This is a novel of the future, profoundly sinister in its vision of a drab terror. Ironic and detached, the author shows us the totalitarian World-state through the eyes of a product of that state, scientist Leo Kall. Kall has invented a drug, kallocain, which denies the privacy of thought and is the final step towards the transmutation of the individual human being into a "happy, healthy cell in the state organism." For, says Leo, "from thoughts and feelings, words and actions are born. How then could these thoughts and feelings belong to the individual? Doesn't the whole fellow-soldier belong to the state? To whom should his thoughts and feelings belong then, if not to the state?" As the first-person record of Leo Kall, scientist, fellow-soldier too late disillusioned to undo his previous actions, Kallocain achieves a chilling power and veracity that place it among the finest novels to emerge from the strife-torn Europe of the twentieth century.
She is perhaps most famous for her poems, of which the most well-known ought to be "Yes, of course it hurts" (Swedish: "Ja visst gör det ont") and "In motion" (Swedish: "I rörelse"). She also wrote a few novels including "Kallocain". Inspired by the rise of National Socialism in Germany, it was a portrayal of a dystopian society in the vein of Orwell's Nineteen Eighty-Four and Huxley's Brave New World (though written almost a decade before Nineteen Eighty-Four). In the novel, an idealistic scientist named Leo Kall invents Kallocain, a kind of truth serum.
Boye died in an apparent suicide when swallowing sleeping-pills after leaving home on April 23, 1941.
Karin Boye, Lyrikerin, lebte von 1900 bis 1941, ist hauptsächlich durch den dystopischen Roman Kallocain (1940) bekannt. In diesem verarbeitet ein sechzigjähriger Chemiker namens Leo Kall sein Leben zwanzig Jahre zuvor, als er ein nach ihm benanntes Wahrheitsserum erfunden und an Menschen in einem totalitären Staat ausprobiert hat. Unter Einfluss der Droge können die Menschen nicht mehr die Maske aufrechterhalten und geben zu, worum es ihnen wirklich in ihrem Leben geht. Als Rahmenhandlung dient nun Leo Kalls eher problematisch, distanzierte, kühle Ehe mit Linda, mit der er drei Kinder hat, und die unter Applizierung der Droge keine so frohen Botschaften für Kall bereithält:
Ich will etwas sagen oder tun, und ich weiß nicht, was es ist. Vielleicht waren es eine Menge Kleinigkeiten, vielleicht Freundlichkeit, Wohlbefinden und Zärtlichkeit, und wenn sie unmöglich waren, dann war das Große und Wichtige auch unmöglich. Nur etwas weiß ich, und das weiß ich sicher: ich möchte dich töten. Wenn ich nur wüßte, daß es nie entdeckt würde, täte ich es. Was macht es übrigens aus, ob es entdeckt wird? Ich tue es trotzdem. Das ist immer noch besser als unser jetziges Leben. Ich hasse dich, weil du mich aus all diesem nicht retten kannst.
Kallocain mischt die Welt, die eines totalitären, alle überwachenden Staates, mit den Fortschritten der Menschheitskontrolle qua Pyschopharmaka und der bedrückenden Bedrohung von außen durch feindliche Mächte. Da der Staat aber gar nicht wirklich in Erscheinung tritt, wie alles in diesem Buch ein Schattendasein fristet, und nur die Eifersuchts-Paranoia Leo Kalls gegenüber seines Chefs inszeniert wird, zerfällt das Projekt in unzusammenhängende Bereiche, die zudem die Droge noch völlig überflüssig werden lassen.
Die Sterne funkelten noch ebenso klar, und ich erinnerte mich dar¬an¬, daß ihr pulsierender Lichtschein eine optische Täuschung war. Aber das bedeutete nichts. Was ich sah und hörte, konnten Täuschungen sein. Ihr Bild war doch nur aus meiner eigenen Vorstellungswelt geformt worden, einer inneren Welt, in der ich gewohnt war, mich selbst als eine trockene, verschrumpfte Schale zu sehen.
Die Wahrheit bedeutet in einer Welt der Lügen gar nichts, und das Wahrheitsserum bewirkt so auch nicht das, was es bewirken soll. Es bringt sogar nur selbstverständliche Dinge zum Vorschein. Kallocain liest sich eher wie ein Veto gegen die verwaltete Welt, gegen Bürokratie und Polizeistaatlichkeit und besitzt große Ähnlichkeiten zu Franz Kafkas Das Schloß und führt ähnlich wirr die Figuren durch die Labyrinthe eines Gemeinwesens, das dem Ich-Erzähler ein Buch mit sieben Siegeln bleibt. Unwissenheit und Unfähigkeit überzeugen jedoch höchstens in überbordenden, intensiven Rahmenbedingungen, die es hier nicht gibt. Der beschriebene Staat ist zahnlos wie die Drogen witzlos, leider, und der hakelige Stil wirkt wenig ausgearbeitet und mag mit den bedrückenden Zuständen des Entstehens des Roman zu tun gehabt haben. Als Zeugnis real-existierender Angst durchaus überzeugend, aber nicht als Erzählung.
--------------------------------- --------------------------------- Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich): --------------------------------- ---------------------------------
Inhalt: ●Hauptfigur(en): Leo Kall, schreibt als 60jähriger seine Lebenserinnerung ab dem Alter von 40, hat eine Ehefrau, Linda, und drei Kinder, einen ältesten Sohn Ossu, Laila und Maryl. Er arbeitet als Chemiker in der Chemiestadt Nr. 4. ●Zusammenfassung/Inhaltsangabe: 1) Der Ich-Erzähler, Leo Kall (LK), strebt nach sozialen Aufstieg, nach Karriere, danach, sich in den Hierarchien durchzusetzen. Er hat eine neue Droge entwickelt und erhält einen Kontrollchef, der ihm Versuche am Menschen durchzuführen erlaubt. LK ist aufgeregt, berichtet seiner Frau davon, hat aber Angst, dass es sich bei dem Kontrollchef um den ehemaligen Geliebten seiner Frau, Edo Rissen (ER), handelt. Zudem erhält er einen Brief vom 7. Büro des Propagandaministeriums [Grund wird im zweiten Kapitel gegeben]. 2) Zwei Monate vor dem Einsetzen des Plots hat LK als Polizeisekretär das Abschiedsfest abkommandierter Mädchen bewacht, auf der er eine missverständliche Rede abgehalten, in der er behauptet, Trauer würde auf ein größeres Opfer hinweisen als Freude, und eine trauernde Mutter sei stolzer auf den Staat als eine glückliche, wenn die Tochter in einen anderen Bezirk abkommandiert wird. Das Propagandaministerium lehnt die Rede ab und befiehlt eine Klarstellung. 3) Linda redet LK zu, will ihn aber vor einer allzu großen Unterwerfungsgeste behüten. Eine Art Begehren flammt zwischen ihn auf, aber die Spionagekameras in der Wohnung lassen dieses rasch verebben. 4) Der Kontrollchef erweist sich tatsächlich als ER. Die Versuchsreihe beginnt mit Nr. 135, der sich unter Drogeneinfluss über den freiwilligen Opferdienst beklagt. ER nicht sicher, ob Lügen nicht auch dem Staat zugutekommen. ER unterstellt LK ein ungewöhnliches gutes Gewissen zu besitzen, obwohl seiner Erfahrung nach keiner über 40 ein reines Gewissen hat. Der Satz hängt LK nach. Die nächste Versuchsreihe mit Ehepaaren, die sich unter Drogeneinfluss verraten sollen, geht schief, da die Ehepaare sich auch ohne Drogen verraten. LK schreibt am Abend die Entschuldigungsrede, die er im Radio zu sprechen vor hat. 5) LK beklagt den Zustand der Versuchspersonen, zu leicht einzuschüchtern, sodass fast keine Droge notwendig erscheint. Eine Ehefrau fühlt sich durch die Preisgabe des (vorgetäuschten) Geheimnisses ihrem Mann wieder stärker verbunden. Der Polizeichef Karrek (K) tritt hinzu. Er kann gerade davon abgebracht werden, die Ehefrau gefangen zu nehmen. 6) Eine Kadidja Kappori will LK besuchen. LK setzt sich dafür ein, dass sich Kadidjas Ehemann Togo Bahara nicht von ihr scheiden lässt, indem er ihn bedroht, ihn als asoziales Element zu entlarven. 7) Ein weiterer Proband erzählt unter Drogen von „ihre Sache“, einer Sekte der Toren. K wittert eine Verschwörung. Die Sekte trifft sich, redet, schweigt miteinander. Ein Ritual besteht darin, ein Messer mitzubringen, das Messer einem fremden zu geben, und neben dem Fremden, der das Messer gezückt hält, einzuschlafen (als Vertrauensbeweis). Es gibt einen Märtyrer namens Reor, der sich aus Gutgläubigkeit umbringen lassen hat. 8) LK und ER werden zum Laboratoriumschef Muili beordert. Sie sollen in die Hauptstadt, um dort die Droge vorzustellen. Sie fliegen in einem fensterlosen Gefährt ab. 9) Audienz beim Polizeipräsidenten Tuareg, der die Forschung im eigenen Hause unterstützt. ER gutmütiger, LK strenger, will den einzelnen als Werkzeug des Staates sehen, redet der totalen Unterdrücken das Wort. K beauftragt LK zum Propagandaministerium zu gehen, um dort die Verabschiedung eines Gesetzes über die Bestrafung von verbrecherischen Gedanken auf den Weg zu bringen, bei einer Lavris, und zwar nebenbei, nicht als direkte Petition. 10) Tuareg überzeugt von der Droge, setzt ihre Herstellung durch. LK geht zu Kalipso Lavris. Sie untersucht seinen Fall, schickt ihn weg. LK übergibt eine Liste mit Befürwortern einem Mann, der ihn auf eine Versammlung schmuggelt, im Filmstudiopalast, meint aber, er sei ein wenig zu spät auf den Zug aufgesprungen. 11) Trotz Zweifels findet er sich im Filmstudiopalast ein. Rede von Djin Kakumita über Filme und deren geistigen Effekt, wie gute Filme motivieren, wie Menschen für den Staat besser eingespannt werden. LK überkommen langsam Zweifel an der vollständigen Funktionalisierung, denkt an den heroischen Moment von Nr. 135, während Kakumita gegen Heroismus spricht. LK will eine Lanze für den einzelnen brechen, hält sich aber zurück, auf dem Weg aus dem Filmstudiopalast begegnet er einem Offizier von hohem Rang, der die Versammlung auflöst, da es keine Zeit mehr für Filme gibt im Krieg. 12) Aus der Hauptstadt zurück, LKs Differenzen mit ER steigern sich, insbesondere über die Sekte der Toren. ER provoziert LK mit der Wüstenstadt der Sekte. LK soll neidisch auf sie sein, auch mit der Ehe mit L geht’s bergab. 13) K gibt LK bekannt, dass das Gesetz über verbrecherische Gedanken durchgesetzt worden ist. K gibt LK die Möglichkeit, ein Todesurteil zu bewirken. LK hat einen Gefallen bei ihm gut. 14) Paranoia von LK steigt, fragt L, ob sie ein Verhältnis mit ER hat, träumt von der Wüstenstadt, dem freien Leben, überlegt, L die Wahrheitsdroge zu verabreichen, um endlich die Wahrheit über ER von ihr zu erfahren. 15) LK überwältigt L im Schlaf und spritzt ihr die Droge. L gibt zu, dass sie enttäuscht ist vom Leben mit LK, so enttäuscht, dass sie ihn töten will, weil das Glück ausbleibt, dass die Liebe eben nicht die Rettung geboten hat. Von einem Verhältnis mit ER ist nicht die Rede. LK denunziert ihn dennoch wegen des auffälligen Verständnisses gegen über der Sekte der Toren, markiert die Denunziation mit seinem Zeichen, auf dass Karrek das Urteil vollstrecken kann. 16) L spricht mit LK über ihr Leben, über ihre Kinder, wie sie von Kind zu Kind mehr die Singularität des Lebens kennengelernt, sich vom Staat entfernt hat, ein Leben für das Leben. 17) LK überkommt Reue, will ER retten, ruft K an 18) Es gab aber noch andere Denunziationen, und seine war auch zu ausgefeilt. ER bereits verklagt. LK besucht Karrek, dieser überträgt LK die Beauftragung vor Gericht die Befragung von ER vorzunehmen. ER vor Gericht redet über den Panzerwagen der Leere, wird zu Tode verurteilt. L verschwindet. 19) Bei einer Pflichtveranstaltung wird LK übel. Er geht auf die Terrasse. Eigenartigerweise ist der Flugzeuglärm verschwunden. Er verlässt das Gebäude, beschließt zu ERs Ehefrau zu gehen, plötzlich landen Fallschirmtruppen vor ihn. Die Stadt wird besetzt, von feindlichen Armeen. Er schließt sich als Chemiker an und arbeitet die nächsten 20 Jahre als Zwangsarbeiter. ●Kurzfassung: Ein Chemiker erfindet eine Wahrheitsdroge in einem totalitären Staat und kämpft gegen eine zugrunde gehende Ehe an. Er verdächtigt seinen Vorgesetzten, ein Verhältnis mit seiner Frau zu haben, spritzt deshalb seiner Frau die Droge, die sich aber nur über das gemeinsame Leben beklagt. Sie verschwindet daraufhin, der Vorgesetzte wird zu Tode verurteilt und der Staat von einer feindlichen Armeen besiegt und besetzt. ●Charaktere: (rund/flach) flach, unausgearbeitet, eher skizzenhaft. ●Überflüssige Szenen/Charaktere: relativ kurz, aber das Ende erscheint völlig überflüssig, der Krieg, die Fallschirmtruppen, das Verschwinden der Ehefrau. ●Besondere Ereignisse/Szenen: keine ●Diskurs: … der interessanteste Twist erhält der Roman dadurch, dass das Wahrheitsserum nicht wirklich geprüft werden kann. Die Probe, die sich die Wissenschaftler ausdenken, von einem Ehepaar den einen dazu anzustiften, eine Spionagetätigkeit vorzutäuschen, und den anderen dann mittels der Wahrheitsdroge Kallocain zu zwingen, die Wahrheit über den Partner auszusagen, geht schief. Dieser Test führt sogar dazu, dass sich manche Partner wieder näherkommen, weil ein Vertrauen (beim falschen Geständnis) vorgespielt wurde. Das also, was das Wahrheitsserum herausfindet, stellt sich als banal heraus – sowohl als der IE seiner Frau das Serum spritzt, wie als die Versuchspersonen Geständnisse ablegen, oder von dieser harmlosen Sekte der Toren berichten, die sich treffen und stumme Schauspiele veranstalten (mit einem Messer). Der Twist also besteht darin, dass es gar keine Notwendigkeit für diese Droge gegeben hat. Sie erlaubt eine Gesetzgebung, selbst für unangenehme Gedanken verhaftet zu werden, zu einem Zeitpunkt, als der Staat kurz vor der Eroberung steht. … alle unter Drogen gesetzte Personen zeigen, dass sie zutiefst, als Wahrheitsmoment, in sich, eine staatsferne Romantik tragen, also den Staat, so wie er sich zeigt, nicht im Detail, so gänzlich ablehnen, kritisieren, zurück zur Natur wollen. Ein Rousseauischer Gedanke. Der Plot besitzt keine Dynamik. Die Droge bringt nichts zu Tage, was nicht alle wissen, dass die Menschen in dem Staat unglücklich sind, unglückliche Ehen führen, entfremdet von der Natur, entfremdet von ihren Kindern. Die Selbsterhaltung als Prinzip führt zur Selbstabschaffung. Die Kontrolle führt zur Erstickung. Der Staat wird von innen geschwächt, bis er einfach von einer fremden Armee überrannt werden kann. … was geben die Leute unter der Droge zu: -Nr. 135: „Ich dachte, es wäre schön zu sterben. Man könnte mit den Armen schlagen, man könnte röcheln. Ich habe einmal jemanden im Heim sterben sehen – er schlug mit den Armen um sich und röchelte. Es war schrecklich. Aber es war nicht nur schrecklich. Man kann es nicht nachmachen. Aber seither habe ich immer gedacht, daß es wohl schön wäre, sich ein einziges Mal so benehmen zu können.“ -Ehefrau: „Wir werden einander verstehen und zusammen handeln, wenn wir etwas unternehmen. Ich werde ihm zur Seite stehen. Bei ihm brauche ich mich vor nichts mehr zu fürchten. Er hat ja vor mir auch keine Angst gehabt.“ -einer von der Sekte: „»Wir wollen sein – wir wollen werden – etwas anderes …« »So? Und was wollt ihr werden?« Schweigen. Ein tiefer Seufzer. »Wollt ihr einige bestimmte Posten besetzen?« »Nein, nein. Nicht so.« -Linda: „Nur etwas weiß ich, und das weiß ich sicher: ich möchte dich töten. Wenn ich nur wüßte, daß es nie entdeckt würde, täte ich es. Was macht es übrigens aus, ob es entdeckt wird? Ich tue es trotzdem. Das ist immer noch besser als unser jetziges Leben. Ich hasse dich, weil du mich aus all diesem nicht retten kannst.“ -Edo Rissen: „Ich bin ein Wesen, dem sie das Leben genommen haben … Und trotzdem, gerade jetzt weiß ich, daß dies nicht wahr ist. Das ist natürlich das Kallocain. Es macht mich so unvernünftig hoffnungsvoll, alles wird leicht und klar und ruhig.“ … also macht die Droge sie hoffnungsvoll, sie freuen sich, sie atmen aus, sie wollen sich befreien. Die Droge wirkt nicht wie eine Waffe. So wird sie nicht beschrieben. Es kommt zu Verurteilungen, aber im Hintergrund, und wahrscheinlich ohnehin aus konstruierten Gründen. Der ganze Plot fällt in sich zusammen. Die Eifersucht von Leo Kall fungiert als Symbol für die Paranoia des Staates gegenüber seinen Bürgern – beide haben es mit unglücklichen Gegenübern zu tun, die aber keine Gefahr ausstrahlen, und so wird ihr Leben zur Beute eines anderen. Schlecht gestrickt, unausgegoren. --> 1 Stern
Form: ●Eindruck: fürchterlicher Schreibstil, unerträglich holprig, hakelig, gestockelt, erinnert mich an Kafka, seltsame Präposition, ins Leere laufende Adversative, völlig unzusammenhängende Sätze und Aussagen, ins Nichts laufende Metaphern, sehr karg, sehr rudimentär ●Fiktionalitätsgrad: (diskursiv/Werk?) kaum, die Sprache bricht unter ihrem eigenen Bedeutungsanspruch in sich zusammen ●Auffälligkeiten: hastig geschrieben ●Innovation: keine --> 1 Stern
Erzählstimme: ●Eindruck: von Leo Kall, als Ich-Erzähler, in Retrospektive, insgesamt konsquent. ●Erzählinstanz (reflektiert, situiert, perspektiviert?): ja, alles drei ●Erzählverhalten, -stil, -weise: nüchtern, rationalistisch, gar nicht poetisch ●Einschätzung: langweilig, aber zweckgemäß, dennoch zeigt sich die Anlage als narrativ überzeugend, an der Erzählstimme hat es nicht gelesen --> 4 Sterne
Komposition: ●Eindruck: schlimm, die Setzung der Eifersucht am Anfang darf sein, auch grundlos, dass aber Linda einfach verschwindet, der Staat plötzlich überfallen wird, und Leo als Strafgefangener endet, überzeugt gar nicht. Weshalb schreibt er das überhaupt auf? Nichts wird beendet. Nichts plausibilisiert. Völlig unausgewogen, viel zu kurz, viel zu uferlos allegorisch. ●Signal/Noise-Ratio: so gut wie kein Noise, Erzählskelett ●Operative Geschlossenheit: nein, es gibt keine Logik, außer der, dass der Mensch im Kern gut ist und das Gute will, und keine Maschine darstellt. ●Rahmenstabilisierende Details: nein, der Flugzeuglärm höchstens ●Eindruck (szenisch/deskriptiv/Tempiwechsel): nein ●Extradiegetische Abschnitte: nein ●Lose Versatzstücke: nein ●Reliefbildung: kaum, ein wenig durch die Ortsveränderung ●Einschätzung: Inhalt und Erzählstimme und Form finden nicht zusammen. Das Buch wirkt beliebig und unabgeschlossen. Insbesondere das krasse Ende mit Krieg, die zwanzig darauffolgende Jahre mit der „Droge“ als große Erfindung. Nichts passiert. Gar nichts. --> 1 Stern
Leseerlebnis: ●Zusammenfassung: enttäuschend, mager, keine Atmosphäre, nicht durchkonstruiert. Konnte mich nirgendwo auch nur ansatzweise überzeugen. ●eigenständig? (Inhalt: ja/nein) na ja … ziemlich trocken ●glaubwürdig? (Erzählinstanz: ja/nein) atmosphärisch vielleicht ansatzweise, aber nicht von den Charakteren ●schön? (Sprache/Form: ja/nein) nein, auf keinen Fall ●stimmig?(Komposition: ja/nein) nicht im Ansatz, keine geschlossene Form ●ein zweites Mal lesen? Bestimmt nicht --> 1 Stern
Kallocain ist eine klassische Dystopie und braucht den Vergleich mit „1984“ und „Schöne neue Welt“ nicht scheuen. Die Geschichte spielt in einem totalitären, militärisch organisierten Überwachungsstaat, der seine Bürger systematisch unterdrückt. Es gibt Kameras und Mikrofone in jeder Wohnung, das Sozialleben wird durch Arbeit, Polizei- und Militärdienst auf ein Minimum reduziert und auch untereinander herrscht großes Misstrauen. Jeder sieht in jedem einen potentiellen Verräter und Staatsfeind. Da trifft es sich gut, dass der Protagonist und Chemiker Leo Kall gerade an einem Wahrheitsserum arbeitet, das die Zunge lockert und demnach jedem Menschen auch noch die geheimsten Gedanken und Gefühle entlockt. Der Weltstaat hat natürlich großes Interesse an diesem Mittel und auch Leo Kall sieht nur den Nutzen für die Ordnung, bis er Kallocain an den ersten Probanden testet…
Mein Eindruck: Ich bin ein großer Fan klassischer Dystopien und daher froh, dass ich mit Kallocain einen weiteren Titel aus diesem Genre entdecken durfte. Außerdem ist dieser Vertreter von einer Frau geschrieben und ich hoffe, dass er nicht deshalb weniger bekannt ist. Aufbau und Verlauf der Geschichte entsprechen dem klassischen Schema.
Die Autorin zeigt die negativen Veränderungen der Gesellschaft und des Zwischenmenschlichen durch totale Überwachung und ständiges Misstrauen. Die Menschen sind kalt, vorsichtig und distanziert, selbst zwischen Eltern und Kind kann durch räumliche und zeitliche Trennung keine tiefe Beziehung aufgebaut werden, denn letztlich würde ein jeder seinen Nachbarn, Partner oder Verwandten anschwärzen, wenn sich der Verdacht auf Verrat verhärtet. Diese beklemmende Atmosphäre verdichtet sich im Verlauf der Geschichte, denn es gibt keinen Ausweg aus dem System, wenn man niemandem trauen kann.
Die Staatstreue findet ihren traurigen Höhepunkt in der Institution des freiwilligen Opferdienstes aus dessen Personenkreis Leo Kall seine ersten Probanden erhält. Diese Gesellschaft mit all ihren geheimen Wünschen und Gedanken sorgte für einige gruselige und tieftraurige Szenen, die mir in ihrer Kritik sehr gut gefielen. Die wohlformulierte Sprache von Karin Boye gefiel mir dabei sehr.
Fazit: Eine klassische Dystopie, die in ihrer Botschaft nichts an Aktualität verloren hat und sehr deutlich zeigt wie eine Gesellschaft aussieht in der es weder Mitgefühl noch Geborgenheit gibt. Es steht nun völlig zurecht neben „1984“, „Schöne neue Welt“ und „Fahrenheit 451“ in meinem Regal.
Der Chemiker Leo Kall hat eine Substanz erfunden, die Menschen dazu bringt, die ungefilterte Wahrheit auszusprechen – das perfekte Mittel für den totalitären Weltstaat, in dem er lebt. Schnell wird man also auf ihn aufmerksam, und er soll die Wirkung seiner Wahrheitsdroge in der Hauptstadt demonstrieren. Doch der Erfolg schützt ihn nicht vor seiner Angst vor der eigenen Erfindung. Geplagt von Alpträumen beginnt er sogar, sich vor seiner eigenen Frau zu fürchten …
Boyes Dystopie steht in einer Reihe mit Romanen wie «1984» oder «Brave New World», die aus derselben Entstehungszeit stammen. Dass er hierzulande nicht bekannter ist, erstaunt – und erstaunt gleichzeitig nicht, da er von einer Frau geschrieben wurde. Mehr Aufmerksamkeit hätte er auf jeden Fall verdient.
Wirklich gutes Buch. Frage mich, warum man in der Schule nur 1984 und Schöne neue Welt liest, hiervon aber nie zu hören bekommt. Dabei gehört es mit zu den ganz Großen der dystopischen Literatur - nur eben von einer Frau.
Ich bin beeindruckt von diesem Roman, einer Dystopie, die mindestens gleichwertig steht mit den anderen großen Dystopien und ebenso bekannt sein sollte. Wobei nicht so sehr die (aber durchaus passable) Handlungsebene dieses 1940 erstmals veröffentlichten Texts fasziniert als vielmehr seine psychologische Tiefe und seine sprachliche Qualität.
Das hier ist eine Dystopie im Stil von 1984. ABER! Jede implikation ist bestens durchdacht, alles ist psychologisch sehr genau ausgeleuchtet und das ganze erschiedn noch VOR 1984. Ich finde es besser als die berühmten dystopischen romane. unbedingte leseempfehlung!
Beschreibung Was wäre, wenn selbst die Gedanken unfrei wären? Mit einer Wahrheitsdroge hat der Chemiker Leo Kall einen Weg in die Seelen seiner Mitbürger gefunden. Die neue Verhörmethode des Staates übernimmt die Kontrolle über die Menschen. Staatsfeindliche Gedanken werden entlarvt, alle Bürger auf Linie gebracht, Ehen gewöhnlich als reine Zweckgemeinschaft geschlossen, um dem Staat Kinder zu schenken. Doch im Geheimen regt sich Widerstand. Manche Menschen suchen Lebenssinn jenseits der offiziellen Doktrin. Auch Leo Kall beginnt zu zweifeln und seine Rolle als loyaler Mitsoldat in Frage zu stellen. Dennoch möchte er mit Hilfe des Wahrheitsserums herausfinden, ob seine Frau ein Verhältnis hat ...
Kurzmeinung Der Stil der Autorin ist sehr einnehmend, was den Einstieg und auch die weitere Lektüre ausgesprochen zugänglich machte. Insgesamt gefiel mir die Atmosphäre und der Ton der klassischen Dystopie sehr. Diese bedingungslose Verherrlichung des Staates ist beängstigend, erinnert sowohl an Vergangenes aber ein wenig erkennt man auch Parallelen zu Aktuellem, zum Beispiel dem Sozialpunktesystem, was zurzeit in China eingeführt wird. Dystopien halten der Gesellschaft eben einen Spiegel vor. Das ist der Autorin hier bereits 1940 meisterhaft gelungen. Bezogen auf die damalige Gesellschaft wie auf die heutige
Tolles Buch! Ähnlich wie 1984 von George Orwell wird eine Dystopie beschrieben, die durch den Weltstaat beherrscht wird. Um maximale Kontrolle zu erlangen, wird das Mittel Kallocain gespritzt, um die Gedanken und Zweifel der Menschen offenzulegen.
Das Buch wurde während des Aufstiegs der NS-Zeit geschrieben und liest sich wie ein heute verfasstes Buch. Super spannende Gedanken werden angeregt. Wie wichtig ist individuelle Entfaltung, Freiheit und Widerstand? Karin Boye‘s eigenen Erfahrungen und Gedanken sind in dieser fiktiven Geschichte sehr präsent.
Der Chemiker Leo Kall blickt zurück auf die Zeit vor seiner Verhaftung und will nun endlich nach unzähligen Jahren berichten, was damals geschah. In der Chemiestadt Nr. 4 arbeitete er in einem Labor und es gelang ihm ein sagenhaftes Medikament zu erfinden, das seinen Namen tragen sollte: Kallocain. Die Wahrheitsdroge führte dazu, dass die Versuchspersonen ihre Geheimnisse preisgaben und dem totalitären Staat ihre intimsten Gedanken verrieten. Schnell wird man auf ihn aufmerksam und lädt in gemeinsam mit seinem Vorgesetzten in die Hauptstadt ein, um der Staatsführung sein Experiment vorzuführen. Doch all der Erfolg kann Leo Kall nicht vor seinen Ängsten und Unsicherheiten schützen. Sein ganzes Leben lang wird er von Alpträumen geplagt und die für ihn nach all den Ehejahren immer noch offene Frage, ob ihn seine Frau Linda überhaupt jemals geliebt hat, lässt ihn eine Entscheidung mit schwerwiegenden Folgen treffen.
Karin Boyes Roman aus dem Jahre 1940 gilt als eines der wichtigsten schwedischen Romane des 20. Jahrhunderts. Ihr letztes Werk, bevor sie sich das Leben nahm, blickt in eine düstere Zukunft und ist stark beeinflusst von den Zeichen der Zeit. Die deutschen Vorfahren der Autorin haben sie immer wieder gen Süden blicken und beobachten lassen, was sich dort in den 1930er Jahren abspielte und wohin sich die Welt bewegte.
Leo Kall lebt im sogenannten Weltstaat, der mit seiner Überwachung und starren Struktur sowohl an die Ideen Hitlers anknüpfte wie auch an die stalinistische Sowjetunion erinnert. Ersteres kommt vor allem auch in der nur am Rande angerissenen Rassentheorie zum Ausdruck, der zufolge die Menschen im Weltstaat sich genetisch stark von jenen im verfeindeten Universaalstaat unterscheiden. Das Leben wird von Geburt an vom Staat bestimmt und gelenkt und spielt sich weitgehen unter der Erde ab, es bedarf einer Sondergenehmigung, um an die Oberfläche zu kommen. Die Gesellschaft ist stark kommunistisch ohne große Hierarchien geprägt, gleichzeitig durchdringt sie aber auch eine militärische Struktur, die sich beispielsweise in der Anrede als „Mitsoldat“ niederschlägt.
Interessant ist einerseits natürlich Kalls Erfindung namens „Kallocain“, die Wahrheitsdroge, die staatsfeindliche Gedanken aufdeckt und somit eine schnelle Reaktion auf konterrevolutionäre Strömungen erlaubt. Viel spannender fand ich jedoch den Charakter Kalls selbst, der fortwährend von Unsicherheit und Zweifel geplagt wird, der gefallen will und doch beinahe durchgängig starken Ängsten ausgeliefert ist. Letztlich ist das Gefängnis für ihn ein Ort der Befreiung, denn er ist die ihn beängstigende Freiheit im Staat losgeworden und die engen Mauern bieten ihm den Schutz vor sich selbst und seinen Gedanken, den er zuvor schmerzlich vermisst hat.
Boyes Roman steht in einer Reihe mit Dystopien wie „Schöne neue Welt“ oder „1984“, die in dieselbe Entstehungszeit fallen. Gerade weil Roman und Autorin einen starken Bezug zu Deutschland haben, ist mir unverständlich, weshalb er nicht weitaus bekannter bei uns ist. Vielleicht mag die Neuübersetzung daran etwas zu ändern, in der aktuellen Zeit kann es gar nicht genug erfolgreiche Literatur, die die Folgen extremer politischer Entwicklungen aufzeigt, geben.
1) wenn es nur halb so lange gewesen wäre, hätte man die Dystopie auch rüberbringen können.
2) der Protagonist ist so unfassbar unsympathisch und dumm. Gleich zu Beginn behauptet er, seine Frau betrügt ihn mit seinem Chef, warum er das glaubt wird nicht näher gebracht. Er ist sich seiner Sache 100% sicher, aber wie gesagt über 200 Seiten treffen sich diese zwei Personen nicht einmal und man fragt sich schon woher dieser Gedanke kommt.
3) und das stört mich wirklich am meisten. Dieses Buch wird als und ich zitiere da eine Kritik die am Buchcover drauf ist: „Die Frauen in vielen klassischen Dystopien aus dem 20.Jahrhundert sind gewöhnlich blass im Vergleich zu den männlichen Heldenfiguren. In Kallocain von Karin Boye ist das anders, hier geht es um die Frauen(…)“ ist eine bodenlose Frechheit. Es gibt eine Handvoll Frauen in diesem Buch, wobei auch nur eine(1!!!!!) einen Namen bekommt und zwar die Ehefrau des Protagonisten Linda. Linda kommt in den ersten zehn Seiten vor und darf dann auf Seite 200 zum allerersten Mal sprechen. WOOOOOW wie feministisch. Es geht sogar noch feministischer, sie hat einen dreiseitigen Monolog und kurz darauf verschwindet sie spurlos.
Ich bin überwältigt von so viel feminismus und so starken Charakteren wow
Spannung, Krise, Wandlung, Liebe, Mord, Krieg, alles da! Ein spannender Roman also, auch wenn mensch sich nicht weiter mit Karin Boye beschäftigt hat. Denn diese frühe Dystopie - im Jahr 1940, noch vor Orwells 1984 geschrieben - spiegelt offenbar Boyes Leiden im Leben: Sie beschreibt eine Welt der Einsamkeit. In dem wohlüberwachten, rationalen Staat, in dem jeder "Mitsoldat" den anderen überwacht und zum Mißtrauen angehalten ist, sehnen sich die Menschen doch eigentlich nach Kontakt, nach Liebe und Berührbarkeit. Boyes Gedicht "Das Beste" spricht die selbe Sprache. Gleichzeitig verarbeitet sie wohl die Enttäuschung über den totalitären Pseudo-Kommunismus in Russland, das sie als engagierte Linke besucht hatte und die Entwicklung in Deutschland.
Ein zeitloses Buch also und dennoch - mit ein paar Infos über die Autorin, klar als ein Produkt ihres Lebens und ihrer Zeit zu erkennen.
Endzeitvision eines totalitären Regimes, in der die Wahrheitsdroge Kallocain eine zentrale Rolle spielt. Wer 1984 kennt und mag, wird sich auch mit diesem Roman anfreunden können.
»Kallokain« erschien 1940 im schwedischen Original als letzter Roman der Autorin Karin Boye. Sie studierte 1920, als das noch sehr wenige Frauen taten, und wurde zu einer Größe der schwedischen Literatur im 20. Jahrhundert, bevor sie sich mit nur 40 Jahren das Leben nahm. Sie verarbeitete in diesem Werk die beiden totalitären Systeme der damaligen Zeit, mit denen sie in Berührung kam: die stalinistische Sowjetunion und das nationalsozialistische Deutschland.
Wir begleiten den Protagonisten Leo Kall, der rückblickend von seinem Leben in einem totalitären Staat erzählt, wo er als Chemiker tätig ist und eine Art Wahrheitsserum hervorbringt, das die Probanden dazu bringt, ihre tiefsten Gedanken und Gefühle zu äußern, die sie sonst für sich behalten würden. Der nicht genauer benannte »Weltstaat«, der in diesem Werk beschrieben wird, dringt vollständig in das Privatleben seiner Bürger ein und daher besteht äußerst großes Interesse daran, auch die letzte Hürde, die Gedankenwelt, noch zu nehmen. Die gleichförmigen, knapp bemessenen Wohnungen sind mit Bild- und Tonübertragung überwacht, bis hinein ins ehleliche Schlafzimmer, daher ist es so gut wie unmöglich, ein privates, ehrliches Gespräch zu führen. Dies wirkt sich natürlich auf die zwischenmenschlichen Beziehungen aus, die quasi nicht existent sind. Intensivere Gefühle füreinander können kaum entstehen. Zwar werden noch Kinder gezeugt und dies ist auch vom Staat erwünscht, doch diese werden in externen Einrichtungen von Staatspersonal erzogen. Die Abwesenheit von Vertrauen führt dazu, dass man in jedem Menschen einen potentiellen Verräter sieht, selbst innerhalb der eigenen Familie. Diese Abkehr vom Individuum und Zusammenhalt in der Bevölkerung hin zur vollständigen Aufopferung für den Staat wird hier sehr drastisch und überspitzt aufgearbeitet, doch der Weltaufbau gefiel mir wirklich unheimlich gut.
Weniger warm wurde ich mit der Hauptfigur. Man merkt ihm zwar aufgrund des Erzählens im Nachhinein eine gewisse Emotionalität an, aber es war für mich teilweise fast anstrengend, seinen Gedanken zu folgen, die sehr lang von seinem engstirnigen Weltbild bestimmt sind. Das er kein Sympathieträger ist, ist natürlich Dreh- und Angelpunkt des Buches, dennoch habe ich mich manchmal trotzdem an ihm gestört.
Es hat einen gewissen Anspruch, liest sich aber schöner und spannender als so manch andere klassische Literatur und bringt es durch seine Kürze auf den Punkt. Da das Buch nicht erkennen lässt, zu welcher Zeit oder an welchem Ort es spielt, büst es nichts an Aktualität ein. Zwar bietet der Handlungsstrang keine riesigen Überraschungen, dennoch bin ich der Meinung, »Kallocain« ist ein Klassiker, den jeder gelesen haben sollte und der sich auch problemlos lesen lässt. Greift ruhig einmal dazu.
Kallocain hat mich getroffen. einerseits ist die Veranschaulichung eines totalitären Staates und wie dieser denkt und handelt sehr einleuchtend. wenn man an die Möglichkeiten der heutigen Technologie denkt, die sozialen Medien und KI, wird einem schon ein bisschen flau im Magen. wie sehr von unserer privaten und inneren Welt sollten wir tatsächlich freigeben? macht es Sinn, sich zu sorgen? andrerseits habe ich schon lange nicht mehr darüber nachgedacht wie schön der Individualismus unserer Zeit auch ist. er halt viele dunkle Seiten, aber es ist schon schön, dass ein jeder seine Eigenheiten hat und das grundsätzlich als was Wünschenswertes angesehen wird
Ich denke je nach politischer Ausrichtung kann man wahrscheinlich entweder antikommunistische Werte rein lesen oder versteht es eben als eine durchaus kommunistische Kritik am totalitären Staat. Alle die mich kennen wissen, wie ich das sehe.
Noch eine Sache: das Nachwort (hätte besser sein können) hebt den Wandel der Sprache im Laufe des Buches hervor. Wäre mir nicht so aufgefallen, ich bin eine ziemliche Laie, aber ich Checks jetzt. Toll!
Damit habe ich drei der vier klassischen Dystopie-Romane um die Kriegszeit gelesen. Ich finde es deutlich besser gealtert als Huxleys „Schöne neue Welt“. Die Wandlung ist hier auch noch etwas subtiler als bei Huxley und Orwell.\r\n\r\nPS: Was für eine krasse Person Boye war.
Der Stil des Textes ist in der ersten Person, ziemlich aufwendig, komplex und nicht einfach zu lesen, aber das gesamte Werk ist fast mehr Aufmerksamkeit wert als andere berühmtere dystopische Bücher. Das Buch war für mich die Entdeckung seiner Autorin
Eine sehr gelungene Dystopie aus dem 20. Jahrhundert, bei der klar wird, dass totalitäre Regimes auf die Entmenschlichung jedes Einzelnen setzen. Sehr empfehlenswerte Lektüre.