft, gab es natürlich auch hier das Buch zum Film.
Elizabeth Hand, die großartige eigene Stories und Romane geschrieben hat, übernahm die vielleicht nicht ganz dankbare Aufgabe, den ersten Roman zur Serie zu schreiben. Wenn man schaut, für welch unterschiedliche Serien und Filme sie die Romanfassungen geschrieben hat, wundert es nicht, wie routiniert sie das kann und auch in diesem Fall mit THE FRENCHMAN umgesetzt hat. Das dünne Bändchen liest sich flott weg und ist unterhaltsam. Im Vergleich zu ihren eigenständigen Arbeiten war ich trotzdem enttäuscht vom Franzosen. Es ist Elizabeth Hand gelungen, eine sehr mysteriöse und geheimnisvolle Atmosphäre zu schaffen, und dass sie das kann, daran bestand kein Zweifel. Leider gibt dieser erste Band zur Serie inhaltlich leider nicht viel her, und daran konnte die Autorin nichts ändern.
Vorgestellt wird Frank Black, Ex-Ermittler des FBI, der die unheimliche Fähigkeit hat, durch die Augen der Verbrecher zu sehen, die er zur Strecke bringen soll. Nachdem Franks Familie in der Vergangenheit bedroht worden war, hat er seine Arbeit für das FBI beendet und ist mit seiner Familie nach Seattle gezogen. Dort treibt gerade ein irrer Serienkiller sein Unwesen, und Frank entschließt sich, die örtliche Polizeibehörde bei der Jagd auf den Killer zu unterstützen.
Die Visionen, die Frank hat, zeigen, dass er es mit einem durchgeknallten Endzeitkiller zu tun hat, der unter religiösen Wahnvorstellungen leidet.
Klingt soweit ganz solide, und trotzdem stimmt mit diesem Roman einiges nicht (was, wie gesagt, der Skript-Vorlage und nicht der Autorin vorzuwerfen ist). Auch wenn die Grundstimmung sehr intensiv ist, hängt die Handlung doch ziemlich in den Seilen. Es kommt auf der "Jagd" nach dem Killer einfach keine rechte Spannung auf, eine einzige Verfolgungsjagd und das Auffinden eines weiteren Opfers des Verrückten sind die Eckpfeiler, auf denen die Story ruht. Das mag für eine 45-minütige Folge im Fernsehen reichen, im Buch wünscht man sich mehr. Und auch über Frank Black erfährt man noch nicht allzu viel, er wird in die Serie gerade erst neu eingeführt und so beschränkt sich das, was der Leser erfährt, auf das, was ich oben schon schrieb, plus ein weiteres, wichtiges Detail: Frank gehört zur Millenium-Gruppe. Was es mit der Gruppierung auf sich hat, erfährt man in THE FRENCHMAN noch nicht.
Fazit: Routiniert und gut geschrieben, im Rahmen der Möglichkeiten, die die Vorlage der Autorin gestattete, aber die dünne Handlung läßt keine richtige Freude aufkommen. 2,5 Sterne.