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War and Peace

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In Russia's struggle with Napoleon, Tolstoy saw a tragedy that involved all mankind.

War and Peace broadly focuses on Napoleon’s invasion of Russia in 1812 and follows three of the most well-known characters in literature: Pierre Bezukhov, the illegitimate son of a count who is fighting for his inheritance and yearning for spiritual fulfillment; Prince Andrei Bolkonsky, who leaves his family behind to fight in the war against Napoleon; and Natasha Rostov, the beautiful young daughter of a nobleman who intrigues both men.

As Napoleon’s army invades, Tolstoy brilliantly follows characters from diverse backgrounds—peasants and nobility, civilians and soldiers—as they struggle with the problems unique to their era, their history, and their culture. And as the novel progresses, these characters transcend their specificity, becoming some of the most moving—and human—figures in world literature.


Tolstoy gave his personal approval to this translation, published here in a new single volume edition, which includes an introduction by Henry Gifford, and Tolstoy's important essay `Some Words about War and Peace'.

1392 pages, Paperback

First published January 1, 1868

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About the author

Leo Tolstoy

8,677 books29.9k followers
Lev Nikolayevich Tolstoy (Russian: Лев Николаевич Толстой; most appropriately used Liev Tolstoy; commonly Leo Tolstoy in Anglophone countries) was a Russian writer who primarily wrote novels and short stories. Later in life, he also wrote plays and essays. His two most famous works, the novels War and Peace and Anna Karenina, are acknowledged as two of the greatest novels of all time and a pinnacle of realist fiction. Many consider Tolstoy to have been one of the world's greatest novelists. Tolstoy is equally known for his complicated and paradoxical persona and for his extreme moralistic and ascetic views, which he adopted after a moral crisis and spiritual awakening in the 1870s, after which he also became noted as a moral thinker and social reformer.

His literal interpretation of the ethical teachings of Jesus, centering on the Sermon on the Mount, caused him in later life to become a fervent Christian anarchist and anarcho-pacifist. His ideas on nonviolent resistance, expressed in such works as The Kingdom of God Is Within You, were to have a profound impact on such pivotal twentieth-century figures as Mohandas Gandhi and Martin Luther King, Jr.

See also:
French → Léon Tolstoï
Spanish → León Tolstói

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Profile Image for Semjon.
790 reviews523 followers
November 23, 2020
Ein wirklich episches Werk, welches auch nach 150 Jahren von seinem Aufbau und Erzählton modern wirkt. Ich kann verstehen, dass Schriftsteller des 20. Jahrhunderts Krieg und Frieden als wegweisenden für die literarische Gattung Roman ansahen. Die historische Erzählung erstreckt sich in erster Linie auf die ersten 12 Jahre des 19. Jahrhunderts unter Zar Alexander I. in Russland, das von Napoleon angegriffen wird.

Ich war immer im Glauben, dass dieses Buch exemplarisch Familien aus verschiedenen Schichten der russischen Gesellschaft darstellt und wie sie sich in Kriegzeiten schlugen. Die Weltgeschichte als unkommentierte Rahmenbedingung. Doch dies ist nicht der Fall, denn das Buch ist bestimmt zu einem Drittel Geschichtswissenschaften aus Sicht von Tolstoi. Daher bezeichnete Tolstoi das Buch selbst als historischen Roman. Napoleon steht damit aus narrativer Sicht auf einer Ebene mit den Protagonisten aus der russischen Oberschicht. Einfaches Volk taucht in dem Buch wenig auf. Die Bauern sind noch eine gesichtslose Masse. Tolstoi schrieb das Buch als Vierzigjähriger, also noch relativ früh in seiner Schaffensphase.

Auffallend ist zu Beginn, als das Buch mit dem Ball bei einer Hofdame startet, dass Tolstois Erzählton sehr wertend ist, insbesondere bzgl. der negativen Eigenschaften der Personen aus der Oberschicht. Tolstoi gelingt es, verschiedene Menschtypen auf die Protagonisten-Familien zu verteilen. Sein Mikrokosmos stellt offenbar ein Spiegelbild der russischen Adelsgesellschaft dar. Deren Abgehobenheit und Arroganz verdeutlicht er, in dem er sie nur französisch sprechen läßt. In meiner übersetzen Ausgabe von H. Röhl waren zum Glück diese langen Passagen schon ins Deutsche übersetzt. Die Fixiertheit der Russen auf Frankreich in Bezug auf Sprache, Kultur und auch Herrscher nimmt im Buch teilweise groteske Züge an. Manche Russen bewundern sogar Napoleon, obwohl er bereits vor den Toren Moskaus steht.

Das ganze Werk ist sehr überlegt konzipiert, insbesondere der schon im Titel anklingende Wechsel zwischen den zwei Welten Krieg und Frieden, Ruhm und Liebe, körperlicher und seelischer Schmerz. Mit die stärkste Szenen im Buch sind die Schilderungen der Reflexionen der Soldaten am Vorabend vor der Schlacht, dass ihr Leben morgen enden könnte. Man spürt wie die Protagonisten den Irrsinn des Kriegs langsam entlarven, die Sinnhaftigkeit des Kriegs in Frage stellen, um dann doch der Sucht nach Ruhm zu verfallen. Da hatte ich das Gefühl, Tolstoi spielt mit seinen Charakteren. Er läßt an der Grenze zur Vernunft plötzlich anhalten, und sie wieder den niederen Begierden verfallen.

Die beiden zentralen Figuren sind die Grafen Pierre und Andrei. Pierre ist der personifizierte Mensch im eigentlichen Sinne, mit seinen ganzen Stärken und Schwächen und von seinen Gefühlen getrieben. Alle anderen Figuren stehen als Gegenentwürfe zu ihm in einem Kreis. Und Andrej verkörpert dabei den Egoisten, den Kopfmensch im Gegensatz zum Bauchmensch Pierre. Andrej denkt nur an seinen eigenen Ruhm. Es geht ihm nicht um Kameradschaft oder um das Dienen für die Obrigkeit (wie beim Gegenentwurf Rostow), es geht immer nur um ihn selbst. Pierre dagegen hat schon eine gewisse Form von der Nächstenliebe verinnerlicht, die er auf eine einfache Formel bringt: Wenn ich einem Anderen helfe und dessen Situation sich verbessert, tue ich Gutes.

Für mich hat das Buch eine tiefe Bedeutung. Es ist nicht einfach nur eine lange, epische Erzählung. Es ist diese Verbindung von verschiedenen Sparten der Geistes- und Geschichtswissenschaft, mit den Psychogrammen verschiedener Menschentypen zu einem Roman mit Abenteuer, Dramatik, Romantik und Tragik. Und darüber hinaus ist es ein Entwicklungsroman par excellence. Die beeindruckendste Entwicklung macht Pierre mit, der meines Erachtens die Entwicklung Leo Tolstois symbolisiert. Pierre ist sein Alter Ego. Vom Lebemann & Soldat, zum Mann des Geistes und der Literatur, zum Mann des Glaubens und der spirituellen Erleuchtung, zum Mann der Einfachheit und Naturverbundenheit. So ist Tolstois Weg. Tolstoi beschreibt die Lage der Soldaten und der Bauern in beeindruckenden Worten. Pierre empfindet die einfache Kartoffel am Ende als das beste Gericht, das er je gegessen hat und er bewundert den kleinen Alten in der Gefangenschaft, der alles Leid mit der Seelenruhe erträgt. Es geht im Leben nicht um die Erreichung von Zielen, die einem die Gesellschaft oder die weltentrückte Glaubensgemeinschaft der Freimauerer einem vorgeben. Es geht im Leben darum, zu leben, in sich zu ruhen, für sich, für andere Menschen zu sorgen unter der Gewissheit, dass es dieses eine höhere Wesen gibt. Sorge dich nicht, lebe und hab ein gewisses Gottvertrauen. Mich hat dies sehr angesprochen.

Kein Mensch ist so groß, dass er für die Geschichte aller Menschen verantwortlich ist. Auch kein Napoleon. Gegen Endes des Buchs ist es sehr auffällig, mit welcher Vehemenz Tolstoi Napoleon vernichtet. Aus heutiger Sicht vielleicht nicht so revolutionär, weil wir Napoleon viel kritischer sehen, als die Menschen im 19. Jahrhundert. Wahrlich ein Meisterwerk.
Profile Image for Alexander Carmele.
556 reviews595 followers
March 25, 2025
Vom Elend des Krieges, vom sozialen Wahnsinn, vom Auf und Ab und der Sinnsuche der Einzelnen im Großen und Ganzen.

Inhalt: 5/5 Sterne (Elend und Wahnsinn des Sozialen)
Form: 5/5 Sterne (klassisch-paradigmatisch)
Erzählstimme: 5/5 Sterne (auktorial-reflektiert)
Komposition: 5/5 Sterne (intensiv-apokalyptisch)
Leseerlebnis: 5/5 Sterne (Episches Geschichtsrauschen)

Tolstois Krieg und Frieden sollte ursprünglich „1805“ lauten und entstand in mindestens zwei Fassungen von 1863-69. Es beginnt mit folgendem Absatz:

»Nun, mein Fürst, Genua und Lucca sind doch nur noch Apanagegüter der Familie Buonaparte. Nein, ich warne Sie, wenn Sie mir nicht sagen, dass wir im Krieg sind, wenn Sie sich weiterhin erlauben, all die Infamien, die Grausamkeiten dieses Antichrist (mein Wort darauf, das glaube ich) zu beschönigen - dann kenne ich Sie nicht mehr, dann sind Sie nicht mehr mein Freund, nicht mehr mein getreuer Sklave, wie Sie sagen. Aber ich mache Ihnen ja Angst […]«

Der Beginn macht sofort klar: Es geht um die Koalitionskriege, um Napoleons Machtanspruch als Zankapfel, um die Einbettung der russischen Adelsgeschichte in die europäischen Adelskonflikte, um die Verbrechen, die die Kriege mit sich bringen und die sich Tolstoi vornimmt, in Krieg und Frieden nicht zu beschönigen. Sein Geschichtsansatz lässt sich als mikroskopisch-emergent bezeichnen, die einzige für ihn mögliche Weise, den Sinn und Unsinn des zwischenmenschlichen Geschehens zu begreifen:

Und folglich war nichts ausschließlich Ursache des Geschehens, vielmehr musste es ebendeshalb geschehen, weil es geschehen musste. Es mussten Millionen Menschen ihre menschlichen Gefühle und ihre Vernunft verleugnen und von West nach Ost ziehen, um ihresgleichen totzuschlagen, genauso wie einige Jahrhunderte zuvor Massen von Menschen von Ost nach West gezogen waren, um ihresgleichen zu töten.

Für Tolstoi erweist sich der Sinnanspruch nur im konkret einzeln handelnden Menschen, und so greift er sich zwei Familien heraus, die Bolkonskis und die Rostows, und lässt sie Höhen und Tiefen erleben, insbesondere Marja und Andrej auf Seiten der Bolkonskis und Natascha und Nikolai auf der der Rostows. In der paradigmatischen Auflösung von Land-, Alt-, Hoch- und Stadtadel bewirkt der Krieg ein Bäumchen-Wechsel-Spiel, das, nach allem Irren und Wirren, wieder in die ruhigen Gewässer des Normalen mündet, und so von alleine die Frage sich aufdrängt, der auch Nikolai sich ausgesetzt sieht, als er nach der Schlacht von Austerlitz plötzlich durch den Frieden von Tilsit russische und französische Soldaten gemeinsam zechen sieht:

Rostow stand lange an der Ecke und schaute von fern auf die Feiernden. In seinem Inneren vollzog sich eine qualvolle Arbeit, mit der er einfach nicht fertig wurde. In seiner Seele erhoben sich schreckliche Zweifel. Bald fiel ihm Denissow ein mit seinem veränderten Gesichtsausdruck, seiner plötzlichen Ergebenheit und überhaupt das ganze Hospital mit diesen abgerissenen Armen und Beinen, diesem Schmutz und diesen Krankheiten. Er stellte sich so lebhaft vor, er fühle jetzt diesen Krankenhausgeruch von totem Fleisch, dass er sich umsah, um zu sehen, von wo dieser Geruch kommen könnte. Bald dachte er an diesen selbstgefälligen Bonaparte mit seiner kleinen weißen Hand, der jetzt Kaiser war und den Kaiser Alexander liebte und verehrte. Wozu dann diese abgerissenen Arme, Beine, die getöteten Menschen?

In langanhaltender Wucht lässt Tolstoi die Geschehnisse des frühen 19. Jahrhunderts rundum St. Petersburg, Smolensk und Moskau über sein Publikum hinwegrollen, reflektiert, kommentiert, epochalisiert mit wildem Pinsel und manchmal mit ziselierendem Skalpell die Eitelkeiten, Visionen und Wünsche und Hoffnungen, ohne je an Rundheit und Komplexität einzubüßen. Mit anderen Worten, ein Buch, das in seiner Erzählweise an George Eliots Middlemarch heranreicht, mit Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften über den Zusammenbruch von Welten räsoniert und dabei ganz und gar einer Die Ästhetik des Widerstands gemäß entfaltend und kommunikativ-öffnend verbleibt.

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Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich):
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Inhalt: ● Plotübersicht:
Situation vor dem Krieg: Der Stadtadel repräsentiert durch die Familie Kuragin und dessen Familienoberhaupt Fürst Wassili, versucht die eigenen Kinder strategisch günstig zu verheiraten: Helene an den Erben des einflussreichen Kirill Wladimirowitsch Besuchow, Pierre, und den Sohn Anatol an die Tochter des ebenfalls sehr angesehenen Fürst Nikolai Bolkonski, Marja. Desgleichen versuchen Kleinadel und bürgerliche Nebenlinien, sich mit dem Landadel zu verheiraten, der von der Familie Rostow repräsentiert wird. Hier versucht die verarmte Anna Michailowna Drubezkaja ihren Sohn Boris einerseits mit den Besuchows, andererseits mit der jüngsten Tochter der Rostows zu verbandeln, Natascha, derweil die entfernte mittellose Verwandte Sonja Alexandrowna sich Hoffnungen auf Nikolai macht.

Resultat des Krieges: Dieser Krieg gegen Napoleon bringt nun alles durcheinander. Andrej Bolkonski und Anatol Kuragin sterben. Pierre traumatisiert von den Kriegserlebnissen, findet keine Kraft, seine Ehe mit der frankophilen Helene Kuragin fortzusetzen, die sich umbringt. Somit hat sich die Familie Kuragin aufgelöst, und die Familie Rostow hat das Wenige, das sie noch besessen hat, durch den Krieg und die Mitgift für Vera verloren und wird unattraktiv für den Kleinadel sowie unfähig, die Ehe mit der mittel- und mitgiftlosen Sonja zu erlauben. Sofern nehmen die Rostows die Rolle der Kuragins ein, indem Nikolai Marja Bolkonski heiratet und Natascha Pierre, also jeweils Anatol und Helene ersetzen. Das stabile Moment bleiben also die Familien Bolkonski und Besuchow, der konservative Altadel. Der Krieg kostet Sonja und Platon Karatejew das Leben, also dem einfachen Volk.
● Hauptfiguren:
Andrej Bolkonskij (AB) Sohn von Nikolai Andrejewitsch Bolkonskij, der auf dem Gut Lysyje-Gory lebt, verheiratet mit Lise, die zu Beginn des Romans schwanger ist. Andrej ist unzufrieden mit seinem Zivilleben und meldet sich freiwillig zum Krieg, vor allem seine Ehe nervt ihn, Lise bittet ihn zu bleiben. Andrej ist beim General Michail Ilarionowitsch Kutusow Adjuntant, möchte sich im Krieg auszeichnen. -- Im Krieg, bei Kutusow, vital, tatendränglerisch gegen Napoleon. Nach erfolgreichem Gefecht an der Enns wird AB nach Brünn, zum Habsburger Hof geschickt, um Bericht zu erstatten, mit enttäuschendem Ausgang. Bilbin rät ihn, nicht zurück an die Front zu kehren, aber AB eilt zu seinem Regiment, als er hört, dass Napoleons Truppen die Donau durch eine List überquert haben. Kämpft mit Bagration gegen Napoleons Truppen am Dorf Schöngrabern, um Kutosow Zeit zu verschaffen. AB spricht sich für Tuschin vor Bagration aus, wird schwerverletzt in der Schlacht bei Austerlitz (20.11.1805) und gerät in Gefangenschaft, ein leerer Himmel über ihn. – Im Kriege vermisst. Seine Frau liegt in den Wehen, AB erreicht das Haus kurz vor Lisas Tod, die bei der Geburt des Sohnes Nikolai (Name des Großvaters) stirbt. -- Baut sich ein eigenes Anwesen auf, Bogutscharowo, ihn plagen die letzten Worte Lisas, schwere Schuldgefühle, bleich, lebensunlustig. Marja und er kümmern sich um den Sohn. Brief von Bilibin über die Intrigen in der Armee. Hört P zu, und will die Freimaurer-Religion glauben, dass nicht alles vergebens, Lisa noch existiert, will aber nicht mehr für die anderen Leben. Wehrt sich gegen die Gleichsetzung der Menschen, der Denker ist kein Arbeiter und der Arbeiter kein Denker, dennoch von Ps unerschütterlichen Glauben gerührt. AB will nicht zurück in die Armee, dient seinem Vater beim Militärdienst im Landesinneren. – Kümmert sich um Landreformen, kaum Lebensmut, studiert, trifft bei einem Besuch der Rostows die fröhlich-lebenslustige Natascha. Erste Anzeichen von Verliebtheit. AB entschließt sich, wirken zu wollen, wird unter Speranski Abteilungsleiter in der Gesetzgebungskommission. Großer Ball, Natascha als Debütantin, AB fordert sie zum Tanz auf. Hört ihr beim Klavierspielen zu. Überglücklich. Hält um die Hand von Natascha an, fragt seinen Vater, der ausrastet und ein Jahr Bedenkzeit fordert, bevor sie heiraten. Bittet PB, sich um Natascha zu kümmern. – Nach Rückkehr nicht mehr wirklich an Natascha interessiert, insbesondere nach dem er von ihrer Verliebtheit in Anatol gehört hat. – AB wütend auf Anatol, lässt sich militärisch in seine Nähe versetzen (Türkei), um ein Duell herbeizuführen. Streit mit Vater, geht mehr und mehr der höfischen Gesellschaft verloren. Vater wird dement. Pflegefall für Marja. AB kehrt zurück nach Lyssyje Gorje. Alles zerstört. AB bewundert Impulskontrolle von Kutusow. Hält PB eine traurige Rede vor der Schlacht von Borodino. Wird am nächsten Tag von einer Granate getroffen. Trifft Anatol im Lazarett, der dort sein Bein verliert. AB wird abtransportiert und trifft die Familie Rostow. Natascha pflegt ihn. Er ist schwer verwundet. – Andrej erholt sich nicht mehr. Todesmilde, und schließlich der Tod als Erwachen.

Boris Drubezkoi (BD) Taufpate von Fürst Besuchow, Sohn von der verarmten Anna Michailowna Drubezkaja, die für ihn ein gutes Wort einlegt, dass er eine gute Position im Militär erhält, zur Garde kommt. Wassily hilft ihr, aber zur Garde von Kutusow kommt er nicht, sondern zur der von Ismailowitsch. Natascha Rostow vernarrt in ihn. -- Sucht Nähe von AB, um sich hochzuarbeiten. AB hilft ihm, aber es gelingt noch nicht. BD lernt Dulgoruwko kennen, in Ölmütz, wo die Truppen vor der Schlacht von Austerlitz lagern. -- Mittlerweile sehr gut in der Praxis der ungeschriebenen Subordination, im direkten Umfeld des Kaisers, sehr zufrieden mit sich. Helene wirft ein Blick auf ihn, wird ihr Intimus. Scheint ein Karrierist zu werden und zu bleiben. Desinteressiert, aber nicht unfreundlich. – Wird bei den Freimaurern aufgenommen, hat engen Kontakt zu Helene. Muss sich Natascha aus dem Kopf schlagen. – Heiratet Julie Karagina, nachdem Anatol ihr den Hof gemacht und Boris provoziert hat. – In höchsten Militärkreisen präsent, hört, dass Napoleon den Fluss Njemen (Memel) überschritten hat. Trifft PB bei der Schlacht von Borodino.

Pierre Besuchow (PB) von Graf Besuchow als legitimer Sohn zum Alleinerben bestimmt, nun Pjotr Kirillowitsch Besuchow, lungert zuerst herum, Streich mit dem Bären, nun beste Partie, reich, in Petersburg. Charakterlos und unbeständig gegen sich selbst (zum Beispiel als er Andrej verspricht, nicht zum Zechen zu Anatol Kuragin zu fahren). -- Ein gemachter Mann, wird mit Helene Kuragin verkuppelt, unfähig, ihr einen Heiratsantrag zu machen, nimmt das der Vater von Anatol und ihr an ihrem Namenstag selbst in die Hand. -- Nun verheiratet mit Helene, aber Gerüchte um Dolochow und sie. P fordert Dolochow zum Duell, verletzt ihn und hat selbst Glück, aber hat dem Tod in die Augen gesehen. P trennt sich von H. -- Zweifelt an sich und der Welt, beschäftigt sich mit dem Tod, trifft einen Freimaurer namens Basdejew, durchläuft den Initiationsritus, will nun der Welt helfen, sich für die Welt, die Mitmenschen einsetzen. Vergisst aber die siebte Tugend: Bescheidenheit. Versöhnungsversuch durch Helenes Vater scheitert (1806). P in der Achtung gefallen. P zieht aufs Land, besichtigt seine Güter, will, dass dort alles für die Bauern eingerichtet wird. Verwalter betrügt ihn. Besucht AB, teilt ihm seinen neuen Glauben an die Freimaurer mit, dass alles mit allem zusammenhängt und nichts verschwindet. – Unzufrieden mit der Untätigkeit der Freimaurer, reist ins Ausland, kommt mit Ideen der Illuminaten zurück, aber seine Reformversuche finden keinen Anklang. Er versöhnt sich mit Helene, obwohl er sie für oberflächlich hält. – Fühlt sich wohl in Moskau, verlottert. PB schreitet in Sachen Anatol ein und veranlasst, dass dieser Moskau verlässt und Natascha in Ruhe lässt. Halleyscher Komet über Moskau (1812). PB zufrieden und im Reinen mit sich. – Verliebt sich in Natascha. Verfällt der Zahlenmystik. Flieht aus Moskau, will eine Schlacht sehen, trifft Boris, trifft Andrej bei der Schlacht von Borodino. Nimmt Krieg als Panorama wahr. Kriegsgetümmel. PB irritiert die Soldaten. Helene konvertiert zum katholischen Glauben und bittet PB um Scheidung, der antwortet nicht, worauf sie Selbstmord begeht. Traumatisiert vom Krieg, kehrt am 30.08.1812 zurück. Erfährt von Anatol Kuragins Tod. PB bleibt in Moskau, hat vor, Napoleon zu töten. Irrt durchs brennende Moskau, rettet ein Mädchen und gelangt in französische Gefangenschaft. – Bleibt in Gefangenschaft wegen Brandstifterei. Muss Exekutionen miterleben. Traumatisiert. Trifft Bauern Platon Karatejew. Vier Wochen Gefangenschaft in einem Schuppen. Findet innere Mitte, auch dank Platons. PB wird von russischen Truppen befreit, die einen Partisankrieg durchführen. Beim Angriff stirbt Petja Rostow. PB erinnert sich, wie Platon wegen seiner Krankheit von einem französischen Soldaten einfach erschossen wurde. Gesundet trotz ärztlicher Hilfe. Helene hat Dreiviertel seines Besitzes verbraucht. Findet zum Gottglauben zurück. Trifft Natascha wieder und entbrennt in Liebe. Sie heiraten 1813. Pierre bleibt aktiv, in klassischer Ehe, und überlegt den Zaren, wegen dessen Mystizismus, mittels eines Geheimbundes zu stürzen.

Nikolai Rostow (NR) befreundet mit Boris, will auch in den Krieg, Liebesgeplänkel mit Sonja, Ziehtochter im Hause Kuragin. Er beginnt als Junker. -- Im Husarenregiment, erwischt Teljanin beim Diebstahl, gibt ihm großzügig sein eigenes Geld, gerät in ein Feuergefecht, auf der Brücke an der Enns (23.10.1805). Im Feuergefecht gegen die aufrückenden Armee Napoleons, in Schöngrabern verletzt, flieht in den Wald, zetert, schmerzverzerrt. -- Schreibt seiner Familie, die ihm Geld zurückschickt. Unterhält sich mit BD und AB stößt zu ihnen. NR streitet sich mit AB. Durch den Besuch des Kaisers Alexander alles vergessen. NR will aber kein Schreiben zu seinen Gunsten verwenden. -- Rückkehr zur Familie, unersättlich nach Aufmerksamkeit, will von Sonja (nur eine von vielen) nichts mehr wissen. Dolochow findet nach Duell Aufnahme bei den Rostows, verliebt sich in Sonja. Auf dem Ball von Iogel macht Dolochow ihr, die noch immer NR liebt, einen Heiratsantrag, den sie ablehnt. Sie hofft auf NRs freiwillige Rückkehr zu ihr. Dolochow rächt sich, indem er NR beim Kartenspiel ausnimmt wie eine Weihnachtsgans (43 000 Rubel), ruiniert die Familie. NR fühlt sich umso mehr Sonja unwürdig. Denissow macht Natascha, die viel zu jung ist, einen Heiratsantrag, der abgewiesen wird. Rückkehr in die Armee, mit Denissow, von Liebe und Schuld beide zermartert. -- Zufrieden bei der Armee, nur dienen, nicht denken. Denissow raubt Rationen des Infanterieregiments, schlägt sich mit Teljanin, wird verklagt, verletzt sich. NR sucht ihm nach dem Frieden von Friedland im Krankenhaus auf, bekommt ein Gnadengesuch, dass NR zum Zaren bringen soll, wo sich auch BD aufhält, der aber nicht helfen will oder kann, in Tilsit. NR kann das Brimborium kaum ertragen. Nun vertragen sich die franz. und russischen Truppen, warum also das ganze Leid. Dennoch hat der Zar wieder zutiefst Eindruck auf ihn gemacht. – NR muss nach Moskau, Familie kurz vor dem Ruin, geht dennoch auf Wolfsjagd, um sich abzulenken. Wettbewerb zwischen den Hunden Milka, Jorsa, Rugai. Übernachtet beim Onkel. NR soll Julia Karagina, die reich geerbt hat, heiraten. Verliebt sich aber während eines weihnachtlichen Maskenballs erneut in Sonja. Muss aber zuvor zurück ins Regiment. – Zum Rittmeister befördert. Sommer 1812, Pawlowgrader im Gefecht, zeichnet sich aus, wird mit dem Georgskreuz belohnt, hat aber den verwundeten Soldat vor Augen, der um Gnade gewinselt hatte. NR will Korn requirieren und gelangt, ohne es zu wissen, auf Bolkonskijs Anwesen. Rettet Marja aus der Not, verguckt sich in sie. – NR hin und her gerissen zwischen Sonja und Marja, wird von Sonja freigegeben. NR verschuldet durch das väterliche Erbe, arbeitet sich wieder hoch. Begegnet Marja kalt, weil er arm ist. Kümmert sich um Sonja und seine Mutter. Als er sich wieder hochgearbeitet hat, heiraten Marja und er. 1820 kauft er väterliche Besitztümer zurück. Wird Landwirt.

… viele militärhistorischen Exkurse und geschichtsphilosophische Reflexionen, die im wesentlichen auf einen kybernetischen, emergenten Verlauf hinaus wollen, dezentral, multiperspektivisch, niemals unilateral, und schon gar nicht von einzelnen Persönlichkeiten abhängig. Ein Chaos, das sich im Nachhinein als sinnbildend ergibt.
.. auf seine Weise also vergleichbar mit Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“, nur dass Tolstoi das für die russische Geschichte unternimmt, was Musil für den Untergang des K.u.K.-Reiches versucht, aber ohne wirkliche Bezugnahme auf historische folgenreiche Ereignisse, oder aber Georg Eliots „Middlemarch“.
… besonders gelungen, das antiklimaktische Ende mit den historischen Reflexionen.
--> 5 Sterne

Form: Klassischer, epischer Stil mit tragenden, langen Sätzen, Konvoluten an Wörtern, an Begebenheiten, weit ausgedehnte Digressionen, Parataxen, Synekdochen, immer wieder abwechslungsreiche Szenen, narrative Verdichtungen, Raffungen und zugleich direkte, erlebte, indirekte Rede, um rhythmisch und melodisch am Ball zu bleiben. --> 5. Sterne

Erzählstimme: Reflektiert auktorial erzählt, daher unsituiert, jedoch lokalisierbar als im Rückblick und kommentierend. Die Stärke des Buches, da hier wirklich das tragende Element des auktorialen Erzählens betont wird: die inhaltliche Angreifbarkeit durch das historische Material. Der Erzähl, obzwar allwissend, exponiert sich durch die Reflexionen und die Sachverständnisse. Hier existiert Recherche, die nicht magisch-mystifizierend beliebig wirkt wie bei einem Kehlmann, der so schreibt, dass alles Erfindung sein könnte. Tolstoi bezieht sich auf klare Ereignisse und Zusammenhänge und eröffnet so die Diskussion, und zwar in Bezug auf einen Gegenstand, der durch seine Breite und folgenreiche Weite wie ein Krieg aus vielen Blickwinkel betrachtet zu werden verdient. Inhalt und Gegenstand entsprechen sich völlig in der Erzählstimme und Erzählweise. --> 5 Sterne

Komposition: Abwechslungsreiches, episodisches Erzählen, ohne Lückenfüller. Alles dicht, verwoben, miteinander in schillernder Übereinkunft. Besonders beeindruckend das langsame Vorrücken der napoleonischen Truppen in das Moskau, das vorher so
Profile Image for Marion.
205 reviews65 followers
June 1, 2025
"Krieg und Frieden" ein Meisterwerk der Literatur!
In diesem umfangreichen Monumentalwerk beschreibt Tolstoi das Leben und die Schicksale mehrerer Personen und Familien von 1805 - 1813 während der Kriege und auch des Friedens.

Im Mittelpunkt stehen verschiedene Charaktere des russischen Adels. Tolstoi gibt uns Einblick in deren Leben und in Ihre gegenseitige Verstrickungen. Der Leser wird in die gehobene Gesellschaft des damaligen Russlands eingeführt und lernt die Sicht-und Handlungsweisen der einzelnen Protagonisten/innen kennen.
Das Ganze geschieht vor dem Hintergrund der napoleonischen Feldzüge gegen Russland.

Auch historisch hat dieses Schwergewicht der Literatur viel zu bieten, weist sich Tolstoi in einem Teil des Buches auch rein als Historiker aus und schreibt faktisch nur geschichtlich und nicht mehr innerhalb der eigentlichen Geschichte, was mich erst ein wenig verwunderte.

Die Geschichte beginnt in St. Petersburg 1805 mit einer gesellschaftlichen Zusammenkunft, in der schon einige der Hauptfiguren auftreten. Es geht weiter mit der Schlacht bei Schöngraben und deren militärische Beteiligung, die Schlacht bei Austerlitz, auch die "Dreikaiserschlacht" genannt und endet mit Napoleons Russlandfeldzug 1812: Schlacht bei Borodino, Brand von Moskau und Rückzug.

Immer wieder wird auch das gesellschaftliche Leben der Figuren eingebaut. Da gibt es Pierre, der uneheliche Sohn eines Grafen. Andrei, eine sehr tragische Figur dieses Romans. Natascha, gefühlvoll und impulsiv. Fürst Bolkonski, ein exzentrische General und dessen Tochter Marja tiefreligiös. Nikolai, sehr pflichtbewusst und Sonja, seine Kusine. Helene, wunderschön und berechnend, ihr Bruder Anatole, hedonistisch und leichtsinnig und natürlich Napoleon und Zar Alexander.

Wir erfahren viel über die geschichtlichen Orte, Begebenheiten und den historischen Ablauf der Ereignisse. Was mich total für dieses Buch eingenommen hat und mir auch den Teil des Krieges wesentlich interessanter gestaltete als die Teile des Friedens.

Am Anfang hatte ich auch Probleme mit den vielen Namen der einzelnen Personen. Da ich dieses Buch jedoch im Buddy-Read gelesen habe und sich eine liebe Freundin, die Mühe machte, eine Figurenübersicht zu erstellen, hat sich dies dann schnell relativiert. Eine solche Übersicht würde ich aber auf jedem Fall jedem empfehlen, da es das Lesen dieses Wälzers um ein vielfaches erleichtert.

Für mich ist dieses Buch eine Besonderheit und auf jeden Fall eine Leseempfehlung!
Wie bereits erwähnt habe ich es im Buddy-Read gelesen, was einerseits super für die gegenseitige Reflexion und Wahrnehmung der Personen und geschichtlichen Abläufe war, jedoch auch lange Spannen des Nichtlesens aufwies und ich mich deshalb immer wieder neu einlesen bzw. orientieren musste. Wäre ich dran geblieben und hätte es nicht neben anderen Büchern gelesen, wären es sicher auch 5 Sterne geworden, da sich dann wahrscheinlich für mich ein anderes Leseerlebnis ergeben hätte.

Trotzdem ein Hoch auf unseren Buddy-Read mit insgesamt 6 Personen - wer weiß, ob ich es überhaupt noch gelesen hätte 😉 und ein Hoch auf die Klassiker unserer Weltliteratur!

"Die Unberechenbarkeit des Lebens - Krieg und Frieden in der Urfassung" - Thomas Grob 1257
Profile Image for Max.
291 reviews555 followers
July 22, 2024
"Im ersten Fall musste man sich vom Bewusstsein einer nichtexistierenden Unbeweglichkeit im Raum lossagen und eine Bewegung, die wir nicht spüren, anerkennen; im gegenwärtigen Fall ist es genauso notwendig, sich von einer nichtexistierenden Freiheit loszusagen und die Abhängigkeit, die wir nicht spüren, anzuerkennen."

Diese letzten Worte in Krieg und Frieden sind der unvermittelte Stopp eines Husarenritts, der im letzten Teil des Epilogs durch die Grundlagen der menschlichen Lebensbedingung preschte und die Veränderung in der Wissenschaft vom Willen des Menschen mit der Kopernikanischen Wende verknüpft.

Welche Bedeutung hat jene Kraft, die historische Ereignisse verursacht? Wie ist diese Macht definiert, wessen Produkt ist sie? Laut Tolstoi ist die bisherige Geschichtsschreibung ein hoffnungsloser Versuch, die von Gott befreite Leerstelle eines Urwillens durch einzelne Genies der Geschichte (Napoleon, Cäsar…) zu ersetzen. Doch diese Vorstellung ist in Anbetracht der Widersprüche, Momente der Machtlosigkeit und Millionen Beeinflussungen der „Genies“ haltlos. Auch die Idee einer Übertragung der Einzelwillen eines Volkes auf einen einzigen Führer, der dann die Macht eines Volkes trägt, lehnt Tolstoi als unbegründet ab – diese Übertragung habe es so nie gegeben.

Was Tolstoi hier unternimmt, ist also die Untersuchung der Strukturen von Macht in großen Gruppen. Über die Station der Abhängigkeit zwischen Willenssenders und Willensempfängers (etwa im Militär) kommt er bald darauf auf eine diskursive Macht, die mich stark an Foucault erinnert: Der Mächtige definiert sich durch die Definitionsgewalt, die er den gemeinschaftlich begangenen Taten beilegt. Der Machtlose hingegen handelt nur an vorderster Front und trägt für das Vorgehen kaum Verantwortung, weil er nach den Meinungen anderer handelt. Diese Feststellung, dass also Narrative letztlich selbst Macht über Gruppen ausüben und ihnen die Verantwortung über das Handeln abnehmen, ist im Kontext der Zeit geradezu prophetisch, das beeindruckt mich sehr. Auch Freud – allerdings 50 Jahre später – sprach davon, dass jede Kultur eigene Aggressionstriebe durch Narrative auf andere Völker leite.

Wenn der machtlose Einzelne aber durch die vorgeblichen und kontingenten Ziele (Befreiung anderer, Gleichheit, Ruhm, Größe…) handelt, ohne die Verantwortung für das Abschlachten auf dem Schlachtfeld übernehmen zu müssen, dann stellt sich für Tolstoi die Frage nach der Freiheit des Einzelnen. Dabei stellt er zunächst fest, dass jeder Mensch von einem Freiheitsbewusstsein ausgeht, auch wenn wir unsere Beschränkungen und Notwendigkeiten als Unfreiheit ebenso durchschauen. Wir müssen essen, schlafen, folgen unseren Vorstellungen, Charaktereigenschaften etc.

Die Analyse der beiden Kräfte Freiheit und Notwendigkeit, die jeden Menschen prägen, gehört zu den wunderbarsten Stellen des ganzen Buches. Es ist eine wahre Freude, diesem klugen Mann zuzuhören, wie er vor dem Leser einen gedeckten Tisch der Bestimmungsfaktoren ausbreitet und erläutert, dass die genauen Kenntnisse der konkreten Lebenssituationen (Hunger, Hass, Todeskampf…) der erlebten Zeit sowie der Lebensbedingungen (Milieu, Geschlecht, Alter…) eines Menschen uns diese Person als unfrei erscheinen lassen. Wir erkennen die Bedingungen dieser jeweiligen Menschen und sind geneigt, die Kraft der Notwendigkeit über die Freiheit zu stellen.

Als konkretes Beispiel dafür kann man die älteren Autoren gerne attestierte, aber auch rasch verziehene Frauenverachtung nennen, die aus heutiger Sicht als historische Notwendigkeit betrachtet und daher als das Fehlen von Freiheit entschuldigt wird. Dass Tolstoi ebenfalls von historischer Misogynie notwendig gebunden war, ist eine pikante Randnotiz, die sich besonders im ersten Teil des Epilogs in die Lektüreerfahrung eingeschrieben hat.

Sicherlich fällt die Darstellung der Ehe gegenüber den anderen Aspekten ab. Man kann es als Versäumnis betrachten, dass Tolstoi die Ehe als Hort der Liebe inszeniert, indem er den Frauen einen Hang zur Häuslichkeit, zum Nachplappern männlicher Klugheit unterstellt, ihnen also den Rang einer schönen Seele beimisst, die erst in der Existenz mit dem Gatten ihre Erfüllung findet. Auch ich habe Natascha am Ende nicht wiedererkannt:

"Es gab in ihrem Gesicht nicht mehr wie früher ständig diese feurige Lebhaftigkeit, die ihren Zauber ausgemacht hatte."

Gerade der Verzicht auf die individuelle Leidenschaft (Musik, Tanz, Emotionen) und die Verwandlung zur ruhigen Familienmutter drückt Tolstois Vorstellung einer gereiften Frau aus. Freilich prägt aufrichtige Liebe die Ehen von Marja und Nikolai, mehr noch von Natascha und Pierre. Freilich ist die Ehe der Schutzhafen nach all den Jahren voller Krieg und Verlust, aber dass das Geschlechterverhältnis in diesem revolutionären Werk bei den Konventionen der Zeit verharrt, überrascht zumindest.

Ist Tolstoi einerseits der rigorose Fürsprecher der Bauernbefreiung, eines tätigen Lebens fern der adeligen Salons und einer russischen Seele, scheut sich also keineswegs, alte Zöpfe ab- und Talare aufzuschneiden, ist ihm die Frau kein eigenständiges Verstandeswesen, dessen gesellschaftliche Lage neu verhandelt werden sollte. Eine Erklärung für diesen Umstand liefern die zahlreichen Biografien und ein Blick auf das Verhältnis zur Ehefrau Sofia.

Tolstoi kann durch seine Herleitung auch erklären, weshalb wir uns selbst oft als ausgesprochen frei, historische Personen und literarische Figuren als unfrei wahrnehmen: Gerade die Unmittelbarkeit unseres Erlebens ohne Verständnis für die bedingenden Lebensfaktoren gaukelt uns große Freiheit vor. Erst der Blick zurück erkennt (oder meint zu erkennen) die Biografie im Licht der Notwendigkeiten.

Stilistisch und erzähltechnisch hat Tolstoi Neuland aufgeschüttet, auf dem sich Nachfolger niederlassen und austoben konnten: Durch die inneren Monologe treten die Figuren auf Tuchfühlung an uns heran, mitunter treffen uns Bewusstseinsströme in Stakkato, etwa im hektischen Kampf oder wenn das "Mysterium des Todes" durch die individuelle Wahrnehmung vor uns abläuft.
Ebenfalls die jeweilig angepasste Figurensprache war Tolstoi ein Anliegen. Eine Anekdote besagt, dass er seinen Bauern jene Passagen im Werk vorlas, in denen Bauer sprachen. Daraufhin ließ sich Tolstoi die Passagen von den Bauern nacherzählen, wobei er den Stil und Redewendungen sofort abänderte. Diese authentische Nähe zu den unterschiedlichen Figuren zahlt sich aus: die Figuren erhalten Kontur, Form, Inhalt.
Durchsetzt sind die personalen Erzählperspektiven immer wieder mit allgemeinen Bestimmungen zum Menschen:

"Wie das immer so ist während einer Reise, dachte Prinzessin Marja nur an die Reise selbst und vergaß dabei, was ihr Zweck war." (S.659)

Schon der Wechsel im Tempus markiert eine auktoriale Instanz, die sich um die Figur legt und ihre Erfahrung verallgemeinert und auch damit auch uns Leser ins Boot holt. Der Erzähler lässt seine Figuren und uns nie alleine, immer begleitet er durchs Gelände Russlands und kommentiert, und erschafft somit einen bequemen Handlauf für Leser. Da er dabei weder zu aufdringlich noch figurenfern vorgeht, ergibt sich eine Lektürestimulierung allererster Sahne.

Um es abzuschließen: Ich verehre Tolstoi für die klar, präzise und klug formulierten Gedanken zum Verständnis der Macht- und Freiheitsaspekte und trete nun also glücklich aus dem Epilog und aus dem Roman. Es ist ein großer. Dass wir gerade in der tiefen Betrachtung der Figuren, Pierre, Natascha, Andrej, Marja…, ebenjene Bewegungen der Waagschalen von Freiheitsdrang und Notwendigkeit in Zeiten verbrennender und entstehender Narrative erleben und erfühlen können, über Jahrhunderte hinweg, das macht dieses Buch doch außergewöhnlich und einzigartig.

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Statusupdates während der langen Lektüre:
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Pro Seite fünfmal in die Fußnoten zu schauen, um die Übersetzung des Französischen zu lesen, ergibt noch nicht den ganzheitlich verhexten Lektürebombast, den ich insgeheim erwarte.
Aber kein Problem.
Für Krieg und Frieden unterbreche ich gerne das Buch, lerne Französisch und kehre dann zurück. Klar.
— Feb 10, 2024 12:42PM

Zwei Eheanbahnungs-Verwicklungen: Pierre weiß nicht, wie ihm geschieht, Helene wird ihm untergeschoben, sein Kopf rattert panisch, um Auswege bzw. romantische Passung bemüht. Fürstin Marja, hässlich wie die Nacht (und Pierre), will den hohl-schönen Anatole, was den Vater zur Raserei treibt.

Da freut man sich glatt, ledig und in Ehefragen ungebunden zu sein. Hätte hier nur gerne meine schöne Ausgabe.
— Feb 17, 2024 04:35AM

Nun also Austerlitz: Befehlshaber Weyrother erläutert den Schlachtplan, der viel zu unflexibel und für Taktikfuchs Napoleon berechenbar ist. Einwände werden durch Befehlsketten verunmöglicht. Derweil träumt Rostow vom Treffen mit dem geliebten Zar Alexander und Fürst Andrej sehnt sich nach dem Treffen, um sich auszeichnen zu können. Erzählerisch wunderbar, wie das kilometerbreite Feld (der Zustände) abgegrast wird.
— Feb 19, 2024 03:32AM

Wie Tolstoi nun Napoleons Zaudern und Zögern als größtmögliche Dummheit verreißt, hat schon Züge eines Rap-Disses. Ich würde so gerne das Musikvideo dazu sehen, wie Tolstoi mit schiefer Basecap eine Napoleonpuppe ins Grab tritt und dann mit den ausgekämmten Brotkrümmeln aus seinem Vollbart berieselt: "Napole-on ist out, Borodino, du Braut, hast du ordentlich versaut, und es ist der Russ' jetzt an Na? -Pole-one!"
— Jul 18, 2024 01:03AM

Nun also noch der oft als trocken und unpassend gescholtene Epilog, der sich tatsächlich so liest, als hätte Erich Honecker sein Familienidyll mit Margot und den Kids beschrieben, wobei Betulichkeit und Misogynie durch klare Rollen nicht darüber hinwegtäuschen sollten, dass Tolstoi hier seine weiteren geplanten Teile zu den Dekabristen und der Bauernbefreiung vorbereitet hat, die er dann aber nicht vollendete.
— 3 hours, 45 min ago

Fortsetzung/Komprimierung folgt
Profile Image for Matti.
81 reviews
November 30, 2025
Ist es überhaupt verwunderlich – Ist es nicht eigentlich klar, dass ich diesem Werk fünf Sterne gebe ... geben muss?

Es hat mich nun über drei Monate hinweg treu begleitet; über gute, wie auch über schlechte Tage. Bei voller Transparenz muss ich sagen: es war nicht immer leicht. Manchmal war es Arbeit, sich nach einem schlechten Tag nochmal Zeit für ca. 20 Seiten zu nehmen und diese gewissenhaft durchzuackern; wenn es dann auch noch um Kriegsdiplomatie ging, war es wie auf einer Schule.
Das hört sich nach einer ernsten Verpflichtung an, nicht wahr? Gewiss, so fühlte es sich auch an.

Was wurde nicht alles schon zu diesem Buch gesagt. Was kann ich da noch groß ergänzen?
Ich kann eigentlich nur meine Eindrücke schildern, Gründe anregen, wieso sich die  Aufnahme dieser Lektüre lohnen könnte.
Mir ist bewusst, dass nicht jeder Leser ein historisches Interesse für die napoleonische Zeit hegt, also kann und will ich auch niemanden ernstlich überzeugen, auch wenn ich der Meinung bin, dass der historische Aspekt an dem Wälzer den weitaus geringsten Vorzug darstellt.

Also gut, zum eigentlichen nun. War das Buch perfekt? Nein. Das bereits angesprochene Kriegsdiplomatische war recht langweilig (Es ging mir vielleicht auch nur so, weil ich mich vor "Krieg und Frieden" mehr mit dem Russlandfeldzug beschäftigt hab und gesättigt bin).
Ansonsten fiel mir zumindest bei einem Plotpunkt auf, dass dieser sang- und klanglos fallen gelassen wurde (Prinzessin Marja wollte Anatole Kuragin mit Mlle Bourienne verkuppeln, aber es ist nie mehr darüber gesprochen worden).
Aber das sind Kleinigkeiten, die mein Leseerlebnis nicht lange beeinträchtigt haben. Die Kriegsepisoden gingen wieder vorbei und Anatole Kuragin wurde in eine interessantere Geschichte mit Andrej Bolkonski gesteckt.

Jetzt mal mehr über das Buch an sich. Tolstoi sieht es nicht als Roman und ich schließ mich seinem Urteil an. Es ist ein einzigartiger Cocktail von verschiedenen Ingredienzien. Ich hab es mir persönlich in drei Kategorien eingeteilt.
Da ist einerseits der Romanteil mit all den originalen Charakteren, die das ganze Buch über präsent (oder nicht präsent) sind.
Dann der Geschichtsbuchteil, vom Historiker Tolstoi, in dem Tolstoi auch mal trocken Geschichte erzählt.
Zu guter Letzt der Essayteil, in dem Tolstoi selbst Reflexionen und Ideen zu breiten Themen, wie Geschichte, Glaube, historischen Persönlichkeiten, Freiheit, usw. preisgibt.

Alle drei Teile sind eng miteinander verschlungen und nicht zu trennen. Das macht den Reiz des Buches aus. Es bleibt frisch, da der Ton des Erzählers immer wieder wechselt. Nicht alle Teile sind gleich interessant, der historische war oft sehr träge, aber ich konnte mir immer sicher sein, dass ein paar Seiten darauf wieder Interessantes auf mich warten würde. Und gewiss, ich wurde nie enttäuscht.

Ich will gar nicht groß auf den historischen Teil eingehen, möchte aber eines lobend gesagt haben: Die essayistischen Kapitel über die Natur des Kriegs, über Napoleon, über Kutusow, über Zar Alexander I. und vor allem über unsere Art, Geschichte zu lernen und einzuordnen, speziell indem wir uns einen einzigen Fixpunkt, in Form eines Machthabers, herauspicken, um diesem dann die ganze historische Traglast zu überschreiben – das war faszinierend! Und es wird meine Denkweise nachhaltig verändern.

Aber was wäre dieses ganze Buch ohne den Romanteil; ohne Pierre, ohne Natascha, ohne Nikolai, ohne Andrej, ohne Prinzessin Marja, ohne ihren Vater, ohne die furchtbare Familie Kuragin, ohne Karatajew und vielen, vielen weiteren?
Um einiges ärmer, das sei gewiss.
Niemand dieser Menschen ist perfekt, jeder macht Fehler – und das ist gut und schön so. Alle haben sie Furchtbares in der einen oder anderen Form erlebt.
Der Krieg, der war ungewöhnlicherweise nicht das größte Übel, nicht das größte Leiden im Leben dieser Menschen. Klar, ein paar Weggefährten haben ihr Leben lassen müssen im Krieg, aber das reguläre Leben ging weiter. Und all die Menschen hatten nach wie vor ihre persönlichen Probleme, ihre Leiden, die auch wir noch haben. Pierre mag derjenige sein, dem man am meisten Sympathie entgegenträgt. Er ist fast das ganze Buch über auf der Suche nach sich selbst – ich würde sagen, auf der Suche nach innerem Frieden. Er macht so viel Humbug, aber er ist wie wir, deswegen haben wir ihn gern.

Ich kann noch lange über die Charaktere und deren Wandel in einem Zeitraum von etwa 15-17 Jahren reden, aber das würde den Rahmen sprengen und den Leser meiner Zeilen erschöpfen. Also werde ich nur noch kurz grob zusammenfassen, was ich an dem Buch schätze:

Es hat mein Bild zu historischen Persönlichkeiten verändert.
Ich hab mehr über die russische Gesellschaft und deren Einstellung zum Krieg gelernt.
Ich hab neue Charaktere für meinen inneren "Personen-Kanon" von literarischen Figuren, die ich schätze, hinzugewonnen.
Und am wichtigsten: meine historische Denkweise hat sich geändert und wird sich weiterhin wandeln zu einer eher vernunftsbezogenen Sichtweise, ohne Ehrfurcht vor "großen" Männern und Frauen.

Ich habe sehr viel aus diesem Buch gewonnen. Gewiss auch die Erkenntnis, dass tägliche Lektüre, von wenigen Seiten auf Monate gestreckt, eine Erfahrung ist, die ungewöhnlich wertvoll für mich war und ich gerne in Zukunft wiederholen möchte. Vielleicht mit "Anna Karenina" oder Dostojewskis "Die Brüder Karamasow".
Profile Image for Peter.
421 reviews248 followers
October 10, 2018
Tolstois „Krieg und Frieden“ zu besprechen, allein schon der Gedanke klingt wie ein Sakrileg. Ich beschränke mich daher von vornherein auf die Beschreibung meiner persönlichen Empfindungen, während der Lektüre. Letztere erstreckte sich über einen Zeitraum von 7 Monaten mit Zeiten des Verschlingens, aber auch längeren „Verdauungs“pausen. Es ist unter anderem diese lange Spanne, die mich das Lesen rückblickend mehr als Lebensabschnitt, denn als (punktuelles) Ereignis erscheinen lässt. So kann ich nachvollziehen, dass für manche Leser der Roman einen Einschnitt bedeutet, der ihr Leben in ein „vor“ und „danach“ unterteilt.

Wobei die Kategorie Roman für diese Buch viel zu kurz gegriffen ist, was auch Tolstoi so gesehen hat, wie ich aus dem Nachwort der Übersetzerin erfuhr. Die schwer verdaulichen geschichtstheoretischen und militärhistorischen Betrachtungen sind ein unabdingbarer Bestandteil dieses Werks. Das merkt man auch an dem umfangreichen Epilog, den der Autor der eigentlichen Handlung nachgestellt hat. Hier bestätigt er, dass das große Leitthema die Frage der Freiheit, bzw. der Gegensatz von Freiheit und Notwendigkeit ist. Diese Freiheit hat mehrere Dimensionen, die zwischenstaatliche im Sinne von Unabhängigkeit (im Gegensatz zu Vasallenstaaten Frankreichs, wie die Rheinbundstaaten), die persönliche, wie im Falle von Pierres Gefangenschaft, die zwischenmenschliche Freiheit von gesellschaftlichen Zwängen (Pierres gescheiterte Ehe, seine Weigerung militärischen oder zivile Posten zu bekleiden), wie sie die (überlebenden) Hauptpersonen im Dialog erfahren und die eigentliche, völlige innere Freiheit, die Tolstoi am Beispiel des einfachen Soldaten und Bauern Platon (nomen est omen) Karatajew darstellt.

Ein Nebenaspekt, der mich als Physiker angenehm überrascht hat, ist das umfassende naturwissenschaftliche Verständnis Tolstois, dass an mehreren Stellen zu Tage tritt. Da ist seine Kenntnis der Darwinschen Evolutionstheorie, sowie gelungene Vergleiche, wie die mikro- und makroskopischen Aspekte der Thermodynamik im Zusammenhang mit dem Verhalten komplexen Gesellschaften oder auch die Überlegung, dass Entscheidungsprozesse einem vieldimensionalen Kräfteparallelogramm ähneln, bei dem die Resultierende Kraft die Summe aller Kräfte darstellt.

Noch ein Wort zu der von mir gewählten, im Hanser Verlag erschienenen Übersetzung von Barbara Conrad. Ich bin sehr glücklich über diese Wahl. Zum einen reichen meine Französischkenntnisse gerade so, um die meisten Abschnitte im Text lesen zu können, die bei anderen Ausgaben in Fussnoten verbannt sind. Damit fühle ich mich auch dem historischen Leser näher. Zugleich habe ich intensive von dem umfangreichen Kommentaren im Anhang Gebrauch gemacht, die häufig die Einordnung in den historischen und russisch orthodoxen Kontext erst möglich machen.

Nach der Lektüre von „Krieg und Frieden“ empfinde ich so etwas wie Ehrfurcht, nunmehr zu dem illustren Kreis der Menschen zu gehören, die die Erfahrung gemacht haben dieses Werk in Gänze zu lesen.









Profile Image for Anna Lyse.
154 reviews10 followers
February 1, 2023
Bitte sehr, es soll ja niemand vergessen, dass es sich hier um russische Literatur handelt:

» Aus dem dritten Zimmer erscholl wüster Lärm, Lachen, das Geschrei bekannter Stimmen und das Gebrüll eines Bären. Acht junge Männer drängten sich, aufgeregt redend, um ein geöffnetes Fenster. Drei andere tollten mit einem jungen Bären umher, welchen einer an der Kette hierhin und dorthin schleppte, um die andern zu erschrecken.
[…]
Die Polizei kam eilig herbei, um dem Unfug Einhalt zu tun; da haben sie den Reviervorsteher ergriffen, ihn Rücken an Rücken mit dem Bären zusammengebunden und den Bären in den Moika-Kanal geworfen; der Bär schwamm im Wasser, und der Reviervorsteher auf ihm drauf.«


Drei Wochen tägliches Lesen. Manchmal reines Abarbeiten, dann wieder stundenlanges Vergnügen. «Krieg & Frieden» ist ein Monument sondergleichen, das mit grossen Pinselstrichen die Koalitionskriege nachmalt und detailversessen den jeweiligen Leuten auf die Pelle rückt. Jeder Aspekt, jede Situation kreiert dutzende von Seiten, überfliegt man mal ein paar, ist man immer noch im Fluss. Da lässt zum Beispiel der Jammergreis Fürst Bolkonski aus lauter Ärger über bevorstehenden Besuch den eben von Schnee geräumten Weg wieder zuschaufeln und ereifert sich im nächsten Atemzug über die Hässlichkeit der eigenen Tochter und erfreut sich über den abgewiesenen Antrag von Fürst Kuragin um die Hand ebenderselben. 50 Seiten.

Heirat und Scheidung. Fest und Duell. Gewinn und Verlust. Oberlippenhaar und Glatzkopf. Glauben und Atheismus. Mystizismus und Freimaurertum. Peitsche und Pistole. Leibeigentum und Adel. Leben und Tod.

Ich mag diese langen, verwickelten Bücher, die sich Zeit lassen, Charakter und Geschichte gleichermassen zu entwickeln und keine Angst davor haben, den Leser zu langweilen. Das mag jetzt etwas konträr tönen, wenn ich im vorigen Abschnitt über 50 Seiten Belanglosigkeit monierte. Das gehört eben auch dazu. Es ist nicht ständig reines Lesevergnügen, ich kann mir aber zweierlei Sachen bereits jetzt sehr gut vorstellen:

i) Diese Geschichte bleibt hängen. Die langweiligen Passagen verkommen zu Anekdoten. Die Zeit arbeitet insofern zum Vorteil dieses Buches, dass ich es Ende Jahres auf vier oder gar fünf Sterne anhebe.
ii) Ich möchte das Buch nochmals lesen. Dann aber brutal langsam, statt wie jetzt mehr als 100 Seiten pro Tag durchzupeitschen. Meine Version hat 15 Teile plus Epilog aufgeteilt in 353 einzelne Kapitel. Ziemlich genau ein Jahr mit Pierre und Andrej, Napoleon und Alexander. Ich bin der festen Überzeugung, dass dieser tägliche Einsatz einen nachhaltigen Einfluss hätte auf die Art, wie man sich dieser Geschichte nähert, sie einnimmt und verarbeitet.

«Krieg und Frieden» ist nicht unbedingt eine in sich geschlossene, kohärente Geschichte. Es ist vielmehr eine Ansammlung verschiedenster Aspekte in Form eines Romans, eines Essays, einer Aufzählung. Tolstoi packt alles mit rein. Philosophie und Historie, Komödie und Tragödie, Romanze und Kampf, Adel und Bauernstand, Fakt und Fiktion. Manchmal passen die Bilder, die Tolstoi kreiert sehr gut, manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Das Buch in all seinem Reichtum und seiner Komplexität spiegelt das Leben an sich, und das macht es aus, diesem Werk nie mehr ganz entrinnen zu können.

PS: Es ist nicht klug, russische Wodkaliteratur im weissen Januar zu lesen. DS.
Profile Image for Wilja Wiedenhöft.
157 reviews296 followers
February 9, 2018
Großartige epische Geschichte und eines meiner neuen Lieblingsbücher ❤️


Und was ist das Wesen des Krieges? Was ist beim Kriegshandwerk zum Erfolg nötig? Wie beschaffen sind die Sitten des Militärs? Der Zweck des Krieges ist der Mord; die Mittel des Krieges sind Spionage, Verrat, Anstiftung zum Verrat, der Ruin der Einwohner, die ausgeplündert oder bestohlen werden, um die Armee zu versorgen, Betrug und Lüge, die als Kriegslist bezeichnet werden; die Sitten des Militärstandes sind: jener Mangel an persönlicher Freiheit, welcher Disziplin heißt, Müßiggang, Roheit, Grausamkeit, Unzucht, Trunksucht. Und trotzdem ist dies der höchste, allgemein geachtete Stand.
Profile Image for Armin.
1,262 reviews34 followers
July 2, 2021
Eher ein philologisches Vergnügen als reiner Lesesgenuss, denn die Etappen zwischen dem echten Neuland sind ziemlich lang. Zumeist hat der Wahrheitsfanatiker Tolstoj durchaus gelungene Kapitel eliminiert, weil ein Detail bei den Fakten nicht passte (siehe bei der detaillierten Aufstellung unten).
Im direkten Vergleich mit der endgültigen Fassung merkt man etlichen Kapiteln doch an, dass Tolstoj diese später massiv zugunsten einer besseren Qualität überarbeitet hat, aber viele sind genauso verbesserungsbedürftig stehen geblieben. Die Übersetzung von Dorothea Trattenberg ist eher eine Spaßbremse, zumal sie die Ortsnamen im russischen lässt und mit ihrer falsch verstandenen Authentizität einiges an Bedeutung unterschlägt. Lysye Gory ist für jeden Nicht-Russen absolut nichts sagend, Bald Hills/Kahle Hügel liefert schon zum Kapitelbeginn eine erste Ahnung vom Geist, der auf dem Landgut des vom Hofe verbannten Königs von Preußen herrscht. Bei Kahle Hügel stellt sich sofort ein Bild ein, auch von dem Haupt unter der Perücke des alten Mannes, der auch nach der Ermordung des alten Zaren und potentiellen Napoleon-Verbündeten in seinem ländlichen Schmollwinkel sitzen geblieben ist, um dort uneingeschränkt zu herrschen und zu grollen. Das vollkommen irrwitzige Duell zwischen Pierre und Dolochov bekommt im Sperlingspark eine herrlich groteske Note, die sich beim Sokolniki nicht einstellt.
Die fehlenden Reflektionen und minimalen historischen Exkurse mögen zwar für jene verlockend klingen, die sich dadurch 500 Seiten weniger versprechen, Einsteiger sollten trotzdem lieber auf eine gekürzte Version der späteren Fassung zurück greifen. Denn eine Eigenheit des Werkes sorgt dafür, dass dabei genügend Substanz erhalten und viel Ballast auf der Strecke bleibt. Der Gesamtroman ist alles andere als komponiert, einzelne Szenen dafür um so mehr, aber alles in allem handelt es sich eher um Bilder aus dem russischen Leben im Napoleonischen Zeitalter. Hatte auch die zuletzt gelesene Kurzversion von rund 750 Seiten auf dem Kindle zum Vergleich heran gezogen, die einzelnen Kapitel waren nicht gekürzt, einzige Ausnahme: die letztlich erfolglose Umdekoration der unausgesetzt mit dem Attribut hässlich zugekleisterten Marja Bolkonski ging vier Seiten länger. Das Lesevergnügen der vergleichbaren Kapitel war durchweg höher als in der Urfassung. Allerdings geht in jeder deutschen Übersetzung Tolstojs Parodie auf die sprachlichen Macken der Wurstmacher unter. Während der Lektüre der Kapitel mit deutscher Beteiligung habe ich mich in der englischen Übersetzung der Maudes streckenweise totgelacht. Die Übersetzung der Tolstoj-Jünger ist die mit Abstand beste.
Als Philologe war für mich das Nachwort die Hauptattraktion, das Tolstojs Arbeitsweise und die damit verbundene Archäologie hinter der Urfassung erläuterte. Eine Fußnote in Kartause von Parma bestätigte meinen Eindruck bei den Schlachtszenen, die in der Urfassung ausschließlich dem Vorbild Stendhal und dessen Lehre von der Undurchschaubarkeit des Schlachtgeschehens für den Einzelnen folgen. Später versuchte Tolstoj die Totalität ja durch seine Exkurse nachzuliefern und dabei allerlei Geschichtslügen aufzudecken. Die gründliche Überarbeitung der Schlacht von Borodino mit weitaus besserer Personenführung zeigt aber, dass der Autor bei der Gestaltung von Stendhals Lehre, die er als Jungautor erst nach mehrmaligem Scheitern beim Gestalten persönlicher Kriegserfahrungen akzeptierte, große Fortschritte gemacht hat.

So, jetzt kommt der Teil für Leute, die schon mal eine spätere Fassung gelesen haben, bis zur großen Krise 1879 (Meine Beichte) hat Tolstoj permanent weiter überarbeitet, Fassungen mit Binnenexkursen oder großem historischen Anhang erstellt, nach der großen Krise das Buch wie den Folgeroman Dekabristen abgehakt und nur noch Frau und Töchter nach Druckfehlern suchen lassen. Dass er bei Krieg und Frieden den Bettel einfach hinwarf, um lieber die Welt zu retten, erklärt wohl auch, dass diverse stark verbesserungsbedürftige Kapitel wie in der Urfassung stehen geblieben sind.

Markante Unterschiede, bzw komplette Striche gibt es:

- In der insgesamt 15 mal überarbeiteten Einleitungsszene im Salon Scherer
- Die Ennsbrücke Nikolaj Rostows Kanonenfieber wird mit einem Bordellbesuch belohnt.
- Die Schlacht von Friedland (Gründe für die Eliminierung und Inhalt unten)
- Das vor- und außereheliche Liebensleben Pierre Besuchows
- Sehr kurzes Borodino, das Fürst Andrej überleben wird.
- Héléne stirbt in Petersburg an einer Fehlgeburt, nachdem sie in flagranti vom aktuellen Hauptliebhaber mit einem Husaren erwischt wurde.
- Brand von Moskau ist sehr kurz geraten, Pierre wird ohne Platon Karateew glücklich, aber von einem Freimaurerbruder mit dem Überlebensnotwendigen versorgt.
- Der Partisanenkrieg wird zwar kurz, aber als blutiger Wettstreit von miteinander um die Beute konkurrierenden Truppen geschildert, bei dem Dolochov mit Rostows Freund Denisov konkurriert.
Als Beifang wird Pierre gerettet.
Der patriotische Zuckerguss mit der Glorifizierung des russischen Volkes fehlt völlig, von daher ist der Schluss relativ schlank, zumal die Doppelhochzeit auf ein vier Zeilen schrumpft.

Drei Markante Änderungen im Detail:

Eröffnung im Salon Scherer

Insgesamt 15 mal überarbeitet, in der endgültigen Fassung ein Meisterwerk an Verknappung. Bei der endgültigen Version blieb zwar auch viel pralles Weiberfleisch auf der Strecke, Hauptopfer der Streichung ist eine fromme Legende der Emigranten. Eine Anekdote der sich Napoleon und der Herzog von Enghien dieselbe Geliebte teilen, die Schauspielerin Madame Georges. Als Bonaparte spontan bei der Geliebten auftaucht und einen Anfall erleidet, springt der vorher in Deckung gegangene Bourbonen-Prinz aus seinem Verstreck und rettet dem Mann das Leben, der später seine Entführung und Hinrichtung anordnen wird. Die Geschichte ist zwar grottenfalsch, auch wenn die Schauspielerin, die sich vor dem permanent Geld in ihren Ausschnitt stopfenden Bonaparte fürchtete, andere Liebhaber hatte. Der Herzog blieb, bis zur Entführung aus dem vermeintlich sicheren Baden, außerhalb der Grenzen Frankreichs. Hätte aber als Charakterprosa bzw. Beispiel für haltlose Emigrantenfolklore durchaus stehen bleiben können.
Ärgerlicher ist der zweite Anfall von Tolstojs Wahrheitsliebe, weil der Autor dabei etliche Maschen fallen lässt, um sie nie mehr aufzunehmen:

Friedland und Tilsit

Denn das Friedland-Kapitel, das als Vorspiel für Borodino gelten könnte, ist der eigentliche Abschluss des ersten Krieges gegen Napoleon. Auch hier gibt es sinnlose Opfer auf engstem Raum und bezeichnend Schwächen in Strategie und Nachschub und vor allem hartes Kriegselend und die persönliche Weiterentwicklung von Nikolaj Rostow, der in späteren Fassungen ziemlich lange als ehrliche Haut und Spielversager herumvegetieren muss, ehe ihn der Autor mit der Rettung von Prinzessin Marja rehabilitiert.
Das halb verhungerte Regiment Denisovs und Rostows muss eigene Versorgungstrupps überfallen, um über die Runden zu kommen und frisst der Infanterie an der Front alles weg. Schon deshalb drohen harte disziplinarische Maßnahmen für Denisov, der die Sache aber noch schlimmer macht,
als er der Sache auf den Grund geht und dabei fest stellt, dass der Dieb und Rosstäuscher von Anno 1805 inzwischen Verpflegungschef geworden ist und dabei einen Schuldigen für die ganze Notlage findet. Da der alte Haudegen gleich sämtliche Rechnungen begleichen muss, bleibt nur Flucht nach heldenhafter Verwundung. Für Nikolaj erweist sich das Fiasko von Friedland, dagegen als bestandene Charakterprobe oder Vorlauf zum größten Härtetest. Die Szene mit den vom Typhus verseuchten Lazaretten, in denen Nikolaj seinen dort untergetauchten Freund und Vorgesetzten sucht, ist ziemlich hart und auch auf die Verlustliste geraten. Denn leider ist Tolstoj später aufgefallen, dass des Pavlovgradsche Regiment nicht in Friedland gekämpft hat. Dieser Hinweis tritt an Stelle von Rache an einem Erzschuft und Verhängnis für ein vollkommen sinnlos aufgeopfertes Regiment, bevor die Kaiser in Tilsit aufeinander treffen und Hungerleider Rostow einsehen muss, dass der früher mit durchgefütterte Boris Karriere auf Kosten des Gewissens gemacht hat. In der späteren Version fehlt dieser Reifeprozess und NR wirkt als Totalversager.

Die Urfassung leidet zudem noch stärker unter dem Problem des Anachronismus, bzw. schlecht miteinander synchronisierter Szenen, da stürzt der Leser öfter unvermittelt in Löcher, auch wenn es Mitte der 1860er noch gängige Praxis war, einfach mal die Uhr zurückzudrehen.
Insgesamt bleibt der Erkenntnisgewinn, dass Tolstojs Stärke nicht die ganz großen Epen sind, die Struktur ist erschreckend schwach. Eben eine Szenen- und Bilderfolge von unterschiedlicher Qualität und Relevanz, kompositorisch eher auf dem Niveau von Stendhal, der qualitativ ähnlich ungleich unterwegs ist. Mit Blick auf die Endlosbaustelle Krieg und Frieden und das Fragment um die Dekabristen, zu dem der berühmte Roman, der letztlich nicht mehr als die Fiktionalisierung der eigenen Familiengeschichte darstellt, als Prequel gedacht war, lässt sich die große Sinnkrise durchaus nachvollziehen. Seine weitere Lebenspraxis und die damit verbundenen Lehren (Gandhi) waren folgenreicher als seine Romane. In Sachen herrliche Einzelmomente bei großen kompositorischen Schwächen ist Doktor Schiwago von Boris Pasternak ein literarischer Enkel. Der Autor des großen Romans von Vorkrieg und Revolution war in jungen Jahren mit seinem Vater oft in Jasnaja Polnaja beim Meister
Profile Image for Frau Becker.
256 reviews61 followers
April 5, 2023
Tun wir mal so, als wüsste ich nicht, dass jeder nur halbwegs literaturinteressierte Mensch von diesem Buch schon gehört hat und dass es jeder seriöse Kritiker in den Himmel hebt. Auch dann ist es noch ganz groß, wenn auch der Vergleich zu Tolstois anderem, etwas weniger umfangreichen, etwas weniger bedeutenden, aber dafür etwas dichteren, konzetrierteren Roman "Anna Karenina" in meiner subjektiven Empfindung etwas zurückbleibt.

Keine Frage: Die Leistung dieses Buches ist enorm, erzählt er nicht nur in Form eines Gesellschaftsromans die Verwicklungen zweier Familien, der Rostows und der Bolkonskis sowie des solitären Sonderlings Pierre Besuchow während der napoleonischen Ära - auch Napoleon selbst sowie die politischen Entscheidungsträger und Miltärs auf russischer Seite werden zu Figuren des Romans. Manche in diesen Zusammenhängen weit ausgebreiteten militärstrategischen Überlegungen hätte ich persönlich nicht gebraucht, die geschichtsphilosophischen Überlegungen, die Tolstoi in den Roman einstreut und die die letzten etwa 70 Seiten einnehmen, sind zuweilen in einem allzu besserwisserischen Duktus formuliert, als habe Tolstoi selbst jetzt, an der Fallstudie dieses Romans, das Rätsel der Geschichte entschlüsselt (allerdings muss man in Rechnung stellen, dass diese Attitüde im Zusammenhang des die Historiographie des 19. Jahrhunderts durchaus typisch war).

Die Stärken dieses Romans liegen einerseits, wie schon in "Anna Karenina", in der Darstellung des gesellschaftlichen Lebens und der Lebendigkeit seiner Charaktere: Niemand hier ist nur "Typ", alle zentralen Figuren sind plastisch und vielschichtig, die Gefühle füreinander komplex und nachvollziehbar. Besonders Pierre ist eine Figur, die in der Weltlitertur ihresgleichen sucht: ein gesellschaftlich unbeholfener Pechvogel, der immer wieder über seine eigene Naivität und Idealismus stolpert, am Ende aber mit sich und der Welt ins Reine kommt.

Die zweite große Stärke des Romans ist seine schonungslose Darstellung des Elends, das der Krieg bedeutet. Geliebte Figuren sterben oder verlieren ihren patriotischen Idealismus, Familien werden zerstört und ruiniert. In z.T. fast zusammenhangslos in den Roman verstreute Szenen kommen stellenweise auch die Schicksale "einfacher Menschen" vor, Soldaten und Zivilisten, wenn man Tolstoi allerdings durchaus vorhalten kann, dass er seine Perspektive auf den Adel konzentriert. Angesichts der Fallhöhe dieses Standes erscheint dies verständlich, wenn dem Leser auch dämmert, dass die einfache Zivilbevölkerung nicht weniger gelitten hat - nur angesichts der brutalen Ständegesellschaft das Leid eher gewöhnt war als der verwöhnte Adel, dessen Welt spätestens beim Brand von Moskau in Trümmern liegt.

Zweifellos ein ganz, ganz großer, wenn auch nicht völlig makelloser Roman.
Profile Image for Rebecca.
758 reviews47 followers
December 30, 2022
„Vater hat auch in Lyssyje Gory gebaut und geglaubt, dass das sein Ort, sein Land, seine Luft, seine Bauern seien; da kam Napoleon, und ohne eine Ahnung von Vaters Existenz zu haben, stieß er ihn wie einen Splitter vom Weg, und sein Lyssye Gory, sein ganzes Leben, zerfiel.“


Als wir im Januar anfingen, das Buch zu lesen, war ich ein bisschen enttäuscht, dass auf der Rückseite kein Klappentext zu lesen war. Ich hätte doch so gerne eine kurze Zusammenfassung dessen gelesen, was mich hier erwartet! Jetzt, im Dezember, bin ich schlauer: Es wäre nicht möglich, diese Handlung in ein paar Zeilen zusammenzufassen. Deshalb nur soweit:
Wir begleiten ein paar (meist reiche) russische Familien durch Jahrzehnte, durch Zeiten des Überflusses, der Bälle und Intrigen, aber auch durch magere, furchteinflößende und verlustreiche Jahre des Krieges mit Napoeleon. Immer wieder lernen wir auch einfache Menschen kennen, sehen durch ihre Augen das Leid, das der Krieg anrichtet. Wir sind dabei, wie Kinder geboren werden und wie Söhne fallen, Familien zerreißen und untergehen.
Alles in Allem ist es ein wirklich sehr beeindruckender Roman über eine ganze Epoche der russischen Geschichte, dessen Inhalt so umfassend ist, dass er sich nicht in kurze Worte fassen lässt.
______________

Wie oben bereits geschrieben, hat mir Krieg und Frieden insgesamt wirklich gut gefallen. Unsere Aufteilung über das ganze Jahr (1 Kapitel pro Tag) hat super funktioniert und ich würde sie den meisten Lesern empfehlen – es ist einfach nicht so überwältigend, wie wenn man das Buch innerhalb einiger Wochen lesen möchte.
Die Geschichte ist natürlich sehr intensiv, man verbringt einfach so viel Zeit mit diesen Figuren, dass sie einem unweigerlich ans Herz wachsen. Sprachlich fand ich die Neuübersetzung von Barbara Conrad sehr gelungen, auch wenn ich natürlich keinen Vergleich habe. Auch für Klassikermuffel wie mich waren die meisten Teile des Buches angenehm zu lesen. Der Epilog war mir jetzt die letzten Tage etwas zu philosophisch, aber vielleicht ist nach so einem langen Leseprojekt auch einfach die Luft raus.

Fazit: Herausforderndes, aber lohnendes Leseabenteuer. In 360 Tagen in angenehmen Häppchen gut machbar.
Profile Image for Sternenstaubsucherin.
826 reviews1 follower
December 3, 2020
Endlich habe ich dieses wunderbare Werk leider schon ausgelesen.
Ich habe Mühsal erwartet und die Liebe gefunden. Die Liebe zu Tolstoi und seinen Werken.
Dieses großartige Stück Weltliteratur hat mein tiefstes Inneres berührt und sich mit jedem neuen Kapitel tiefer in mein Herz geschlichen.
Ich umarme wahrhaftig dieses Buch und verspüre Schwindelgefühle, Herzklopfen, erfülltes Glück. Ein Gefühl, wie frisch verliebt! Herrlich!
Profile Image for Nadine.
739 reviews105 followers
September 7, 2014
Ich habe lange gehadert, wie ich dieses Buch bewerten soll. Es hat mir gefallen, war aber oft einfach mühsam und für meinen Geschmack zu ausschweifend. Die drei Sterne, für die ich mich letztlich entschieden habe und die meinem Leseerlebnis am besten entsprechen, sind in gewisser Weise absolut unpassend, denn sie scheinen auf ein mittelmäßiges Buch hinzuweisen, und mittelmäßig ist rein gar nichts an Krieg und Frieden.

Es geht hier um militärische, gesellschaftliche und private Verwicklungen zur Zeit der napoleonischen Kriege, die ineinander verwoben, parallel erzählt werden. Es gibt einige Protagonisten und unzählige, immer sehr detailreich beschriebene Nebenfiguren.

Tolstoi schafft es wirklich, den Leser ins Russland des frühen 19. Jahrhunderts zu entführen. Sowohl das gesellschaftliche Parkett, als auch die grausamen Kriegsbeschreibungen sind stets lebendig und detailreich beschrieben. Einzig, wenn er hin und wieder im Hauptteil und sehr ausschweifend im Epilog über Geschichte philosophiert, wird es langweilig (für mich). Die Geschichte wird zur Seite gestellt und man hat das Gefühl, ein Sachbuch über Kriegstheorie und -philosophie zu lesen.

Was mir einfach gefehlt hat, war eine anhaltende Verbindung zu den Protagonisten der Erzählung. Tolstoi beschreibt Charaktere, ihr Äußeres und ihre Motive immer sehr analytisch und distanziert, was mir persönlich nicht besonders liegt.

Gut gefallen hat mir die Entwicklung einiger Charaktere, die sich vor dem Hintergrund ihrer individuellen Schicksale entfalten und wachsen.

Für mich persönlich hätte man die Geschichte von 2400 auf 700 Seiten kürzen können und hätte dadurch Geschichte und Hintergrund einfach besser auf den Punkt bringen können.

Mir lag Tolstois Anna Karenina viel mehr, nachdem ich mich dort eingelesen hatte, habe ich an den Seiten geklebt, mitgefiebert, mitgelitten, mich über Anna aufgeregt... in Krieg und Frieden gab es nur sehr wenige Momente, in denen ich wirklich mitgefiebert habe. Der direkte Vergleich der zwei Bücher hat dann auch den entscheidenden Anstoß gegeben, nur 3 Sterne zu vergeben, also 2 weniger als bei Anna Karenina.
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November 10, 2020
Tolstoys Werk zeichnet sich für mich vor allem durch seine genauen Charakterbetrachtungen der einzelnen Portagonisten aus. Es gibt so viele unterschiedliche Personen, die sich alle unterscheiden, dass wohl jeder jemanden findet, mit dem er sich identifizieren kann. Dadurch wurden die Personen auch universeller. Tolstoy schrieb nicht über einen bestimmten Menschen, mit außergewöhnlich Charakterzügen, sondern über viele verschiedene Menschen, die auch viele verschiedene Charaktere darstellen und so einen Abschnitt der Gesellschaft bilden. Alle Protagonisten durchlaufen verschiedene Entwicklungen und so wurden die Charaktere für mich besonders interessant.
Tolstoi hat es außerdem geschafft, mir ein anschauliches Bild vor Augen zu führen.
Das Buch hatte aber auch so einige Längen und vor allem am Anfamg hatte ich große Schwierigkeiten damit. S konnte ich auch den philosophischen und historischen Betrachtungen konnte ich zugegebenermaßen leider nicht immer mit voller Konzentration folgen.

Nichtsdestotrotz war dieses Werk sehr interessant und hat mir so einige angenehme und interessante Lese- und Hörstunden bereitet.
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September 8, 2025
Krieg und Frieden.
Was ist Krieg? Was ist Frieden? Was ist Zwang, was ist Freiheit? Was ist Tod, was ist Leben? Was ist Hass, was ist Liebe? Was ist Menschlichkeit? Was ist freier Wille und wo hört er auf? Wie wird aus einem Freund ein Feind und aus einem Feind ein Freund?
Wie kommt es dazu, dass Menschen sich en masse gegenseitig ermorden? Welche Rolle spielen hohe politische Akteure und niedrige Bauern, nationale Identität und persönliches Ehrgefühl, Religion und Glaube? Wie ist das Morden zu rechtfertigen? Wer tut es, wer ist verantwortlich?

Auf alle diese Fragen gibt Tolstoi keine Antwort und hat auch nicht den Anspruch, sie zu beantworten. Trotzdem behandelt er jedes dieser Themen aus einer Vielzahl verschiedener Perspektiven, indem er uns die individuellen Geschichten vieler Einzelpersonen zur Zeit der russisch- napoleonischen Kriege von 1805 bis 1813 erzählt. Wir lernen den Krieg aus Sicht der Heerführer, der einzelnen Soldaten, der intellektuellen und gesellschaftlichen Eliten und der Familien zu Hause verstehen. Wir tauchen ein in die Dekadenz des Adels und in die existenziellen Nöte der unteren Gesellschaftsschichten. Wir beobachten Kriegseuphorie und Kriegsverzweiflung, Heldenmut und Feigheit, Menschlichkeit und Grausamkeit. Wir sehen die schreckliche Zerstörung durch den Krieg und wie aus den Trümmern neue Schönheit erwachsen kann.

Das Buch bemüht sich nicht, uns ein widerspruchsfreies und abgerundetes Bild der einzelnen Geschichten, die sich zu "der Geschichte" zusammenfügen, zu präsentieren. In eingeschobenen historisch- philosophischen Kapiteln setzt uns Tolstoi auseinander, warum eine Betrachtung der Geschichte durch Reduktion auf ein oder wenige Erklärungsmodelle zwangsläufig fehlerhaft sein muss und landet durch diese Überlegungen bei einer interessanten Form des historischen Determinismus.

Für wen ist dieses Buch eine Empfehlung? Wer eine fesselnde Geschichte sucht, ist hier auf jeden Fall falsch, obwohl die Handlung etwa ab Seite 850 durchaus spannend wird. Es ist vielmehr eine Geschichte zum Beobachten und Nachdenken. Sprachlich ist das Buch nicht schwer geschrieben, sodass man mit einem langen Atem und viel Zeit zügig vorankommen und in den vielen kleinen Geschichten die Pinselstriche eines großen Bildes erahnen kann, welches nicht unbedingt nur durch Tolstoi, sondern auch einfach durch den Verlauf der Weltgeschichte gemalt wird.
Zusammenfassend kann ich dieses Buch also für diejenigen empfehlen, die bereit sind, sich unter großem Zeitinvestment in eine Geschichte ohne viel Spannung zu vertiefen, um philosophisch angeregt zu werden und sich über viele fremde Perspektiven Gedanken zu machen.
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August 14, 2024
einfach wow
3 Monate gebraucht, aber jede Sekunde hat sich gelohnt
Muss dass alles erst mal sacken lassen..
Profile Image for Literarischunterwegs.
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April 3, 2019
Das Buch habe ich vor Jahren gelesen. Es war mein damaliger Einstieg in Tolstois Bücher, denen sehr viele folgen sollten. Damals las ich in den kalten Wintermonaten mit Vorliebe russische Klassiker, weil sie für mich in diese kalte Jahreszeit passten und ich jahreszeitlich passende Lektüre suchte.

Krieg und Frieden ist ein Klassiker, der für mich alles hat, was es braucht: positiv wie negativ!
Er ist nachhaltig in seiner Wirkung auf mich hinsichtlich seiner Geschichte, seiner darin vorkommenden Menschen, Schicksalen und Lebenssituationen. Er hat eine Größe und Mächtigkeit, die mich sehr beeindruckte. Wie kann man, so dachte ich damals, alle diese Seiten füllen, ohne zu langweilen, ohne seine Gedanken zu verlieren.
Aber ich empfand ihn auch als sperrig und anstrengend, wenn es um die vielen detaillierten Kriegsberichte ging, die ich im Verlauf des Buches als für mich persönlich störend empfand. Aber sie gehören dazu und so nahm ich sie und las sie, wenn gegen Ende eher nur noch oberflächlich.

Tolstoi polarisiert, aber dennoch hat seine Person etwas an sich, was einen gefangen nimmt. Gefangen in kritischer, überraschter und kopfschüttlender Weise. Aber er hatte auch ein Talent und dieses Talent mochte ich als Leser seiner Bücher, auch wenn bis heute nicht ganz klar ist, welch großen Anteil seine Frau Sofja an diesem Talent hat. Dass sie Anteil hatte und, dass dieser nicht gering war ist wohl unumstritten.
Profile Image for Armin.
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July 7, 2018
Halb so lang wie das Original, aber auch um viele Zusammenhänge ärmer. So erleichtert ich auch darüber war, dass mir eine fünfzigseitige Wolfsjagd ohne jegliche Funktion für den weiteren Verlauf des Romans erspart blieb, so vermisste ich doch einiges an innerer Handlung, die Einbußen an Charakteristik machte aus Tolstojs Personal lauter Marionetten, die einem nicht nachvollziehbaren Sittengesetz folgten, meistens sehr zu ihrem Nachteil.
Profile Image for Kirsten.
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April 19, 2026
Vier Monate lang hat mich dieses Buch überallhin begleitet. Das war vermutlich eines der besten Bücher die ich bis jetzt lesen durfte. Wie er es schafft die verschiedenen Charaktere sich über die Zeit entwickeln zu lassen. Ich war von jeder Zeit des Krieges und des Friedens gespannt und bin fast schon traurig das Buch schlussendlich beiseite zu legen. Der Epilog war das perfekte Ende, nachdem wir die verschiedenen Personen der Geschichte kennenlernen und ihrem Handeln folgen durften. Ich freue mich schon darauf das Buch in ein paar Jahren nochmal zu lesen.
Profile Image for ma33ya.
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November 27, 2024
Dieses Meisterwerk ist weit mehr als eine Erzählung über Krieg und Frieden im Russland der Napoleonischen Ära; es ist eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem menschlichen Dasein, dem Sinn von Geschichte und den ewigen Fragen nach Liebe, Tod, Schicksal und Freiheit.


Tolstoi entfaltet seine Geschichte in einer doppelten Dimension. Einerseits erzählt er die Schicksale von über 500 Figuren, darunter die zentralen Familien der Rostows, Bolkonskys und Bezukhovs, in einer verwobenen Handlung. Andererseits durchzieht das Werk eine philosophische Reflexion, die sich in essayistischen Passagen äußert. Tolstoi ist dabei nicht bloß ein Chronist der napoleonischen Kriege – er geht weit darüber hinaus. Die Frage, was Geschichte ist und wie sie geschrieben wird, ist eine zentrale Linie im Werk. Für Tolstoi sind es nicht die großen Anführer wie Napoleon, die den Lauf der Geschichte bestimmen, sondern die scheinbar unbedeutenden, oft zufälligen Handlungen von Millionen von Menschen.

Tolstoi schafft es, die großen historischen Ereignisse – Schlachten, Intrigen und politische Umwälzungen – so lebendig zu machen, dass man das Gefühl hat, selbst dabei zu sein. Gleichzeitig bringt er die kleinen, stillen Momente des Lebens genauso eindrucksvoll auf die Seite. Eine Liebeserklärung, ein Gespräch bei Kerzenschein, ein Blick in den Himmel – diese Szenen sind es, die bleiben. Tolstoi zeigt, dass das Leben nicht nur in den großen Gesten stattfindet, sondern oft in den scheinbar unbedeutenden Augenblicken.

Diese Sichtweise spiegelt sich in der Struktur des Romans wider: Persönliche Schicksale und historische Großereignisse werden in einem Atemzug erzählt, wobei Tolstoi immer wieder den Fokus auf die menschliche Dimension richtet. Der Krieg ist in ,,Krieg und Frieden“ nicht nur ein äußeres Ereignis, sondern auch ein innerer Zustand der Figuren.

Tolstois Genie liegt in seiner Fähigkeit, Charaktere zu erschaffen, die unvergesslich und dennoch zutiefst menschlich sind. Pierre Bezukhov, der unsichere Erbe eines großen Vermögens, sucht nach einem Sinn in einer Welt, die ihm leer erscheint. Prinz Andrei Bolkonsky kämpft mit seiner Desillusionierung und sehnt sich nach einem höheren Ideal, während Natascha Rostowa, lebendig und impulsiv, das Leben in all seiner Schönheit und Tragik verkörpert.

Jede dieser Figuren ist mehr als ein literarisches Konstrukt – sie sind lebendig, voller Widersprüche, und entwickeln sich im Laufe des Romans weiter. Tolstoi lässt uns nicht nur ihre Taten, sondern auch ihre innersten Gedanken und Gefühle erleben.

Der Krieg, wie Tolstoi ihn schildert, ist ein Chaos, das alle moralischen Maßstäbe sprengt. Es gibt keinen heroischen Ruhm, keine klaren Linien zwischen Gut und Böse. Der berühmte Abschnitt über die Schlacht von Borodino zeigt, wie die Ordnung der militärischen Planung im Angesicht des tatsächlichen Kampfgeschehens zusammenbricht. Tolstoi verweigert dem Leser einfache Antworten: Ist Krieg unvermeidlich? Ist Frieden ein Ideal oder eine Illusion? Diese Fragen schwingen in jeder Szene mit, ohne jemals endgültig beantwortet zu werden.

Die Friedensmomente im Roman hingegen sind flüchtig, oft privat und intim. Sie finden sich in den Beziehungen zwischen den Figuren, in Augenblicken von Liebe, Vergebung oder dem stillen Nachdenken über das Leben. Hier zeigt Tolstoi, dass Frieden weniger ein politischer Zustand als ein innerer ist – eine Erkenntnis, die er selbst als Anhänger eines radikal pazifistischen Christentums vertrat.

Tolstoi war nicht nur ein Romancier, sondern auch ein Denker und Moralist. Seine Kritik an Macht und Gewalt zieht sich durch das gesamte Werk. Er war überzeugt, dass wahres menschliches Glück nicht in Besitz, Ruhm oder Macht liegt, sondern in einer einfachen, tugendhaften Lebensweise. Diese Überzeugung zeigt sich besonders in Pierre Bezukhovs Entwicklung, der nach Jahren des Suchens erkennt, dass das wahre Glück in der Liebe und im Dienst an anderen liegt.

Krieg und Frieden bleibt ein Werk von erschreckender Aktualität. In einer Welt, die noch immer von Kriegen und politischen Konflikten gezeichnet ist, erinnert Tolstoi uns daran, dass Frieden nicht nur das Fehlen von Krieg bedeutet, sondern eine tiefere, spirituelle Qualität des Lebens. Zugleich zeigt er uns, dass der Mensch in seiner Komplexität, mit seinen Schwächen und Stärken, nie vollständig zu begreifen ist – und gerade darin liegt seine Würde.

Fazit

Es ist ein Werk, das beim Lesen wächst und den Leser wachsen lässt – ein Buch, das man nicht nur liest, sondern erlebt. Wer sich darauf einlässt, wird nicht nur die Figuren und n ihre Geschichten lieben, sondern auch eine neue Perspektive auf das eigene Leben gewinnen.
Profile Image for Butterfly2507.
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October 3, 2020
Wie gut das Buch einfach nur ist. Ich mochte es sehr. Auch die ganzen vielen verschiedenen Charaktere gewinnt man lieb und fiebert mit ihnen mit. Hach ja...

(Ich habe das Hörbuch gehört welches man hier auf youtube finden kann: https://www.youtube.com/watch?v=mjLuL...)
Profile Image for Lilifane.
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November 23, 2019
Wie bewertet mein eigentlich einen Klassiker...?

Ich hatte das Buch vor Jahren schon einmal angefangen und obwohl es schnell/einfach zu lesen ist (was mich im ersten Moment überrascht hat) und ich es sehr interessant und spannend fand, reichte eine Zwangspause von wenigen Wochen, um mich komplett aus der Geschichte zu reißen. Da fast alle Charaktere gleich heißen, kommt man einfach nicht so gut rein, wenn man sie einmal durcheinander gebracht hat.
Bei meinem zweiten Versuch habe ich parallel eine Namensliste geführt und das war für die erste Hälfte des Buches wirklich nützlich. (Wer nichts gegen Spoiler hat, kann auch die Charaktertabelle auf Wikipedia nutzen)

Der Titel gibt recht gut wieder, was einen erwartet. Man hat ein paar Kapitel Frieden (mit gesellschaftlichen Ereignissen in Moskau und St Petersburg), dann ein paar Kapitel mit Schlachten, dann wieder ein paar Bälle, Konzerte, Affären, gefolgt von Kämpfen, Tod und Verwüstung usw.

Was mich am meisten beeindruckt hat, war wie detailliert Tolstoi seine vielen (VIELEN) Charaktere zeichnet. Jeder hat komplexe Gedanken, Wünsche, Stärken, Schwächen, Gefühle und man kann die Handlungen jedes Einzelnen nachvollziehen, auch wenn sie irrational sind oder man selbst anders gehandelt hätte. Ich habe sehr schnell sehr viele (SEHR VIELE) Charaktere ins Herz geschlossen. Und jeder macht eine Entwicklung durch. Es war spannend den Protagonisten dabei zuzusehen, wie sie sich durch Begegnungen, Gespräche und Erfahrungen veränderten. Die Beschreibungen der Gefühle haben mich sehr überrascht, da ich nicht erwartet hatte, in einem
Buch aus den 1860er Jahren detaillierte Schilderungen von Liebeskummer, Kriegseuphorie, PTSD und Depressionen zu lesen. Dies macht das Buch so zeitlos für mich.

Die Art wie erzählt wird, hat mir sehr gefallen. Durch verschiedenen Blickwinkel, gut koordinierte Zufälle und Plot Twists wurde es eigentlich nie langweilig. Stellenweise wurde es richtig emotional.
Ich hatte vorher keine Ahnung von den Napoleonischen Kriegen und jetzt würde ich gerne mehr darüber erfahren. Die Bilder, die gegen Ende hin von Moskau und der Französischen Arme (very specific, I know, ich versuche nur spoilerfrei zu bleiben), beschrieben wurden, fand ich sehr krass und faszinierend zugleich.

Es gab aber doch ein paar Dinge, die mich gestört haben. Zum einen hätten einige Passagen wirklich kürzer sein können, nämlich die, in denen die Handlung nicht vorangetrieben wird, sondern sich Tolstoi immer und immer wieder wiederholt. Zum anderen der Epilog. Prinzipiell mag ich Epiloge und habe auch nichts gegen ein "All was well" einzuwenden. Und bis zu einem gewissen Punkt ist der Epilog auch ein guter Abschluss. Nur geht es dann darüber hinaus und starke Charaktere werden plötzlich eindimensional. Das Ende eines an sich runden Buches wird dadurch abgeschwächt, was ich wirklich schade finde.

Dennoch ist das Buch auf alle Fälle lesenswert.
Profile Image for Anka.
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October 17, 2024
Komme ich mir dumm dabei vor, dieses Buch mit 2 Sternen zu bewerten: Auf jeden Fall!

Aber es hat mir einfach überhaupt keinen Spaß gemacht, diesen alten Schinken zu lesen. Die Figuren an sich waren ja noch mehr oder weniger unterhaltsam, aber diese unendlichen Passagen über Kriegsführung haben mich so zermürbt. Nichts finde ich weniger interessant. Außerdem hat mich diese ständige Neuinterpreatation historischer Ereignisse frustriert.

Wer in seinem Leben nur ein Werk von Tolstoy lesen möchte, ist mit Anna Karenina meiner Meinung nach besser bedient.
Profile Image for Pascal.
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November 21, 2024
„Okay, aber lohnt es sich, das zu lesen?“ Diese Frage umschwirrt Krieg und Frieden wie kaum ein anderes literarisches Werk. Und wie viele andere Monolithen schafft allein der Umfang eine Immersion in die fiktive Welt, die ihresgleichen sucht.

Zugleich verfolgt Tolstoi mit Krieg und Frieden das Ziel, den Krieg durch eine dem Menschen nahe Perspektive zu betrachten. Heißt: Es geht nicht um epische Schlachten, sondern um die realen Auswirkungen der Schlachten auf individuelle Schicksale und die menschliche Psyche. Der titelgebende Friedensanteil des Romans wird spätestens ab der ersten Kriegsszene zum Vehikel, um die Auswirkungen des Kriegs zu zeigen.

Blöd eigentlich nur, dass wir es hier fast ausschließlich mit adeligen Figuren zu tun haben, die ein äußerst beschränktes Realitätsspektrum repräsentieren. Besonders für ein modernes Publikum wirken diese Adligen und ihr Umgang untereinander bei weitem nicht so nahbar, wie das „Mission Statement“ des Romans es erfordert hätte.

Zudem führt der Fokus auf individuelle Perspektiven dazu, dass die immensen Auswirkungen des Krieges auf die Gesamtgesellschaft zur Randnotiz werden. 2.200 Seiten, aber kein Platz fürs Proletariat.

Geradezu beeindruckend ist außerdem, wie farblos viele der Hauptfiguren über 2.200 Seiten dann doch bleiben. Für mehr als 50 Lesestunden habe ich die Adelsfamilien begleitet; dennoch könnte ich anhand eines einfachen Dialoges nicht sagen, wer da gerade spricht. Die Figuren haben hochkomplexe Funktionen, aber nur wenig psychologische Tiefe.

Entsprechend groß ist die Freude, wann immer die Erzählstimme von oben herab das Zeitgeschehen beschreibt. Rund um die Kriegsszenen gibt es spannende Einsichten über den napoleonischen Feldzug in Russland aus einer Perspektive, die bereits 50 Jahre zurückblickt, für moderne Leser*innen aber dennoch einen historisch-exotischen Reiz hat. Was trocken klingt, ist ein literarisches Highlight voller kreativer Stilmittel.

Etwas ironisch also, dass mein größtes Highlight dieser Kriegsbetrachtung auf Augenhöhe jene Kapitel sind, in denen die Perspektive weit hinausschwenkt.
Profile Image for Klara.
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January 27, 2021
Wie man Krieg und Frieden in zwei Wochen liest. Eine Anleitung.

Acht Jahre und drei Monate: "October 11, 2012 – Started Reading". So lange habe ich gebraucht um Krieg und Frieden zu lesen. Zumindest wäre das die Zeitangabe, die auf Goodreads vermerkt ist. Also fast so lang, wie ich Goodreads überhaupt habe. Ich habe Krieg und Frieden demnach länger durch mein Leben geschleppt als ich studiert habe, meinen Freund kenne, mein Hund am Leben ist. Ich bin mit dem Buch aus Rheinland-Pfalz nach Großbritannien nach Niedersachsen und dann nach Hessen gezogen, es hat mehreren Marie-Kondo-Ausräum-Aktionen Stand halten können und wenngleich sich meine Perspektive auf die Welt und mein Anspruch an mich selbst und die "Bücher die ich gelesen haben sollte" in den letzten acht Jahren und drei Monaten definitiv geändert hat, so war dieses Buch im Januar 2021 immer noch da.

Ich habe sehr lesearme Jahre hinter mir. Ich schiebe es auf die Uni, denn sind wir mal ehrlich, im letzten Jahr (Bachelorarbeit hin oder her) hat sicher jede Leseratte ausgiebig Zeit gehabt "mal wieder endlich mehr zu lesen". Hab ich aber nicht getan.... sondern es auf 2021 geschoben. Der Start war gut und dann habe ich, in etwa so spontan wie ich damals entschieden habe mit meiner Schwester den Jakobsweg entlangzuwandern, beschlossen, dass es an der Zeit wäre meine ganzen "Currently Reading" Bücher, die ich noch nicht in die Verbannung geschickt habe, "aufzulesen". Tja....... (Oder wie Jackie so schön gesagt hat: "Ich glaube, es gibt für viele Bücher einfach auch einen richtigen Zeitpunkt und es ist sehr schön, wenn man sie dann findet." <3)

Und das liebe Reviewleser*innen ist die Ausgangslage dafür, Krieg und Frieden in zwei Wochen zu lesen: Man lässt es erst einmal acht Jahre, drei Monate und 14 Tage liegen.

Ich habe es beim ersten Anlauf bis ca Seite 400 geschafft und dann aufgegeben. Meine Erinnerung sagt, es lag daran, dass ich mit den vielen Charakteren nicht klar kam. Deshalb habe ich beim zweiten Anlauf das Hörbuch gehört. Nicht nur irgendeines, sondern das, was Ulrich Noethen vorliest... Es hat sich gelohnt. Nach einem Drittel des Buches kannte ich die Charaktere und wusste, welche Nebencharaktere ich auch ruhig mal ausblenden konnte. Das & zwei ergooglete Übersichten hat mir sehr geholfen diese Hürde zu nehmen. (Übersicht 1 Übersicht 2)
Die zweite Hürde ist die Länge des Buches & die Ausdauer die man braucht um durch die ellenlangen Kriegspassagen zu kommen. Natürlich hilft die Stimme des Vorlesers hier ungemein, was auch hilft ist, wenn man keine 120€ für das Hörbuch ausgeben will und deshalb ein Probeabo von zwei Wochen bei einem Hörbuchanbieter abschließt, der es dann für schlappe zehn Euro anbietet. (& sich dann die vorgelesene Ausgabe trotzdem nochmal für 15€ nachkauft, weil man feststellt dass die Ausgabe im Besitzt eine gekürzte ist....)

Alles in allem war das Buch gut. Tolstoi hat eine große Liebe zum Detail und zu seinen Charakteren. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum es so viele davon gibt. Er schafft es Seiten über Seiten mit den banalsten Dingen zu füllen und grundsätzlich ist Krieg und Frieden ein Buch für Menschen wie mich die sagen, dass sie gerne Bücher lesen die sehr lang sind und in denen nicht viel passiert. Da wäre z.B. die Stelle, die sich über zwei Stunden zog, in der der Autor in allen Details den Ablauf einer Hetzjagd beschrieb.... Mein Weg zur Arbeit beträgt ca. 1 Stunde, ich habe Hin- & Rückweg auf der Hetzjagd verbracht. Joar... kann man mal machen.
Aber dann sind auch immer wieder so Stellen in diesem Buch wo man so denkt "Wow, dieser Mann schafft es Beobachtungen wirklich wunderbar auf den Punkt zu bringen". Also exakt das Gegenteil von diesen ausschweifenden Momentaufnahmen.
Beispielsweise hier:
"Er bedarf die unglückliche Eigenschaft vieler Menschen [...] an die Möglichkeit des Guten und der Wahrheit zu glauben und das Böse und die Lüge im Leben zu deutlich zu erkennen, als daß man es über sich bringen könnte, an diesem Leben ernsthaft Anteil zu nehmen." [vgl. Ausgabe des Aufbau Verlags von 2010: 628]

oder hier:
"Gräfin Marja hörte ihrem Mann zu und verstand alles, was er ihr sagte. Sie wußte, daß, wenn er in dieser Weise laut dachte, er sie manchmal fragte, was er gesagt habe, und ärgerlich wurde, wenn er merkte, daß sie an andere Dinge gedacht hatte. Aber sie mußte sich sehr zum Zuhören zwingen, da sie für das, was er sagte, gar kein Interesse hatte. Während sie ihn anblickte, hatte sie zwar nicht eigentlich andere Gedanken, aber andere Empfindungen. Sie empfand eine demütige, zärtliche Liebe zu diesem Mann, von dem sie wußte, daß er niemals Verständnis für alles das haben werde, wofür sie selbst Verständnis hatte; und es war, als liebe sie ihn deswegen noch stärker, mit einer Beigabe leidenschaftlicher Zärtlichkeit." (vgl. Ausgabe vom Insel Taschenbuch Verlag 2007: 2028]


Und in Zeiten des Friedens, da habe ich das Buch wirklich gerne gehört und es war genau das was ich mag. Dieses gesellschaftliche auf und ab und die ganzen Begegnungen und Überkreuzungen von Lebensgeschichten... Herrlich!
Den Krieg fand ich aber extrem anstrengend. Und auch wenn das während des Lesens/Hörens nicht schön war, so ist es im Nachhinein auch wieder so: Tja, auch ein Stilmittel. Krieg ist auch nicht schön. Gut, dass es auch anstrengend zu lesen/hören war.

Letztendlich habe ich das Buch für mein Vergangenheits-Ich von 2012 gelesen. Weil es dieser vergangenen Version meiner selbst sehr wichtig war jemand zu sein, der Krieg und Frieden gelesen hat. Mein Gegenwarts-Ich ist der Meinung, dass Menschen die sich deshalb besser fühlen, weil sie bestimmte Bücher gelesen haben und andere Menschen nicht, vielleicht mal eine Runde reflektieren sollten, warum sie dieses Bild von sich selbst und anderen haben... Aber meinem Vergangenheits-Ich war es eben wichtig und deshalb bin ich froh, dass ich das Buch nun endlich...... endlich ! beiseite legen kann.

Also. Zeit für ein Fazit!
Fand ich das Buch gut? - Joar.
Würde ich es weiterempfehlen? - Joar...
Würde ich es nochmal lesen? - Joar..... vielleicht.... in acht Jahren und drei Monaten vielleicht......
Profile Image for Felix Schreiber.
21 reviews
August 6, 2025
„Wenn es einen Menschen gibt, der sich rühmt, das Buch verstanden zu haben – so soll er mir schreiben, und ich werde ihm antworten.“ – Leo Tolstoi

Tolstois Krieg und Frieden ist kein Roman, sondern ein ganzes Universum. Auf über 1.000 Seiten ringt er mit der Frage nach dem Sinn des Lebens, dem freien Willen und der Geschichte selbst. Ich war oft hingerissen von den Figuren, die sich entwickeln wie echte Menschen (allen voran Pierre und Andrei), und von den Szenen, die eine epische Weite mit einer fast schmerzhaften Intimität verbinden.

Tolstoi wechselt mühelos zwischen Bällen in Sankt Petersburg und dem Schlachtfeld von Borodino. Und doch: Seine essayistischen Passagen zur Geschichtsphilosophie, so klug sie sind, zerren mitunter an der Geduld. Der Erzählfluss stockt und man fühlt sich nicht selten wie ein Soldat in der Kälte von Austerlitz: erschöpft, aber gezwungen weiterzugehen.

Ein Satz hat sich mir eingebrannt:
„Die zwei stärksten Krieger sind Geduld und Zeit.“
Tolstoi verlangt beides – und gibt dafür ein Werk, das mehr über den Menschen sagt als manch modernes Sachbuch.

Und gerade deshalb: 5 Sterne. Nicht, weil alles leicht oder perfekt ist, sondern weil Krieg und Frieden zeigt, was Literatur leisten kann, wenn sie keine Angst vor dem Größten hat. Es ist ein Buch, das nicht nur gelesen, sondern durchlebt werden will. Wer sich darauf einlässt, wird reicher herauskommen, als er hineingegangen ist.
Profile Image for Cindy.
341 reviews49 followers
January 15, 2018
Geschafft! :-) Und abgesehen von den (für mich) langweiligen militärischen Beschreibungen, hat mir Tolstois Mammut-Roman gefallen. Ich finde "Krieg und Frieden" aber nicht so beeindruckend wie "Anna Karenina".
21 reviews
July 21, 2023
erste review. unglaublich lang (2000 seiten) und dadurch zwischendurch verständlicherweise etwas zäh, dann über phasen wirklich richtig spannend und fesselnd. über die erzählte zeit habe ich echt intensive beziehungen zu den einzelnen charakteren entwickelt. ab dem zweiten buch habe ich alle stellen übersprungen (so 150 seiten) in denen keine handlung stattfindet, sondern tolstoi über die (hinter)gründe des krieges philosophiert. die waren nämlich nur so mäßig spannend und irrelevant für die geschichte. kann’s empfehlen, dann aber schneller lesen als ich, da ich zum ende hin etwas aufs ende zugelesen habe :)
1 review
November 2, 2023
Man nennt es ein Meisterwerk russischer Literatur und genau diesen Ausdruck haben die 1.600 Seiten verdient!
Der Leser (sorry, kein Gendern) taucht von Anfang an ein in das Stadt- und Landleben der adligen, der herrschenden aber auch der bürgerlichen Schicht des Russlands des beginnenden 19. Jahrhunderts und des Russlands, welches sich einem kleinen Franzosen mit Dreispitz entgegen stellte.
Bei jeder Schilderung, bei jedem Mono- oder Dialog hat man das Gefühl, man steht oder sitzt neben dieser Handlung und ist Teil davon.
Wahrlich ein Meisterwerk!
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