Der neue Roman von Katerina Poladjan über vier Generationen von Frauen, eine Kommunalka und das Ende einer Epoche. In der sibirischen Weite, tausende Werst östlich von Moskau, leben in einer Kommunalka auf engstem Raum Großmutter, Mutter, Tochter und Enkelin unter dem bröckelnden Putz einer vergangenen Zeit. Es ist der 11. März 1985, Beginn einer Zeitenwende, von der noch niemand etwas ahnt. Alle gehen ihrem Alltag nach. Der Ingenieur von nebenan versucht, sein Leben in Kästchen zu sortieren, Warwara hilft einem Kind auf die Welt, Maria träumt von der Liebe, Janka will am Abend in der Küche singen.
»Zukunftsmusik« ist ein großer Roman über vier Leben am Wendepunkt, über eine untergegangene Welt, die bis heute nachwirkt, über die Absurdität des Daseins und die große Frage des Hier und Jetzt: Was tun?
Unbefriedigend. Plakativ könnte ich sagen, eine faszinierende erste Seite und fulminante 20 Seiten am Schluss, dazwischen gähnende Langeweile.
Über weite Strecken, ich würde sagen die ersten zwei Drittel, empfand ich den Roman fast wie das Debüt einer irgendwie talentierten Autorin, die sich noch nicht so ganz gefunden hat. Nur ist sie keine Debütantin, sondern dieser Roman sollte bereits ein ausgereiftes Werk, wenn nicht gar ihr Meisterstück sein. Leider erkenne ich das in dem Roman gar nicht, aber das wird an mir liegen, weil andere Leser durchaus das Meisterliche darin erkannt haben.
Ich hatte den Eindruck, dass sie sich literarisch/sprachlich nicht sehr anstrengt. Da startet das Ding mit brillant formulierten Sätzen und nach 2 Seiten schon geht’s abwärts in eine zum Teil banale Sprache und langweilige Aneinanderreihung von Szenen. Erst im letzten Drittel gestaltet sie durch einzelne surreale Passagen den Roman wieder interessanter, und die Schlussszene finde ich ziemlich gut gelungen.
Größtenteils montiert sie in dem Buch Miniaturen, die inhaltlich aus dem Alltag der Bewohner einer Kommunalka bestehen, mal sind es Erinnerungen, häufiger Alltagsszenen. Die Montage wirkt dann wie ein Karussell, auf dem der Lack an den Figuren bereits großflächig abblättert und das morsche Holz zum Vorschein kommt. Das Ganze dreht sich dann ruckartig wie eine Drehbühne, zum Soundtrack einer schräg-melancholischen Melodie.
Überhaupt erinnert es mehr an ein Theaterstück als einen Roman. Die Autorin verweist im Text auch explizit auf Anton Tschechows Möwe, überhaupt ist die ganze Komposition des Stücks ein wenig an das über 100 Jahre alte „Vorbild“ angelehnt. Am Abend dieses Zeitenwendetages, an dem eine Epoche zu Ende geht, soll Janka, die Protagonistin, ein Konzert geben. Und, na klar, darum der Titel.
Wie auch immer, es geht nicht wirklich auf, es ist zu unentschlossen, zu wenig radikal, nicht Fisch, nicht Fleisch, der Stoff einfach zu monumental für die Autorin, die sich zu sehr mit ihrem kleinen Karussell beschäftigt.
Das ist zwar alles ganz nett, man schaut sich die Pferdchen gerne an, in ihrer Zwiespältigkeit, es gibt sehr drollige Szenen, wenn etwa Jankas Oma Warwara ihren geheimen amourösen Abenteuern nachgeht oder die zunehmende Annäherung von Jankas Mutter Maria an Matwej, dem Wissenschaftler (der den Tod eines Studenten auf dem Gewissen hat), oder die meist etwas surrealen Begegnungen von Janka mit Pawel, der irgendwann einfach seine Flügel aufspannt und aus dem Fenster fliegt, die Zankereien mit Andrej dem frechen Halodri und Womanizer. Und die Frage, wer ist überhaupt der Vater von Jankas kleiner Tochter Kroschka, Andrej oder Pawel? Oder auch die zahlreichen Anspielungen auf Persönlichkeiten der betreffenden Zeit, wenn man Lust hat, gibt es einiges zum Hinterhergoogeln. Etwa wer die ominöse Berühmtheit ist, die immer nur mit den Initialen B.G. genannt wird und der vielleicht zu Jankas Konzert aus Moskau anreisen wird. Dahinter könnte sich der damalige Underground-Star Boris Grebenschtschikow, der in den 70ern mit seiner Band „Aquarium“ den „Perestroika-Rock“ mitbegründet hat.
Man kann das alles schon flüssig lesen, und Interesse entwickeln, aber mir ist das als Roman einfach zu lauwarm, da fehlt mir die Hitze, oder meinetwegen die Kälte, aber jedenfalls die Dringlichkeit und Intensität.
Nur ein Beispiel, auch bei einer der surrealsten Szenen: „Janka nahm Matwej das Kind ab, riss Kroschka dabei versehentlich einen Arm aus, legte den Arm auf die Kommode, drückte das Kind an sich, küsste es ab.“ … bleibt es dann dabei, es tröpfelt einfach so weg und ich frage mich was wohl ein Sorokin oder Pelewin aus so einer Szene gemacht hätten.
Wie auch immer: es war völlig ok das Buch zu lesen, ich fand die Anregungen zum Googeln und was man dann findet, interessant, zum Beispiel die Lebensgeschichte des Musikers Boris G., teils sogar interessanter als den Roman selbst. Im Moment glaube ich nicht, dass ich weitere Romane der Autorin lesen werde, dazu gibt sie mir schriftstellerisch zu wenig.
Es ist der 11. März 1985, irgendwo in Sibirien, Moskau liegt tausende Werst entfernt. Am Tag zuvor ist Generalsekretär Konstantin Tschernenko gestorben, im Radio wird Chopins Trauermarsch gespielt - wirklich berühren kann sein Tod die Bewohner*innen der Kommunalka, einer Art Wohngemeinschaft in der Sowjetzeit, aber nicht. In der Vier-Generationen-WG von Janka, Maria, Warwara und Kroschka geht der Alltag weiter, die Enkelin muss in den Kindergarten, die Tochter kommt gerade von der Nachtschicht in der Glühbirnenfabrik, die Mutter bricht zur Arbeit im Museum auf und die Großmutter kümmert sich um den Haushalt. Im Zimmer nebenan sortiert der Ingenieur sein Leben in Kästchen, zwei Zimmer weiter fliegt ein Nachbar durch die Decke.
Wie ein Theaterstück auf engstem Raum liest sich Katerina Poladjans Roman "Zukunftsmusik". Ihre Figuren erscheinen bunt zusammengewürfelt, sie fängt das Leben einer ganzen Wohngemeinschaft an nur einem Tag ein und über jeder Seite hört man leise die Zukunftsmusik anklingen. Der Umbruch liegt schon in der Luft, auch wenn Maria und ihre Mitbewohner*innen das an diesem Märztag, der so winterlich daher kommt, noch nicht wirklich wissen können. Sie alle leben ein gemeinsames Leben und leben doch vereinzelt vor sich hin, mit eigenen Wünschen und Nöten, aber auch als funktionierende Rädchen im Getriebe, vor allem die vier Frauen im Mehrgenerationenhaushalt.
Einerseits mochte ich die leise Sprache und Atmosphäre des Romans, andererseits konnte ich dann doch häufig nicht viel anfangen mit dieser doch sehr zusammengewürfelten, verwirrenden Geschichte, die vor allem zum Ende hin immer fantastischer und irritierender wird. Ein durchaus fesselndes und auch sehr interessantes Werk der deutsch-russischen Autorin, das in wenige Seiten viel Zeitgeschehen und Menschenleben verpackt, für meinen Geschmack aber zu vage, mit zu vielen offenen Enden daherkommt und zu wenig Zusammenhang bietet. Letztlich bleibt nach dem Lesen für mich jedoch das Gefühl, dass sich eben doch alles ändern kann und ein Umbruch immer möglich ist, was in heutigen Zeiten vor allem Hoffnung gibt.
Einer Erfahrung ein historisches Bild zu verleihen und jenes aus dem Fluss der Zeit herauszubrechen, gehört zu den erstaunlichsten Wirkungsweisen eines Romans. Die Verwandlung von Kontinuität in Diskontinuität erlaubt es, rückläufig wieder anzuschließen und aufzuschließen, und Kommunikationspotential zu erschließen, die sonst anderweitig vor sich hinschlummern müssten, ohne ihren Erfahrungsgehalt entfalten zu können. Katerina Poladjan hat den 80ern Jahren der kurz vor ihrem Ende stehenden Sowjetunion ein Kleinod entrissen und in „Zukunftsmusik“ zu einer Allegorie auf Veränderung verwandelt. Der Roman glänzt und schimmert und funkelt.
Die Sonne stand tief über dem Wasser des schwarzen Flusses, auf der anderen Seite leuchtete die Fabrik von elektrischem Schein umkränzt, davor das abschüssige Ufer. Es war warm wie an einem Sommerabend, und doch lagen zwischen den Hügeln auf den Rasenflächen Schneereste. Im Osten das Wäldchen, ein dunkler Schattenriss, und ungewöhnlich kleine Kirschbäume blühten in voller Pracht unter einem wolkenlosen Himmel.
Inhaltsangabe (ohne Spoiler): Der Handlungsrahmen von „Zukunftsmusik“ wird von einer Gemeinschaftswohnung nahe einer Radarstation „Tausend Werst oder Meilen oder Kilometer östlich von Moskau entfernt“ gebildet. In dieser Kommunalka befinden sich mehrere Parteien. Eine ausgezeichnete Hauptfigur gibt es nicht. Am ehesten kommt ihr Janka nahe, eine junge Mutter, die gerne singt und trotzig ist und auf eine Musikerkarriere hofft. Um aus dem grauen Alltagstrott entfliehen zu können, gibt sie ein selbstorganisiertes Konzert, ein Kwartirnik, zu dem sogar ein berühmter Künstler erscheinen soll. Wie in diese Karrierepläne ihre Tochter Kroschka hineinpasst, die von ihrem Ehemann verlassene und etwas einsame Mutter Maria und die verwitwete, fürsorglich besorgte Großmutter Warwara, weiß sie selbst nicht richtig.
Woran erinnern Sie sich, Janka? Lassen Sie mich überlegen – ich erinnere mich an ein Leben, das ich nie gelebt habe und von dem ich hoffe, dass es noch vor mir liegt. Wenn Sie vor einem Publikum singen, was empfinden Sie? Es ist wie ein Traum. Sind Sie auf der Bühne Sie selbst? Was soll das sein, ich selbst. Woher kommt die zerstörerische Kraft in Ihren Liedern? Ich schöpfe meine Kreativität aus der Zerstörung, ich räume mit dem Gefühlsdreck auf.
Katerina Poladjans fusioniert in „Zukunftsmusik“ direkte und indirekte Rede ununterscheidbar ineinander. Die Sätze fließen zusammen, auseinander. Je aus den verschiedenen, an der Situation beteiligten Figuren wird berichtet, erzählt, sehr individuell, mit Erinnerungseinschüben, Fragmenten der je eigenen Geschichte, die nach und nach ein sentimentales, tapferes, aber auch um Trost bemühtes Leben nachzeichnen. Die Erzählweise verliert sich nicht in Details. Sie hüpft mutig und fröhlich von Szene zu Szene, vor allem, weil die Figuren so selbstbestimmt und vorlaut durch die Welt gehen, stets auf die Einhaltung einer Mindesthöflichkeit und eines Mindestabstands bedacht:
Kein Gestirn, keine Sonne hatte das Recht, so weit in die Umlaufbahn der anderen einzudringen, dass es zu den unabsehbaren Folgen kam, die sich nun in der schrecklichen Unordnung seiner [Matwejs] Gedanken [angesichts von Marias Morgenrocksaum] ausdrückten.
Der nur knapp zweihundert Seiten lange Roman verdichtet alles. Nichts ist zu viel, nichts zu wenig ausgeführt. Alle Gespräche, Beschreibungen, alle Dinge, die erwähnt werden, Neben- und Kreuz- und Parallelhandlungsstränge finden stets zusammen und unterstützen die Atmosphäre einer Welt, die kurz vor dem Zusammenbruch steht. Alles wird sich für die Beteiligten nach dem Tod von Tschernenko ändern, und „Zukunftsmusik“ handelt von diesen kurzen, wenigen, ruhigen Momenten davor.
„Zukunftsmusik“ erinnert stark an Romane wie „Der Tangospieler“ und „Der fremde Freund / Drachenblut“ von Christoph Hein, nur mit weniger Melancholie, mit weniger Selbstmitleid. Stanislaw Lems „Solaris“ besitzt eine ähnliche Atmosphäre, jenes Zusteuern auf ein Ereignis, das nicht mehr gestoppt werden kann, diese Ruhe vor dem Sturm, wo nicht mehr die Illusion von irgendeiner Kontrolle mehr existiert, wo alle nur noch wechselwirkend um Schadensbegrenzung bemüht sind. „Kristallwelt“ von J.G. Ballard und Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ drehen sich ebenfalls um ein Geheimnis, um eine Leerstelle, die alles unterminieren und mit sich reißen wird.
Aber im Gegensatz zu den pessimistischen Untertönen dieser Romane besitzt „Zukunftsmusik“ eine naive, fröhliche Unbekümmertheit. Unbedingte Leseempfehlung.
4-5🌟 Sowjetunion 1985 Vier Frauengenerationen auf engstem Raum, vier Leben am Wendepunkt, vier Vergangenheiten, Trauer, Hoffnung und ZUKUNFTSMUSIK. Ein Genuss, ein Buch was nachhallt und ich höre noch immer die Musik. Detaillierte Rezension folgt.
Vor kurzem sagte ich noch, dass das erste Drittel von Menasse‘s „die Hauptstadt “, das best komponierte Buch war, das ich las. Während des Lesens lief ständig Musik in meinem Kopf. Lady‘s and Gentlemen! Ich präsentiere: Zukunftsmusik- von vorne bis hinten das best komponierte Buch das ich jemals las! Was für ein Sound, eine Verspieltheit und Leichtigkeit, auf der Leinwand des gezeichneten Homo Sovieticus, der keine Freiheit und Zukunft kennt, in ständiger Angst verraten zu werden, im System überlebt oder irgendwann einfach verschwindet. Die Autorin erschafft ein grandioses Geflecht des Zusammenlebens von 4 Frauen-Generationen auf engstem Raum. Ein großes Herz für die Älteste, die Verantwortung hoch hält, schön derb daher kommt, die Klamotten ihrer Tochter heimlich trägt und sich nie unterkriegen lässt. Das kurze Buch ist so dicht und voll mit Gedanken, Hoffnung, Erinnerungen, Ungesagtem, Bildern, Emotionen. Ich bin tief bewegt und dankbar für dieses Kunstwerk.
Eine Zukunftsmusik ist hier der Trauermarsch von Chopin, der im Radio den Tod des sowjetischen Staatschefs Tschernenko verkündet, der am Vortag verstorben ist. An diesem einen Tag, an dem Gorbatschow zum neuen Generalsekretär der KPdSU gewählt wird, spielt dieser Roman in einer Kommunalka „tausende Werst oder Meilen oder Kilometer östlich von Moskau“. Sechs Mietparteien leben in einer Wohnung, teilen sich eine Küche und ein Bad. Die Bewohner von drei Zimmern werden ausführlicher betrachtet, besonders aber ein Raum, der von drei Frauen und einem Mädchen in vier Generationen bewohnt wird.
Der Alltag in der Kommunalka ist genial erzählt, man hat sich eingerichtet in diesem Leben, in dieser Enge, hat zwar noch Träume von Veränderung, redet sich jedoch die Umstände schön und profitiert von den Vorteilen des Zusammenlebens (gegenseitige Hilfe, keine Einsamkeit). Dieses Changieren zwischen Resignation und Hoffnung kommt ganz wunderbar zur Geltung. Zu diesem Zeitpunkt weiß noch niemand vom neuen KPdSU-Generalsekretär und wenn es bekannt wäre, hätte keiner an große Veränderung geglaubt. Und doch ist zu spüren, dass die Zeit reif für Neues ist.
Katerina Poladjan hat eine ausgefeilte Sprache, knapp und präzise erinnerte sie mich mitunter an Robert Seethaler, aber bei ihr gibt es mehr feine Ironie und außerdem ein paar magische Elemente, die sich gut in den Text einfügen und eine starke Aussagekraft haben. Das Ende hat mich überrascht, war mir in der Aussage zunächst zu platt, aber nach einigem Überlegen fand ich es doch gelungen. Es unterstreicht den Aufbruch in eine neue Zeit und kündet Veränderungen für jeden Einzelnen an.
Ein richtig gutes Buch und eine unbedingte Leseempfehlung
"Hurz!" oder "Willkommen im sowjetischen Absurdistan!"
Vielleicht erinnert sich ja noch jemand an “Hurz!” aus dem Jahre 1991 von und mit Hape Kerkeling, der einem Bildungspublikum eine absurde Oper vortrug und versuchte, dieses Publikum aufs Glatteis zu führen. Was ihm allerdings nur bedingt gelang.
So etwa wie jenes Publikum sich gefühlt haben dürfte - irritiert, verwirrt, leicht genervt - so fühlte ich mich bei der Lektüre dieser dankenswert kurzen Novelle.
War Kerkelings medialer Streich in seiner Einfachheit letztlich absurd und doch in sich clever, so war “Zukunftsmusik” von Katerina Poladjan leider eher uninteressant und über weite Teile ganz schlicht banal.
Es ist 1985 und Tschernenko ist just am Tage vor Beginn der Handlung gestorben; sein Nachfolger wird Michail Gorbatschow, der sich anschickt, die Welt zu verändern. Aber soweit sind wir noch nicht: Noch leben in einer Kommunalka (eine Art sowjetische Wohngemeinschaft) vier Generationen Frauen/Mädchen einer Familie und ein paar Statisten, die auch schon einmal das Fenster öffnen und davon fliegen, zusammen.
Leider lies mich das alles völlig kalt: 1985 war für mich ein ganz normales Jahr Kindheit. Die Sowjetunion war mir damals vollkommen egal. Allenfalls nahm ich sie im “Spiegel” oder James-Bond-Filmen wahr.
Für mich besteht diese Novelle aus einer Mischung von gähnender Langeweile…
»Creme roch pudrig. Ippolit bevorzugte blumige Düfte. Die Natur hatte ihm keine bemerkenswerten Züge verliehen, und doch hielt er sich nach wie vor für einen schönen Mann. Wenn er das Kinn hob und seine Unterlippe leicht nach vorne schob, sah er aus wie der Schauspieler Lembit Peterson aus dem Film Hotel zum verunglückten Alpinisten.«
… gekünstelter Pseudo-Intellektualität…
»Vielleicht haben all diese Gegenstände und Objekte den Menschen erst zum Menschen gemacht, sagte Maria, weil der Mensch anhand der Objekte die Welt bewältigte.«
(Selbst wenn man sich darauf einlassen möchte: Nein, der Mensch hat diese Objekte überhaupt erst geschaffen und sein Menschsein resultiert nicht aus sich selbst heraus.)
… sowie merkwürdig kontextloser Ideen:
»Gab es einen Zusammenhang zwischen Wohlstand und einem Antonow-Apfel?«
(Auch hier wiederum: Sollte Poladjan sich auf die Kurzgeschichte “Antonäpfel. Erzählungen 1892-1911” von Ivan Bunin beziehen wollen, so fände ich es doch sehr gewagt, Kenntnis einer Kurzgeschichte von 1900 vorauszusetzen…)
Am Ende bleibt alles vage und offen: Was war wirklich, was Fantasie? Ich weiß es nicht und ich habe, offen gestanden, auch gar kein Interesse es herauszufinden.
Ja, die im Klappentext angesprochene Frage „Was tun?“ stellen sich unsere uninteressanten Protagonisten, aber der langatmigen Nicht-Antwort ist es nie gelungen, mein Interesse zu wecken.
This very good little book gives us a close-up view of what life might have been like in the final days of the Soviet Union. When the State crowds so many people into a very small apartment, the occupants either learn to cope or go at each others' throats.
Der Roman spielt am 11. März 1985 in der Sowjetunion. Im Radio läuft Chopins Trauermarsch. Tschernenko ist gestorben. Eine neue Zeit bricht an. Gorbatschow steht vor der Tür.
Janka lebt mit Tochter, Mutter und Großmutter zusammen in einer Kommunalka mit Nachbarn wie dem Ingenieur Matwej. Die Wohnung ist der zentrale Ort des Romans. Hier wird Janka, die in einer Glühbirnenfabrik arbeitet, aber lieber Sängerin wäre, ein Konzert geben.
In einer überaus musikalischen Sprache beschreibt Katerina Poladjan Szenen aus dem Leben ihrer Figuren. Dabei sind die Dialoge besonders gut. Es gelingt eine schöne Balance zwischen Melancholie und Leichtigkeit.
Was mir aber fehlt, ist eine durchgängige Geschichte, ein roter Faden. Atmosphäre allein ist mir zu wenig. Auch die surrealen Szenen waren für mich eher störend.
Wenn ich es mit einem Wort beschreiben müsste: "Verwirrend" Ich denke nicht, dass ich alles verstanden habe, was die Autorin mir sagen wollte.
Das Setting - ein Tag in der Sowjetunion 1985 in einer Komunalka - finde ich sehr spannend, weil ich davon bislang nichts gelesen habe. Wir folgen 4 Frauen einer Familie, der Großmutter, der Mutter, der Tochter und deren kleine Tochter. Alle haben sie Träume, die in einem gewissen Grad in dieser Komunalka - trotz dieser Komunalka - Bestand haben. Während ich den Anfang daher sehr interessant und atmosphärisch fand, konnte ich dem Ende schlicht nicht mehr folgen. Die Autorin macht ein paar Schwenker hin ins Absurde und je länger ich darüber nachdenke, desto passender scheinen mir meine Interpretationen des Gelesenen. Trotzdem kamen diese Schwenker sehr unerwartet und haben mich mit großem "Häh?" auf der Stirn zurückgelassen.
Noch nie habe ich etwas so Seltsames gelesen und das macht mich sehr glücklich.
Der Schreibstil der Autorin gefällt mir außerordentlich gut - Mal distanziert, dann wieder erschreckend direkt, Sätze, die mich alleinig wegen ihrer ulkigen Formulierungen zum Lachen brachten. Faszinierend ist auch, wie der Roman zwischen dem schroffen Umgang der Protagonisten, aber auch ihrer tiefen Zuneigung zueinander jongliert.
Die Absurdität der politischen und sozialen Umstände werden permanent & faszinierend in zwischenmenschlichen Interaktionen widergespiegelt.
Zum Ende mündet der Roman im Surrealen, was ich interessant finde; es werden metaphorische Situationen und Begebenheiten geschaffen, die wahrlich zum Denken anregen.
Chopins Trauermarsch tönt aus den Radios an diesem Tag im März 1985. Die Symbolik ist den Protagonist:innen dieses Romans vertraut - in Moskau ist wohl mal wieder jemand gestorben. Wahrscheinlich ein Generalsekretär, aber so ganz sicher ist man sich da nicht. Über allen und allem schwebt denn auch die mehrfach ausgesprochene Frage, was denn nun wohl werden werde. Die Kommunalka im fernen Sibirien (Moskau ist weit...) und hier insbesondere die Vier-Generationen-WG aus Janka, ihrer Tochter, ihrer Mutter und ihrer Großmutter dienen Katerina Poladjan als Brennglas für ein Gesellschaftsportrait. Für das Portrait einer Gesellschaft, deren Regeln schon lange hohl geworden sind, die zwar scheinbar noch wirken und gelten, deren Sinnhaftigkeit aber selbst von ihren Verfechtern nicht mehr verteidigt wird. Es ist nur ein Tag im Leben dieser Menschen, den wir begleiten, der aber umso dichter wird, je mehr Katerina Poladjan den Blick nach innen öffnet, in die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer Protagonist:innen, in ihre Vergangenheit und ihre Sehnsüchte. Mich hat besonders ihre Sprache eingenommen, die Präzision, mit der sie Erlebnisse und Eindrücke beschreibt, die sie auch in diffusen, scheinbar magischen Momenten nicht verlässt. Es ist ihre Genauigkeit, die nachfühlen lässt, wie sich eine Zeitenwende anfühlt, von der keine:r weiß, dass sie eine Zeitenwende ist. Mich hat das sehr begeistert, wie sie sie für jede Figur eine eigene Sprache findet und sie so lebendig werden lässt. Großartig.
Der kleine Viergenerationen-Roman versammelt noch einmal die Mythen und Melancholien rund um die berühmte russische Seele und zitiert dabei zum Beispiel Tschechow, Gogol und Gontscharow. Man fragt sich, wie aus dieser russischen Seele der Putinische Imperialismus erwachsen konnte.
Tschernenko ist tot. Mitten in Jankas Nachtschicht scheppert deswegen Chopins Trauermarsch aus dem Transistorradio. Sie arbeitet und lebt in einem Ort mehrere Kilometer östlich von Moskau, die Nachricht, dass der Generalsekretär der KPdSU verstorben ist, kommt dort erst am Nachmittag des Folgetages an. Für Jankas Familie ist der 11. März 1985 zunächst ein Tag wie jeder andere. Sie lebt gemeinsam mit ihrer Großmutter, ihrer Mutter sowie ihrer Tochter im Zimmer einer Kommunalka. Küche und Bad müssen sie mit den anderen Bewohner:innen teilen - immerhin haben alle ihre eigenen Klobrillen, die je nach Bedarf ausgetauscht werden. Janka schreibt Lieder, träumt von einer Karriere als Musikerin und einem Leben außerhalb der familiären Enge. Während Großmutter Warwara ihrer Vergangenheit nachtrauert, auf ihre Tochter schimpft und ein heimliches Verhältnis mit dem Nachbarn pflegt, hält Jankas Mutter Maria alles zusammen. Sie kümmert sich um Jankas kleine Tochter und sorgt in dem Museum, in dem sie arbeitet für Ordnung. An Veränderung glaubt sie nicht mehr wirklich - ihre Sehnsucht hat sie aber trotzdem noch nicht verloren. Katerina Poladjan lässt uns einen Tag lang am Leben dieser drei Frauen teilhaben und erzählt quasi nebenbei ein Stück russischer Geschichte. In kurzen biografischen Rückblicken einzelner Figuren stellt sie die politischen Zustände, den Terror, die Einschränkungen und die daraus entstehende Verbitterungen dar, ohne jemals die Leichtigkeit ihres Erzähltons zu verlieren. Alles ist leichtfüßig alltäglich in diesem Roman und hat dennoch eine Tiefe, die lange nachhallt. Immer wieder wird Tschechow zitiert und überhaupt durchzieht das Buch der Ton klassischer russischer Literatur. Durchbrochen wird der nur von Janka, die nicht nur modern spricht, sondern im Gegensatz zu Tschechows Firs aus "Der Kirschgarten" am Ende die Türen aufstößt anstatt sie verschlossen vorzufinden. Sie spürt, dass etwas Neues beginnt, auch wenn es noch nicht greifbar ist. Ich bin ganz und gar beseelt von diesem wunderbaren Roman. Dringende Leseempfehlung!
Persoonlijk vond ik dit boek best verwarrend en het is niet echt mijn ding maar ik kan wel waarderen wat de auteur volgens mij bedoeld heeft. Het boek speelt zich af in 1985 in de Sovjet Unie, die aan zijn einde is. Het boek zoomt in op een heel klein gemeenschappelijk huis waar een stuk of 10 mensen samenwonen. We volgen enkele van hen naar het werk in de fabriek of in het museum of in het lab waar ze tests uitvoeren op mensen. En grotendeels speelt het in het huis af, waar we relaties tussen mensen te zien krijgen. Het leven in zo’n kleine ruimte maakt dat ze vriendschappen sluiten of zich juist kapot aan elkaar ergeren. Er gebeuren best vreemde dingen! Maar de auteur geeft heel goed een bepaalde sfeer weer met haar sombere vreemde stijl, wat denk ik goed past bij het boek.
Thematisch gefällt mir der Roman gut. Es geht um vier Generationen von Frauen, die ihr Leben beengt in einer Kommunalka in Sibirien meistern, weit weg von Moskau und ohne Männer. Zeitlich befinden wir uns in den 80er Jahren und dass so eine große Distanz zwischen den Orten liegen, spürte man schon beim Lesen.
Allerdings gefiel mir der Schreibstil nicht, da die Autorin Figuren (bspw. andere Mieter) stetig mit Vor- und Nachnamen benannte, die Figuren wirkten dadurch für mich unnahbar.
Das Buch war in Ordnung- durchschnittlich. Empfehlen würde ich es eher nicht.
Ein schönes und seltsames Buch. Es vermittelt einen Eindruck über das Leben in den 1980ern in der Sowjetunion. Die Autorin blickt auf eine Kommunalka und hierbei ins besondere auf eine Viergenerationenfamilie. Enkelin, Tochter, Mutter und Oma wohnen zusammen in einem Zimmer. Trauer um Parteifunktionäre, Schlangen vor Geschäften, Gesinnungspolitik und vieles mehr - ich als Leser bekomme einen fundierten und gut recherchierten Einblick in das Leben in der Sowjetunion, weit weg von Moskau. Beeindruckend ist wie die Autorin mit dem Drang nach Freiheit umgeht.
Auf der einen Seite eine schöne, beschreibende Sprache, auf der anderen Seite habe ich einfach nicht reingefunden, zu viele Einzelbegebenheiten zusammengewürfelt, zum Schluss wird es zunehmend fantastischer. Vielleicht muss ich dieses Buch irgendwann ein zweites Mal lesen, ehrlich gesagt, habe ich es nur zu Ende gelesen, weil es so dünn war, hätte es über 200 Seiten gehabt, hätte ich es abgebrochen nach 70 Seiten.
In una “komunalka” della Siberia sovietica, 4 vite si intrecciano tra emozioni, amori, aspirazioni e passioni. Il giorno in cui si svolge il racconto è quello della morte di Kostantin Chernenko, l’ultimo “gerontocrate” del PCUS prima dell’elezione di Gorbachev. Questo evento, sullo sfondo, apre speranze e la prospettiva di una nuova vita.
„sie konnte schwerelos sein, und sie konnte traurig sein, und sie konnte dumm und glücklich sein. oder sie könnte aufhören - endlich aufhören -, sich zu fragen, wie sie sein könnte, oder wie sie sein sollte, oder wie die welt sie wollte.“
diese vier generationen an frauen, von denen drei ihren platz in der welt suchen, glauben, gefunden zu haben, und hinterfragen und die vierte noch viel zu klein ist, um sich darüber gedanken machen zu können, aber trotzdem immer betroffen ist, haben mein herz erobert. die art, wie sie auf ihre art für veränderungen kämpfen oder die hoffnung auf diese aufgegeben haben, macht mut und traurig.
ich habe irgendwie was ganz anderes erwartet, als ich dieses buch begonnen habe. und was ich bekommen habe, war nicht schlechter, sondern einfach anders. ich glaube auch, dass mir der historische kontext fehlt, um alles genau zu begreifen, aber die geschichte hat mich trotz allem ergriffen.
sie ist kurz, aber nicht knapp. sie ist schnell, aber nicht gehetzt. ganz viele tolle sätze stecken da drin und auf den wenigen seiten auch ziemlich viel persönlichkeit. war mal was anderes, als das, was ich sonst lese, und es hat mir gut gefallen. das ende hat mich ein wenig irritiert und irgendwie hat mir auch etwas gefehlt, was wohl daran lag, dass ich andere erwartungen hatte. würde es trotzdem empfehlen! :)
Bien écrit, ce livre nous fait entrer dans l’intimité d’habitants d’un habitat communautaire en Russie. Des personnalités différentes et des secrets malgré leur proximité. La fin est un peu abrupte à mon goût, trop de Préparations pour peu de paiements. Dommage.
Ein einziger Tag aus mehreren Perspektiven, diese Idee hat mir gefallen. Das Leben in einer Wohngemeinschaft fand ich auch interessant aber es war nicht so einfach zu folgen, die Namen klingen alle ähnlich - man müsste es wohl zwei Mal lesen.
Ein beeindruckender Roman, der auf wenigen Seiten erstaunlich viel Inhalt transportiert. Wir begleiten einen Tag lang die MitbewohnerInnen einer sibirischen Kommunalka am 11. März 1985. Moskau scheint weit weg, und doch scheinen die Ereignisse dort das Leben in der Kommunalka nicht unbeeinflusst zu lassen. Vordergründig passiert gar nicht viel an diesem Tag, aber zwischen den Zeilen spürt man, wie vieles ins Wanken gerät. Der Roman enthält surreale Szenen und Anteile, zu Beginn nur einzeln eingestreut, zum Ende hin immer mehr in den Vordergrund tretend. Das muss man mögen - mir gefiel es gut. Einiges bleibt ungesagt und der Interpretation der LeserInnen überlassen. Ein Buch für Leserunden und intensive Diskussionen, das vielleicht am besten nach einiger Zeit ein zweites Mal zur Hand nehmen sollte, um alle Feinheiten mitzubekommen. Den Platz auf der Longlist des Buchpreises hat dieser Roman meiner Ansicht nach zurecht!
Libro con i dialoghi senza le virgolette e già a me personalmente infastidisce un po'. Però poi in diversi dialoghi non si capisce chi stia parlando, anzi a volte ci sono proprio degli errori (x parla con y e invece sembra sia il contrario), non so se di traduzione oppure se la scrittrice ci tiene a confondere le idee. La storia è sufficientemente interessante, anche solo dal punto di vista della conoscenza della vita in Russia negli anni 80, e i personaggi abbastanza ben delineati, ma il finale è assurdo e surreale, non in tono con il resto del libro. L'abstract è completamente fuorviante. Se non fossero state 155 pagine non lo avrei finito.
In dit boek leren we de inwoners kennen van een gezamenlijk huis in Siberië op de overgang waar de Sovjet-Unie voor staat, maar dat weten ze nog niet. De secretaris-generaal is gestorven en nu zal Gorbatsjov aan de macht komen. Er hangt iets in de lucht, een verwachting zonder al te veel hoop. Helaas vond ik dat het verhaal nergens naartoe leek te gaan en het einde is ook nogal vreemd. Hoewel het mooi geschreven is, weet dit boek toch maar moeilijk te boeien.
Es ist der 11. August 1985. Aus dem Radio schallt Chopins Trauermarsch, ein Zeichen, dass im fernen Moskau ein wichtiger Funktionär gestorben sein muss. Wer und welche Bedeutung das für die Zukunft haben wird, kann zu dem Zeitpunkt niemand wissen, am Rande wird spekuliert, aber im Großen und Ganzen geht das Leben seinen gewohnten Gang.
Auch in der Kommunalka, in die uns Katerina Poladjan in ihrem Roman „Zukunftsmusik“ entführt. Sechs Einheiten teilen sich hier eine Wohnung, ein Raum steht jeder Familie oder Einzelperson zu, Bad und Küche müssen geteilt werden. Beengend ist das, auch für Maria, die sich mit ihrer Mutter Warwara, erwachsenen Tochter Janka und Enkelin Kroschka (=Krümel) ein Zimmer teilen muss. Weitestgehend hat sie sich mit ihrem Los abgefunden, aber ein wenig Hoffnung und Sehnsucht nach einem anderen Leben bleibt. Viel größer sind da noch die Pläne ihrer Tochter Janka, die Musikerin werden, und für diesen Abend ein Konzert mit selbstgeschriebenen Liedern in der Küche geben will. Lieder, die vielleicht die titelgebende Zukunftsmusik sein könnten. Oder ist es doch Chopins Trauermarsch?
Poladjan zeichnet ihre Figuren wunderbar nah und liebenswert, mit all ihren Schrullen und Eigenheiten. Ich habe mich oft an die alten sowjetischen Spielfilme erinnert gefühlt, so bildlich stand mir alles vor Augen. Und ich hätte mir gewünscht, dass der Roman noch einige Seiten mehr hätte, mich weiter am Leben der Charaktere teilhaben lässt, als mir nur den Blick auf diesen einen Tag zu gönnen.
Erinnert gefühlt habe ich mich auch an die Figuren aus den Theaterstücken Tschechows. Diese ganz eigene Grundstimmung aus Langeweile, Resignation, Bewegungslosigkeit auf der einen Seite und Hoffnung, Plänen und Träumen auf der anderen strahlt „Zukunftsmusik“ ebenfalls aus.
Was für mich persönlich nicht gut funktioniert hat, war der Windstoß an Surrealem, der spät im Roman recht unvermittelt auftaucht. Ich vermute, er steht sinnbildlich für ein sich auftun von Möglichkeiten, die man vorher nicht für möglich gehalten hat, aber ich gehöre eher zu den Lesern, die alles vorbuchstabiert bekommen möchten. Mit Surrealismus kann ich nur selten etwas anfangen und das war keiner dieser Momente.
Gelesen wird die Hörbuchversion von Ulrich Noethen, dessen Stimme ich sehr mag. Er gehört allerdings zu den Vorlesern, die die einzelnen Charaktere nicht extrem ausmodellieren, wogegen in der Regel nichts spricht. Aber in diesem speziellen Fall wusste ich tatsächlich ein oder zwei Mal nicht, welche der Figuren gerade das Wort hatte. Doch das ist klagen auf hohem Niveau, auf jeden Fall ist es eine gelungene Einspielung geworden.
Fazit: ein lesenswerter Roman, sowohl sprachlich, als auch inhaltlich, dessen Einschränkungen alleine dem persönlichen Geschmack der Rezensentin geschuldet sind. Ich bin sicher, dass er seine Leser finden wird. Verdient.
In Zukunfstmusik beschreibt Palina einen Tag in einer sowjetischen Kleinstadt 1985. immer wieder wechseln die Perspektiven zwischen Großmutter Warwara, Mutter Maria, Tochter Janka, die gemeinsam mit Jankas Tochter in einem Zimmer in einer Komunalka wohnen. Alle Frauen sehnen sich nach einer Zukunft, die, ohne dass sie es wissen bereits begonnen hat. Der Tag, der im Roman beschrieben wird ist der Todestag vom Generalsekretär Tschernenko und somit Beginn der Gorbatschow Ära. Janka ist Rockmusikern, die ihre Unabhängigkeit genießt und von der Freiheit träumt. Maria ist Aufseherin im Museum und nähert sich ihrem Mitbewohner Matejw an. Matejw führt im geheimen Forschungsinstitut Gravitationsexperimente an Menschen durch. Großmutter Warwara ist orientierungslos, nach dem Tod ihres Mannes und hat eine Affäre mit ihrem Mitbewohner.
Der Roman beschreibt die Gefühle und Lebenssituationen dieser vier Erwachsenen. Er liest sich leicht, vermittelt aber dennoch ein mir bis dahin unbekanntes Leben.
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