16 Stellen aus dem Buch:
„Er drückte meine Hand, ganz fest, und zwar auf eine Art, die mir nicht weh-, sondern wohltat.“ (Baron 2022: 76)
„Meine Mama tippte auf das Buch und sagte: »Die größte Freude würdest du mir machen, wenn du Pony Peter liest und wir an meinem Geburtstag darüber reden, wie es dir gefällt.«“ (Baron 2022: 112)
„Irgendwann würde sie schon zu sich kommen. Ich stellte mir vor, dass sich ihr Geist auf Wanderschaft befindet. Auf einer Wanderschaft zur Seelentankstelle.“ (Baron 2022: 131)
„Wir bewegten uns langsam hin und her, ich beobachtete die Ölsockel auf der Wandfläche über der Badewanne, und irgendwann ergab ich mich, ließ es geschehen, legte meinen Kopf an Mamas warmen, weichen Körper und folgte den tapsigen, aber zärtlichen Bewegungen dieser Frau, die selten sang und niemals tanzte, außer mit mir, nur mit mir tanzte sie, denn nur bei mir fühlte sie sich sicher und geborgen, nur bei mir musste sie nicht fürchten, ausgelacht zu werden.“ (Baron 2022: 135)
„Seit Jahren habe ich unseren alten Wohnblock nicht mehr gesehen. Jetzt stehe ich davor, und ich spüre meine Kindheit in mir, sie arbeitet wie Holz, sie beglückt wie ein Magenbitter, sie schmerzt wie ein Geschwür, und sie heilt wie eine Wunde.“ (Baron 2022: 136)
„Da fiel mir auf, dass ich niemals gesehen hatte, dass meine Eltern sich küssten. War das normal? Küsste man sich nach ein paar Jahren Ehe nicht mehr? Dabei war es doch so schön, wie könnte ein Mensch freiwillig auf so was verzichten?“ (Baron 2022: 142)
„Zwei junge Männer trugen unsere Mutter auf einer Bahre hinaus, Benny senkte den Blick, er wollte es sich nicht ansehen, konnte nicht hinsehen, musste wegsehen, ich aber starrte, nickte, lächelte, und meine Mutter erwiderte den Blick, blieb aber sprachlos, ausdruckslos, auch hoffnungslos?“ (Baron 2022: 161)
„Wir stoßen an, trinken, niemand spricht, bis Tante Juli sagt: »Ich fürchte mich vor dem Moment, da eure Mutter länger tot ist, als sie gelebt hat.«“ (Baron 2022: 162)
„»Weißt du schon daß ich dich auch schon immer mal pflegen wollte, genauso wie du es immer für mich getan hast. Über 9 (Neun) Jahre machst du dir die Mühung, daß wir alle 4 (vier) etwas haben! Wenn ich einmal Erwachsen bin, bekommst du auch sehr viel Geld von mir! Ich suche mir eine Arbeit, und meine Familie bekommt Geld und du am meisten!!!
Dein Sohn Christian«.“ (Baron 2022: 169)
„Wie der Sarg hineingeschoben wurde. Wie der Pfarrer behauptete, dort drin liege unsere Mutter. Wie Benny den Kopf senkte und schluchzte. Wie ich erschrak und aufschrie. Wie elend wir aussahen, als wir vor der Grube standen, nachdem der Sarg hinuntergelassen worden war: als hätte man uns gefoltert.“ (Baron 2022: 197)
„Sie blickte mich ganz fest an, und ich sah es, ich sah es genau, sie hatte mich lieb, und sie konnte es mich spüren lassen, ohne auch nur mit der Wimper zucken zu müssen.“ (Baron 2022: 201)
„Ich suchte ihn im Stadtbild, irgendwo musste er ja sein, er gehörte doch in mein Leben wie die Erdbeersoße zum Spaghetti-Eis.“ (Baron 2022: 244)
„Um uns herum begann der Sommer, in uns breitete sich eine Wolkendecke aus.“ (Baron 2022: 245)
„Schluchzend drückte er seinen Kopf an meine Brust, mein Herz schlug so wild, dass es ihm wehtun musste.“ (Baron 2022: 255)
„Es war das Jahr 2011. Mein Studium an der Universität Trier hatte ich zu Ende gebracht. Mit einem Abschluss. Und mehr als fünfzehntausend Euro Schulden beim Staat. So prekär ich trotz meines teuer erkauften Bildungsaufstiegs und meines heiß ersehnten Ankommens in der Akademikerwelt auch leben mochte, in der Familie hätte doch der Hut herumgehen müssen, um unserem Vater eine letzte Ruhe in Würde zu schenken. Mit einem Kreuz. Und seinem Namen.“ (Baron 2022: 273)
„Weil meine Mutter acht Jahre vor meinem Vater gestorben ist, hatte er auch acht Jahre länger Zeit, sich in den Leerstellen in meinem Herzen einzurichten.“ (Baron 2022: 280)