Nachdem der Cliffhanger von "Vergiss uns. Nicht." wirklich fies war, war ich umso gespannter auf "Zerbrich uns. Nicht." und habe dem Buch dementsprechend entgegengefiebert. Und ich wünschte wirklich, dass es für mich ein Highlight geworden wäre, nur leider gab es da ein paar Dinge, die mich wirklich ziemlich gestört haben und ich einfach nicht ignorieren kann, so schön ich den Schreibstil von Laura Kneidl auch finde.
Da ich auf diese Dinge jetzt einfach eingehen möchte, gilt für die gesamte Rezension eine Spoilerwarnung (ich hab zwar bereits den Spoilertag gesetzt, aber sicher ist sicher xD).
Grundsätzlich hat mir das Buch schon gefallen. Ich liebe den Schreibstil, wie besonders Aprils Gefühle realistisch und nachvollziehbar dargestellt werden. Laura Kneidl schreibt einfach Wohlfühlbücher, in die man sich immer versinken kann und obwohl mich hier einiges gestört hat, wird das definitiv nicht mein letztes Buch von ihr sein! ^-^
Ich konnte April sehr gut nachvollziehen und besonders toll fand ich, dass das Thema Asexualität, bzw. besonders Demisexualität aufgegriffen wurde - das machen nicht viele Bücher und erklärt einiges von Aprils Verhalten (tatsächlich habe ich schon in "Vergiss uns. Nicht." gedacht, dass sie demisexuell sein könnte, hätte aber nicht geglaubt, dass das tatsächlich thematisiert wird. Also thumbs up dafür!).
Und damit kommen wir auch leider schon zu einem meiner Kritikpunkte. Die Sache mit April und dass sie demisexuell ist.
Ich kann mir gut vorstellen, dass man dadurch erstmal verwirrt ist - habe ich nicht gerade eben erst erwähnt, dass ich es toll fand, dass dem Thema hier so Beachtung geschenkt wurde?
Ja, habe ich und dabei bleibe ich auch.
Mein Problem damit ist nur, dass das Thema aufkommt, sie mit Sage und später Gavin darüber redet und es dann... einfach verschwindet? Keine Rolle mehr spielt? Im Gegenteil, ihre Demisexualität zeigt sich in ihrer Beziehung überhaupt nicht.
Zu Gavin meinte April während ihres "Outings", dass für sie Sex nicht wichtig ist. Mit ihm mag sie es, aber es wird erst noch eine Zeit dauern und sie braucht es auch nicht unbedingt, dementsprechend auch nicht so häufig. Das fand ich zuerst sogar ziemlich cool. "Mal ein NA-Buch, in dem Sex keine so große Rolle spielt? I'm in!", dachte ich mir noch. Immerhin wird aktuell so oft mit "Spice" geworben und mich nerven diese oftmals erzwungenen Chilischoten mittlerweile etwas. Dass es hier so eine Entwicklung gab, fand ich sogar richtig richtig cool.
Ja, und was ist dann passiert?
April entscheidet noch am gleichen Tag, dass sie DOCH unbedingt mit Gavin schlafen möchte und das machen sie wenig später. Und über eine Szene hätte ich noch irgendwie hinwegsehen können, aber nein... im Buch wird erwähnt, wie häufig es noch dazu gekommen ist (fünf Mal oder so?) und dann gab es noch die Szene, in der April ihn damit "in die Realität zurückbringt" (uff ist die Formulierung komisch, aber man weiß hoffentlich, was ich meine xD). Dass April demi ist, wird nie mehr erwähnt.
HÄ? Was für eine Relevanz hatte dann bitte dieses Outing und das Gespräch, dass sie keinen Sex braucht und wenn überhaupt, dann nicht so häufig, überhaupt? Nimmt man ihr Outing und das Gespräch mal weg, wäre das fast jede Romanze in einem NA-Buch gewesen. Und ja, natürlich ist das "Demi-sein" für jede Person anders, das weiß ich. Aber wenn davor so ein Wirbel um das Thema gemacht wird, war ich davon ausgegangen, dass sich das auch auf ihre Beziehung mit Gavin auswirken würde. Aber nichts davon.
Es tut mir leid, das zu sagen, aber ich hatte da wirklich den Eindruck, als müssten all diese Szenen dennoch vorkommen, weil "Spice" aktuell so hochgehyped wird und mit einem gewissen Anteil gäbe es auch mehr Leser. Das ist superschade meiner Meinung nach, weil ich wirklich dachte, dass sich dieses Buch deshalb von anderen abheben würde.
Und weil ich gerade bei meinen Kritikpunkten bin - kommen wir zu meinem Zweiten (und Letzten, weil ansonsten hätte ich diesem Buch wohl keine drei Sterne mehr geben können xD):
Gavin und die Tatsache, was sich vor fünf Jahren abgespielt hat.
Als am Ende von "Vergiss uns. Nicht." herauskam, dass Gavin derjenige war, der April entjungfert hatte, dachte ich mir schon: "Ohje, wie wollen sie denn das bitte so erklären, dass man ihm verzeihen kann?"
Spoiler: Konnte man (meiner Meinung nach) nicht. Seine Erklärung machte für mich nicht gut, was sich damals abgespielt hat. Schön und gut, dass ihm nicht klar war, dass April SO sehr betrunken war und nicht wusste, dass sie einen Filmriss hatte, es hätte meiner Meinung nach gar nicht so weit kommen dürfen.
Er war (fast) 17 und April 14, also faktisch noch ein Kind und er merkte ja selbst an, dass ihm bewusst war, dass sie getrunken hatte und nach Alkohol roch. Und come on, so sehr betrunken konnte er gar nicht gewesen sein, wenn er alles noch so gut wusste und im Kopf hatte, dass er sich nicht an ihr vergreifen sollte - genau das kam ihm eingangs ja auch in den Kopf. Das, was er gemacht hatte, war nicht in Ordnung und ich fand es ziemlich problematisch, wie sehr das beschönigt wurde. April war nicht zurechnungsfähig, also hätte er das sein lassen. Er hätte danach (wenn er sogar genau wusste, dass er einen Fehler gemacht hatte) nicht Panik bekommen und abhauen sollen. Das. Geht. Gar. Nicht.
Was mir dabei auffällt, ist, dass April sich ja erinnere, dass sie es gewollt hatte und es einvernehmlich war - da stellt sich mir eher die Frage, wie sie das weiß, wenn mehrfach (!) betont wurde, dass sie sich an nichts (!) erinnere.
Meiner Meinung nach hat sich Laura Kneidl mit diesem Twist ins eigene Bein geschossen - man möchte damit unbedingt wissen, wie es weitergeht, es war ein "Schocker" und spannend, ja, aber ich finde, es wurde zu wenig darüber nachgedacht, wie man diese Tat entschuldigen, entschärfen und die beiden dennoch zusammenbringen möchte. Und das, ohne dass es ein falsches Bild vermittelt - was meiner Meinung nach eben getan wurde.
Natürlich ist es gut, dass sich Gavin entschuldigt, selber meint, dass sich das von damals nicht entschuldigen lässt und er alles tut - das ist das bare minimum. Aber auch das ist häufig nicht genug, um so eine Tat zu rechtfertigen.
Das Erlebte hat April verändert, auf eine gewisse Weise auch ein wenig traumatisierte, da sie nie wirklich darüber reden konnte, sie sich so oft schmutzig gefühlt hat und es sie "blockiert" hat, mit anderen Jungs zusammenzukommen - sorry, aber das steht für ein Trauma. Und dass sie dennoch mit Gavin zusammenkommt und bleibt, weil es einfach "die große unabdingbare Liebe" ist, finde ich ehrlich gesagt ziemlich problematisch. Klar kann eine Beziehung Hürden meistern und ist nicht immer leicht, aber es gibt Dinge, die sollten nicht so einfach entschuldigt und auf gewisse Weise sogar romantisiert werden. Besonders, da das Buch sicher auch Jüngere lesen und noch etwas beeinflussbarer sind.
Abseits dieser zwei Punkte habe ich jedoch nichts auszusetzen. Ich bin froh, dass Sage und April sich endlich ausgesprochen haben und Elliot mehr Screentime hatte - ich mag ihn :D (und hätte ihn letztlich doch mit April bevorzugt, aber naja-)
Das Ende war dann richtig spannend und wirklich, wäre es allein um die Story von Gavin und seiner Mom gegangen und wären meine beiden Kritikpunkte nicht - das wäre easy ein Highlight geworden. Dieses Thema wurde sehr gut und stark aufgenommen und ich habe mit ihm mitgelitten.
Deshalb tut es mir umso mehr leid, dass es nicht mehr als drei Sterne geworden sind - Potential hat das Buch dafür definitiv.
Nichtsdestotrotz mochte ich die Reihe sehr gerne, auch, wenn ich Probleme mit einigen Dingen hatte - ich freu mich schon auf weitere Bücher der Autorin :3