Ist leichte Debilität charmant?
Überall lese ich das Wort BEZAUBERND, wenn es um dieses Buch geht.
Nein, ich habe ungeduldig das Ende herbeigesehnt.
Wen haben wir?
Germain Chazes , Mitte 40, “ein Mann wie ein Bär“, recht schlicht gestrickt und euphemistisch als bildungsfern zu bezeichnen.
Margueritte Escoffier, Greisin, zarte Statur (schon recht “klapprig“) und gebildet.
So weit – so holzschnittartig.
Und was geschieht?
Surprise, surprise
Na sie freunden sich an und treten in eine Symbiose, die für mich nicht bezaubernd war.
Nichts war bezaubernd.
Betulich und gestelzt wirkt diese ganze Sache – sie liest mit ihm Camus (aus dem Nichts zu Camus) und er hilft ihr dann auch……
Für mich ist es nicht bezaubernd, wenn eine intelligente, gebildete Frau einen erwachsenen Mann unwürdig behandelt.
Jeder kennt das: da kommt ein dreijähriges Kind und hält ein selbstgemaltes Gekritzel (quasi Bild) hoch und wird dafür sehr ernst und pseudoaufrichtig gelobt. Das Kind merkt natürlich noch nicht, wie verräterisch es ist, wenn man erst fragen muss, was gezeichnet wurde, um erst dann den wunderbaren Baum zu preisen.
Das ist bei Kleinkindern mehr oder weniger in Ordnung, bei einem erwachsenen Mann nur demütigend.
Das ist nicht bezaubernd.
Oder wird die Gute auch etwas senil?
Nein, bei ihr verfällt der Körper und bei ihm wächst der Geist.
Dieser klebrig-süsse Weltverbessererschleim à la François Lelord oder Antoine Marie Roger Vicomte de Saint-Exupéry ist nicht nach meinem Geschmack.
Vielleicht sollte ich bezaubernde Franzosen meiden - Marie-Sabine Roger schreibt mir zu platt, zu rosa, zu süss, zu drüber……
Das Ende setzt noch einen drauf und man ertrinkt im flüssigen Zucker.
Dort wird einfach alles gut – selbst in seiner Stammkneipe gibt es nach einer Trennung ein HAPPY END….
Es wird alles, alles, alles zugekleistert.
Nichts gegen märchenhafte Bücher, nichts gegen zauberhafte Geschichten…. aber das Touchieren der Welt, in der wir leben, hätte m.E. dieser Geschichte nur gut getan.
Eigentlich hätte Germaine an seiner Jugend und Kindheit fast zerbrechen müssen – au contraire.
Da hilft es doch ein wenig tumb zu sein (welch Glück?) und schon ist auch insofern alles wieder rosa.
Die Freundschaft der beiden Protagonisten wird nur als wundervoll beschrieben – Tiefe hat sie nicht.
Freundschaften mit Gegensätzen sind ganz grossartig, es muss aber stimmig und rund sein.
Selbst der Weltverbesserer der Musikindustrie hat es verstanden:
Xavier Naidoo – Sie sieht mich einfach nicht
“……..Es gibt Grenzen,die man trotz Millionen von Soldaten
wegwischt, aber unsere überwindet man nicht…….“
“……Man kann so vieles ändern,wenn man zu kämpfen bereit,
ist aber nicht diese Ungerechtigkeit…….“
Sag ich doch.