Die Gäste des Wiener Opernballs werden zum Ziel eines Terroranschlags. Ein Fernsehjournalist, der die Live-Übertragung aus den Ballsälen koordinieren soll, beobachtet das Verbrechen auf den Monitoren. Sein eigener Sohn ist unter die Opfern. Die Kameras laufen weiter und senden weltweit auf zahllose Bildschirme das Sterben von Tausenden. Der TV-Journalist versucht, von Trauer um seinen Sohn getrieben, die Hintergründe des Anschlags zu klären. Sie sind verworren, von Schlamperei und Zufällen geprägt. Mindestens so verworren wie das Weltbild jener kleinen Gruppe, die das Morden vorbereitete.
Josef Haslingers spannender Medienroman und Politthriller entwirft das Panorama einer vom Terrorismus bedrohten Wohlstandsgesellschaft. Er zeigt die grotesken politischen Widersprüche auf zwischen Liberalität und Bedürfnis nach Sicherheit; den kaum kontrollierbaren Einfluß des Fernsehens auf Alltagsleben und Regierungsentscheidungen sowie das fatale Zusammenwirken von wiederaufflammendem Nationalismus, Fremdenfurcht und politisch motivierter Gewalt.
Ein Thriller über einen Anschlag auf den Wiener Opernball. Sowohl politisch und medienkritisch auch nach 30 Jahren brandaktuell. Die Geschichte wird vom Sendeleiter und gleichzeitig Vater eines der Opfer interessant, spannend und literarisch hervorragend erzählt.
Immer wieder musste ich mir beim Lesen dieses Buches vor Auge führen, das es mittlerweile fast 30 Jahre alt ist und nicht erst unlängst geschrieben wurde. Neben der Handlung, die durchaus sehr dramatisch ist, ist das wohl das traurigste an diesem Roman, seine Zeitgemäßheit. Ständig wiederkehrend kam mir der Gedanke, dass sich in Österreichs Politik- und Medienlandschaft (und erst recht nicht bei der Exekutive) irgendetwas zum Positiven verändert hätte. Im Gegenteil, Korruption und Machtmißbrauch, das Decken rechter Netzwerke, all das ist heute mindestens so vorherrschend wie beim Erscheinen von "Opernball". Haslinger nutzt einen cleveren Erzählstil indem er die einzelnen Kapitel Aufzeichungen eines Dokumentarfilms sein lässt, dazwischen Kapitel aus der Perspektive des Dokumentarfilmers erzählt. Spannend bis zur letzten Minute, einzig die sehr detaillierte Hintergrundgeschichte zum “Geringsten” fand ich manchmal mühsam.
Vor einem Jahr habe ich dieses Buch gelesen, ahnungslos, dass ich bald selbst in Wien, dem Schauplatz dieses Buches wohnen würde. Die Charaktere sind allesamt verstümmelt, lieblos, naiv, kaum des Mitleids Wert. Dekadenz gepaart mit Terrorismus und schrägen Zufällen... Ein Thriller, der Verwirrung schafft!
What a harrowing scenario! A right-wing group with totalitarian ideas conspires to gas Austria's elite whilst almost all its members are present at the annual opera ball, then blames the deed on left-wing terrorists and takes over the country. In the light of recent events in Austrian politics, the tale gains some new topicality.
An exceptional thriller/quasi-political data trove. In 1990s Vienna, a global TV channel has managed to take over the coverage of the famous annual Vienna opera-ball, where the high and mighty meet to show off their clothes, assert their power and success, and try to impress each other. Haslinger views this event through the perspectives, as well as (to my mind exceptionally well done) through the language-dialect/thought patterns/social and familial context of, alternating till the end, (i) TV journalist responsible for covering the event, (ii) a rank and file policeman having to guard the ball against an enormous amount of esp young and left wing but otherwise seemingly diverse throng of demonstrators/disaffected/NGOs and interest groups, (iii) the younger seemingly less successful daughter of a famous Berlin based professor, (iv) a member of a right wing, apocalyptic nationalist party unhappy with the massive inflow of especially Balkan and Islamic migrants, and (v) a somewhat shadowy head of a well established Viennese bakery company, who is a somewhat jejeune collector of modern art. Each "voice" has its own biases, not only political but also based on their family situations, and again with to my mind exceptional insights from the author. Most of the voices are from people who are not all nice--the daughter being probably the most sympathetic of them all. Without giving too much away, the terrorists manage to get in and effect mass murder, the policeman feels hamstrung by arrogant and ignorant political leaders, the TV journalist (normally a war correspondent) loses his recovering ex-addict son and tries to deal with the superficial reality of TV journalism, the daughter finds a degree of love and acceptance from her father, the member of the nationalistic terrorist group discovers how confusing individual action can be in the midst of a charismatic leader, and the bakery/art collector exposes a degree of cynicism which is only too believable.
Among the memorable vignettes are the following:
Presciently, given that the book was written in 1995, the working class father of one of the members of the nationalist group says: "Mein Leben lang habe ich die Sozialdemokraten gewaehlt, aber jetzt ist Scluss. Die haben die eigenen Leute verkauft."
The TV journalist, who is arranging interviews and "human interest stories" for the broadcast says: "Das einzige, was die Menschen beschaeftigte, war die Frage, wie sie ihr Leben moeglichst ohne Anstrengung und doch abwechslungsreich ueber die Runden bringen koennte. Die Politiker hatten eine zusaetzliche Sorge. Ihr ganzes Berufstreben schien darauf abzuzielen, auf dem TV-Bildschirm das eigene Gesicht zu sehen."
and so forth. Maybe a little chaotically organized at first, this book even today (24 years after it was written!) shows up the consequences of the widening gap between western politicians and the ordinary rank and file citizenry overwhelmed by globalisation, mass migration, and a political correctness that is based only on political self-preservation. And it does so in a pretty gripping thriller. No wonder Munich's Suedeutsche Zeitung picked it as one of the 50 greatest criminal novels of the 20th century.
Sprachlich sehr schöner und leseflussfreundlicher Schreibstil. Kein Thrillergefühl, kein Höhepunkt. Einfach eine Aneinanderreihung von Tonbändern, auf denen Zeugen ihre Erlebnisse schildern (vor allem auch solche, die mit der eigentlichen Handlung keine Verbindung haben und jede Menge Seiten füllen). Man kann die gesellschaftliche Relevanz (und neuerliche Aktualität) des Themas erkennen, wenngleich diese viel zu schwach herausgearbeitet wurde.
Sehr raffiniert aufgebaut, geschickt verwoben, gut zu lesen. Leider geht die Geschichte um den Geringsten dann doch irgendwann ein bisschen auf die Nerven. Nicht ganz Grisham Spannung, wie Frau Löffler sagt, aber “wir amüsieren sich auf der Höhe unseres Niveaus”.
Drei Sterne sind vielleicht etwas hart, denn das Buch ist denkbar knapp am vierten Stern vorbei geschrappt. Aber das Finale fiel doch stark gegenüber den anfänglich geweckten und eher noch gesteigerten Erwartungen ab. Dabei war ich zunächst mehr als skeptisch, denn die erste halbe Stunde des Fernsehfilms ließ mich eher eine Zumutung erwarten. Aber das Buch lag einfach zu gut in der Hand, um es vor der Buchhandlung stehen zu lassen.
Haslinger gelingt es bei der Recherche seines Helden nach den Hintergründen des Attentats, anfängliche persönliche Betroffenheit bei der Wahrheitssuche in eine professionelle Neugier zu verwandeln. Die Interviews mit den einstigen Gefolgsleuten, die zumeist eher enttäuscht als geläutert sind, geraten zu Charakterbildern, in denen Motive, Hoffnung oder Reaktionsmuster erkennbar werden, die Anfälligkeit für gewisse Gesinnungen bzw. ihre charismatischen Verfechter nachvollziehbar machen. Haslinger vermeidet es dabei geschickt in die Schwarz-Weiß-Malerei von der politisch korrekten Thriller aus den U.S.A zu verfallen, auch wenn der demokratische oder systemkonforme Standpunkt des Helden nie in Frage steht, so wird doch kein Mitläufer oder ehemaliger Gefolgsmann des rechtsradikalen Rattenfängers wegen seiner irregeleiteten Weltanschauung vom Helden einfach verhauen, nachdem er alles gesagt hat, was er weiß oder gerade preisgeben will. Die Auseinandersetzung oder auch Abgrenzung geht subtiler über die Bühne. Um so enttäuschender ist dann der Schluss aus dem kleinen Thriller-Einmaleins. Das Ende ist ziemlich lausig und kann allenfalls auf die volle Punktzahl in Sachen Gesinnungsauftrag doch noch, und zwar unmissverständlich, erfüllt, hoffen. Bei mir gibt's für den Absturz weit unter das Niveau des restlichen Romans empfindliche Abzüge, auch wenn damit vielleicht verhindert werden sollte, dass ein allzu schlichtes Gemüt aus den nicht ganz so plakativen Partien die falschen Schlüsse zieht.
am Anfang steht die Katastrophe. danach folgt die Aufarbeitung, geschildert aus fünf unterschiedlichen Perspektiven. das Buch liest sich wie ein deutschsprachiger DeLillo und die Thematik ist über zwanzig Jahre nach der Erstveröffentlichung brisanter denn je. eigentlich ist es eine Schande, dass Opernball es bisher noch auf keinen Literaturkanon geschafft hat, da Haslinger mit diesem Werk eines der besten österreichischen Bücher der jüngeren Geschichte abgeliefert hat.
A very topical novel for these troubled times - read in German (which I cannot write very well). The characters are very believable, and the author stays fairly neutral, trying to explain their motivations, rather than condemn them. In doing so, some details are quite irrelevant to the story. But the political thriller moves at a good pace, although the actual attack on the Vienna Opera Ball stretches credibility. The novel poses warnings on many levels: social, political, security...