Macht Metal glücklich? Sind Metaller glücklicher als Fans anderer Subkulturen, "Normalos"? Rose ist Psychologet und setzt sich mit dieser Frage auseinander.
Ich habe schon einige Bücher zum Thema Metalcommunity gelesen und das hier ist im Grunde nichts Neues, Zeiten ändern sich allerdings, die Menschen ändern sich, deshalb les ich gern immer wieder neue Bücher zu den Themen die mich interessieren.
Ich fand enttäuschend, dass dabei nichts wirklich neues herumkam. Rose hat mehrmals erwähnt, dass die Metalcommunity konservativ ist, dies aber gar nicht zuträfe und auch nichts Schlimmes sei, vielleicht auf eine positive Weise Konservativ. Die Metalcoommunity sei wie die Schweiz, von außen eEutral, innen gäbe es viele politische Debatten. Es sei aber schöner wenn Bands die Musik frei von Politischen Themen ließen. Uff.
Als jemand der persönlich nicht konservativ ist und aktiv auf Konzerte geht und viel mit Menschen in der Community über politische Themen redet würde ich sagen: Doch ist sie, und das nicht im positiven. Der Autor behauptet, dass der Durschnittsmetaller nicht "Frauen zurück an den Herd"-konservativ sind. Allerdings erlebe ich und andere oft genug Sexismus und Sprüche wie "Frauen verstehen nicht so viel von der Musik wie Männer!"-Geleier in der Szene. Es stimmt, die meisten haben keine Lust auf Politische Gespräche, sind lieber Zentristisch, das vermeiden Politischer Themen ist angenehmer, denn dann muss man sein Verhalten nicht reflektieren.
Die alte leier: Die Metalszene ist offener, da wir oft Außenseiter sind und dadurch gern das begrüßen was "anders" ist. Hört man insbesondere Metalboomer reden oder sieht was diese so auf Facebook schreiben sieht man schnell, dass das nicht unbedingt für alle gilt, eben doch nur "Metal anders" und nicht LGBTQ+-anders zum Beispiel. Oft wundere ich mich leider auch nicht, wieso es so wenig BiPoC aktiv in der Szene gibt, so oft wie ich schon gesehen habe wie Leute darüber lamentieren, dass man so etwas wie das N-Wort heute gar nicht mehr sagen dürfe. Irgendwo im Buch stand es sei schön, dass die Szene immer mehr Accessible wird. In einem der Interviews antwortete jemand, dass es ja schön sei, dass es so viele Sicherheitsvorschriften zum Schutz von Ohren etc. gäbe, dass es allerdings auch das Gefühl der Freiheit einschränkt. So ungefähr hat sich das ganze Buch angefühlt: "Schön, dass wir alle so Tolerant und offen für Neues sind, aber das Gefühl der Freiheit muss bleiben, bloß keine politischen Themen!" - dass diese Vermeidungshaltung nicht dafür sorgt dass Menschen angelernte diskriminierende Haltungen abwerfen und die Szene eventuell noch offener machen könnte, das hat der Autor nicht bedacht. Offener zu werden und sich über solche Themen Gedanken zu machen heißt nicht sich in seiner Freiheit einzuschränken, es heißt sogar die Welt ein wenig größer zu machen, für sich und andere. Das war für mich ein großer Nachteil an einem Buch welches versucht zu beleuchten wie es innerhalb der Szene wirklich aussieht. Insgesamt also sehr eingleisig und nicht aussagekräftig. Einem Interviewpartner sagt er: "Mit Blick auf dein Leben kann man sagen, dass du Opfer dieser Praxis (Cancel Culture) geworden bist." - Uff.
Am Ende gab es noch die Resultate einer Befragung, danach wurden verschiedene Kategorien von Metallern aufgeschrieben: Der "Man of War", der "Man in Black", "Post Man & Post Girl", "Gothic Girl" und "Rocka Rolla" - auch wenn sich die Kategoriennamen wohl an der überwiegenden Prozentzahl von Männern und Frauen orientiert haben ("Gothic Girl ist der Einzige Typus in dem der Anzahl der Frauen überwiegt - 51% (lmao)), find ich es albern die Kategorien Geschlechtern zuzuteilen. Ich denke aber mal diese Art Schubladen sind Roses Interpretation von "Freiheit".
Auch zum Thema Musik allgemein fand ich Rose ganz und gar nicht offen, den das "anämische Pop-Soft-Rock-Hip-Hop-Gedudel grantig macht". Mit 16 habe ich auch mal so gedacht, mittlerweile finde ich diese Antihaltung gegenüber anderen Genres einfach nur noch peinlich. Umso mehr Cringe ich, wenn ich es gedruckt in Büchern lese. Die meisten Musiker haben diese Haltung selbst nicht einmal, da sie sich oft generell mit Musik in allen Formen beschäftigen um diese zu verstehen und wissen, dass nicht alle Musikrichtung sich über die Dinge die im Radio laufen repräsentieren lassen und oft viel komplexer sind als erwartet, wenn man sich länger als 5 Minuten damit befasst. Dann steht dort die Behauptung, dass HipHopper insgesamt krimineller seien, wobei wohl nur Gangster Rap als Beispiel im Hinterkopf waberte. Ja, es gibt sicherlich kriminelle Individuen im Gangster-Rap. Es gibt aber auch Rechtsrock. Ja, diese Art Rap ist oft Frauenfeindlich. Aber im gleichen Buch in dem das kritisiert wird Steel Pantherüber den grünen Klee zu loben ist schon ein mentaler Spagat den man erstmal hinbekommen muss. Insgesamt wieder wenig reflektiert geschrieben.
Ich mochte einige Aspekte an dem Buch, aber die oben angesprochenen Themen lassen für mich einen Schalen Geschmack zurück. Die Community könnte noch viel mehr an sich arbeiten um tatsächlich offener zu werden. Wir sind nicht besser als andere nur weil wir wegen unseres Hobbies in der Schule mal Außenseiter waren.
Und nein, hier ist nicht die Cancel Culture im Anmarsch, es ist nur eine Rezension die man reflektieren könnte.