Eigentlich zweieinhalb Sterne, allerdings ist die Geschichte doch ziemlich roh gezimmert, schlecht ausbalanciert und der psychologische Wert gleich null, auch wenn das wirtschaftliche Umfeld der späten Neunziger ganz gut eingefangen ist.
Dabei war die Ausgangssituation gar nicht mal so schlecht, ein Riesenarschloch von einem Chefanzeigenverkäufer für eine aufstrebende Computerzeitschrift gerät während der Übernahme seines Blattes durch einen deutschen Medienkonzern in Loyalitätskonflikte und verliert am Ende alles, Karriere, Frau und beinahe auch seine Freiheit.
Den Job, weil sein praktisch schon abgesetzter Vorgesetzter und einstiger Entdecker beim großen Konkurrenten angeheuert hat, der den Krauts das Blatt abgekauft hat, um es dicht zu machen. Beim unverhofften Abschied am ersten Tag als Verlagsleiter trifft er zufällig den Deutschen im Aufzug und schlägt ihn krankenhausreif.
Da er beim Versuch die Quote seiner Abteilung und einen angeschlagenen Kollegen zu retten, zudem den Verantwortlichen eines großen Computerherstellers zur ursprünglich geschalteten Anzeige erpresst hat, wird Ned Allen in New York und drumherum keinen Job in seiner Branche mehr kriegen, denn der Miesling vom Marktführer droht eventuellen Arbeitgebern von Ned mit Entzung sämtlicher Anzeigen.
Der anschließende Zusammenbruch von Neds bisherigen Lebens und dem Karrieresprung seiner Frau an die Westküste hat was für sich, aber seine lästige Angewohnheit gleich jedem die Fresse polieren zu wollen, den er für ein Unglück in seinem Leben oder den Selbstmord des unrettbaren ehemaligen Kollegen verantwortlich macht, wecken bei mir nicht gerade Sympathien für den Tugendbolzen Ned, der seine Frau über alles liebt, aber nie Schwäche zeigen will.
Nach der Beerdigung des Kollegen kommt es zu einem besoffenen One-Night-Stand mit einer früheren Kollegin, die sich mehr davon verspricht, doch Ned dackelt noch mitten in der Nacht mit einem riesengroßen Knutschfleck nach Hause und natürlich ist seine Frau gerade aus LA eingetroffen, weil sie ihm doch noch eine Chance geben will. Ned sieht sich schon auf dem Weg zum Pappkarton als ihn sein früherer Schulfreund Jerry aufliest, der für einen Business-Guru arbeitet, der während der Reagen-Zeit viel Geld gemacht hat und nun von Motivations-Bestsellern lebt. Jerry lässt Ned bei sich wohnen, macht ihn wieder flüssig und macht ihn zum Chef- und einzigen Verkäufer eines windigen Fonds, der in erster Linie zur Geldwäsche genutzt wird.
Jerry sichert sich die Loyalität aber nicht nur durch Wohltaten, sondern auch dadurch, dass er Ned erst bei der Ermordung seines nachtragenden Erzrivalen zusehen lässt, ihn zuvor zum Hauptverdächtigen stempelt und ihm ein Alibi verschafft.
Ned sitzt danach die meiste Zeit im Flieger auf die Bahamas, denn er ist in erster Linie Bagman des Syndikats und windet sich am Ende mit viel Glück, der Hilfe seiner Ex und alter Freunde, sowie etwas Finesse wieder heraus. Am Ende lässt der Autor gerade noch offen, ob Ned auch seine Frau wieder kriegt. Zwischendrin baggert Jerry auch noch die Ex von Ned an und bedroht ihr Leben, aber alles, was für Spannung gut wäre, wird in ein paar kurzen Sätzen abgehandelt, da Kennedy wohl nicht zulassen kann, dass seinen Helden ernsthaft etwas zustößt und schon gar nicht die aktive Verwicklung in kriminelle Machenschaften.
Abgesehen davon, dass Ned Geld auf ein Konto abzweigt, dass er unter dem Namen von Jerry eröffnet hat, um ihn bei passender Gelegenheit bei seinem Boss anzuschwärzen, begeht er während seiner Zeit im Business keine Straftat für die er belangt werden könnte, er protestiert beim Showdown mit dem großen Boss Ballantine sogar gegen Jerry Eliminierung und will nur, dass sein ehemaliger Kumpel für den Mord am lästigen Insider aus der Computerbranche vor Gericht gestellt wird. Als ob ein Zeuge mit diesem Vorwissen über die Unternehmensstrukturen eines Mob-Unternehmens nur den Hauch einer Überlebenschance hätte.
Vielleicht hat Kennedy sogar die komplette emotionale Bandbreite eines Typen wie Ned getroffen, aber mir war's zu wenig, den Mann führt nichts in Versuchung, immer nur dieses Rumgejammer wegen der Frau, die ihm davon gegangen ist, weil er sie nie an seinem Innenleben teilhaben lassen wollte. Die Exposition ist zwar realistisch, aber im Vergleich zur ziemlich knapp und lieblos abgehaspelten Spannung doch viel zu lang. Anderseits hätte ich mir bei einer vernünftigen Durchführung auch 150 Seiten mehr antun müssen. So entsteht der Eindruck, Kennedy war beim Ansnutzen seiner Seiten oder der ihm zur Verfügung stehenden Zeit nicht sehr effektiv.
Wollte man das auf dem Klappentext als Vergleichsgröße angeführte Fegefeuer der Eitelkeiten daneben stellen, müsste man dem Job sogar einen Stern geben.