Ich kann dieses Buch nicht mögen. Ich habe es für meinen Deutsch Grundkurs gelesen und eigentlich mag ich Klassiker, aber nicht dieses.
Kleist Schreibstil ist mehr als Gewöhnungsbedürftig und auch das Thema fand ich einfach falsch.
In der Geschichte wird eine Frau schwanger, doch weiß sie nicht wie. Anders gesagt, sie wurde vergewaltigt... Da sie einen 'Bastard' in sich trägt, wird sie von ihrer Familie verstoßen, da sie ihr nicht glauben.
Ich als junge Frau fand die Geschichte einfach ekelerregend. Natürlich für die Zeit war das halt das übliche Vorgehen, aber auch, dass fast alle Namen in der Geschichte abgekürzt werden, gibt mir das Gefühl, dass der Autor die Geschichte nicht recht ernst nimmt.
Vielleicht ist auch einfach mein Frust darüber, dass es das 5. Buch ist, dass ich lesen muss und keinerlei Bezug aufbauen kann, weil ich nicht im 18. Jahrhundert lebe.
Edit:
Es ist jetzt zwei Jahre her, dass ich dieses Buch gelesen habe und da ab und zu Menschen anscheinend immer noch diese Rezension finden, will ich ergänzen.
Die Prämisse und Geschichte des Buches sind an sich ein interessantes Thema und könnten zu einer Geschichte von Emanzipation und Gesellschaftskritik führen, dass Problem jedoch ist, dass es dies nicht in meinen Augen tut. Was dieses Problem verstärkt hat, dass meine Deutschlehrerin damals versuchte, mir das Buch unter dem Schirm von emanzipierten weiblichen Charakteren zu verkaufen. Man kann argumentieren, dass sich O. nach der Unterstellung der Beziehung außerhalb des Ehebundes, von ihrer Familie distanziert hat und diese Entscheidung augenscheinlich selbst traff, aber rückblickend ich immer mehr empfinde, dass anstelle einer emanzipierten Frau, von Kleist eine Sturre dargestellt wird. Wir hatten zudem auch Adaptionen geschaut, in welcher am Ende der weibliche Charakter dem Vergewaltiger verzeiht, welche für mich noch einmal zeigten, wie auch im Buch am Ende für einfaches Stockholm-Syndrom plädiert wird. So ist der Mann schließlich Retter und Täter zugleich, und warum sich damit auseinandersetzten, welche Gewalt der Frau durch ihn zugefügt wurde, wenn man auch einfach ihm verzeichen könnte und sämtliches Trauma, dass Frauen zu der Zeit (und auch heute noch) durchleben, wenn sie vergewaltigt werden.
Je mehr ich über sexuelle Gewalt lerne und desto länger ich über dieses Buch reflektiere, desto mehr hasse ich es.
Zu guter Letzt noch ein Problem der Neuzeit. Um jungen Frauen, Männern und alles dazwischen, tatsächlich wertvolle Literatur und Lebenswissen mit zu geben, sollten wir ihnen nicht Bücher wie dieses oder Faust geben, wo Männer über Frauen schreiben und ihre altherren Fantasien ausleben sondern Bücher, die aktuelle Probleme aufgreifen und es zu lassen einen Diskurs über Probleme unserer Gesellschaft zu führen. Ein Klassiker hier und dort schadet nicht, aber wenn die aktuellste Literatur am Anfang des 20. Jahrhundert geschrieben wurde, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn Jugendliche erst mit Anfang begreifen, dass Literatur mehr Sinn hat, als in einem Test abgefragt zu werden.