"Gelungenes Venedig mit einer Mischung aus viel zu vielen Charakteren und vorhersehbarer Spannung."
Inhalt:
Die Geschichte spielt in Venedig im frühen 15. Jahrhundert. Zwischen politischen Machtkämpfen erwartet Atilo allerhand Arbeit. Als Anführer der Assasinen arbeitet er meist im Hintergrund, bekommt den Auftrag gezielt zu töten. Doch er wird alt, sucht einen passenden Nachfolger. Da trifft Tycho ein, durch Venedig gejagt und als Sklave gefangen genommen bekommt in Atilo unter die Fittiche. Schnell wird klar, dass Tycho geheimnisvolle Fähigkeiten hat. Plötzlich gesellen sich zu den typischen Machtkämpfen und politischen Komplotten auch noch magische Wesen, Hexe, Werwölfe und mehr. Doch wie wird Tycho handeln? Wird er ewig ein Werkzeug des Fürsten bleiben?
Meinung:
“Silberklinge” ist der Beginn der “Die Schatten von Venedig” Trilogie. Der Autor platziert eine Action-Fantasy Geschichte im historischen Venedig im frühen 15. Jahrhundert. “Silberklingen” ist somit eine Art historischer Fantasyroman, der vor allem durch viel Action, Kampf und Brutalität auf sich aufmerksam macht.
In “Silberklinge” gibt es eine Vielzahl an Charakteren und dadurch ebenso viele Handlungsstränge. Zu Beginn erfährt man vieles aus der Sicht Atilos, der Anführer der Assasinen ist und dringend einen Nachfolger sucht. Seine Aufgabe ist es im Hintergrund unauffällig zu töten. Morde zu begehen, um seinen Fürsten zu dienen.Dazu gesellt sich recht schnell Giulietta, eine junge Frau der herrschenden Familie Millioni. Sie wird als Braut gebraucht, um Venedigs Verbindungen zu anderen Städten zu stärken. Es gibt natürlich noch allerhand weiterer Charaktere, die eine wichtige Rolle spielen. Die Masse ist hier sehr groß und es ist recht schwer sich als Leser einen Einstieg in diesen Namens Wirrwarr zu bahnen.
Der wichtigste Protagonist ist wahrscheinlich dann auch Tycho. Ein mysteriöser Mann, der plötzlich in Venedig auftaucht. Er wird gejagt, schlecht behandelt und schließlich zum Sklaven erklärt. Allerdings weiß er zu Beginn selbst nicht so recht, was er eigentlich ist. Er verträgt weder Tageslicht, noch Wasser und der Geruch von Blut weckt eine starke Gier nach mehr aus. Gerade dadurch wird Tycho für viele Charaktere in dem Roman spannend. Sein Aussehen ist verzaubernd, durch sein silbernes Haar fällt er zudem schnell auf. Obwohl Tycho teils sehr einfach wirkt, wechselt sein Charakter im Laufe der Geschichte immer wieder. Ich fand ihn dadurch allerdings noch weniger authentisch.
Dieses Bild zieht sich auch durch den ganzen Roman. Zu viele Charaktere, zu viele parallele Handlungsstränge, zu viele verwirrende Namen und politische Verbinungen oder Verfeindungen.
Allerdings erschafft der Autor ein authentisches Venedig. Es gibt ausgiebig Beschreibungen, die einem das Venedig des 15. Jahrhunderts näher bringen. Diese Passagen halten sich zudem in Grenzen und überschwemmen nicht das Buch, was ich wirklich gut finde.
Dennoch konnte mich “Silberklinge” nicht überzeugen. Der Roman war wirklich zäh und ich konnte mich im Verlauf der Geschichte immer weniger begeistern den Roman weiter zu lesen. Dies liegt an verschiedenen Punkten:
>Erstens ist der Roman vollgestopft mit unzähligen Charakteren. Jeder wird benannt und irgendwie wirken alle Charaktere flach. Es gibt keinen richtigen Unterschied zwischen Protagonisten und Nebencharakteren. Alles wird auf rund 500 Seiten einfach zu mächtig und vor allem zu nervig.
>Zweitens ist “Silberklinge” zwar ein historischer Gaumenschmaus, aber die Geschichte ist einfach nicht rund. Der Spannungsbogen hat bei mir überhaupt nicht gefunkt und auch der Rest der Handlung ist relativ ähnlich. Sklave, Jagd, Tod, politischer Komplott usw. Wirklich spannende Wendungen gab es nicht, sondern eher viele wahllose Actionszenen und brutale Kämpfe oder Ermordungen.
>Drittens passt mir der magische Anteil überhaupt nicht. Es passt irgendwie nicht. In “Silberklinge” geht es vor allem um das historische Venedig und plötzlich tauchen Hexen und Werwölfe auf. Natürlich alles nur am Rande, denn diese Wesen sind der “unsichtbare” Feind Venedigs. Das ganze wirkte beim Lesen alles andere als stimmig, ebenso wie es Tycho war. Es wird auf keinen der 512 Seiten genau und präzise gesagt, was Tycho nun eigentlich ist. Durch seine seltsamen Fähigkeiten wirkt er wie ein typischer 0815 Vampir. Aber er kann sich an kaum etwas erinnern. Er benutzt seine Fähigkeiten selten und bleibt daher blass. Verwirrend ist es dann auch, wenn plötzlich von Nephilim gesprochen wird. Es wäre wirklich wichtig für die Geschichte gewesen, den seltsamen Fantasy Anteil in der Geschichte dem Leser näher zubringen.
Insgesamt ist “Silberklinge” ein Start in eine historische Fantasy Trilogie, die sich vor allem an Leser richtet, die das brutale Leben von damals faszinierend finden. Die Geschichte hat viele kämpferische Szenen, politische Machtkämpfe, sowie ein schlechtes Frauenbild. Genau damit konnte ich leider nur recht wenig anfangen, mir fehlte Inhalt, spannende Wendungen und interessante Charaktere.
Außerdem erscheinen die Frauen wirklich als dermaßen schwach, dass es schon künstlich wirkt. Klar, zur damaligen Zeit hatten Frauen keine Rechte etc., aber im Hintergrund haben viele Frauen meist die Fäden gezogen, was in “Silberklinge” überhaupt nicht eingebaut wird. Es geht schlicht und ergreifend um kämpfende Männer, die dauernd irgendwen umlegen müssen.
Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen. Als Leser kann man in ein altes Venedig eintauchen. Es gibt Charakterwechsel, sodass man aus der Sicht verschiedener Charaktere die Geschichte und das Leben in Venedig beobachten kann. Zudem kann man durch den flüssigen Stil die 512 Seiten auch relativ zügig lesen, wenn man denn die Geschichte als nicht zäh empfindet.
Das Cover ist mysteriös und weckt Interesse. Der Titel ist meiner Meinung nach nicht aussagekräftig genug, ebenso wie der Klappentext. So wie im Klappentext versprochen liest sich die Geschichte nämlich nicht. Ich hätte durch die geheimnisvolle Gestalt auf dem Cover zudem mehr Assasinen erwarten. Außerdem gibt es im Inneren einen Stammbaum wie Namenindex. Meiner Meinung nach zeugt das ebenfalls davon, dass es einfach viel zu viele gleich flache Charaktere gibt, denn ohne diese Übersicht blickt man nach 100 Seiten kaum noch durch.
Fazit:
“Silberklinge” ist ein historische Roman mit einen Schuss Fantasy. Allerdings konnte mich dieser Roman leider nicht überzeugen. Trotz einem tollen Setting und guten Beschreibungen des alten Venedigs, fehlen einfach spannende Wendungen und starke Charaktere. “Silberklinge” könnte jedoch interessant sein für Leser, die gerne viel Action, Brutalität und harte Männerkampfe lesen. Ich vergebe jedoch nur knappe 2 Sterne.