Insgesamt hat mir diese Buchreihe und auch der dritte Band sehr gut gefallen, was besonders an dem Worldbuilding und dem Schreibstil lag.
Es war toll zu sehen, wie die Protagonistin Chiara auf eine Reise zu sich selbst geht, wie sie ihre Stärke findet und wie sich ihre Magie entwickelt.
Leider gab es in diesem Band auch wieder einiges, das mich stark gestört hat. Die Geschichte war eigentlich wunderbar progressiv und feministisch, bis auf die Stellen, an denen sie es nicht war, und das fand ich schade. So sind die Motivationen der Bösewichtinnen dadurch geprägt, dass sie von Männern verschmäht wurden oder hintergangen wurden.
Jenna wollte mit Cadrim zusammensein, aber er entschied sich für Chiara.
Isida wollte den Thron besteigen, ihr Vater ließ das nicht zu, weil sie eine Frau war.
Issra hat ihren Mann getötet, weil sie sich von ihm hintergangen gefühlt hat.
Dadurch wurden die drei zu Männerhasserinnen, was dazu führt, dass sie Cadrim leiden sehen wollen.
Außerdem waren am Ende alle kämpfenden Drachenkrieger männlich, wahrscheinlich sollte hier wieder so ein Beschützerinstinkt dargestellt werden... da hätte ich mir mehr Diversität gewünscht.
Furchtbar schlimm fand ich allerdings, wie stereotyp "männlich" Cadrim in diesem Band durch das Erwachen des Drachen wird. Er denkt ständig an Sex, wird grundlos eifersüchtig (unter anderem auf seinen besten Freund??) und verhält sich auch sonst eher "wild und animalisch". Er möchte Chiara am Liebsten verbieten, überhaupt zu kämpfen, beschreibt sie dann aber wieder als seine Gefährtin und Fürstin an seiner Seite. Wenn sie sich nicht durchsetzen würde, würde er sie nur das machen lassen, mit dem er einverstanden ist, und das gefällt mir gar nicht.
Außerdem finde ich den Trope von "Sex rettet die Welt" ganz furchtbar und die Szene, in der Chiara und Cadrim sich "vereinigen" und "seinen Drachen reiten" müssen war furchtbar unangenehm zu lesen. Warum wird Sex hier wieder als das Tollste auf Erden dargestellt? Das einzig wahre Glück von kosmischem Ausmaß, ohne das man nie wirklich gelebt hat? Ich verstehe, dass es schön ist, mit der Person zu schlafen, die man liebt. Aber warum ist es hier so erzwungen? Warum können nur dadurch die Kräfte erweckt werden und das Band zwischen dem Drachenkrieger und seiner Gefährtin geknüpft werden? Was ist denn, wenn einer der Partner oder beide asexuell wären? Dann werden sie gezwungen, miteinander zu schlafen? Oder können ihre Kräfte nicht aktivieren, weil es zb für sie nicht so schön ist wie für Chiara? oder befinden wir uns hier in einem Narrativ von "Die werden es schon mögen"? Ja. Bin ich definitiv kein Freund von.
Die Rezension liest sich so ziemlich negativ, aber das sind die Dinge, die ich einfach anmerken musste. Wegen des Plots würde ich es aber dennoch empfehlen.