Rezensionstitel: OHNE MAUS IST DIE ERDE WÜST UND LEER
Kurzmeinung: Hat viel Charme. Zu hohe Ansprüche sollte man allerdings nicht haben.
Der erste Band der Yesterday’s Kin-Trilogie von Nancy Kress beschert der Erde ganz unverhofft die erste Begegnung mit Außerirdischen, den Denebs. Sie errichten von ihrem über New York schwebenden Raumschiff aus eine schwimmende Insel auf dem New York Harbour, genannt „Embassy“, also ein Botschaftsgebäude. Dorthin laden sie die besten Wissenschaftler der Welt ein, denn sie sollen ein Gegenmittel zu einem Virus entwickeln, das in einer geballten Asteroid-Wolke enthalten die Erde in weniger als 1 Jahr treffen wird. Dieses Virus hat einen der Planten der Denebs getroffen und die Bevölkerung dort ausgelöscht. Das soll der Erde nicht passieren. Ein fieberhaftes Wettrennen gegen die drohende Katastrophe beginnt.
Der Kommentar und das Leseerlebnis:
Der Roman punktet durch die Phantasie der Autorin auf der einen Seite und ihrer mangelnden Scheu, dem Leser liebgewordene Personen zu entreißen und um die Ecke zu bringen. So jagt eine Überraschung die andere. Dass es einem dennoch nicht kalt den Rücken herunterläuft, dafür sorgt eine liebevolle Schreibweise.
Ein anderes Plus ist, dass die Autorin nicht nur die Handlung Raumschiff/Forschung/fremde Wesen/Krankheit/Virus fortführt, sondern die üblichen menschlichen Reaktionen auf Unbekanntes vorführt: was entstehen da nicht alles für Gruppierungen! Von denen, die den Weltuntergang voraussagen bis zu denen, die die Denebs in altbekannter rassistischer Manier für alles verantwortlich machen bis zum üblichen Shitstorm gegenüber denen, die sich engagieren. Angst, Panik, Begeisterung, Überschnappen, Ausflippen. Menschlich eben!
Das Ganze ist in einfacher Sprache verfasst, aber nicht allzu platt, wenngleich man dem Roman eine gewisse liebevolle Naivität nicht absprechen kann, Kinder, in diesem Falle Enkel und außergewöhnliche Tiere (in diesem Fall Mäuse) und ein bisschen Liebe schaffen Wohlfühlatmosphäre. Natürlich gibt es auch den Bad Boy. Beim Showdown muss man ein wenig die Stirn runzeln, denn es hinterlassen Ingenieure ihr Werkzeug im unfertigen Badezimmer eines von Menschen erbauten Raumschiffs, so dass man sie nur noch greifen muss, um sich zu wehren. Und auch sonst sind die Vorgänge, die zur Rettung der Crew im abhebenden Raumschiff führen, zu kindlich geraten beziehungsweise, sie sind zu märchenhaft. Gepunktet haben dagegen die Darstellung der fremden Kultur und die ungewöhnlichen Fähigkeiten der Kinder.
Ich habe den Roman gemocht und gerne gelesen, man darf aber nich allzu hohe Erwartungen haben oder großartige Ansprüche stellen. Wenn es nicht anders geht, zieht die Autorin schnell mal den Zufall aus dem Hut oder wie gesagt - die Handlung wird dann etwas zwischen kindisch und kindlich. Dennoch - im großen und ganzen - gibt es von mir ein Go.
Fazit: Ein wunderbarer phantasievoller SF-Spaß mit der Begegnung einer fremden Kultur und der Würdigung der Spezies Maus.
Kategorie: SF/Begegnung mit Außerirdischen
Verlag: Macmillan, 2017/2018