Deutschland ganz unten, Deutschland ganz oben – und mittendrin: Stuckrad-Barre, mit Stift, Papier und Kamera
Im Jahr 2001 brachte er »Deutsches Theater« heraus, den »Fotoroman einer Gesellschaft, die nur in der Öffentlichkeit und im Rollenspiel noch zu sich selbst zu kommen vermag« (FAZ). Nun erscheint die Fortsetzung: Reportagen, Porträts, Erzählungen, Mono- und Dialoge – ein Sittengemälde unserer Zeit.
Mit seinem Verfahren der teilnehmenden Beobachtung findet Stuckrad-Barre Momente der Wahrheit inmitten von Vorgängen, die genau diese verschleiern sollen. Dabei wechselt sein Blick permanent zwischen außen und innen, so dass nicht nur Erkenntnis über all die anderen Menschen, sondern auch über ihn, den Zuschauer, aufblitzt. Und so entsteht aus vielen Einzelbeobachtungen ein deutscher Klappaltar, aus vielen Texten eine Großerzählung, archäologisch blicken wir auf unsere Gegenwart: Das sind die Fragen, Personen und Orte, die uns bewegen – das sind die Bedingungen, unter denen wir leben.
Possibly Germany’s most well-known young author of the past 15 years, von Stuckrad-Barre stands at the forefront of a new literary movement that moved from Germany’s wartime past and into the 21st century.
After working for Rolling Stone, von Stuckrad-Barre’s 1998 book Soloalbum (written when he was only 23) captured the emotions of young love to the soundtrack of Oasis and Pearl Jam. After the follow-up Livealbum, von Stuckrad-Barre embarked on various ambitious projects. His self-described goal has always been to reflect “what is going on [in the world]”, and he continues to do so in unconventional ways, sometimes being refered to as the ‘bad boy’ of the German literary scene.
„Auch Deutsche unter den Opfern“ war, wie erwartet, ein kurzweiliges Buch. Deswegen habe ich es ja auch gekauft: Um nett etwas lesen zu können über Dinge, von denen ich in den vergangenen Jahren sowieso schon gehört hatte, Dinge, die uns in Deutschland so umtrieben. Das Ganze ergibt tatsächlich eine Art Innenansicht Deutschlands, mit allen möglichen Facetten. Nett ist, dass Stuckrad-Barre hier und da wirklich nah an die Leute rankam, die er beschreibt – zum Beispiel Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier, Udo Walz, Udo Lindenberg oder Günter Grass. Da erfährt man einiges Erhellende. Manches ist richtig doll recherchiert, zum Beispiel die lange Geschichte über Falco und alles, was nach seinem Tod so geschah. Über einiges ärgerte ich mich aber auch wieder, wie immer, wenn ich was von BSB lese: Erstens: Er beschreibt zwar atmosphärisch, was so um ihn herum passiert, aber manchmal ist das zu wenig, zu banal, man hat keinen Mehrwert, man hätte es selbst auch so schreiben können. BSB kauft sich Winterstiefel. Na und? Die Sprache hat da auch nichts Neues oder Witziges, über das man sich wenigstens freuen könnte, wie zum Beispiel bei Max Goldt. Zweitens: Es scheint wieder der verzweifelte Versuch durch, cool zu wirken, sich über die blöde Masse zu erheben, auf jeden Fall den richtigen Geschmack zu besitzen. BSB verbirgt es zwar ganz gut, aber in dieser Häufung nervt es, ständig kompromisslos seine Meinung um die Ohren gehauen zu bekommen, vor allem, weil er so oft das Wort „man“ benutzt. Das ist typisches NEON-Geschreibsel: Man versucht, die eigene „coole“ Meinung als die allgemein vorherrschende vorauszusetzen. Jaja, MAN kann natürlich Heinz Rudolf Kunze nicht ausstehen, gähn. Ganz hübsch also zum Zwischendurchlesen, aber es gibt auch Geistreicheres!
Auch Deutsche unter den Opfern ist eine Sammlung von Artikeln, geschrieben von Benjamin von Stuckrad-Barre, veröffentlicht im Zeitraum von roundabout 2006-2011. Die Texte handeln meistens von Politik und Musik. Meine Lieblingsreportagen waren: Polizeistreik, Paparazzi, und Tom Cruise auf dem roten Teppich.
Es gibt einem eine gute Zusammenfassung was gerade in Deutschland los war zu der Zeit, aber auf eine immer unterhaltsame Art.
Ein paar Aufsätze ganz wunderbar, ein paar Aufsätze in Ordnung. Mir haben am besten die Texte zu zu Merkel, Westerwelle und co gefallen. (Vergangener) Zeitgeist durch Stuckis Brille, am besten vorgelesen vom Autor selbst. Warum Christian Ulmen auch liest habe ich nicht ganz verstanden.
Uff, das war so, wie einen Stapel Zeitungen von 2008 im Keller zu finden und durchzulesen (OK, hauptsächlich das Feuilleton) - kann man machen, ist aber sinnlos! Wobei, vieles ist immernoch erschreckend aktuell. Was eher etwas über uns als Gesellschaft als über die Qualität des Buches aussagt..
Dieses Buch ist eine Sammlung von Momentaufnahmen aus/von Deutschland um das Jahr 2009 herum. Dabei geht es vornehmlich um öffentliche politische, gesellschaftliche und künstlerische Themen. Heute liest sich das Buch vermutlich sogar interessanter als zur Entstehungszeit, weil manche Dinge, die damals sehr präsent waren, schon fast vergessen sind. Die kurzen Kapitel schwanken zwischen Belanglosigkeit und (empfundener) großer Bedeutung. Die Texte sind immer dann gut, wenn sie in lakonischem und ironisch-sarkastischem Ton gehalten sind (was meistens der Fall ist), leider gibt es aber auch einige plumpe Meinungstiraden, wie etwa jene, die sich so zusammen fassen lassen: Günter Grass = doof, Udo Lindenberg = super. Darauf hätte man gerne verzichten können.
Nach Stuckrad-Barres Autobiografie hier also eine seiner zahlreichen Kolummensammlungen. Diese hier dreht sich vor allem um das Jahr 2008. Vieles ist okay bis interessant, der Schreibstil weiß einfach zu gefallen. Insgesamt geht da aber mehr.
never again Stuckrad-Barre, Blackbox (2001) was already awful but since the author and I share the same birthday, I was willing to give him a second chance 10 years later - he is still a snob!