Wenn es der Autorin daran gelegen war zu zeigen, dass es im Leben nicht immer Antworten auf alle Fragen gibt, ist ihr das gelungen.
Aber dieses Buch besteht nur aus lauter angefangenen Erzählsträngen, die nirgends aufgelöst werden.
Wir wissen am Ende nicht, ob Rena noch lebt (obwohl das wahrscheinlich ist), warum sie abgehauen gibt (nur Vermutungen), warum sie nicht zurückgekommen ist (nachdem sie ja laut Aussagen nicht wegwollte). Noch frustrierender ist, dass die Mutter, die vorher jedem Zipfel an Information nachgelaufen ist, das einfach akzeptiert und nun passiv wartet. Das Mädchen irgendwo aufzutreiben, selbst in England, ist nicht unmöglich, schon gar nicht, wenn man über finanzielle Möglichkeiten verfügt.
Aber dann gibt es noch die anderen offenen Enden: Was wird mit ihrer Ehe? Sie bleibt ja offensichtlich mit ihrem Ehemann (der sie auf so vielen Ebenen betrügt) zusammen. Auf welcher Basis? Nur, weil sie die Erkenntnis hatte, dass sie selbst weder die ideale Ehefrau noch Mutter war? Gibt es keinen Neuanfang?
Was macht der Ehemann? Hat er weiter die Geliebte (und erzählt er ihr weiter von seinem "Ärger" mit der Ehefrau - was ich persönlich als viel größeren Vertrauensbruch ansehen würde, als das eigentliche Verhältnis)? Wie geht er mit der Schuld um, jemanden zu einer Bluttat verführt zu haben, um seine Rachegelüste zu stillen? Immerhin trägt er die Schuld an mindestens zwei Toten. Und wenn seine Gefühle zu diesem Zeitpunkt so stark waren, wie stellt er sie einfach ab, nachdem es Hinweise gibt, dass seine Tochter noch lebt? Kann er das alles verdrängen und sich weiterhin so selbstgefällig "besser" als seine Frau zu fühlen? Selbst, wenn er das schafft und an den Tod von Rena glaubt, wie kann er damit leben, nicht zu wissen, was passiert ist, wo wenigstens die Leiche seiner Tochter ist?
Und dann ist da noch der Vater - wie ist das mit seiner Genesung? Der ehemalige Richter, der plötzlich vom Schlaganfall erholt, wieder redet und handelt, macht nun gar nichts mehr und ignoriert seine verschollene Enkelin, seine Tochter, seinen widerlichen Schwiegersohn?
Wie steht es mit dem Konflikt zwischen Mutter und Tochter (Renas Mutter und Großmutter). Am Anfang angedeutet, mit für diese Familie recht heftigem Schlagabtausch und Schuldzuweisungen, ist davon am Ende nicht mehr die Rede, im Gegenteil die beiden sehen vieles gleich (ohne daraus irgendwelche Taten abzuleiten).
Selbst Renas Schwester, die sich im Laufe des Buches mehr und mehr von der Familie entfernt, wird kaum noch erwähnt. Im Schlusswort der Protagonistin klingt an, dass sie vieles anders machen will, nachholen will, sollte Rena wieder auftauchen, nirgends ein Wort, dass sie das bei ihrer anderen Tochter wenigstens versuchen könnte.
Andere Charaktere tauchen auf und wieder ab, ohne Spuren zu hinterlassen. Es wirkt, als habe die Autorin am Ende die Lust an ihrer Geschichte verloren und nur schnell fertig werden wollen. Ein in der Gesamtwirkung sehr unbefriedigendes Buch.