Porno gibt es in vielen volkstümlichen Varianten– zum Beispiel Foodporn. Ich kreiere jetzt mal die Unterabteilung Crimeporn, in die ich Thriller einsortiere, die sich in Gewalt suhlen, als Selbstzweck. Ich habe Hardcore-Krimis (Wilhelm Busch!) schon früh zu lesen begonnen, bin also ziemlich abgebrüht, aber Roger Smith’ Thriller stimmte mich jetzt doch reichlich ärgerlich oder eher - angeödet. Ok, ich zähl mal auf, was u.a. innerhalb von vier Tagen geschieht (und aus vergangenen Zeiten erinnert wird) – aufgeschlitzte Bäuche mit Ausweidung, drei Enthauptungen, bei lebendigem Körper verbrennen, gebrochene Gliedmaßen, im Knast mal ordentlich durchvergewaltigt werden, geschlitzte Kehlen, natürlich reichliche Schussverletzungen, manche sofort wirkend andere mit Verröchelung. Wenn ihr euch eine Liste mit allem, was ihr eklig findet, erstellen müsstet – hier findet ihr Anregung! Erbrochenes, Exkremente, Smegma, fadenziehender Sabber, schwarze Zähne, Ströme von Blut, Mundgeruch, Eiter und alles selbstverständlich bedeckt von brodelnden, schwarzen Fliegenteppichen Ok, ich hör schon auf. Die Charaktere sind überzeichnet und nicht besonders sympathisch, was mit einem Hauch von Humor vielleicht zu ertragen gewesen wäre, aber wir sind ja schließlich nicht bei Quentin Tarrantino! Im Feuilleton wird Smith übrigens geliebt, weil so hardcore, noir und kompromisslos. Einige, die wie ich den Roman verrissen haben, weisen darauf hin, dass der Debütroman sehr vielversprechend und deshalb der hier besprochene eine Enttäuschung war.
Weil ich jetzt vielleicht doch zu sehr auf die Tube gedrückt habe, werde ich demütig in ihn hineinschauen.