Die Ferien haben begonnen und die fünf Freunde machen sich bereit für ein neues Abenteuer! Diesmal haben sie sich in "Finniston Farm", die im Deutschen in der frühen Übersetzung, die leider gerne darauf beharrt, Orts- und Personennamen nach Gutdünken und, wie mir scheinen will, recht willkürlich zu ändern, "Funstein-Hof" heißt, einquartiert, voller Neugierde, über welche Geheimnisse sie wohl diesmal wieder stolpern werden - übrigens sehr zu Annes Missfallen, die es gerne ruhig und beschaulich hat und nicht schon wieder in Gefahr geraten möchte. Ganz im Gegensatz zu ihren beiden Brüdern, Julius und Richard, die im englischen Original gemeinhin als Julian und Dick bekannt sind und der eigenwilligen und oft starrköpfigen und abweisenden Cousine Georgina, die auf dem Namen George insistiert, möchte sie doch nicht als Mädchen identifiziert werden. Zu den vier Kindern gehört natürlich noch Tim oder Timmy oder Timotheus, Georges lebhafter Mischlingshund, der seinem launischen Frauchen treu ergeben ist.
Und kaum sind sie auf Finniston-Farm/Funstein-Hof angekommen, dürfen sie hoffen, dass auch diesmal ihre Erwartungen auf zünftige Ferien erfüllt werden!
Doch müssen sie zuerst einmal versuchen, sich mit den mürrischen und schweigsamen Zwillingen Harriet und Harry, kurz "die zwei Harrys" genannt, anzufreunden, was keine leichte Sache ist, den vier Kindern mit ihrer Offenheit und Hilfsbereitschaft aber sehr bald gelingt, denn im Gegensatz zu den beiden anderen Feriengästen, einem Amerikaner mit seinem verzogenen Sohn Junior, die sich von hinten bis vorne bedienen lassen und deren Manieren noch dazu sehr zu wünschen übrig lassen, packen Julius, Richard, Anne und George überall fröhlich und ganz selbstverständlich mit an und sind sehr bald keine zahlenden Urlauber mehr sondern vielmehr gern gesehene Gäste.
Schnell bekommen die fünf Freunde denn auch eine Ahnung, dass die Ferien nicht nur arbeitsam, sondern auch aufregend zu werden versprechen.
Herr Finniston/Funstein, der im Ort einen Antiquitätenladen besitzt und dessen Vorfahren einmal die Besitzer von Finniston-Farm waren, weiß Spannendes zu erzählen! Von einer normannischen Burg berichtet er, die 1192 gestürmt und niedergebrannt wurde und deren Herrin es gelang, sich mit ihren Kindern zu retten, indem sie von ihrem Verlies über einen unterirdischen Gang in eine noch heute existierende Kapelle fliehen konnte, die seit langem schon als Lagerraum für Getreide verwendet wird.
Der Antiquitätenhändler vermutet, genauso wie der Urgroßvater der beiden Harrys, in dem Verlies, das nie entdeckt wurde, einen wertvollen Schatz!
Die Neugierde der Kinder ist geweckt und sie beschließen, auf eigene Faust nach dem Verlies zu suchen, einmal aus Abenteuerlust, zum anderen aber auch, um den Eltern der Harrys damit aus ihren finanziellen Nöten zu helfen, die sie zwingen, solch unangenehme Feriengäste wie die Hennings aufnehmen zu müssen. Doch letztere sind eigens zu diesem Zweck nach England gereist, sie sind fest entschlossen, so billig wie möglich an wertvolle Antiquitäten zu kommen, und die Gerüchte über den Schatz im seit fast tausend Jahren verschollenen Verlies lassen sie aufmerken und alles in Bewegung setzen, den Schatz in ihre gierigen Hände zu bekommen. Aber noch ist nicht aller Tage Abend, denn sie haben nicht mit dem Einfallsreichtum und der Entschlossenheit der fünf Freunde gerechnet...
Bis auf die leidige Tendenz zur Namensänderung ist der von der englischen Kinder- und Jugendbuchschriftstellerin Enid Blyton verfasste achtzehnte Band ihrer "Fünf Freunde"- Reihe, erstveröffentlicht in England im Jahre 1960 und in Deutschland fünf Jahre später, ein Abenteuer, an dem die vielen Freunde dieser Serie in Deutschland genauso wie Millionen Anhänger auf der ganzen Welt ihre Freude haben und auf ihre Kosten kommen.
Und obwohl der Autorin vielfach vorgeworfen wurde, sich einer anspruchslosen Sprache mit eingeschränkter Wortwahl und zu vieler Stereotypen zu bedienen, kann ich das weder in der deutschen Ausgabe noch in der parallel dazu gelesenen englischen Originalfassung finden! Die Sprache ist im Gegenteil durchaus ausgefeilt und in jedem Falle perfekt zugeschnitten auf die entsprechende Lesergruppe, die ich von 8 bis 14 Jahren einstufen möchte. Die freut sich nämlich vor allem darüber, ihre aus vielen Vorgängerbänden, aus Filmen und Hörspielen bekannten und vertrauten Freunde wiederzutreffen und festzustellen, dass es unverändert die alten sind: Richard/Dick der Spaßvogel, der mit seinen unkonventionellen Ideen und seiner Kontaktfreudigkeit den Freunden schon manchmal aus der Patsche geholfen hat, Julius/Julian, der immer den Überblick behält und der vernünftige Denker der Gruppe ist, die hausfrauliche und zögerliche Anne, die aber, wenn es darauf ankommt, alle mit ihrem Mut immer wieder in Erstaunen setzt, und zu guter Letzt die unberechenbare, schnell beleidigte George nebst Tim, die aber trotzt all ihrer Überempfindlichkeiten ein feiner Kamerad ist.
Und wenn sich die Abenteuer der fünf Freunde auch nie sehr voneinander unterscheiden und gewiss stets nach mehr oder weniger dem gleichen Schema ablaufen, so sind sie doch allemal spannend. Und welches Kind möchte nicht wenigstens für kurze Zeit gemeinsam mit George, Julius, Richard, Anne und Timmy, so herrlich frei von den Erwachsenen und oft sich selbst überlassen, auf Verbrecherjagd gehen oder einem Rätsel nachspüren - vor allem, wenn es, wie hier, um Geheimnisse aus der Vergangenheit geht und um Ritterburgen, Verliese und Schätze?
Enid Blytons Rechnung ist auch in Band 18 aufgegangen - und die Erwartungen der jungen Leser sind in jeder Hinsicht erfüllt worden!