Man kann sehr viel Zeit, Nerven und Energie damit verfeuern, Dinge allein gedanklich zu organisieren und damit sind Aufgaben noch längst nicht aktiv erledigt.
Ich habe mich aus beruflichem Interesse aktuell mehr mit dem Thema 'mental load' beschäftigt und meiner Meinung nach sollten das die meisten Menschen tun - insbesondere, wenn sie nicht allein leben, sondern sich gerade immer wiederkehrende oder dauerhaft bestehende Verantwortung in irgendeiner Form (meist den Haushalt und das alltägliche Leben betreffend) mit anderen teilen.
Mir wurde dieses Buch sehr von einer Person ans Herz gelegt, der es in vielen Fällen so ergeht, wie der Autorin in ihren Erfahrungsberichten, die diese immer wieder anschaulich einstreut.
Sicher gibt es für viele Lesende den ein oder anderen Aha-Effekt, der an und für sich vielleicht schon mal einen Hauch Erleichterung bringt. Ich halte das Buch jedoch nicht für 'die' Lösung. Die möchte es eigentlich auch gar nicht sein; vielmehr eine Anregung, ein Augenöffnen, ein Verständnis für die Person, die mit im Verantwortungs-Gefüge hängt und vermeintlich deutlich weniger oder sogar auch 'gar nichts' tut. Ein Reflektieren der eigenen Aufgaben und Herausforderungen, nicht zuletzt der eigenen Ansprüche, die man an sich selbst, an sein Alltagsleben und die Partnerperson stellt. In dieser Hinsicht ist das Buch gelungen.
Warum also nur drei Sterne?
Um aus der sogenannten 'mental load-Falle' auszubrechen, bedarf es nicht nur der Erkenntnis der Person, die den mental load zu tragen hat, sondern auch ein gesamtes, bis dahin ja soweit irgendwie funktionierendes System muss zu Erkenntnissen gelangen und komplett umstrukturiert werden (Nun, vielleicht nicht immer komplett, aber wahrscheinlich doch in vielen Fällen!). Und dafür fehlt es mir erheblich an einem 'an-die-Hand-Nehmen'. Es wird gezeigt, was mental load ist, wie sich dieser äußert und wie schön das Leben sein kann, wenn man mental load teilt und einen Weg gefunden hat, fair für alle beteiligten Parteien den Alltag zu meistern. Es wird (gelungen und berechtigt) darauf verwiesen, dass klischeehafte und veraltete Geschlechterrollen und damit einhergehende Erwartungshaltungen ein zugrunde liegendes Problem sind, das mental load häufig überhaupt erst entstehen lässt.
Ganz kurz wird darauf verwiesen, dass das Buch natürlich auch kinderlose und gleichgeschlechtliche Paare ansprechen will (alle anderen anscheinend nicht - Ironie beiseite) und dass es schon irgendwie eine Gegen-Partei erfordert, die Bereitwilligkeit und Einsicht an den Tag legt, da die ganzen Ideen in ihrer Umsetzung sonst natürlich nur schlecht bis gar nicht funktionieren. Abgesehen von dem Rat, entspannter zu sein, die eigenen Ansprüche zu hinterfragen und ggf. herunterzuschrauben, und nach (finanziell vorhandenen) Möglichkeiten Aufgaben auch mal outzusourcen, ist für Personen, die wenig Spielraum beim Thema Haushalts- & Aufgabenteilung bei ihren Partnerpersonen haben, aber wenig Hilfe zwischen den Seiten in Aussicht.
Meiner Meinung nach ist das Thema mental load ein psychisches, vielleicht psycho-soziales, wenn man es im Mikrokosmos von Familie und familienähnlich zusammenlebenden Konstrukten betrachtet. Dieses Buch bietet viel mehr organisatorischen Rat (sich Bügeln durch geschicktes Wäschetrocken ersparen, Krümel mal zu ignorieren, und ein ständiges Verweisen auf die Lieblings-Organisations-App der Autorin, die man laut ihr definitiv mit der Partnerperson nutzen sollte), als dass es tatsächlich Strategien und Ideen an die Hand gibt, sich von dem mentalen Ballast an Aufgaben, Verantwortung und Organisation zu lösen. Ich rede hier nicht von Meditations-Tipps! Hier werden zum Teil schwerwiegende Beziehungsprobleme geschildert, die Menschen erheblich belasten können. Mental load scheint mir zum Teil eher ein Symptom als ein zugrunde liegendes Problem zu sein und berechtigt fragt sich die Autorin, warum ihr Ex-Mann in all der Zeit ihres stillen, aber nach außen hin sie doch immer unleidlicher werden lassenden Leidens nicht einmal nachgefragt hat, wie es ihr geht, WARUM es ihr so geht. Mental load ist m.E. ein viel zu komplexes Problem, zu vielschichtig, und nach Lesen dieses Buches fühle ich mich aus Lese-Sicht indirekt mit einem "Chill mal mehr!" abgespeist, weiß aber nicht, wie sich Menschen, die sich von mental load belastet fühlen, tatsächlich davon befreien können, Verantwortung ständig im Kopf herum zu wälzen. Es wurden viele Wege gezeigt, diese Verantwortung 'körperlich' bzw. aktiv abzugeben. Nicht ein einziger, wie man auch die passive, die mentale Verantwortung dahinter loslassen kann.