Mein dritter Starr nach „Stalking“ und „Top Job“ - sie alle haben gemeinsam, dass sie unheimlich kurzweilig sind, auch die 550 Seiten „Panik“ waren in nullkommanix gelesen. Ich halte Starr an sich für keinen herausragenden Schriftsteller, aber für einen sehr guten Erzähler; seine Plots sind gut konzipiert und durch wechselnde Erzählperspektiven wird ein angenehmer Spannungsbogen konstruiert.
„Panik“ beginnt mit einem Paukenschlag: Protagonist Adam Bloom, Psychologe, wird von seiner erwachsenden Tochter Marissa aus dem Schlaf gerissen - es ist jemand im Haus! Tatsächlich kann Bloom einen Eindringling konfrontieren und erschießt ihn kurzerhand. Während sich Bloom infolgedessen mit der Presse herumschlagen muss, die ihn als „irren Waffennarren“ bezeichnet, nimmt auch eine neue Gefahr Gestalt an: Denn der erschossene Einbrecher war nicht allein. Sein Komplize konnte unerkannt entkommen - und ist auf Rache aus...
Die wahre Hauptfigur der Romane Starrs - zumindest in allen mir bekannten Romanen - ist New York City; diesmal nimmt Starr den Leser mit nach Forest Hills, einer wohlhabenden Neighborhood von Queens. Die Protagonisten sind mir allesamt unsympathisch; von Adam Bloom, dem Psychologen, der selbst psychisch gesehen nicht sonderlich gefestigt ist, über seine gelangweilte und desillusionierte Ehefrau Dana und die farblos-trotzige Tochter Marissa, die bereits über zwanzig ist, sich jedoch wie ein Teenie verhält bis hin zu Johnny Long, dem rachewütigen Möchtegern-Casanova, der eindeutig psycho- und/oder soziopathische und narzisstische Züge trägt, war kein Charakter dabei, dem man Sympathie entgegenbringen würde. Long ist immerhin noch der interessanteste und vielschichtigste Protagonist.
Insgesamt guter Lesestoff für zwischendurch, der für mein Empfinden noch unausgeschöpftes Potential enthält. Die Beklemmung, sich in seinem eigenen Zuhause nicht mehr sicher fühlen zu können (ein Albtraum für wohl so ziemlich jeden Menschen) geht leider im Gedöns zwischenmenschlicher Scherereien innerhalb der Familie unter. Auch die Diskussion rund um das Thema Waffenbesitz und Notwehr wurde nur angerissen. Schade, da wäre noch etwas mehr drin gewesen. Wie gesagt- trotzdem eine gute Lektüre, solide 3 Sterne.