Buch ist steckengeblieben im second wave feminism
erstmal: I’m shocked @C.H.BECK: in welcher Welt ist es 2018 fine, ein Buch rauszubringen, in dem degradierende, diskriminierende Begriffe für Schwarze Menschen und Sintizze und Romnja verwendet werden? DO BETTER
Weitere Kritikpunkte:
(btw: mir ist bewusst, dass bei einem bloß 125 Seiten umfassenden Buch Prioritäten gesetzt werden müssen; die werden hier jedoch imo komplett falsch gesetzt)
1. 0,0 intersektional: während die Konflikte zw. bürgerlicher und Arbeiterinnen-Bewegung noch erläutert werden, findet keine kritische Reflexion hinsichtlich Rassismus und Queerfeindlichkeit in feministischen Bewegungen statt: es reicht nicht aus bell hooks mal kurz zu erwähnen! Alice Schwarzer wird ohne jegliche kritische Einordnung hinsichtlich ihrer Transfeindlichkeit gefeatured, Aletta Jacobs ohne ihre rassistische / white-supremacy Weltanschauung zu benennen and so on (aber auch unabhängig von Einzelpersonen: ich dachte es sei nun wirklich allen die sich näher mit Feminismus etc. auseinandersetzen klar, dass 2nd wave feminism racist ist: WO THEMATISIERUNG IM BUCH? halbe Seite bell hooks?: euer Ernst?). TERF (transfeindliche, „feministische“ Haltungen) werden nichtmal benannt.
Sprich: in die Bezeichnung „Frauen“ werden in diesem Buch definitiv keine Trans-Frauen eingeschlossen -> es wird eine white und straight-cis feminism Geschichte erzählt, die nicht problematisiert wird
(Kritik in diese Richtung wird versucht durch die kurze Nennung von bell hooks etc. vorwegzunehmen -> das gibt mir dieselben Vibes wie am Anfang eines Textes zu schreiben: „aufgrund der besseren Verständlichkeit wird in dieser Arbeit das generische Maskulinum genutzt, es sind aber natürlich alle mitgemeint“ -> so nach dem Motto: „guck, ich hab Alibi-mäßig dran gedacht“, aber kritisch hinterfragen möchte ich mein Vorgehen eigentlich nicht und eine inklusive Lösung finden schon drei Mal nicht)
2. Fokus auf Westdeutschland / die BRD: Feminismus in Ostdeutschland zur Zeit der Teilung Deutschlands wird auf 2 Seiten verhandelt ?!? („fairerweise“: 1 1/2 Seiten zur Wiedervereinigung 1989/1990 kommen noch dazu) ansonsten wird westdeutsche Geschichte erzählt, Ostdeutschland kommt dann maximal in den Nebensätzen vor: wenn jedoch der Anspruch besteht, die deutsche Geschichte der Frauenbewegungen in diesem Buch zu erzählen, muss auch die ostdeutsche Geschichte angemessen gefeatured werden: da hab ich es ja geschafft, mehr über ostdeutsche Frauenbewegungen in meiner 15-seitigen Hausarbeit zu schreiben, als Ute Gerhard auf 125 Seiten Buch lol
die große Frage: warum bekommt das Buch trotzdem nicht die mögliche Mindestanzahl an Sternen (1 ⭐️), sondern noch einen extra-⭐️? Antwort: hab mich gefreut, von Aletta Jacobs zu lesen, da ich mich während meiner Zeit in Amsterdam sehr viel mit ihr auseinandergesetzt habe, dennoch finde ich es erforderlich, ihre bekannten (!) rassistischen Sichtweisen (s. o.) zu problematisieren
Frage mich echt, was sich C.H.Beck dabei dachte… Vielleicht solltet ihr mal Intersektionalitäts- & Antidiskriminierungs-Expert*innen einstellen (obwohl ich glaub eig, es sollte reichen, Menschen mit der Fähigkeit zur kritischen Reflexion zu beschäftigen) bussi💋