Teil 1 von ?
Erste/Deutsche VÖ: Mai 2010, Arena
Meine Ausgabe: Broschiertes Taschenbuch von Arena
Themen
Engel, Dämonen, Hölle, Liebe
Inhalt
Die 17jährige Lara verbringt die Ferien bei ihren Großeltern in Berlin. Die Stadt ist weit weg von zu Hause und das ist Lara gerade recht, da sie sich durch den Ortswechsel ein schnelleres Hinwegkommen über die gescheiterte Beziehung mit Ben verspricht. Obwohl sie Jungs jetzt erst mal abgeschworen hat, begegnet Lara ziemlich schnell dem geheimnisvollen Damian. Lange kann sie nicht leugnen, dass ihr Herz bei dem Gedanken an ihn schneller schlägt. Damian ist höflich, nett, gut aussehend und zeigt Lara die ausgefallensten Orte Berlins. Immer öfter scheint er sie aber auch auszuschließen, denn Damian hütet ein dunkles Geheimnis. Als wenn das nicht schon genug Probleme für einen Teenager wären, wirft Lara auch noch das Verhalten ihrer Großeltern völlig aus der Bahn. Sie ist gerade erst dabei die beiden richtig kennen zu lernen und versucht herauszufinden, warum der Draht zwischen ihrer Mutter und den beiden so schlecht ist. Was wirklich hinter all dem steckt und welche Rolle das für Laras eigene Zukunft spielt, hätte sie nie erwartet.
Rezension
Ich sag es gleich vorne weg: ich fand das Buch grauenhaft. Das einzig Schöne ist eigentlich das Cover und natürlich der supertolle Promobrief, den der Arena-Verlag dazu an einige Blogger verschickt hat. Dieser Brief hat mich überhaupt erst dazu überredet das Buch zur Rezension anzufordern.
Aber ich fange mal mit den positiven Sachen an:
Das große Geheimnis, das sich um Laras Familie rankt, war interessant herauszufinden und hat die Spannung aufrecht erhalten. Gegen Ende war es der einzige Grund, warum ich noch weiter gelesen habe.
Rainer Wekwerth hat eine flotte Art zu erzählen. Er wechselt oft die Schauplätze und Blickwinkel, um so mehrere Handlungsstränge gleichzeitig voran zu treiben. An sich finde ich so einen Schreibstil gar nicht schlecht, aber in diesem Fall hat mich die Hälfte der Handlungsstränge nicht interessiert. Solange der Leser die Welt aus Laras Sicht betrachten kann, war ich einigermaßen neugierig, obwohl Lara nicht gerade die spannendste Protagonistin ist. Wie schon zu Beginn erwähnt, wollte ich herausfinden, was es mit dem Geheimnis ihrer Vergangenheit auf sich hat. Die anderen Szenen erzählen meistens von Dämonen und Engeln, die sich gegenseitig verfolgen, beschatten und bekriegen. Absolut langweilig. Da können die Kampfszenen noch so spannend beschrieben sein, ich habe sie nach den ersten 150 Seiten nur noch überflogen, da ich zu den Engeln und Dämonen überhaupt keine Verbindung aufbauen konnte. Ich fand sie sterbenslangweilig, typische langhaarige Krieger mit Lichtschwertern oder im Fall der Dämonen ekelhaften Krallen und scharfen Zähnen. Jede Figur war ein einziges wandelndes Klischee.
In einigen Rezensionen habe ich gelesen, dass den Rezensenten die Aufmachung von Satan sehr gefallen hat – er hat nicht die typische Teufel-Form sondern kann sich nach Belieben in verschiedene Menschen verwandeln, z.B. einen kleinen Jungen oder eine sexy Frau. Das fand ich aber genauso ermüdend, langweilig und schon mal dagewesen wie bei all den anderen Charakteren auch.
Mit ähnlichen Wörter muss ich auch den Schreibstil kritisieren: unoriginell, klischeebehaftet und pathetisch. Jede Metapher, jeder Vergleich war wiedergekäut und unspektakulär. Außerdem schildert der Autor viel zu viele überflüssige Details. Gerade die Handlungsstränge mit den Engeln und Dämonen tragen oft nichts zur Handlung bei. Was interessiert mich zum Beispiel der Truckfahrer, bei dem einer der Oberdämonen am Ende mitfährt? Seine Gefühlslage wird dermaßen ausgewalzt, dass man denken könnte, er würde noch eine tragende Rolle bekommen.
Schließlich wäre da Damian. An sich hat er ja einen ganz interessanten Konflikt mit sich selbst auszutragen, aber ich konnte einfach keinen Zugang zu ihm finden. Für mich kam er nicht attraktiv rüber und sein ständiges mysteriöses Verhalten gegenüber Lara hat genervt. Die Anziehung, der er Lara gegenüber empfindet (und umgekehrt) fand ich schwer nachzuvollziehen. Ja, er rettet sie aus einer brenzligen Situation, aber danach folgen keine Momente, die die Entwicklung einer Verliebtheit nachvollziehbar zeigen.
Laras Verhalten fand ich meistens nachvollziehbar, obwohl ich ihre Verliebtheit genauso wenig verstehen konnte. Vor allem, weil die Trennung von dem letzten Jungen noch nicht lange her ist. Ich fand es außerdem ungewöhnlich wie viel ihrer Gefühle sie zu Beginn ihrer Mutter und ihren Großeltern anvertraut, eher untypisch für eine 17-Jährige. Eigentlich würde mich mal stark interessieren in was für einem Alter Rainer Wekwarths eigene Tochter ist. Ob er die höheren Teenagerjahre schon mit ihr durchlebt hat? Ich fand nämlich auch Laras Klamottenwahl (bauchfreies Oberteil, Tribals als Muster) etwas fragwürdig für ein Mädchen von 2009/10. Ach und dass Lara sich ein komplettes Outfit aus einem Gothic-Shop in Berlin leistet, fand ich eher lachhaft. Ich glaube Herr Wekwarth unterschätzt wie viel solche Klamotten kosten. Ein weiteres extrem seltsames Verhalten von Laras Seiten steht in Zusammenhang mit ihrer Fast-Vergewaltigung. Ich fand es unglaubwürdig wie gut sie damit zurechtkommt. Ab und zu denkt sie zwar noch daran, aber später scheint das kaum noch eine Rolle zu spielen. Sie geht sogar ein zweites Mal allein durch den Park, in dem der Überfall stattgefunden hat.
Wo ich schon bei unglaubwürdigem Verhalten bin – Laras Mutter Rachel hat auch ein paar wirklich fragwürdige Aktionen auf Lager. Das geht gleich im ersten Kapitel los, als sie ihrer Tochter, deren Herz gerade frisch gebrochen wurde, von ihrem neuen Kollegen erzählt, den sie eigentlich ganz nett findet. Lara reagiert zwar gelassen darauf, aber jetzt mal im Ernst: welche Mutter ist so taktlos?
___SPOILER
Weiter geht es als Rachel ihrer Tochter endlich die (halbe) Wahrheit über ihren Vater erzählt und zwar, dass der Vater sie nach der Geburt verlassen hat, weil er so enttäuscht war, dass sie ihm eine Tochter und keinen Sohn geboren hat. Bei aller Liebe, auch das würde eine Mutter doch nie ihrer Tochter erzählen. Hätte Herr Wekwarth sich nicht mal mit seiner Frau über Mutterinstinkte und realistische Mutter-Tochter-Beziehungen unterhalten können?
___SPOILER ENDE
Nicht mal, dass die Geschichte in Berlin spielt, konnte irgendwas wieder herausreißen. Ich hatte mich schon auf bekannte Schauplätze und den Hauptstadtcharme gefreut, aber bis auf eine Szenekneipe und einen alten Buchladen kommt der kaum rüber. Wenn man seinen Roman schon in so einer Stadt ansiedelt, sollte man das Potenzial dieser Kulisse auch ausschöpfen.
___SPOILER
Den Epilog fand ich wiederum ganz gut. Die große Schlacht hat mich weniger interessiert, aber dass Lara am Ende wieder zu Hause ist und sich an nichts erinnern kann, finde ich zwar etwas traurig, aber es ist auch mutig das so durchzuziehen. Leider scheint ein zweiter Band in Arbeit zu sein, der das dann sicher kaputt machen wird. Ach und über den letzten Satz muss ich noch meckern: „Und ging nach unten.“ Was soll das denn? Das ist ja nicht mal ein richtiger Satz. Der vorletzte wäre weit wirkungsvoller gewesen.
___SPOILER ENDE
Zusammenhang
Nach dem großen Erfolg des Buches soll Damian 2011 eine Fortsetzung bekommen. Über Titel und/oder Inhalt ist noch nichts bekannt. Ich vermute, dass das Buch „David“ heißen wird, das Ende lässt so etwas vermuten. Damian ist in sich relativ abgeschlossen, das Ende hat jedoch jede Menge Platz für Entwicklung gelassen, vor allem für die Leser, die ein romantisches Happy End bevorzugen.
Offene Fragen
Warum finden so viele dieses Buch so gut?
Fazit
Damian ist eine Engel-Dämonen-Geschichte, die vor Stereotypen nur so strotzt. Die ganze Bandbreite an Figuren ist unoriginell und recht langweilig. Der Stil ist simpel und pathetisch, lässt sich aber durch zahlreiche Absätze und kurze Kapitel temporeich verfolgen. Leute, die stumpfe Gut-Böse-Geschichten um Standard-Charaktere mögen, dürften hier richtig sein.
[1.5 STERNE]
Optische Gestaltung
Das Cover gefällt mir am besten am ganzen Buch. Die Berlin-Silhouette sieht eigentlich immer gut aus, aber auch die Flügel, die aus dem Buchtitel treten und die Fledermäuse drumherum gefallen mir sehr. Das Blau ist passend zur Stimmung des Romans gewählt und wenn das ganze dann noch glitzert/schimmert, bin ich eh schnell begeistert.
Trivia oder was ich aus diesem Buch gelernt hab
Toll gestaltete Briefe vom Arena-Verlag sind kein Garant für ein gutes Buch (trotzdem gern mehr von diesen Promoaktionen! ;)
Bücher, die ebenfalls von Dämonen und Engeln handeln und mir ähnlich schlecht gefallen haben
This Present Darkness
Die Verschwörung der Engel
Bücher, die ebenfalls von Dämonen und Engeln handeln, die ich aber um einiges empfehlenswerter finde
The Gates – John Connolly
Murder Mysteries – Neil Gaiman