Kann eine Comedian ein Sachbuch schreiben? Vor allem, wenn es sich um Caroline Kebekus handelt, die bekanntlich kein Blatt vor den Mund nimmt? Wer sie von der Bühne bzw. ihren Shows kennt, wird wissen, dass sie Feministin ist. Und hat dies nun in einem Buch thematisiert und zeigt, wo die Frau in unserer Gesellschaft steht. Ist es Mimimi-Buch, in dem eine Frau wieder mal jammert, wie ungerecht die Welt ist? Ich denke, dass im Zuge meines Reviews diese Fragen beantwortet werden.
Ich lese das Buch als Mann. Aber nicht als total verblödeter Mann, sondern einer, der beobachtet und viele Dinge wiedererkannt hat, die Kebekus in ihrem Buch auflistet. Sie durchstreift viele Lebensbereiche, die zum Teil allgemein bekannt sind, aber auch welche, die ihrer eigenen Karriere geschuldet sind. Und an allen Ecken und Kanten zeigt sie auf, wie Frauen vergessen oder nicht würdevoll behandelt werden. Sie schaut dabei in die Vergangenheit, aber auch in die Gegenwart.
Die Themenbandbreite wird nicht unbedingt alle Leser und Leserinnen ansprechen. Aber vielleicht ist es ja dennoch interessant, über den Tellerrand zu schauen? Für mich war es das auf jeden Fall.
Es ist manchmal erschreckend, wie tief das Patriachat in der deutschen Gesellschaft verankert, so dass viele auf subtile Weise es gar nicht mitbekommen. Inklusive der Frauen. Auch das thematisiert Kebekus in diesem Buch und zeigt, dass man manchmal ein wenig nachdenken muss, um sich bewusst zu werden, wie sehr die Frauen einfach vergessen werden.
Nur weil eine Comedian ein Sachbuch veröffentlicht, das gut recherchiert ist, muss es ja nicht gleichzeitig bedeuten, dass es sachlich objektiv ist. Nein, die Autorin packt sehr viele persönliche Statements und Kommentare zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen, so dass nicht nur ein bunter Mix aus Fakten und ihrer Meinung entsteht, sondern das Buch bekommt eine persönliche Note. Getreu dem Motto, wo Kebekus draufsteht, muss auch Kebekus drinnen sein, ist die Sprachwahl über weite Strecken so gewählt, wie ich es aus ihren Auftritten kenne. Teilweise sehr umgangssprachlich und frivol und gespickt mit Wörtern, die ich nicht nennen sollte. Und wenn sie mal zu sachlich wird und der Sprachstil diesen Touch verliert, fällt es direkt auf. Ja, tatsächlich sogar ungewohnt. Und das schreibe ich so, weil sie genau sowas in ihrem Buch anmerkt, dass Frauen der Intellekt abgesprochen wird. In diesem Buch ist es auf diese Weise direkt erlebbar.
Fazit
Ich teile nicht alle Ansichten von Carolin Kebekus. Das muss ja auch niemand, denn dafür liebe ich Deutschland, dass jeder seine Meinung kundtun darf. Dafür mag ich ihren Humor und die Art und Weise, wie sie Dinge auf den Punkt bringt. Und genau das muss der Leser mögen, um Gefallen an diesem Buch zu finden. Die Autorin hat zwar sehr viele Aspekte in diesem Buch genannt, die wissenschaftlich fundiert und mit Quellen belegt sind, aber nochmal mehr nimmt sie ganz subjektiv Stellung zu allen Themen. Mir hat dieser Mix gefallen.
Man muss übrigens kein Frauenversteher oder Feminist bzw. Feministin sein, um dieses Buch zu mögen. Man muss aber sehr wohl mit der Art der Autorin (als Künstlerin) zurechtkommen.