Das Raumschiff, das vom Himmel fiel von Grace Curtis, übersetzt von Maike Hallmann, wird als sapphischer Space Western mit Herz, für Fans von Mary Robinette Kowal und Becky Chambers, vermarktet. Leider ein Versprechen, das meiner Meinung nach nicht gehalten wird.
Die Protagonistin, eine „Sternengeborene“, hat, wie der Titel verrät, mit ihrem Raumschiff eine Bruchlandung auf der postapokalyptischen Erde hingelegt. Ihr Ziel ist es, ihre Geliebte irgendwo in den Weiten der USA zu suchen. Auf ihrer Reise trifft sie auf unterschiedliche Figuren, die ihr mehr oder weniger wohlgesonnen sind.
Das Buch wird durchweg von den Randfiguren erzählt, das heißt, man erfährt in episodenhaften Abschnitten die verschiedenen Umstände dieser Figuren, während man nebenbei die Geschichte der Protagonistin mitbekommt. Anfangs war ich noch fasziniert, denn ich fand den Ansatz interessant und hoffte auf ein spannendes World Building. Doch leider hat sich schnell herausgestellt, dass diese Erzählweise so gar nicht für mich funktioniert, denn ich wurde konstant auf Distanz zu den Figuren und insbesondere der Protagonistin, gehalten.
Nicht einmal nach der Hälfte des Buches erfährt man ihren Namen, geschweige denn irgendwelche Charaktereigenschaften. Sie und ihre Mission blieben mir bis zum Ende komplett egal. Außerdem habe ich nicht verstanden, warum mir diese Randfiguren eigentlich wichtig sein sollten: sie waren einfach nur da, die Welt zu erklären, aber um ehrlich zu sein, hätte ich mir auch hier mehr gewünscht. Mehr neue, frische Ideen, denn so eine Reise durch ein postapokalyptisches Amerika bietet doch so viel, oder? Ich fand zwar, dass der „Western“-Charakter ganz gut rüberkam – überall gibt es Outlaws, coole Shoot Outs, korrupte Sheriffs – aber im Endeffekt habe ich Space Western in anderen Medien schon kreativer und mit mehr Witz bearbeitet gesehen: Cowboy Bebop, The Mandalorian, Outer Worlds…
Das angepriesene „Herz“ dieser Geschichte habe ich bis zum Schluss nicht gefühlt. Auch den Vergleich mit Becky Chambers, deren Geschichten so sehr von den vielschichtigen Figuren und Gesellschaften leben, sehe ich nicht. Leider kann ich an dieser Stelle nur 2.5 ⭐ vergeben.
Schade, das Buch war leider nichts für mich, obwohl ich mich sehr gefreut habe, dass hier eine queere Science-Fiction übersetzt wurde. Diese negative Rezension sollte daher als Anreiz gesehen werden: Ich wünsche mir mehr queere SF auf dem deutschsprachigen Buchmarkt!
Vielen Dank an den Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.