Man könnte über das Buch sagen, dass
- durch die kompakten Kapitel und die kurzen Sätze in dem Buch eine Rasanz vermittelt wird,
- dass sich durch die vulgäre primitive Sprache eine Authentizität bei den wenig normalen, mit persönlichen Defiziten belegten Figuren entsteht,
- dass durch die detailreiche Schilderung von Gewalt und Perversität eine natürliche Spannung entsteht,
- durch die unzähligen Plottwists man sich prima unterhalten fühlt,
- durch die Verdrehung des Rollenbildes von Opfer und Täter der Autor mutige neue Wege beschreitet und dabei Tabuthemen, wie die Rolle der Frau als Täter anspricht,
- dass durch das Weglassen von atmosphärischen Beschreibung der Orte eine vollständige Konzentration auf die Handlung möglich ist.
Ich sage aber, dass
- dass das mit Abstand der schlechteste Fitzek ist, den ich bislang gelesen habe
- dass das Merkmal eines Psychothriller die angedeuteten Beschreibungen von Ängsten ist und dieses Buch dem Leser keine Raum für Phatansie lässt, wenn Folter und Vergewaltigung im Detail beschrieben werden. Das Buch gehört für mich eher in den Bereich Horror, den es geht ums das nackte Überleben in vielen Sequenzen. Fitzek sagt im Nachwort, dass es kein Psychothriller, sondern ein Familienbuch ist. Da fehlen mir die Worte.
- dass hier ein ganz verquerstes Frauenbild gezeichnet wird. Es gibt wirklich keine einzige normale weibliche Person in dem ganzen Buch. Es sind Täterinnen, Vergewaltigerinnen, Mörderinnen, Psychopathinnen, verstörte Mädchen, Gewaltopfer, Vergewaltigungsopfer etc. Dazwischen pendeln ahnungslose Männer umher wie blauäugige Staffagen,
- dass der Autor nicht in der Lage ist, eine Atmosphäre herzustellen, Orte zu beschreiben, den Leser in einen anderen Raum zu versetzen, den Personen einen Charakter zu geben, die Geschichten hinter den Handelnden zu erläutern. Es geht nur um Schnelligkeit und um das bewusste in die Irre führen des Lesers. Man wird das Gefühl nicht los, dass es dem Autor Spaß macht, mit immer noch einer Wendung und noch einer Absurdität den letzten Rest an Realismus aus der Geschichte herauszuschreiben, nur für den Effekt, dass sich der Leser am Ende wundert über die ach so erstaunliche Auflösung. Das ist für mich billige Effekthascherei, Pulp Fiction, aber es ist dann teilweise so wieder hanebüchen, dass ich es in einem Rutsch durchlesen musste, weil ich es kaum glauben konnte.
Bislang habe ich Fitzek als zumindest annehmbaren Autor von Psychothrillern kennen gelernt. Ob Nachtwandler, Therapie oder Splitter, es ging immer um einzelne Menschen und ihre verquerte Wahrnehmung der Tatsachen aufgrund psychischer Störungen oder anderweitige Eingriffe in ihr Leben. Man konnte eine Beziehungen zu den Hauptpersonen aufbauen und mit ihnen durch das Buch leiden. Das geht dem Passagier 23 völlig ab. Und dabei hätte man aus der Grundidee einer Kreuzfahrt mit dem Verschwinden von Menschen so viel an atmosphärischer Spannung auf einem Schiff mit unzähligen Gängen und Menschen, ohne die Möglichkeit zur Flucht, machen können. Stattdessen Gewaltpornographie und vergewaltigte Kinder. Das ist nicht mein Ding.