Vor vier Jahre war Morgan Callan Rogers´ Debut “Rubionrotes Herz, eisblaue See” eines DER Bücher. Eine Geschichte, die alles hat: tolle Charaktere, Dramatik gemischt mit einem großen Schuss Humor, ganz viel Herzenswärme, eine tolle Kulisse- das perfekte Sommerbuch. (Der Inhalt in Kurzfassung: Maine, 60er Jahre. Die Mutter der 11-jährgen Florine verschwindet spurlos und das Mädchen muss neben allem, was das Erwachsenwerden sowieso mit sich bringt, mit diesem Verlust fertig werden.) Wie gesagt hat mich das Buch damals absolut begeistert und umso heißer habe ich die Fortsetzung erwartet, auch wenn ich sagen muss, dass ich mit einer solchen gar nicht gerechnet hatte und sie auch nicht als notwendig empfunden habe. Und nachdem ich sie nun gelesen habe, hat sich dieser Eindruck leider bestätigt.
Ganz kurz zum Inhalt, wer den ersten Teil noch lesen möchte, sollte vielleicht nicht weiterlesen, auch wenn ich versuche nichts schwerwiegendes zu verraten: Der Leser wird nach einer 2-seitige Zusammenfassung des ersten Buchs direkt in´s Geschehen geworfen. Florine ist mittlerweile 19, hochschwanger und heiratet ihre Jugendliebe. Die beiden finden in ihren ehelichen Alltag hinein, inklusive der alltäglichen Höhen und Tiefen des Alltags. Überraschend erhält Florine Briefe, die mit dem Verschwinden ihrer Mutter zusammenzuhängen zu scheinen. Es gibt ein zweites Kind, und die Tage der rosaroten Brille zwischen Florine und ihrem Ehemann sind langsam aber sicher vorbei…
Das Wort, das mir als erstes zu “Eisblaue See, endloser Himmel” einfällt, ist oberflächlich. Die Handlung plätschert so dahin, es gibt keinen wirklichen Spannungsbogen und die Geschehnisse werden im Plauderton aneinandergereiht, ohne dabei irgendeinen Charme zu versprühen. Es entwickelt sich wenig, keine Situation wird tiefer gehend beleuchtet, sondern stets schnell angeschnitten, um dann abgehakt zu werden, damit die nächste folgen kann. Habe ich im ersten Teil mit den Bewohnern von The Point und besonders mit den Hauptfiguren mitgelitten, gingen diese mir hier schnell auf die Nerven. Die beiden Protagonisten sind offensichtlich zu jung/unreif um eine vernünftige Beziehung zu führen und Florine mit ihren doch recht pflegeleichten Kindern und trotzt viel Hilfe von außen überfordert. Die Schicksale der Nebencharaktere interessierten mich durchgehend mehr als das von Florine. Auch die Briefe, von denen ich mir etwas Spannung erwartet hatte, werden nur erwähnt und dann wieder aus den Augen verloren, um irgendwann wieder aufzutauchen und ganz zum Schluss zu einer meiner Meinung nach reichlich absurden Auflösung der Rätsels um Florines Mutter zu führen. Mir fehlte einfach die Wärme und der Witz des ersten Teils, und jetzt frage ich mich, ob sich mein Geschmack in den letzten Jahren so sehr verändert hat, oder ob das Buch tatsächlich nur eine zusammengeschusterte Fortsetzung ist, um den Erfolg des ersten Teils auszunutzen? Ich bin jedenfalls auf andere Stimmen zum Buch gespannt.