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Aus der Zuckerfabrik

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Sollten die Zusammenhänge dieser Welt einmal aufgelöst sein, man wäre froh, das Buch „Aus der Zuckerfabrik“ von Dorothee Elmiger zu finden, um zu verstehen, was in der Vergangenheit vor sich ging.

'My skills never end' steht auf dem T-Shirt eines Arbeiters, der gerade seinen Lohn ausbezahlt bekommt. Am Strand einer karibischen Insel steht der erste Lottomillionär der Schweiz und blickt aufs Meer hinaus. Nachts drängen sich Ziegen am Bett der Autorin. Dorothee Elmiger folgt den Spuren des Geldes und des Verlangens durch die Jahrhunderte und die Weltgegenden. Sie entwirft Biographien von Mystikerinnen, Unersättlichen, Spielern, Orgiastinnen und Kolonialisten, protokolliert Träume und Fälle von Ekstase und Wahnsinn. Aus der Zuckerfabrik ist die Geschichte einer Recherche, ein Journal voller Beobachtungen, Befragungen und Ermittlungen. Ein Text, der den Blick öffnet für die Komplexität dieser Welt.

272 pages, Hardcover

First published August 17, 2020

40 people are currently reading
869 people want to read

About the author

Dorothee Elmiger

13 books53 followers
Dorothee Elmiger is a Swiss writer. She presently lives in Switzerland. Elmiger is considered one of the most promising young Swiss writers, especially after winning the second Ingeborg Bachmann Prize, the Kelag Prize, in 2010.

After finishing school her primary schooling, Dorothee Elmiger went to New Hampshire before beginning her studies of philosophy and political sciences at the University of Zurich. She received her professional training at the Swiss Institute for Literature in Biel/Bienne and at the German Institute for Literature in Leipzig, where she spent an exchange semester.

In 2008, she competed in Prosanova, a festival for new literature in Hildesheim. In 2009, she was a stipendiary at the literature course in Klagenfurt.

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Community Reviews

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54 (16%)
1 star
27 (8%)
Displaying 1 - 30 of 58 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book5,113 followers
September 16, 2020
Now Shortlisted for the German Book Prize 2020
Another postmodern puzzle on the longlist, this time about longing: What drives us, and to what ends? Sugar cane plantations, slavery, wealth, the colonialization of the world and of the mind (the German book title means "From the Sugar Factory")- a myriad of text scraps forms a shimmering mosaic connected by themes, ideas, moods, you name it, reaching from history and classic literature to very current discourses about gender, race and justice. The trick: The story does not really point to connections, the reader makes them and by that forms the narration and conveys something about themselves. This is auto-fiction, essayistic writing, confessional literature, a meditation...and certainly not crafted for fans of linear narration, plot aficionados and cheerleaders of conventional storytelling.

You can learn more about the novel in the final installment of Papierstau Podcast's Book Prize battle royale, #4.
Profile Image for Jin.
848 reviews148 followers
September 6, 2020
Das Cover hat mich angesprochen und auch die Kurzbeschreibung zum Buch. Allerdings war das Buch doch ganz anders als erwartet.

Man muss sich darauf gefasst machen, dass das Buch anders ist. Eine Kollektion von Phrasen und Paragraphen, die über Zucker und Hunger, Körper und Raum, und natürlich über den Mensch und die Intimität erzählen. Es war am Anfang eher schwierig in das Buch reinzukommen und sich darauf einzulassen wie willkürlich das Ganze auf den ersten Blick geschrieben ist. Das Leseerlebnis ist am Anfang sehr abstrakt, fetzenweise werden Informationen und Geschichten geliefert, die scheinbar nur lose zusammenhängen. Aber es ist schon erstaunlich, was für eine Leistung das Gehirn erbringen kann um ein ganzes Bild aus den Fetzen zu erstellen; das Gehirn schafft es Zusammenhänge zwischen Buchstaben, Wörter und Sätze herzustellen um somit ein ganzes Bild im inneren Auge herzustellen.

Die Sprachgewalt und die Poesie waren zum Teil wunderschön, aber dem Leser wird eine gewaltige Portion an Wissen und Eigenarbeit abverlangt um zum Genuss des Buches zu kommen. Ich muss auch sagen, dass ich dem Buch zwar 4 Sterne gebe, aber nachvollziehen könnte, wenn jemand das Buch nach den ersten paar Seiten sofort abbricht.

Ich würde das Buch jetzt nicht jedem kommentarlos empfehlen, es ist eher ein Buch für solche, die sich mit hoher Literatur befassen wollen. Oder für die, die sich für etwas Neues offen sind und sich dafür begeistern können. Das Buch ist ein bisschen wie die moderne Kunst, wo man Zeit investieren, sich mit der Thematik und den tiefer liegenden Bedeutung auseinander setzen muss. Mit einem geschulten Auge, ist "Aus der Zuckerfabrik" sicherlich ein Meisterwerk, aber ich glaube, ich müsste das Buch noch mehrmals durchlesen um es wirklich verstehen zu können.

** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
Profile Image for Anika.
970 reviews325 followers
September 16, 2020
ETA: [Dieses Buch haben wir auch im Papierstau Podcast besprochen: Folge 119: Buchpreis Longlist #4]/ETA

Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2020 (Shortlist)

Dieses Buch stellt eine Art Sammlung dar. Die Autorin selbst nennt es "Recherchebericht" und das passt auch gut: Es sind Fragmente verschiedenster Text- und Erzählstränge, Gedanken, Ideen, Empfindungen, Träume, "irrer Vorstellungen" und anderer Gedankenfetzen, die Frau Elmiger beim Schreiben, Nachdenken und/oder Recherchieren quasi "über den Weg laufen" und direkt und fortlaufend auf die Seiten gebracht werden - scheinbar, zunächst, ohne irgendeinen roten Faden oder ein festes Muster. Kurze Absätze, einsätzige Bonmots, Grübeleien, dann wieder Zwiegespräche, Erinnerungen - ja, es ist genauso durcheinander, wie es sich anhört.

Zusammengehalten werden die Fragmente allein durch die sie bestimmenden Themengruppen, in die sie sich einordnen lassen, diese werden nicht nur mit jeder voranschreitender Seite offensichtlicher, auch die Querverbindungen und -verweise verdichten sich. Der titelgebende Zucker ist eine dieser Komponenten, und zwar mit allen seinen Facetten: Von dem Anbau des Zuckerrohrs (Kolonialisierung, Sklavenhandel, Versklavung, Ausbeutung) über die Verarbeitung (noch mehr Ausbeutung) und letzlich den Konsum, alles betrachtet im Wandel der Zeit und gesellschaftlichen Vorgaben: Zucker als Süßungsmittel, als Luxusgut, als Belohnung, im Überdruß, als Geschmacksekstase. Ekstase, ein weiterer Schlüsselbegriff: Ekstase aus Lust, aus Genuss, aus sexuellen Gründen, wie im Rausch - oder fast schon krank, wie was das doch damals mit hysterischen Frauen? Blende auf Ellen West, ein Fall aus der Historie der Psychiatrie. Ekstase? Essen. Genießen. Glücksgefühle. Glück... Glücksspiel, Bingo, Lotto. Walter Bruni, der Schweizer Lottokönig aus den 70ern, der am Ende wieder in Armut landete. Und so weiter. Und so fort.

Zwischendrin immer wieder Ausflüge in die Welt der großen Denker*innen: Freud, Frisch, Bernard und Co. geben sich die Hand, Absätze aus englischen und französischen Werken werden zitiert - und das ohne jegliche Hilfe in Form einer Übersetzung. Das Englische war dabei kein Problem für mich, beim Französischen haben mich meine verstaubten Schulkenntnisse schnell verlassen. Für ein textliches Konstrukt, das die Leser*innen durch seine Struktur schon dermaßen fordert, empfinde ich dann noch den Zusatz fremdsprachiger gehobener Zitate ohne Übersetzung als ärgerlich - irgendwann ist es auch mal gut mit dem hochkulturellen Anspruch. Ein bisschen darf man den Lesenden da schon entgegen kommen.

Also: Das alles ist sehr anspruchsvoll, gleichzeitig aber auch sehr mühsam und fordernd. Dieses Buch erfordert Arbeit und Konzentration, dazu die Bereitschaft, jegliche Senhsucht nach Anzeichen von Plot oder einer erkennbaren stringenten Narrative aufzugeben. Es ist und bleibt schwer zugänglich, auch wenn im Laufe des Lesens Zusammenhänge zumindest klarer werden. Mir persönlich hat das nicht gereicht - so ein bisschen Plot, ein bisschen Spannungsbogen, ein bisschen irgendwas hätte mir mehr gelegen. Natürlich kann ich die Kunst, die dahinter steckt, anerkennen - muss allerdings auch sagen, dass ich mir nicht mal sicher bin, ob die Anordnung der Fragmente überhaupt irgendeiner Regel/Absicht/Intention folgt oder einfach nur in die Luft geworfen und wahllos aneinandergefügt wurden - beides wäre durchaus denkbar.

Mir war es am Ende dann doch zu willkürlich. Das wird so ein Buch sein, das sich mit jedem weiteren Lesen mehr und besser erschließt - so man denn nach der ersten Runde überhaupt noch Lust auf mehr hat. Experimentierfreudige Leser*innen werden aber sich voll auf die Kosten kommen.
Profile Image for Susanne Probst.
104 reviews8 followers
November 14, 2020
Dieses Buch mit Worten zu besprechen fällt mir leicht.
Es mit Sternen zu bewerten fällt mir schwer.
Das hängt damit zusammen, dass die Lektüre mein Analytiker-Herz höher schlagen ließ, mein Freizeit-Leser-Herz jedoch nicht nachhaltig berührte.

Ich denke, dass ich diese Ambivalenz im Folgenden recht gut erklären kann.

Es findet sich verständlicherweise keine Angabe des Genres auf dem Cover, weil eine Einordnung des Werkes tatsächlich nur schwer möglich ist.
Ein Roman ist es nicht.
Es ist am ehesten eine Sammlung von Notizzetteln, eine Art Notizbuch.

Gleich zu Beginn spricht die Autorin von einem Gestrüpp, in dem sie hängen bleibt und nicht heraus kommt.
Eine anschaulichere Metapher hätte sie gar nicht ersinnen können, um mein Empfinden zu beschreiben, das ich vor allem zu Beginn der Lektüre hatte, weil ich nicht vorbereitet war auf das, was mich erwartete:
Ich fühlte mich erst ziemlich verwirrt und irritiert, da jegliche Kohärenz zu fehlen schien. Ich hatte den Eindruck, gleichzeitig an viele Orte, in viele Zeiten und in viele Szenen geworfen zu werden.

Wie der Titel schon erahnen lässt, geht es (unter anderem) um die Zuckerplantagen in Mittelamerika, in der Karibik, auf denen Sklaven gearbeitet haben.
Den Zucker dieser Plantagen hat man in Europa leidenschaftlich gern und mit Hochgenuss verzehrt.

Ausgehend von dieser Zuckerthematik, behandelt die Autorin das Thema Hunger.
Aber nicht nur Hunger im konkreten, sondern auch im abstrakten Sinn: es geht um den körperliche Hunger, aber auch um den seelischen Hunger.
Haben wollen, Ausbeutung, Sehnsucht, Verlangen, Begehren, Begierde, Heißhunger, Gier, Obsession.
Und auch, wie man damit umgeht, wenn der Hunger gestillt wurde.

Das Buch ist wie ein Gedankenstrom.
Ein Tagtraum.
Dorothee Elminger lässt es fließen. Als Psychoanalytikerin habe ich fast den Eindruck, ich sitze hinter der Couch und lausche den freien, ungefilterten und unzensierten Assoziationen einer Patientin.

Sie fokussiert verschiedene Szenen und Bilder, wechselt vom einen zum nächsten und umkreist doch ein Zentrum.
Ein Zentrum, in dem es um Kolonialismus und Kapitalismus geht.
Es ist, als hüpfe sie in einem Bach gemütlich und neugierig von Stein zu Stein.
Sie verweilt auf jedem Stein und lässt von da aus den Blick schweifen.
Mit diesem „hüpfen“ möchte ich die Leichtigkeit ausdrücken, mit der sich dieses Buch lesen lässt, obwohl der Inhalt weder stringent noch linear erzählt wird.
Wenn man sich dem traumartigen Erzählfluss überlässt, gerät man in eine Art Leserausch.
Man liest und liest, man blättert und blättert... hört auf zu denken und zu überlegen... begleitet die Autorin einfach auf ihrer inneren Reise.

Die Steine wirken oberflächlich unverbunden und zusammenhanglos, aber sie haben durchaus etwas Gemeinsames:
den Boden, auf dem sie liegen.
Ich meine damit dieses bereits o. g. Zentrum, um das die Autorin kreist.

Sie mäandert durch ihre Innenwelt und stößt dabei auf eine ganz beachtliche Vielfalt an Gedankenfetzen, Trauminseln oder Puzzlestücken:
Der Ananaskönig und die Sembradores auf einer Ananasfarm auf Haiti.
Ein Schweizer Schnapsbrenner, der in den Tropen ein Großbauer wurde.
Der erste Schweizer Lottomillionär, der am Strand einer karibischen Insel steht.
Der Pariser Vorort Plaisir, das dortige Einkaufszentrum und das lycée.

Verschiedene Autoren und Berühmtheiten wie z. B. Max Frisch, Joseph Roth, Heinrich von Kleist oder Ellen West, die berühmte Patientin des Schweizer Psychiaters Ludwig Binswanger werden gestreift, um von dort aus zu den nächsten thematischen Inseln, wie z. B. Geld oder Suizid...zu gelangen.

Das Buch erzählt keine Geschichte und hat keine Handlung.
Es ist eine Zusammenstellung von Schnappschüssen, ein Mosaik aus bedeutsamen Themen in Form von Textauszügen, Zitaten, Stichworten und Tagebucheinträgen.
Es ist eine Komposition aus vielen Einzelstücken, letztlich eine Collage.

Meines Erachtens wurde dieser gleichermaßen poetische wie ungewöhnliche, unstrukturierte und eigenwillige Text, der zweifelsfrei höchste literarische Ansprüche befriedigt, zurecht mehrfach ausgezeichnet.
Es ist ein außergewöhnliches, mutiges und originelles Werk.

Auf den ersten Blick erscheint dieses Sammelsurium an Textsplittern fragmentiert, aber bei näherer Betrachtung hängt es alles andere als im luftleeren Raum.
Im Gegenteil, es hat eine Aufhängung, einen Aufhänger.
Es gibt eine Ordnung im Chaos:
Den Kern, um den es kreist. Kolonialismus, Kapitalismus, die poetische Sprache und der nachdenkliche und leicht melancholische Ton.

Das Buch ist sicherlich nichts für den „gängigen“ Lesegeschmack, falls es so etwas überhaupt gibt.
Es ist nichts für zwischendurch, aber wenn man sich offen und neugierig auf etwas Neues und Spannendes einlassen möchte und die innere Muße dazu hat, ist es ein eigenartiges, exzentrisches und wunderbares Lesevergnügen.

Dieses Werk gehört wohl am ehesten zur aktuellen experimentellen Gegenwartsliteratur, die mir in dieser Form noch nie begegnet, aber äußerst interessant ist.
Wie gesagt, ich kenne so etwas aus meinem Berufsalltag, aber nicht aus Büchern.

Um meinen ersten Satz nun letztlich zu erklären, brauche ich nur noch wenige Worte:
In meiner Freizeit möchte ich in packende und zusammenhängende Geschichten eintauchen, die mich unterhalten und entspannen.

Diesen Anspruch konnte dieses Werk nicht erfüllen.

Deshalb muss ich mich, was die Sternebewertung betrifft, auf einen Kompromiss einlassen, der falsch verstanden werden könnte, wenn man die Argumente und Beweggründe dahinter nicht kennt.
Profile Image for saschi.
48 reviews2 followers
December 9, 2024
Einen Strauß voller Stilblüten gefällig?

- Ich stehe auf einem Landesteg und beschaue auf einer Tafel die Fauna eines bayerischen Sees. Weißt du, immer wieder kehre ich zu diesem Ort zurück. Gedanklich meine ich. Den Vater im Rücken. Wie ich nicht mit ihm spreche, mir vornehme, es nie wieder zu tun.
- Es geht dir um die Abkehr?
- Wahrscheinlich ist es komplizierter als das. Vor 500 Jahren ist ein Haufen Bauern und Bäuerinnen mit sperrigen Karren losmarschiert. Sie protestierten, wanderten aus. Irgendwo an der unteren Saale habe ich dazu eine Gedenktafel entdeckt, die mit einem Holunderbusch verwachsen war. Ich stelle mir vor, das habe etwas miteinander zu tun. Also, einerseits der Holunder, der mir oder anderen Betrachter:innen die Geschichte zu verbergen versuche. Andererseits mein frenetisches Gesuche. An dieser Stelle war mir nämlich plötzlich der junge Baum wieder eingefallen, den sie mir bei meiner Geburt gewidmet hatten. Jedes Jahr im Herbst mussten die rotangelaufenen Blätter rasch zusammengekehrt werden. Wegen den hellen Steinfliesen, du weißt.
- Ich erinnere mich. Er ragte später über die Liguster.
- Ja. Aber ich habe vergessen, wie er aussah. Mein eigener Baum! Es muss ihn gegeben haben. Ich habe noch das umliegende Beet vor Augen. Ein mit Mulch gefülltes Quadrat. Nein, eigentlich ist da nur der Geruch von Mulch. Der weitete sich auf den Körper aus. Den schwitze man dann auch aus. Das war dann so. Es waren ähnliche Sommer. Sie waren in mancherlei Hinsicht vorhersehbar.
- Gab es dort schon diese Gräben?
- Es muss Anzeichen gegeben haben. Die Urlaube in der Vulkaneifel. Einmal kommen mir die Tränen am Nikolaustag, als ich Schuhe für verloren glaubte. Ich war aufgebracht. Die Umgebung war fremd, das Licht schien anders. Ich glaubte fest, tief unter mein Füßen ein Brodeln zu spüren. In meinen Träumen lief Lava aus den Augen meiner Eltern und Großeltern. Ich schrie. Tagsüber schlürfte ich mühsam umher. Bei den kurvenreichen Straßen erbrach ich mich öfters. Dann hatte ich die Rückbank abzuwischen.
- Und über die Jahre?
- Sehe ich ihn Weizen trinken aus hohen Gläsern mit dünnen Wänden.
- Empfindlich.
- Soweit, dass heute alles wieder hochgespült wird.
- Und woran denkst du jetzt?
- Es fällt mir schwer, das zu beantworten. Im Grunde laufe ich mir selbst nach. Im Stadtanzeiger gelesen: Die Brücke steht erneut unter Wasser. Einige Zentimeter nur. Aber wohl tragen die wenigen Passant:innen Gummistiefel. Auf dem Foto sehe ich ihn. Er zieht seine Jeans an beiden Hosenbeinen hoch, schaut bemüht oder müde. Am Rande schwimmt ein Schwan. In seine Richtung. Er ist noch etwas grau. Ein junges Tier.
Profile Image for lensky.
48 reviews
December 20, 2025
ein schlaues schlaues buch, nach dem es mir so ähnlich geht wie der erzählerin, wenn ich mich frage, worum es eigentlich geht: irgendwie kann ich es nicht in einen kurzen satz fassen, aber irgendwie weiss ich es auch ganz genau und die zugehörigkeit von jedem der einzelnen ausgemachten stränge ergibt sich mir vollkommen logisch im grossen ganzen, weil sie alle um den gleichen klebrigen, heißen kern kreisen
Profile Image for Wandaviolett.
473 reviews66 followers
November 18, 2020
Wohin der Wind dich weht …. Oder: Des Kaisers neue Kleider.

Wie der Rezensionstitel schon andeutet, weht in dem Roman „Aus der Zuckerfabrik“ der Gedankenwind der freien Kunst, der sowohl die Autorin wie auch die Leserschaft mal hierhin mal dorthin treibt. Wohin ist letztlich egal. Es gibt keinen Anfang und kein Ziel.

Die Autorin überlässt es völlig ihren Lesern, die willkürlich aus ihren Gedanken und Erinnerungen oder mithilfe von Literaturzitaten aus der Historie auftretenden und herbeizitierten Geistesgrößen und deren Gedankensplitter, zu ordnen. Was schwierig ist, denn ein Ordnungskonzept ist nicht erkennbar. Weder erkennbar noch vorhanden. Es geht im weitesten Sinne um Lust, um Erinnerungen, um Essstörungen, um Schönheit, um Erfassen der Welt, einfach um alles – und leider auch um nichts. Nach allen Seiten offen - wird löchrig.

Dies nennt man also experimentelle Literatur. Das ist erlaubt. Es ist sicher extreme Kunst, weil extrem künstlich. Aber ist es auch so interessant, dass jemand, nämlich die Leserschaft, derartige Gedenkensprünge nachvollziehen sollte? Äh, nein.

Das muss zwar jeder für sich selber entscheiden. Ich breche diesen Roman jedenfalls nach 85 Seiten Quälerei und einigem Querlesen ab.

Wie kommt „Aus der Zuckerfabrik“ auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises? Diese Juryentscheidung empfinde ich nicht als mutig, sondern als Zumutung und Provokation. So ist es wahrscheinlich auch gemeint.

Wer, aus dieser Jury, hat einen Lustgewinn aus dieser Lektüre gezogen?Bitte aufzeigen! Denn dass der Begriff „Zucker“ ein Synonym für Genuß in jeder Variante, sogar für Lustexzesse sein soll, das versteht man. Mag sein, dass im Buch immant Gesellschaftskritik enthalten ist. Doch muss man tief graben, um sie zu finden.

Nun kann ein Künstler experimentieren, Verlage können diese Experimente veröffentlichen, Kunstexperten können darüber diskutieren und sich daran ergötzen und diese Art Romane feiern.

Aber eines dürfte schwierig werden, trotz aller Wertschätzung von Experten: diesen Roman zu verkaufen. Denn mir erscheinen solche Experimente wie des Königs neue Kleider, da ist nix dahinter. Der König ist nackt

Fazit: „Aus der Zuckerfabrik“ ist am besten auf einer Lesung aufgehoben.

Kategorie: Experimentelle Literatur
Verlag. Hanser 2020

Shortlist des Deutschen Buchpreises 2020
Profile Image for lids :).
315 reviews1 follower
April 1, 2025
reading this felt overwhelming? interesting, but i am not smart enough
Profile Image for endrju.
453 reviews54 followers
July 18, 2023
I should've liked it better. It's got all the right ingredients - (post)colony, philosophy, art, politics, economy - all of them crisscrossed and interlinked in such a way as to produce a state of deep unease in the reader. I mean, who could've thought (though why not?) that sugar connects all these people, things and processes, synchronically and diachronically? However, something did not click for me. It could be the fragmentary form (though it's rather appropriate in this case, constellating all these bits and pieces in a whole that never gets quite closed), but it could also be the way fragmentary form relates to the personal, that is the narrator's relating of her experience. It's telling that a quote from Marx about use/exchange value has more emotional force than whatever narrator was describing about her life. That's Swiss people for you. Jokes aside, while I appreciate the idea and the thought behind all of this, it requires a deep commitment from the reader, and I apparently wasn't quite up for that hence only three stars though it probably deserves much more.
Profile Image for Conny.
627 reviews87 followers
September 17, 2020
1979 wird Walter Bruni der erste Lottomillionär der Schweiz; sieben Jahre später wird sein Hab und Gut versteigert, er ist bankrott. Ellen West leidet an einer schweren Essstörung; 1910 begibt sich bei Ludwig Binswanger in Behandlung. Dazu: Überlegungen zu Frischs «Montauk», Kleists «Verlobung in St. Domingo» und Marx' «Kapital». Aufzeichnungen einer spanischen Heiligen aus dem 16. Jahrhundert. Dazu auch: Schilderungen der persönlichen Verstrickungen in diese Geschichten, Erinnerungen, Emotionen.

Es ist ganz schön viel Material, das Dorothee Elmiger in «Aus der Zuckerfabrik» zusammenbringt. Damit macht sie es dem Leser schwer: Automatisch sucht man nach Zusammenhängen, einem roten Faden, der sich durch all diese Biografien zieht. Doch der ist nur schwer zu finden. Das Buch besteht aus vielen, meist sehr kurzen Fragmenten, es gleicht eher einem (leicht wahnhaften) Recherchebericht als einem Roman. Dem Leser wird sehr viel Mitarbeit abverlangt und einiges an Wissen vorausgesetzt, damit er überhaupt eine Chance hat, Zusammenhänge selbst herzustellen.

Rein sprachlich ist der Text dafür umso ansprechender, wortgewaltig und poetisch. Das Lesen lohnt sich also trotzdem. Man sollte einfach viel Geduld mitbringen – für Freunde der linearen Erzählweise ist das hier nichts.
Profile Image for banagiota spoltidou.
38 reviews1 follower
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August 26, 2025
Aufwachen, ohne zu wissen, wer man eigentlich ist und mit welchen Plänen man am Vorabend zu Bett gegangen. Aus dem Schlaf durch einen langen Tunnel emporgestiegen. Das Zwitschern der Vögel durchs geöffnete Fenster. Erst nach und nach fallen mir alle Dinge wieder ein, auch C., wie eine ferne Erinnerung, eine vor Jahren im Vorbeifahren aus dem geöffneten Autofenster gesehene, vom Licht ausgebleichte Landschaft.
Profile Image for Suna Oz.
124 reviews10 followers
Read
September 21, 2025
"Aus der Zuckerfabrik"– ein fragmentarischer Recherchebericht, der von Zucker und Hunger, Max Frisch und Lottogewinnen erzählt, mich in der Sprache und den Themen passagenweise begeistert hat, aber als Gesamtkonzept für mich nur mäßig funktioniert.

Den Lesenden wird hier auf jeden Fall viel Mitarbeit abverlangt, man könnte dieses Buch immer wieder lesen und würde neue Zusammenhänge verstehen, was ich perspektivisch toll finde und worauf ich mich freue. Für den Moment aber habe ich mich oft nicht richtig halten können, Zusammenhänge zu erkennen ist mir schwer gefallen, wodurch der Text ein wenig durch mich durch geflossen ist. Ich lese gerne fragmentarisches und essayistisches, für mich bedarf es aber dennoch etwas mehr Kuration? Oder ich bin mir nicht sicher, was mir gefehlt hat.
Profile Image for Gijs Zandbergen.
1,078 reviews27 followers
April 13, 2021
Er bestaan zo veel leuke Duitstalige boeken, waarom zou ik deze dan nog lezen? Uit plichtsbesef, omdat het op het lijstje van mijn leesclub staat. Fragmenten, overwegingen, beschrijvingen, dagboekaantekeningen. Het is van alles wat, maar mijn ding is het niet. Zelfs niet als gerenommeerde lezers het op de shortlist de de Duitse Buchpreis hebben gezet. Een boek mag best moeilijk zijn, en het lezen mag ook best inspanning vergen, maar hier haal ik mijn schouders bij op. Wat moet ik met al die invallen en gedachtensprongen, waartussen ik het verband niet zie? Mogelijk kunnen de leesclubleden nog wat inzichten bieden, maar ik vrees het ergste.
Profile Image for Berenike.
161 reviews29 followers
October 14, 2020
(Deutscher Buchpreis 2020 Shortlist...... aber nicht Gewinner, gottseidank)

Die Autorin selbst bezeichnet ihr Werk als eine Art 'Recherche-Bericht', auch wenn das Ergebnis dieser Recherche dann doch sehr verworren und wenig erfolgreich wirkt.
Meine unbeholfenen Ausführungen, als mich auf der Straße vor der Mars Bar jemand fragt, woran ich arbeite.
DIE EROBERUNG DER NATUR ODER DER JUNGFRAU
DAS GEWALTSAME VORDRINGEN IN NEUE GEBIETE (ÜBERSEE)
DER HUNGER ALS VERFASSUNG
DIE LIEBE usw.

Die 'Recherche' springt dann beliebig hin und her zwischen all diesen Themen, sowie auch privaten Überlegungen der Autorin - sie erinnert sich an Männer, mit denen sie irgendwann mal zusammen war, und beschreibt belanglose Episoden ihres Lebens:
Die Toilette auf der von der Straße abgewandten Rückseite des Tankstellenshops: ein dunkler Bretterverschlag.
Die Augen gewöhnen sich nur langsam an das spärliche Licht. Müll. Im Waschbecken vollgesogene Papertücher. Mein Gesicht im schmutzigen Spiegel nur ein Schatten, schattige Augenhöhlen, schattiger, gefährlicher Mund.
Draußen Stimmen, jemand rüttelt an der Tür, der vorgeschobene Riegel drückt gegen die lose angebrachte Metallschlaufe. Als ich wieder ins Freie trete, ist niemand da. Im Gebüsch eine leere Twinkies-Tüte.

Das Endergebnis ist eine meist planlos wirkende Aneinanderreihung von Ideen und so etwas wie Tagebucheinträgen, die nur selten einen interessanten Zusammenhang bilden.

Aufhänger und am häufigsten wiederholtes Thema des Buches ist aus irgendeinem unerfindlichen Grund die Geschichte des Lottomillionärs Bruni, der nach seinem Gewinn sein Geld schlecht angelegt und beinahe sofort wieder verloren hat. Anschließen wird sein Besitz versteigert. Die Autorin scheint von dieser Geschivhte unglaublich fasziniert zu sein, aber leider kann ich auch diese Faszination nicht wirklich teilen. Es ist eine ganz nette Anekdote, aber es rechtfertigt wirklich nicht die Menge an Seiten, die dafür draufgehen.

Ich konnte dem Buch insgesamt nur wenig abgewinnen - es gibt weder so etwas wie eine Handlung, noch einen roten Faden oder irgendeine Form von Ergebnis oder Schlussfolgerung am Ende.

Gieße nachts die Pflanzen, obwohl C. kürzlich davon abgeraten hat.
Aber ich höre doch,
wie sie ganz gierig trinken:
schlotz, schlotz, schlotz.
73 reviews
March 18, 2024
An avant-garde archive of sometimes overly fragmented sugar-related writings (more impressions than a plot-driven novel…this one’s thematic)

“he begged her, and give me life by the sweetness of your voice, and its sweeter contents.”

“No, even as I was still lying on the bench and looking up in the air, I saw that the ground was about to open up and I was going to fall into the first hellish abyss that came along. Dimly I saw that I would be alone again. "I lived the pleasure as a future pain," it says in the book I read last August in Marseille.”

“She gave him fruit, and while he ate she ran her hand through his hair.
Later she left him in a safe place, but every day she came again, and at dusk she sometimes took him to a quiet, deserted ground, where he fell asleep quite sheltered by falling waters.”
Profile Image for Sven Beck.
45 reviews
January 15, 2025
diese abwesenheit von jeglichem plot/figuren/handlung hat mich genervt. klar, postmoderne, die zusammenhänge lassen sich nicht in lineare narration vereinfachen bliblablub, irgendwie macht die form schon sinn, aber es ist halt trotzdem anstrengend zu lesen.
die recherche und das zusammenspiel von dialog-ebene, erzählerischen passagen aus aufgegriffenen historischen geschichten und dem reflexionsprozess der ich-figur ist dann wieder spannend und insgesamt bringt sie themen wie begierde, ausbeutung, macht usw schon auf einzigartige weise zusammen. aber das kann sie halt auch deswegen so gut, weil die "experimentelle" form sich den etablierten überprüfbarkeitsmustern der logik, denen recherche-darlegungen sonst unterliegen, entzieht, weil es ja so "neu" ist.
Profile Image for Chad Felix.
70 reviews36 followers
December 1, 2022
Somewhat monolithic in its approach. You peer and peer and stare and stare into it and only find yourself falling deeper and deeper into this novel-study of obsession, desire, and the sugar industry. Elmiger is uncompromising and the work is all the better for it. Good stuff for fans of novels (“novels”) about Essai-ing, archive dwellers, and those who don't mind being thrown face first into the deep-end.
37 reviews
September 3, 2025
I wonder if this book was better in its original language. it was too hard to follow; there were some brief moments of lovely flow where I thought it was coming together, and then it would all fall apart again.
Profile Image for T.
74 reviews4 followers
November 20, 2025
was katharina sagt &c
Profile Image for Oliver Gehrmann.
52 reviews4 followers
October 24, 2025
Ich weiß nicht, ob ich alle Verweise und Verknüpfungen dieses Recherche-Spinnennetzes verstanden habe, aber wow, was für einen Sog dieses Buch hat. Anders als alles, was ich bisher gelesen habe. Es geht um Ellen West, den Lottokönig Werner Bruni, Flora Tristan, Teresa von Avila, Marie Luise Kaschnitz, Kleist, Frisch, Louverture, Freud, Marx und viele mehr. Um Zuckerrohr, Lottospiel, Essen, Patriarchat, Haitianische Revolution, Montauk und Native Americans, Kolonialisierung, Schwierige Elternbeziehungen und die Liebe. Alles angereichert mit schreibreflektierenden autofiktionalen Verbindungsstücken. Eine verrückte Recherchemeisterleistung. Besseres Sampling als auf so manchem Hip-Hop-Beat. Wie sie diese grundverschiedenen Fundstücke miteinander in Beziehung setzt, ist fantastisch. Das hat etwas fiebrig Benommenes. Wirklich crazy. Mein Kopf qualmt.
Profile Image for Circlestones Books Blog.
1,146 reviews34 followers
October 6, 2020
„Wenn ich meine Hefte und Kopien durchblättere, die Abbildungen, Schemata und Fotografien, wenn ich die im Verlauf der vergangenen Monate erstellten Dateien öffne, sehe ich keinen Pfad, keine sich an den Rändern überlagernden, aufeinander hinweisenden Bilder, Illuminationen, sondern einen Platz, einen Punkt, von dem ich vor vier oder fünf Jahren ausgegangen bin; seither habe ich alles, was mir in die Hände fiel, alles, was ich so sah, das in einem Zusammenhang mit diesem ersten Ort zu stehen schien, dorthin zurückgetragen und vorläufig abgestellt auf diesem weitläufigen Platz.“ (Zitat Pos. 45)

Inhalt
Eine Ich-Figur, Schriftstellerin, sieht einen Dokumentarfilm über den ersten Schweizer Lottomillionär Werner Bruni und eine Szene, eine Versteigerung, ist einer der Auslöser für viele Fragen, die sich daraus ergeben. Der symbolische Gang durch ein Gestrüpp, am Beginn und am Ende des Buches steht für die immer neuen Verästelungen und Themen, die in Fragmenten auftauchen, durch neue Gedankenverbindungen unterbrochen und dann später irgendwann weitergeführt werden. Daraus ergibt sich ein vielfältiges Mosaik aus Themen und Fragen unserer Gesellschaft und Zeit.

Thema und Genre
An einer Stelle des Buches stellt die Ich-Figur fest, ihr Buch sei kein Roman, sondern ein Recherchebericht. Es geht um Zucker, als Metapher für Gier, Ausbeutung aus wirtschaftlichen Gründen, Geldgier, aber auch für Gier im Sinne von Begierde, die Sehnsucht nach Süßem, nach Liebe.

Handlung und Schreibstil
Es sind Fragmente, Geschichten, die zwischen den Jahrhunderten pendeln, Szenen und Auszüge aus Biografien, aus bekannten literarischen Werken, teilweise neu gedeutet und neu verknüpft. Von der Schweiz an die amerikanische Ostküste, mit Max Frisch nach Montauk, nach Port-au-Prince, zu den Sklaven auf den Zuckerplantagen auf Haiti, führt die Reise kreuz und quer, dokumentiert durch Notizen der Recherchen in Bibliotheken, dazwischen Tagebucheinträge, manchmal nur in Stichworten, Textauszüge und Originalzitate in mehreren Sprachen, die sich immer wieder neu um den Grundbegriff „Zucker“ ergeben, ohne Ordnung und dennoch irgendwie geordnet. „Jetzt alles noch einmal revidieren: Zu allen Dingen ein letztes Mal zurückkehren, sie ins Licht halten, befragen.“ (Zitat Pos. 2690)
Eine literarische Achterbahnfahrt, manchmal episch schildernd, langsam sich steigernd, dann atemlos rasch, Satzteile, Ereignisse über Zeilen aneinandergereiht, weil ja auch in der Realität viele Dinge immer gleichzeitig geschehen, dazu kommen noch die sich dazu aufdrängenden Überlegungen und genau so will die Ich-Figur es auch erzählen. Das Ende?
„Aber wenn du glaubst, es gebe ein Ende, dann täuschst du dich.“ (Zitat Pos. 2529)

Fazit
Ein ungewöhnliches Buch, das eine der Facetten der aktuellen Gegenwartsliteratur zeigt, komplexe Themen, kritische Fragen unserer Zeit in eine neue Form des Erzählens gebracht. Keine leichte Lektüre, aber gerade wegen dieser sprunghaften Gedankenläufe, der unvorhersehbaren, breit gefächerten Geschichtenfragmente interessant und packend und nach einem ersten erstaunten, etwas verwirrten Innehalten las ich mit neugieriger Begeisterung weiter, gespannt, wohin mich die nächste Seite führen würde.
Profile Image for Sarah.
34 reviews
August 3, 2022
Fullständigt obegripligt blää! Påminner mig för mycket om min hemska schweiziska skoltid för att jag ska vilja fortsätta. Också en författare som kräver att man är flytande i tyska, franska och engelska för att kunna läsa en bok?! Nej tack
Profile Image for vvn.
84 reviews2 followers
November 30, 2020
Gerade, als ich mich langsam zurechtzufinden beginne in Dorothee Elmigers Welt, als die Absätze länger und zusammenhängend wurden, hört das Buch auf. Ich habe gemischte Gefühle, einerseits gibt es unzählige Motive in „Aus der Zuckerfabrik“, die eine eigene Kurzgeschichte oder gar ein eigenes Buch verdient hätten. Andererseits hat mich das Fragmentarische und die ständigen Referenzen irritiert - so, als müsste der Schreibprozess erst noch kommen, um die losen Gedanken zusammenzubinden und herauszufinden, was Platz in der Geschichte hat und was nicht. Und auch hier wieder, mein Steckenpferd: wieder Berichterstattung aus dem Schriftstellerleben, braucht es das wirklich?
Profile Image for Bob Lopez.
886 reviews40 followers
August 7, 2024
Felt like I was trapped in someone's mind, someone obsessed with obscure connections to sugar. Thoughts, paragraphs, pages flitted from one idea to another, long enough to get a sense, to get a foothold of the topic before we're off again. I loved it.
Profile Image for yexxo.
910 reviews27 followers
December 5, 2020
Viel gelobt wurde und wird dieses Buch von Kritikerinnen und Kritikern; es kam auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2020, des weiteren wurde es für den Bayrischen wie auch den Schweizer Buchpreis nominiert. Dann muss es doch ein gutes Buch sein – oder?
Um ehrlich zu sein: Na ja, es geht so. Es ist weder ein Roman noch ein Sachbuch mit einem festen Thema, sondern mehr ein Sammelsurium von Gedanken, Ideen, Träumen, Zitiertem und Erlebtem der Ich-Erzählerin, die nahe an der Person der Autorin angelegt ist. Ausgehend von einem Dokumentarfilm, in dem Dinge eines früheren Lottomillionärs versteigert werden, hat sie
"… alles, was ich so sah, das in einem Zusammenhang mit diesem ersten Ort zu stehen schien, dorthin zugetragen und vorläufig abgestellt auf diesem weitläufigen Platz." (S. 12)
Und so geht es kunterbunt
"Mit jedem Gang durch das Chaos, über die Ananasfelder von Monte Plata, durch die Pariser Vorstädte oder den längst verlassenen Garten eines Sanatoriums, über die sizilianischen Berge, vorbei an den Russischen Bädern von Philadelphia zu den Ufern des Swan River in Australien, scheinen die Dinge in neue Verhältnisse zueinander zu treten." (S. 12)
Und es sind nicht nur die Orte, die ständig wechseln, sondern auch die Themen und die Art des Erzählens: Es geht um den Kapitalismus und die Industrialisierung in Europa, den transatlantischen Handel, die Revolution der Sklaven auf Haiti, Sucht und Begehren. Auf Träume folgen Gespräche, Gedanken oder Textauszüge aus einem der vielen Werke, die im Anhang aufgeführt sind und zuguterletzt gibt es auch Auszüge aus den Leben von Karl Marx, Max Frisch, der Mystikerin Teresa von Avila und einiger Anderer mehr. Manches scheint völlig zusammenhanglos hintereinander zu stehen, Anderes zeigt wirklich überraschende Verbindungen auf, dazwischen immer wieder auch Banalitäten und Unverständliches.
Auf den ersten 50, 60 Seiten war ich immer wieder kurz davor abzubrechen und das Buch als unlesbar weiterzugeben. Aber Frau Elmiger hat einen sehr angenehmen Schreibstil, es liest sich stellenweise wie das Tagebuch einer Freundin und weil die Abschnitte meist sehr kurz gehalten sind, hatte ich ruckzuck 20, 30 Seiten durch. Da immer wieder nicht nur Überraschendes sondern auch Interessantes zu entdecken ist und ich wusste, dass das Meiste auf tatsächlichen Geschehnissen beruht, fing ich an ein bisschen zu recherchieren, um beispielsweise etwas mehr über die Psychiatriepatientin Ellen West zu erfahren (durchaus lohnend!).
Doch was am Ende bleibt, hat kaum mehr Nährwert als der titelgebende Zucker. Unterhaltend ist dieses Buch definitiv nicht und die Informationshäppchen zu den unterschiedlichsten Gebieten und Personen sind und bleiben Häppchen. Da helfen auch die gelegentlich tiefgründigen Gedanken nicht mehr – es bleibt ein Zettelkasten. Doch wie meint Frau Elmiger selbst:
"Eine geniale Erzählerin oder ein genialer Erzähler könnte aus einem Stoffkonglomerat eine Erzählung machen, die die Dinge nicht schmälert, eindeutig macht, sondern im Gegenteil noch komplexer. Ich kann es nicht." (Dorothee Elmiger, ZEIT-Online, 17. August 2020)
Dem ist nichts hinzuzufügen.
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