Θέμα του "Σεξ ΙΙ": το εικοσιτετράωρο μιας τριαντάρας γυναίκας στα όρια της τρέλας στον δαιδαλώδη, σκληρό πυρήνα μιας γερμανικής μητρόπολης (που θα μπορούσε θαυμάσια να είναι η Αθήνα). Η ηρωίδα ξυπνάει ένα πρωί καταδικασμένη να μπορεί να βλέπει μέσα από τοίχους και κεφάλια, καταδικασμένη να βλέπει - αυτό που αντικρίζει ο κάτοικος της σύγχρονης πόλης κάθε μέρα αλλά από την ανάποδη: από μέσα προς τα έξω, από τα σκοτάδια της ψυχής προς το εκτεθειμένο σώμα των κοινωνικών ρόλων.
Κάθε παράθυρο στο οποίο στρέφεται η ηρωίδα, κάθε σπίτι, κάθε άνθρωπος, απελευθερώνει μια ιστορία της στιγμής, ένα επεισόδιο της πόλης. Κάθε ιστορία ορίζεται από την ώρα, το όνομα, την ηλικία και δυο τρεις γραμμές που σκιαγραφούν τον πρωταγωνιστή της. Το ένα μετά το άλλο, ένας κατακλυσμός από επεισόδια, που χρονικά απέχουν μόλις λίγα λεπτά μεταξύ τους, συγκρούονται με τη διαπεραστική ματιά της πρωταγωνίστριας είτε κατ' ευθείαν, σαν ξαφνικός αντίπαλος, είτε ξώφαλτσα, όπως οι περαστικοί στον δρόμο, ή ακόμα, μέσα από κάποιον αναπάντεχο ρόλο. Όλοι αυτοί οι αφανείς ήρωες αγγίζουν ο ένας τον άλλον, χωρίς να το αντιλαμβάνονται, ζούνε λίγο πιο πέρα από τον εαυτό τους, λίγο πιο πέρα από τους άλλους. Έχουν επαγγέλματα και προβλήματα ρουτίνας, όπως στην αληθινή ζωή. Όμως μια βαθιά, ακαταμάχητη κούραση χαρακτηρίζει τους πάντες. Οι περισσότεροι πεθαίνουν ή αλληλοσκοτώνονται, πεθαίνουν από βαρεμάρα, μοναξιά, απαρατήρητοι ή καταφρονεμένοι, ούτε για μια στιγμή δεν καταφέρνουν να γεμίσουν το κενό της μικρής ζωής τους. Κι όλοι παρακινούνται σε ό,τι κάνουν από μια ασίγαστη λαχτάρα για αγάπη· αλλά στο "Σεξ ΙΙ" η αγάπη είναι εκ των προτέρων αδύνατη, χαμένη.
Το "Σεξ ΙΙ" είναι μια δαιμονική αφήγηση πάνω στα απλούστερα πράγματα της ζωής, σε ρυθμό άγριου θρίλερ, ένα εκρηκτικό μίγμα κυνισμού και αχαλίνωτου χιούμορ που εντέλει επενεργεί στον αναγνώστη λυτρωτικά.
Sibylle Berg was born at and spent her childhood in Weimar where she also worked as a puppeteer until moving to the West in 1984. She studied briefly at the Dimitri theatre school in Ticino and then had various jobs. She began to write, published her first articles and reportage, and was a columnist for the "Zeit-Magazin". Her first book appeared in 1997, and other novels and stories followed. "Helges Leben" was her first play. Sibylle Berg lives in Zurich.
Interessantes Ö1 Tonspuren Interview (gesendet im Juni 22) zum sechzigsten Geburtstag der Sibylle Berg. Darin kamen Texauszüge aus diesem Buch vor, und die haben mich neugierig gemacht. Für mich kann ich das ganz gut zusammenfassen: Es handelt sich hier um keinen Roman sondern um literarische Splatter-Sequenzen. Gewalttätige Sex, Tötungs- und Mordfantasien. Manche unterträglich, manche traurig aber alle abstoßend. Einzig und allein fühlte ich mich gut aufgehoben in der satzweise grandiosen Sprache. Wobei gut aufgehoben eindeutig ein Euphemismus ist. Ein schlimm abstoßendes und doch anziehendes gruseliges Potpourrie - und ob ich nach der Lektüre dem Wort "ficken" jemals wieder etwas abgewinnen kann, glaube ich nicht!
Großartiges Buch. Total abgedreht, freakig, neu und direkt. Handlung ist in etwa: Frau wacht auf, und kann durch Objekte, Wände und in Köpfe und Gedanken sehen. Und sieht eigentlich durchgängig die Abgründe der menschlichen Unmenschlichkeiten.
Ein so albernes Buch habe ich noch nie gelesen. Eine Frau erlebt einen Tag in der Stadt und blickt in die Leben und Gedanken anderer Menschen (oder phantasiert, das zu tun). Was sie sieht: Hass, Mord, Missbrauch. Das Buch ist reiner Kitsch. Kein rosa Traumschiff-Kitsch, klar, sondern Schwarz-in-schwarz-Rammstein-Kitsch.
Die Episoden, die Berg beschreibt, sind repetitiv und sichtlich auf den Schock ausgelegt. Sie beschreibt die von Oberflächlichkeit, Nihilismus und Hass geprägte Gedankenwelt einer Figur, dann bringt diese jemanden um (oft auch sich selbst), missbraucht jemanden oder wird missbraucht. Wirkt die Episode so, als sei sie nicht von Vornherein reiner Horror, ist sie entweder ein Traum oder es wird sich gleich herausstellen, dass die halbwegs sympathische oder auch nur glückliche Figur ein Serienmörder ist. Berg ist sich dabei nicht zu schade, dieselben Twists mehrmals zu verwenden. Nach Seite zwanzig schockiert das Buch daher auch nicht mehr. Man weiß halt, was kommt. Höhen und Tiefen gibt es nicht, alles ist gleichbleibend schrecklich.
Manchmal schimmert Humor durch, aber insgesamt wird nahegelegt, die deprimierende Vision sei mangels Alternativen tatsächlich ernst gemeint. Das ist allein schon deshalb absurd, weil die beschriebene Stadt mehr gewalttätige Verbrechen aufzuweisen scheint als kriminalstatistisch irgendwie plausibel anzunehmen wäre. Viel mehr als diese statistisch unsinnige Häufung von Serienmorden etc. stören die Innenansichten der Figuren, die alle sehr ähnlich sind und kein noch so kleines Element zulassen, das der pessimistischen Weltsicht des Romans widerspricht, wenn es nicht nur auftaucht, um dann in einer grausamen Pointe gebrochen zu werden. So etwa im Fall eines Prostituierten, der sich mit seinem Freund ein neues Leben aufbauen möchte, welcher jedoch, wie wir sofort erfahren, in einem der vielen Folterkeller dieses Romans gefangen ist.
Dass der Roman düster ist, stört mich nicht, doch das Grauen verkommt hier zur Pose. Da Berg wenig auf soziale oder politische Hintergründe eingeht, bleibt eine mögliche Gesellschaftskritik kraftlos. Die Figuren scheinen aufgrund ihrer Defizite selbst schuld an ihrer Misere zu sein. Hinter dieser individualistischen Vorstellung steckt ein vager Kulturpessimismus, der die Oberflächlichkeit und den Hedonismus der Menschen geißelt ohne einen Bezug zum gesellschaftlichen und politischen Hintergrund herzustellen.
Zunächst war ich überrascht, dass Berg sich einen Platz als Liebling des Hochfeuilletons hat sichern können (Liest man sie als kritisch, gar als philosophisch?). Tatsächlich fiel dieser Roman, der ihr zweiter ist, bei der Kritik weitgehend durch. Vielleicht sind ihre Folgewerke besser gelungen. Ästhetisch soll Sex 2 wohl an Kathy Acker oder Bret Easton Ellis anknüpfen, Berg scheint aber nicht ganz ausgemacht zu haben, was genau die Werke dieser Autor*innen gut macht.
Das Konzept verschlungener Geschichten aus einem gemeinsamen Umfeld hätte Potential, ist hier aber sehr naiv umgesetzt. Für eine tatsächlich anspruchsvolle Umsetzung empfehlen sich etwa Koeppens „Tauben im Gras“ oder Celas „Bienenkorb“. Wer dagegen auf transgressive Horrorshows aus ist, wendet sich besser an jene Vorbilder, die Berg zu imitieren sucht (Acker, Burroughs, Easton Ellis etc.).
Sex 2 ist selbst als reiner Schocker ohne jede Tiefe misslungen. Um wirklich zu erschrecken, bräuchte der Roman mehr Abwechslung. Auch ein Horrorfilm braucht Szenen zwischen den Jump-Scares.
Ein Buch zum Schlecht-Fühlen. Sibylle Berg entwirft desillusionierte, erbarmungslose, depressive, brutale Figuren, die in der Stadt leben und auf der Suche nach Sinn sind, daran scheitern oder die Suche bereits aufgegeben haben. Die literarischen Kurzportraits sind sehr grausam, sodass ich an mehreren Stellen überlegt habe, das Buch abzubrechen. Dennoch vergebe ich fünf Sterne, da mich der Aufbau des Buches, der Schreibstil, das (beklemmende) Gefühl beim Lesen bis zum Ende der Lektüre fasziniert haben
Ich wünschte, es gäbe die Möglichkeit Null Sterne zu vergeben. Lest lieber Elfriede Jelinek. Oder Michel Houellebecq. Sie sind gut. Das hier dagegen absolut sinnlos und voller Plattitüden.
Da ich Berg sehr verehre, fühle ich mich verpflichtet die drei Sterne zu erklären:
Mein Bedürfnis nach einem leichten Flausch auf der Realität wird schon bei Bergs anderen Büchern nicht bedient, damit komme ich klar. Aber das hier war mir wirklich zu extrem.
Sprachlich wie gewohnt kalt und herrlich, und auf eine kantige Art poetisch. Stark auch die Ausgangssituation, dass jemand plötzlich allsehend aufwacht, aber nicht mehr die Macht hat wegzusehen.
Das hat mich erstmal gepackt, aber spätestens in der zweiten Hälfte wurde es mir zu viel, nur noch gore, nur noch Abgefucktheit, hätte das meiste davon lieber nicht gelesen.
Wenn man die Literatur von Sibylle Berg kennt und liebt, wird auch das mögen, nichtsdestotrotz denke ich manchmal, ob sich diese so meisterhafte erzählte negativität dramaturgisch nicht doch auch anders erzählt werden könnte (und vielleicht sollte?)!
Anders als ein reviewer schrieb, bin ich der Meinung, dass man keineswegs das Buch an einem lauen Sommerabend lesen sollte, denn das Buch würde auch diesen Abend als einen Versuch entlarven, eine existentielle Leere und eine innere Langeweile mit etwas genau so sinnlosen auszufüllen..
Zu lesen also, nur wenn es einem/einer sehr gut oder sehr schlecht geht…
nagut, ich hab nur das erste und das letzte Drittel gelesen, aber das hat mir dann auch gereicht. Ich bin froh, wenn ich die Bilder aus diesem Bich wieder vergessen hab.