Mit Aeternitas habe ich den dritten Band der Shadowrun-Romane von Markus Heitz gelesen, wenngleich etwas anachronistisch privat als sechsten Teil. Und auch keineswegs zum ersten Mal, sondern vor einigen Jahren bereits einmal.
In diesem speziellen Teil, der sich wieder primär um Poolitzer, den Schnüffeljournalisten aus Seattle dreht, sowie einige bereits bekannte und einige neue Charaktere, wird es zunehmend magisch. Wobei es eine ganze Weile dauert, bis das eigentliche Kernproblem des Buches beleuchtet wird - in verschiedenen Bibliotheken und Sammlungen werden merkwürdige Kästchen gestohlen, allesamt von einer unglaublich starken magischen Barriere beschützt. Angeheuert durch die Diebe ist Keimag, oder Xavier Rodin, wie er eigentlich heißt, der aufgrund seiner negamagischen Befähigungen die Barrieren zerstören kann, an denen jeder andere Magier vorher gescheitert ist. Doch es stellt sich heraus, dass der Auftraggeber ganz genau weiß, was er da sucht - die Ewigkeit. Wenngleich mit einem Twist.
Zusätzlich geht es auch noch um ein paar andere Nebenschauplätze, etwa einen Run in der SOX mit vielen Giftdämpfen und einem vermeintlich toten Drachen sowie einer sehr endgültigen Problemlösungsstrategie seitens der Megacons. Hier begegnen wir vornehmlich Ordog wieder, der sich in der verseuchten Zone schnelles Geld einheimsen möchte, dabei aber vielleicht mehr mit nach Hause bringt, als er geplant hatte. Oder um das Stadtkriegsspiel, die deutsche Variante des Urban Brawl, in dem SpielerInnen auf äußerst brutale Weise in Gefechten gegeneinander zu punkten versuchen.
Ehrlicherweise bleibt das Stadtkriegspiel auch ein bisschen das Highlight des Buches - mir gefallen die Regeln und die Besonderheiten, das macht das Buch durchaus noch zu etwas Besonderem. Denn die eigentliche Handlung ist streckenweise langatmig und vorhersehbar. Die ganze SOX-Geschichte ein etwas platter Aufguss der SOX-Abenteuer aus dem zweiten Band.
Generell lassen die Charaktere mit zunehmender Länge der Geschichten an Tiefe vermissen. Es scheint vor allem darum zu gehen, Pärchen zu bilden - seien es Cauldron und Xavier, Ordog und Tatoo, oder dann doch Poolitzer, der zwar seiner angeblich großen Liebe nachtrauert, was ihn aber nicht daran hindert, alles anzugraben, was nicht bei drei auf dem Baum ist und ihm noch eine Story bringen könnte. Das, so möchte ich betonen, finde ich charakterlich sehr nachvollziehbar und gut gelungen. Die übrigen bestehenden oder sich anbahnenden Liebesbeziehungen sind allenfalls erklärbar, wenn man sich mit einem "Naja, wo die Liebe halt hinfällt" zufrieden gibt.
Nun wären aber Geschichte und Charaktere, obwohl nicht vom Feinsten, so zumindest kein großes Hindernis, dem Buch vier oder gar fünf Sterne zu geben, denn unterhaltsam war es allemal. Wenngleich, so muss ich zugeben, die Geschichte bei weitem nicht mehr so fesselt und sich manche Abschnitte zeitlich lange gezogen haben, weil die Motivation zum Weiterlesen fehlte. Denn leider steht das Buch - im negativen Sinne - den Vor- und Nachfolgern sprachlich in nichts nach.
Es gibt eine ganze Vielzahl von Passagen, die ich mir in meinem Reader angestrichen habe, weil die grammatikalische Konstruktion falsch war, bestimmte Wörter mit völlig falscher Bedeutung verwendet wurden oder einige inhaltliche und logische Zusammenhänge nicht stimmten. An manchen Stellen werden die Vorgänge in der Geschichte auch nicht ausreichend ausgeführt - als Leser wird man einfach mit dem Ergebnis eines Gedankengangs konfrontiert, ohne ihn selbst nachvollziehen zu können. Ärgerlich - denn vermutlich hätte es ausgereicht, das Buch vor Veröffentlichung an ein paar Leute zum Korrekturlesen zu geben. Unweigerlich muss ich mich - als Buchlaie - fragen, ob der Heyne-Verlag per se kein Lektorat bei seinen Akquisitionen durchführt?
Es bleibt für mich auch weiterhin ein Problem, dass ich an manchen Stellen nicht mehr das Gefühl habe, einen Roman zu lesen, sondern eher ein Regelwerk. Manchmal sind es kurze Passagen, die mich an Regeldiskussionen in meiner eigenen Shadowrungruppe erinnern. Manchmal stört es mich auch einfach nur, dass für Fahrzeuge oder Waffen zwar der Marke und Typbezeichnung genannt werden, nicht aber die Art der Waffe. Es täte der Geschichte sicherlich keinen Abbruch, wenigstens anzudeuten, ob es sich bei einer Waffe um eine Shotgun, eine Handfeuerwaffe oder einen Raketenwerfer handelt. Besonders dürftig fallen (bezogen auf alle der sechs Romane) die Beschreibungen der magischen und Matrix-Welt aus. Erstere, weil Formulierungen wie "sie blickte astral um sich" einfach eine Katastrophe sind, wo man doch ausgerechnet den Wechsel zwischen Realität und magischer Dimension so viel anschaulicher beschreiben könnte. Letztere, weil die Matrixwelten von Heitz viel ungenutztes Potential hätten.
Es bleibt nach der Lektüre ein sehr fader Geschmack, teils, weil man doch einfach nur froh ist, durch diese sprachliche Stolperfalle gekommen zu sein. Um die Charaktere ist es ein wenig schade, denn diese sind, obwohl sie einige Klischees nachgerade eifrigst erfüllen, unterhaltsam und wachsen durchaus ans Herz.