3,5 Sterne
In "Hustle Harder, Hustle Smarter" geht Curtis Jackson aka 50 Cent auf die Parallelen des Erfolgs ein, die sich seiner Meinung nach in jeder "Welt" finden. So seien diese sowohl auf der Straße, im Musikgeschäft und in der Geschäftswelt, insbesondere der TV-Produktion, gegeben. Diese Parallelen versucht Jackson in seinem Buch anhand autobiographischer und teilweise schon anekdotischer Ereignisse zu belegen und in 9 Prinzipien zu gießen. Diese sind mit jeweiligem TL;DR: [Ich weiß nicht warum die Namen hinten in den Zusammenfassung teilweise anders lauten]
(1) Sei furchtlos
Die meisten Situationen der modernen Welt lassen sich mit Furchtlosigkeit besser meistern. (Hier insbesondere Straßenanekdoten)
(2) Entwickle das Herz eines Hustlers
Wenn du das Herz eines Hustlers hast, dann sind Rückschläge dir egal. Nur Hustler können letztendlich langfristig Erfolg haben, da Rückschläge statistisch gesehen, einfach sehr wahrscheinlich sind.
(3) Wie man ein gutes Team zusammenstellt
Niemand schafft es alleine. Du musst den Leuten vertrauen können. Wenn du allerdings nur mit alten Freunden zusammenarbeitest, dann stagniert deine Entwicklung und die dessen, woran ihr arbeitet. Man muss also eine gute Balance zwischen Loyalität und Potential finden.
Wenn du Regeln aufstellst, die dem Allgemeinwohl dienen, musst du diese auch rigoros durchsetzen.
Zum guten Führen gehört auch individuelles Motivieren.
"Wenn man einen Haufen Wölfe in seinen Kreis holt, sollte man sich darum kümmern, dass sie gefüttert sind."
(4) Kenne deinen Wert
Man sollte auf langfristige Erträge aus sein. Nimm deswegen nicht die erstbeste Gelegenheit, sondern die beste. Bei Verhandlungen verliert immer der, der etwas Bestimmtes mehr will und weniger flexibel ist. Man sollte in Verhandlungen immer dafür kämpfen sich nicht unter Wert zu verkaufen, aber nicht beleidigt sein, dass man überhaupt kämpfen musste. Man sollte einfach anfangen; sog. "Gatekeeper" (Menschen oder Institutionen, die dich von Ressourcen abhalten, also bspw. früher ein Musikstudio) gibt es immer weniger (Bsp. heute kann man einfach am Computer einen Song aufnehmen und auf YouTube veröffentlichen). Praktika (damit sind auch Dinge gemeint, die eigentlich nicht als Praktikum bezeichnet werden können), wo Erfahrung gesammelt werden kann, sind unbezahlbar.
(5) Entwickle dich weiter oder stirb
Akzeptiere kein Status-Quo. Weder deines noch das deiner Umgebung. Lasse dich auf andere Perspektiven ein; nur so kannst du wachsen.
"Wahnsinn ist immer das Gleiche zu tun aber jedes Mal etwas Anderes zu erwarten."
(6) Die Macht der Außenwahrnehmung
Sei dir deiner Außenwirkung bewusst, denn der erste Eindruck zählt! Achte bspw. auf gute Kleidung. Der Stil ist weniger wichtig als die Tatsache, dass die Leute sehen, dass du dir Mühe gegeben hast. Halte deinen Körper in gesundem Zustand. Wenn du eine Sache wirklich willst, dann tue so als ob du sie überhaupt nicht brauchst. Zeige zwar, dass du sie gerne hättest aber bettele nicht um sie. Du musst eine
(7) Wenn wir schon keine Freunde sind
Am besten ein Freund, doch lieber ein Feind als gar nicht auffallen. Wer auffallen will, sollte polarisieren. Führe Buch über deine Konkurrenz, um Schwächen und Stärken herauszufinden. Es sollte nicht dein Ziel sein Konflikte oder Wettbewerbe zu suchen aber es sollte ebenso kein Problem sein dich auf welche einzulassen, wenn sie kommen.
(8) Lerne aus deinen Fehlern
Man sollte Rückschläge als Ansporn betrachten die Dinge neu anzugehen. (Eigentlich ziemlich ähnlich wie (5)).
(9) Vermeide die Anspruchsfalle
Manche Menschen sind nicht für den Erfolg gemacht. Du kannst sie nicht dazu bringen und solltest Abstand nehmen. Du alleine hast die Verantwortung. Niemand ist dir etwas schuldig. Mit dieser Annahme wirst du nie enttäuscht.
Die meisten Menschen wollen nicht wirklich Freiheit, denn zur Freiheit gehört auch Verantwortung." - Sigmund Freud
Anhand der Zusammenfassungen lässt sich sehen, dass eigentlich ein Großteil der Inhalte keine Neuerfindungen sind und man alles schonmal gehört hat. "Neue Ideen" zu liefern ist allerdings wohl auch wahrscheinlich nicht das Ziel des Buches. Vielmehr soll es wohl die wichtigen Dinge hervorheben und vor allem klarmachen. Jackson fungiert dabei in gewisser Weise wie ein Boxcoach, der natürlich eigentlich hauptsächlich inspiriert, motiviert und diszipliniert, allerdings wenig mehr als "kluge Tipps" und generelle Strategien vorgibt. Genau wie der dazugehörige Profiboxer muss man letztendlich dann noch auf den im Ring anzutreffenden Widerstand selber in kurzer Zeit reagieren und kann nicht bei jeder einzelnen Entscheidung den Coach konsultieren. Folglich sind die Erfahrungen, die Jackson weitergibt, natürlich zwangsläufig geprägt durch seine eigene Erfolgsgeschichte und müssen, da er ja schließlich den Anspruch hat nicht nur Rappern aus Queens zu helfen, zwangsläufig sehr allgemein sein. Deswegen sind die Überschriften auch in manchen Fällen sehr allgemein gefasst und lassen die Inhalte deswegen auch recht weit von dem eigentlichen Thema, das über der jeweiligen Seite postuliert wird, abdriften.
Das Buch baut zwar auf der primären Prämisse, die oben genannten Prinzipien zu vermitteln, geht allerdings mit dieser Designation recht locker um und hat so, wie erwähnt, zuteilen eine starke autobiographische, zuweilen insbesondere akkusatorische und rechtfertigende Färbung. Was ironischerweise wohl nicht unüblich in HipHop-Songs der 2000er ist, zeigt in Buchform einen teilweise unprofessionellen, dadurch aber sehr ehrlichen Blickwinkel Jacksons auf seine erfolgreiche Vergangenheit. So werden zwischen 6ix9ine über Lloyd Banks und andere G-Unit-Mitglieder bis hin zu seinem ersten Sohn, als Negativbeispiele verwendet, um die Fehler, die es zu vermeiden geht, zu porträtieren.
Wenngleich ungefähr nie bescheiden, zeigt sich Jackson doch immer sehr reflektiert und bewertet seine Handlungen unglaublich hart; urteilt letztendlich auch, dass er eben eine miserable Schulbildung genossen hat und eigentlich viele Dinge nicht weiß, deswegen zwangsläufig bei vielen Themen ein Schülermindset entwickeln musste.
Ferner dienen autobiografische Aspekte, wie der Tod seiner Mutter und die oft erwähnte Tatsache neunmal angeschossen worden zu sein, teilweise als eine Art "Gründungsmythos" 50 Cents. Diese könnten allerdings auch den Nutzen haben, die Leserschaft mit ihm zu identifizieren. Erstmal scheint es als wäre das Buch primär eher für Menschen aus ähnlichen Verhältnissen geschrieben und weswegen manche Tipps für Leser, die den Queens und ähnlichen Vierteln fern sind, sicherlich recht radikal vorkommen könnten. Dass man seinen Mitarbeitern so stark vertrauen muss, dass sie auf Geschäftsreisen keine Straftaten begehen oder sich untereinander verprügeln, ist sicherlich eher ein marginales Problem für die Mehrheit der Investmentbänker.
Auch sprachlich zeigt sich ein erwartet lockerer, sehr direkter Stil, wobei das sicherlich nicht an mangelnder literarischer Fähigkeiten seitens Jacksons liegt. Wenn man so interessante Worte wie argos von jemandem lernt, dann kann man sich fast nicht vorstellen, dass die selbe Person einen Song namens In da Club geschrieben hat. Die Sprache hat allerdings wohl gerade auch wegen dieser starken Differenz zwischen der normal verwendeten Alltags- bis Straßensprache und der sehr gezielt gezeigten Fähigkeit gute Gelegenheiten mit interessanten Begriffen auszudrücken zu den Boxcoach-Vibes beigetragen.
Insgesamt hat mir das Buch recht gut gefallen, allerdings war es inhaltstechnisch auch nichts wirklich Neues. Manche Ideen ware wirklich ganz gut aber es gab keine überdurchschnittlichen Erkenntnisse und der autobiographische Teil war mir, obwohl existenzberechtigt und letztendlich auch sinnvoll, da man das Buch schließlich ließt, um die Erfolgsprinzipien 50 Cents zu lernen, etwas zu präsent, was der Informationsdichte zum Nachteil kam.
Deswegen durchschnittliche 3,5 Sterne. I guess it is not your birthday.