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Nicht umsonst galt Austs ebenso präzise wie unvoreingenommene Chronik der Ereignisse vom Juni 1967 bis zum "Deutschen Herbst&" 1977 schon bald nach Erscheinen der Erstauflage als Standardwerk. Die Eliminierung von Fehlern, die Anreicherung mit weiteren Details und die Illustration mit Fotos, die der Autor für die dritte Ausgabe geleistet hat, wird diesen Anspruch sicherlich weiter zementieren. Erstehanderfahrungen und die persönliche Bekanntschaft mit etlichen Akteuren der RAF und deren Umfeld machten das Buch seit jeher so einzigartig und authentisch. Dabei hat es der Sache nur wenig Abbruch getan, dass Aust, der sich seine ersten Sporen noch unter der Ägide von Ulrike Meinhof bei der linksradikalen Postille Konkret verdiente, mit dem Verdikt des Revisionisten und Karrieristen im inneren Zirkel der RAF stets auf eine Mauer des Schweigens stieß. Durchbrochen lediglich von einer Handvoll Renegaten, die sich vor allzu unvorsichtigen Äußerungen freilich gehütet haben dürften, um ihre Bewährung nicht zu gefährden.
Vor allem im Umgang mit ihnen und den offiziellen Quellen, die noch immer weit davon entfernt sind, ungefiltert zu sprudeln, ist investigatives Gespür gefragt. Und über ein solches verfügt der alte Hase des Enthüllungsjournalismus zweifellos in einem weit höheren Maße als die meisten anderen Publizisten, die sich in den letzten Jahrzehnten mit der RAF auseinandergesetzt haben. Trugen bei der Neuausgabe von 1997 vor allem Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) sowie Aussagen einiger in der DDR untergetauchter RAF-Mitglieder zur weiteren Erhellung des dunkelsten Kapitels der deutschen Nachkriegsgeschichte bei, so kreist Austs Spot diesmal über den zwielichtigen Machenschaften westdeutscher Geheimdienstler, die er schon in seiner TV-Dokumentation beleuchtete. Auch in dieser Hinsicht eine erhellende Lektüre! Roland Detsch, literaturanzeiger.de
660 pages, Paperback
First published January 1, 1985
Einige meinten, [beim Zerstechen der Reifen] habe sich wohl um den Racheakt des Besitzers eines der beschädigten Wagen gehandelt. Ulrike Meinhof setzte zu einer umfangreichen politischen Begründung an: »Ich halte das für bedeutsam und für einen berechtigten Akt der Notwehr des Bürgers beziehungsweise der Selbsthilfe, die nicht auf polizeiliche Maßnahmen wartet.« Sie zog Parallelen zu den Selbsthilfeaktionen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung.
Beate Sturm widersprach: »Für mich sind das nichts weiter als faschistische Umtriebe.«
»Nein, das ist ein Akt der zum politischen Bewußtsein erwachenden Volkswagenbesitzer gegenüber dem wohlhabenden Mercedes-Fahrer. Das ist ein Fortschritt in Richtung auf das politisch bewußt werdende und selbst handelnde Proletariat.«
Some thought the puncturing of the tires was an act of revenge of the owners of the damaged cars. Ulrike Meinhof started to create an extensive political interpretation: 'I think this is an important and a justified act of defense by the citizen or perhaps self-help that does not wait for help from the police.' She connected her arguments to the self-help actions of the American civil rights movement.
Beate Sturm countered: 'For me that's nothing but fascist action.'
'No, this is an act of a Volkswagen owner, who's political consciousness has awoken, against the rich Mercedes driver. So this is progress in the direction of a growing politically aware and self-acting proletariat.'