Robert Anton Wilson, gestorben 2007, veröffentlichte diesen ersten Band seiner Trilogie „Illuminatus Chroniken“ bereits 1982. Trotzdem kommt die 5 Jahre jüngere, deutsche Übersetzung erstaunlich frisch daher. Wilson wurde gelegentlich auch als Philosoph, Anarchist, Drogenpapst oder Popkünstler bezeichnet. All das steckt auch in dem süffigen Cocktail, den er in „ Und die Erde wird beben“ anrührt. Einen gewissen roten Faden bilden die Erlebnisse eines jungen Neapolitaners im 18. Jh., aus einer Weinhändlerdynastie stammend, mit herrlichen, ironischen Anspielungen auf die bekannten süditalienischen Klischees. Es gibt jede Menge Geheimlogen und Geheimlogen in Geheimlogen und MAFIA bedeutet „Morte alla Francia, Italia anela“, was Wilson perfekt in den historischen Kontext einarbeitet. Ebenso wie die schottischen Jakobiten, spleenigen Engländer, insbesondere zum Thema Ale und Frühindustrialisierung, Casanova, Cagliostro, eine Reihe englischer und französischer Philosophen oder Nero. Überhaupt macht das Lesen noch mehr Spaß mit Google in Griffweite, um Personen, Zitate oder andere Hinweise erstens darauf zu checken, ob sie real sind (meistens) und zweitens welchen Hintergrund sie haben. Weitere Zutaten sind plötzliche, brutale Moves, deftige, augenzwinkernde (sofern das möglich ist) Erotik, ein bisschen Quantenphysik und griechische Paradoxa. Handwerklich erinnert mich das an die ebenso perfekten Romane von Umberto Eco (Name der Rose, Foucaulsches Pendel, Insel von …), nur weniger drogenaffin.
Das Lesen ist ein permanenter Wohlfühlprozess, auch wenn man dabei z.B. mehrere Seiten lang Bibelzitate (und deren ganz spezifische Auslegung) konsumiert. Die Handlung hat viele Spannungshöhepunkte, auch wenn sie - wie sollte das im Dickicht jahrhundertealter Verschwörungen auch anders sein - keinem eigentlichen Finale zustrebt. Dafür gibts ja noch 2 weitere Bände.