Der Roman beschreibt eine nahe Zukunft nach einem Zusammenbruch aufgrund des Klimawandels der eine deutliche Veränderung unseres Lebens nach einem Klima-Ereignis nach sich führt.
Also eine ähnliche Thematik wie in Kim Stanley Robinson's "Das Ministerium für die Zukunft" beschrieben. In diesem Roman sind die Änderungen jedoch gravierender, trotzdem halten sich die postapokalyptischen Tendenzen in Grenzen. Es ist keine apokalyptische Erzählung, auch wenn die katastrophalen Klima-Ereignisse, die die erwachsenen Perspektivfiguren in ihrer Jugend erlebt haben, apokalyptische Züge haben. Brände, Überschwemmungen, Katastrophen. In der Vergangenheit der Perspektivfigur Larch, und auch seiner Frau, Kristina, sind all die Dinge geschehen, die sich jetzt bereits abzeichnen und die auch in "Das Ministerium für die Zukunft" und ähnlichen Büchern erwähnt bzw. beschrieben werden. Die dritte Perspektivfigur ist Larchs und Kristinas Tochter Emi (Emiliana), die fünfzehn Jahre alt ist. Ihre Sichtweise ist interessant, denn sie ist geboren worden, nachdem die schlimmste Krise vorbei war, die Welt sich geändert hat, die Menschen sich an die neue Welt angepasst haben, ihre Wohnräume entsprechend gewählt haben und nun mit dem Halbe-Welt-Konzept leben. Die halbe Welt steht leer (nur die indigene Bevölkerung darf dort noch leben), alle anderen leben nahe den Polkappen. Larch, Kristina und Emi leben in Nuuk, in Grönland. Erwachsene müssen aber einige Wochen im Jahr einen Extraktionsdienst leisten, hierfür reisen sie auch an andere Orte, wie New York. Larch lässt sich hiervon in der Regel befreien, während Kristina freiwillig mehr Dienste übernimmt, als sie eigentlich müsste.
Die Diskrepanz zwischen Larch und Kristina ist auch ein wichtiges Thema des Romans. Als junge Menschen haben sie ähnliches durchgemacht. Beide haben ihre Familien unter grausamen Umständen verloren und blieben alleine zurück. Beide haben über ihr Alter gelogen, um aktiv dabei mitzuhelfen, die Welt zu retten und haben dabei ihr Leben riskiert und fast verloren. Sich dann verliebt und offenbar etwas anderes im Kopf gehabt, als es um die Planung des weiteren Lebens ging, obwohl sie beide dieselben Worte verwendet haben.
Larch will Normalität, will Frieden, denkt, er sei schon angekommen. Kristina hingegen will weiterkämpfen. Für sie ist das Ziel noch nicht erreicht. Noch ist die Welt nicht sicher. Also geht sie mit Gleichgesinnten im Untergrund dazu über, die "Klimaverbrecher" zu bestrafen, indem sie umgebracht werden. Demzufolge steht dieser Terrorismus deutlich über dem, was Kim Stanley Robinson in seinem Roman beschrieben hat. Im ganzen Roman versucht Kristina ihrem Mann und ihrer Tochter die Notwendigkeit dieser Tötungsaktionen zu verdeutlichen. In Rückblicken, besonders in Emis Schulaufsätzen, die in Form von Interviews mit ihren Eltern dargeboten werden, wird die Vergangenheit lebendig. Emi, in sicheren Verhältnissen geboren, die nie einen Verlust erleben musste, erlebt darin beide Eltern und macht nun ihre eigenen Erfahrungen.
Wie gesagt, fand ich den Roman einerseits sehr spannend, aber auch die Charaktere gut gewählt und fantastisch beschrieben, besonders die Struktur des Romans fand ich überzeugend, der die Vergangenheit durch Gespräche und Erfahrungen sehr plastisch hervorbringt, aber auch die Gegenwart wird fesselnd und sehr spannend darstellt, ein überraschender Roman...