Der Fragment gebliebene Fall Franza gehört ebenso wie Malina zu Ingeborg Bachmanns Todesartenprojekt und in diesem Fall erzählt sie Geschichten von Verbrechen, die Mord sind im Inneren und Äußeren und schließlich an der Psyche hin zum Körper. Franza wird zum Fall gemacht von ihrem Ehemann und zerfällt an der Psychopathologisierung. Durch eine Abtreibung traumatisiert flüchtet sie, lässt sich von ihrem Bruder finden und reist mit ihm in die Wüste, wo sie sich immer mehr verliert in ihrer Angst und ihrem Schmerz(Menschheitsschmerz, Menschseinsschmerz).
Die erzählten Verbrechen sind so vielschichtig (immer wieder vorkommende die geologischen Metaphern), dass ich sie nicht alle ausführen kann, aber es handelt sich immer um Über_mächtiges, das mordet und zur Schau stellt. So wie Franza sich von dem Fossil, ihrem Ehemann, entblößt sieht, zur Schau gestellt, werden auch die Sarkophage aus den Pyramiden in Museen ausgestellt,um von Tourist_innen begafft werden zu können. Die Todesruhe wird gestört und verstört Franza ebenso wie das Beherrschen der Weissen über die Schwarzen.
Franza befindet sich also auf ihrer Wüstenreisen und verliert sich mal schleichend mal polternd, immer wieder und immer mehr und kapituliert irgendwann vor den Worten, dem Schmerz und dem Versteinern des Körpers (überhaupt gefährdete fragile Körperlichkeit und Gewalt gegen Weiblichkeit)
"Schmerz, seltsames Wort, seltsames Ding, in der Naturgeschichte des Menschen dem Körper zugedacht, aus dem Körper abgewandert und brisanter gemacht in seinem Gehirn. Ich bin in der Wüste, um meinen Schmerz zu verlieren, und verlier ich ihn nicht, der durch meinen Kopf, durch meine Atemorgane, durch die Herzcoronarien wütet und bis in die verdrehten Extremitäten, dieser wahnsinnige Schmerz, der sich alle paar Stunden ein anderes Feld aussucht, um mich auszuprobieren, meinen Kiefer, um ihn zu sperren, meine Zähne, um sie klappern zu lassen, meine Hände, damit sie taub werden, fremd an mir weghängen und mir die Schale aus der Hand gleitet, und wenn ich den nicht mehr verliere, nicht in diesen Knien, die einsacken, diesen Augen, in denen nach dem vorübergehenden Tod die Pupillen schaukeln und schiefstehen. Und wenn ich den Schmerz nicht mehr verliere..." (S.112)