Wie wunderbar! Da schnalzt der Kenner mit der Zunge.
Neue Fälle aus der Irabu - Poliklinik.
Ach nein, nein, nicht wie sie jetzt vielleicht denken - ein Arztroman. Wer liest denn so etwas......???
Die Irabu – Poliklinik an sich ist nicht weiter interessant, hier findet sich auch nur der übliche Patienten - und Klinikbetrieb, mit seinen zumeist unfreundlichen, gelangweilten oder völlig überforderten und erschöpften Medizinern, die ihre Patienten nicht unbedingt als Menschen wahrnehmen, sondern vielmehr nur als der Reparatur bedürftige Wesen. Soweit so bekannt.
Interessant wird es erst dann, wenn hin und wieder einer dieser Ärzte nicht mehr weiter weiß, wenn seine ärztliche Kunst einem Patienten nicht mehr weiterhelfen kann, wenn der Patient therapieresistent erscheint. Denn dann, und wohlgemerkt, nur dann überweist ein solcher Arzt an die Neurologie des Hauses.
Diese Abteilung befindet sich nicht in den gepflegten Räumlichkeiten der oberen Etagen der Klinik. Um zur Neurologie zu gelangen muss der Patient in den dunklen Keller des Hauses hinabsteigen. Aber keine Angst, ich empfehle hier auch keinen Geister - oder Horrorroman.
Denn lässt sich der Patient allein von diesem Umstand nicht abschrecken gelangt er alsbald vor die Tür des Dr, Ichiro Irabu.
Und wenn ihm nach dem Anklopfen und einem völlig überdrehten „Herein, Herein- Gekichere“ von jenseits der Tür nicht völlig der Mut verlassen hat, dann öffnet er auch tatsächlich die Tür und findet sich auf der Stelle in einer Situation wieder, die fast nichts mehr mit modernem, routiniertem Klinikalltag, oder gar vertrautem Arzt-Patientenverhältnis zu tun hat.
Oder was würden sie, verehrte Leser, zunächst denken, wenn sie sich vor einem kleinen, fetten, Doppelkinn bewehrten Mann mittleren Alters, mit ungesundem weißen Teint, mit zerzaustem, schuppigen Haar wiederfinden würden, der, ohne sich um ihre (Kranken-) Geschichte kümmernd, ihnen als allererstes eine dicke, fette Spritze in den Arm jagen lassen würde und darüber höchste Freude empfinden würde. Der sich dann in der Regel immer noch mehr mit sich selbst beschäftigt als mit ihnen und der ihnen dann in ein, zwei trockenen Sätzen mitteilen würde, dass ihre Probleme ja nun nicht so schlimm wären.
Es würde niemanden verwundern, wenn sie in solch einer Situation nicht sofort der Fluchtreflex packen würde – stimmt´s?
So ergeht es zunächst auch all seinen Patienten. Und doch, irgendetwas hält sie dennoch alle bei ihm und seinen unkonventionellen Methoden. Aber, was ist das nur?
Finden sie es heraus, lesen sie dieses wunderbare, humorvolle, vergnügliche und zugleich so tief -und hintergründige Buch. Es wird ihnen garantiert Lust auf mehr machen.