„Manipuliert“ von Teri Terry ist der zweite Band der Dark Matter Trilogie. Als Mittelband ziemlich solide, aber stellenweise leider auch sehr frustrierend.
Die Geschichte knüpft nahtlos an seinen Vorgänger an. Gewohnt bleibt Terry sich treu und bietet kurzweilige, interessante Unterhaltung. Die kurzen Kapitel machen auch aus diesem Band einen Pageturner, was der Handlung eigenständig vermutlich nicht gelungen wäre.
Langeweile muss man trotzdem nicht befürchten. Gerade Shays Kapitel bieten ordentlich Action und viel Wissenswertes rund um die Pandemie und die wissenschaftlichen Hintergründe. Es gibt 2 neue Personengruppen in diesem Band, auch hier sind Shays neue Bekanntschaften deutlich interessanter als die von Kai und Callie. Was sie alle gemeinsam haben ist, dass sie keine anonyme Masse bilden, sondern zwar grob skizziert, aber doch plastisch genug sind, um im Gedächtnis zu bleiben. Der Eine mehr, der Andere weniger, das versteht sich von selbst.
Nun hat sich Shay zuletzt der Royal Air Force gestellt und verschwindet (vorübergehend) von der Bildfläche. Statt Shay erhalten wir Kai als Erzähler. Dies zu bewerten, fällt mir allerdings schwer. Stellenweise konnte ich nicht unterscheiden, ob gerade Kai oder Callie erzählen, bis Callie dann irgendwas Besonderes gemacht hat, wozu Kai nicht imstande gewesen wäre. Letztendlich hat die Entscheidung, Kai eine eigene Perspektive zu geben, der Narration weder geschadet noch geholfen. Es hat schlicht nichts dazu beigetragen – außer meiner wachsenden Aversion ihm gegenüber.
Männer mit Aggressionsproblemen sind in Fiktion häufig das Bild für Männlichkeit, doch für mich ist es einfach nur abstoßend. Ganz gleich, wie sehr die Autorin versucht haben mag, ihm andere Facetten anzudichten, seine ständige Wut und der damit einhergehende Kontrollverlust überschatteten alles. Sicherlich wurden auch in „Infiziert“ einige übereilte Entscheidungen getroffen (sich der Armee zu stellen beispielsweise), aber Kais Handlungsstrang liefert uns eine hanebüchene, dumme und nervige Fehlentscheidung nach der anderen.
Nun hat mich schon im ersten Band gestört, dass es überhaupt eine Liebesgeschichte gibt. Mal davon abgesehen, dass diese übereilt, emotionslos und nicht nachvollziehbar ist, wird daraus nun eine furchtbar schlechte Dreiecksgeschichte gemacht. Ihr könnt es Euch vielleicht denken, aber 90% der Fehlentscheidungen sind auf diesen unnützen YA-Trope zurückzuführen. Ausgerechnet die zweite Überlebende, die Kai trifft, ist ein hübsches Mädchen in seinem Alter. Sie hat genau wie er eine verkorkste Impulskontrolle, ist selbst stets wütend und optisch das genaue Gegenteil von Shay (muss ja so). Tragisch ist, dass die beiden mehr Chemie haben als Kai und Shay, obwohl ich mir sehr sicher bin, dass es am Ende Shay sein wird. Die Handlung ist bislang zu berechenbar, als dass ich mir da noch große Überraschungen erwarten würden. Der kleine, fiese Kniff am Ende hatte Telenovela-Niveau.
Trotzdem konnte mich ausgerechnet der erwartungsgemäß, mittelmäßige Mittelband mit einer Sache mal überraschen. Alles andere wird sich vermutlich jeder Leser selbst zusammenreimen können. Was, das verrate ich natürlich nicht, aber die Szenen um die Auflösung dieses Rätsels gefielen mir sehr gut. Es gibt Hoffnung, auf ein etwas unvorhersehbareres Ende.
Insgesamt ist auch „Manipulation“ wieder ein nettes Buch für Zwischendurch. Schnell gelesen und nie langweilig, auch wenn manche Stellen interessanter sind als andere. Oder in dem Fall: manche Perspektiven. Leider ist es noch vorhersehbarer als sein Vorgänger, kann aber zumindest mit einer großen Überraschung aufwarten. Zwar habe ich viele Ideen, was im Finale so passieren könnte, aber das Ende kann ich noch gar nicht vorhersagen. Trotz all seiner Schwächen bin ich also gespannt, wie es weitergeht. Klare Empfehlung für jeden, der „Infiziert“ mochte. Für alle anderen wird es nicht besser.