„Auch Deutsche unter den Opfern“ war, wie erwartet, ein kurzweiliges Buch. Deswegen habe ich es ja auch gekauft: Um nett etwas lesen zu können über Dinge, von denen ich in den vergangenen Jahren sowieso schon gehört hatte, Dinge, die uns in Deutschland so umtrieben. Das Ganze ergibt tatsächlich eine Art Innenansicht Deutschlands, mit allen möglichen Facetten. Nett ist, dass Stuckrad-Barre hier und da wirklich nah an die Leute rankam, die er beschreibt – zum Beispiel Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier, Udo Walz, Udo Lindenberg oder Günter Grass. Da erfährt man einiges Erhellende. Manches ist richtig doll recherchiert, zum Beispiel die lange Geschichte über Falco und alles, was nach seinem Tod so geschah. Über einiges ärgerte ich mich aber auch wieder, wie immer, wenn ich was von BSB lese: Erstens: Er beschreibt zwar atmosphärisch, was so um ihn herum passiert, aber manchmal ist das zu wenig, zu banal, man hat keinen Mehrwert, man hätte es selbst auch so schreiben können. BSB kauft sich Winterstiefel. Na und? Die Sprache hat da auch nichts Neues oder Witziges, über das man sich wenigstens freuen könnte, wie zum Beispiel bei Max Goldt. Zweitens: Es scheint wieder der verzweifelte Versuch durch, cool zu wirken, sich über die blöde Masse zu erheben, auf jeden Fall den richtigen Geschmack zu besitzen. BSB verbirgt es zwar ganz gut, aber in dieser Häufung nervt es, ständig kompromisslos seine Meinung um die Ohren gehauen zu bekommen, vor allem, weil er so oft das Wort „man“ benutzt. Das ist typisches NEON-Geschreibsel: Man versucht, die eigene „coole“ Meinung als die allgemein vorherrschende vorauszusetzen. Jaja, MAN kann natürlich Heinz Rudolf Kunze nicht ausstehen, gähn. Ganz hübsch also zum Zwischendurchlesen, aber es gibt auch Geistreicheres!