Richard David Precht beschäftigt sich mit den wichtigsten Fragen rund um das Thema »Künstliche Intelligenz« – und bezieht dabei auch die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen durch die aktuelle Krise mit ein.
Während die drohende Klimakatastrophe und der enorme Ressourcenverbrauch der Menschheit den Planeten zerstört, machen sich Informatiker und Ingenieure daran, die Entwicklung einer Künstlichen Intelligenz voranzutreiben, die alles das können soll, was wir Menschen auch können – nur vielfach »optimierter«. Ausgehend von völlig falschen Annahmen soll den Maschinen sogar eine menschenähnliche Moral einprogrammiert werden. Richard David Precht macht uns eindringlich klar, dass das nicht möglich ist. Denn unser Leben besteht nicht aus der Abfolge vorausberechneter Schritte. Wir sind viel mehr als das.
"Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens" von Precht hat mich auf sehr vielen Ebenen enttäuscht.
Zunächst einmal möchte ich vorneweg sagen: Ich habe andere Bücher von Precht (z.B. "Wer bin ich und wenn ja wie viele") mit großem Vergnügen gelesen und kann sie jedem weiterempfehlen. Dieses Buch fällt jedoch aus der Reihe; nicht nur in Bezug auf den Inhalt, sondern auch auf den Schreibstil. Auf beides werde ich im Folgenden genauer eingehen.
Als Studentin der Informatik und einer Geisteswissenschaft hatte ich mir sehr viel von diesem Buch erhofft; immerhin sind meine beiden Studienfächer zentraler Bestandteil des Inhalts. Wie enttäuscht ich nach bereits ein paar Seiten war! Eine Enttäuschung, die sich bis zur letzten Seite durchzog.
Der Schreibstil ist schlechter, als man es von Precht gewohnt ist. Viele Sätze ziehen sich unnötig über ganze Absätze und man fragt sich unweigerlich, ob der Autor den Punkt auf der Tastatur nicht finden konnte. Einige Sätze erscheinen zusammenhanglos oder müssen mehrmals gelesen werden, bis man sie verstanden hat. Es stellte sich einfach nicht der gewohnte Lesefluss ein, den ich von Prechts anderen Büchern kenne.
Da Schreibstil jedoch immer noch Geschmackssache ist, möchte ich mich nun dem Inhalt widmen. Ich könnte dieses Buch niemals meinen Informatik-Kollegen empfehlen, da es viel zu unwissenschaftlich, zu polemisch, zu oberflächlich ist. Hinzu kommt eine unfassbar große Menge an "Informatiker-Bashing". Um ein Beispiel zu nennen:
"IT-Spezialisten [...] verstehen [...] nicht viel von dem, was das Leben lebenswert macht." (S.238)
Was soll so eine Aussage? An anderer Stelle schreibt Precht, Informatiker hätten meist keinen Sinn für Ästhetik. Ich kann bei solchem Schubladendenken nur den Kopf schütteln. Ob Precht es glaubt oder nicht - die meisten Informatiker, die sich mit KIs beschäftigen haben die ein oder andere SciFi-Dystopie gelesen und sich durchaus mit der Moral und den Gefahren von KIs befasst. Sie sind weder blind noch von Utopien verblendet. Meiner Meinung nach können Informatiker die von KIs ausgehende Gefahr sogar besser einschätzen als die meisten Philosophen, da sie auch die Grenzen von KIs genaustens kennen. IT-Bashing? KI-Bashing? Solche Stumpfsinnigkeit kann ich meinen IT-Kollegen nicht empfehlen.
Ich könnte das Buch auch nie meinen geisteswissenschaftlichen Kollegen empfehlen, da viele Konzepte der IT und der KI nicht erklärt werden und generell sehr wenige Informationen vermittelt werden. Es wird nichts gesagt, was man nicht Hunderte Male vorher schon irgendwo (besser) gelesen hat. Ich könnte 5 andere philosophische und KI-kritische Bücher nennen, die ich besser fand.
*Da ich ein Buch über die philosophischen Implikationen von KI gefunden habe, welches mir wesentlich besser gefallen hat, musste ich hier noch einen Stern abziehen. Meine Empfehlung: „Welche KI“ von Stefan Bauberger*
Mir ist es schwer gefallen, eine Bewertung für dieses Buch zu finden.
Zunächst einmal: Das Buch beschäftigt sich mit einem spannenden und auch wichtigen Thema. KI gehört zu den Technologien, die das Potential haben, die Entwicklung unserer Gesellschaft entscheidend mitzubestimmen. Precht schreibt hier etwas dichter als in den früheren Büchern, die ich gelesen habe, mir persönlich gefällt das jedoch deutlich besser. Im Buch identifiziert Precht die größten Gefahren, die mit der Verwendung von Künstlicher Intelligenz einhergehen und macht auch deren Ursache klar aus - unser kapitalistisches Wirtschaftssystem. Wenn KI zur Gewinnmaximierung genutzt wird, sorgt das für einen Wertverlust auf sozialer Ebene. KI wird zu einem weiteren Mittel, mit dem sich die Menschen die absurden Ziele des Neoliberalismus selbst aufzwingen, und dabei zu einem sehr mächtigen.
Soweit stimme ich da voll mit dem Autor überein, die Punkte sind klar und schlüssig dargelegt. Einige Aussagen haben für mich jedoch ganz und gar nicht funktioniert. Meiner Meinung nach, nimmt Precht hier eine grobe Misscharakterisierung des Utilitarismus vor. Diesen auf Bentham und seine Absurde Maßnahmenpolitik zu reduzieren ist geradezu fälschlich vereinfachenden und wird der Sache nicht gerecht. Es geht um das simple Prinzip der Maximierung von Glück und der Minimierung von Leid. Und wenn Precht meint, der Mensch würde nach mehr streben, als nur Glück, ist das per Definition ausgeschlossen, denn Glück an sich ist eben genau das, was für ein Lebewesen erstrebenswert ist. Dass das vor verschiedene Personen völlig unterschiedliche Dinge sein können und dass viele Menschen eine falsche Vorstellung davon haben, was glücklich macht ist unbestreitbar. Das diskreditiert jedoch nicht das grundlegende Prinzip, es erschwert lediglich dessen Umsetzung. Und dieses ist nicht unvereinbar mit Konzepten wie den Menschenrechten, es nimmt diese lediglich ihren ungerechtfertigten Status absolut zu gelten und unanfechtbar zu sein.
Wirklich gestört hat mich auch die Sicht des Autors auf diejenigen, die sich mit der Technik beschäftigen. Er scheint davon auszugehen, dass jeder der sich mit KI beschäftigt ein Post- oder Transhumanist sein müsse, tief kapitalistisch und utilitaristisch motiviert. Dass dies schon ein Widerspruch in sich ist und nicht der Realität entspricht stört Precht hier gar nicht. Software entsteht nicht nur in China und im Silicon Valley, die andere Seite der Medaille ist die Open Source Bewegung und Datenschutzaktivist*innen. In kaum einem anderen Bereich gibt es so viele Menschen, die sich für Ziele einsetzen, die jenseits von Wirtschaftlichkeit stehen. Hier hätte Precht es gut getan, etwas tiefer in die technischen Aspekte einzudringen. Das hätte Ihm auch bei der Begrifflichkeit in seinem Buch weiter geholfen, hier werden wild Begriffe wie Programmierung und KI, maschinelles Lernen und Algorithmen, personalisierte Daten und Datamining durcheinandergewürfelt. Für die Schlussfolgerungen des Buchs macht das keinen großen Unterschied, es kommen aber Aussagen dabei heraus, die einfach falsch sind, wie beispielsweise, dass für Sprach- oder Schrifterkennung personalisierte Daten benötigt würden. Diese sind jedoch nur notwendig, wenn ein direkter Bezug zur Person gezogen werden soll, daher der Begriff.
Precht deckt mit seinem Buch die großen Lücken in der kapitalistischen Argumentation auf. Bloß weil etwas rentabel ist, heißt das nicht, dass es zwangsläufig realisiert werden wird oder sollte. Gleichzeitig tuen sich bei Ihm selbst große Lücken auf, wenn er über den „Sinn“ von Leben und Gesellschaft schreibt, die sich nicht so eben mit einem „Kant“ hier und einem „Grundgesetz“ dort kaschieren lassen. PrechtS große Stärke ist der Rückbezug von technologischen und gesellschaftlichen Phänomenen auf menschliche Werte. In der Begründung seiner sehr anthropozentrischen Werte, kann er mich jedoch nicht überzeugen.
Ich denke nicht dass sich Precht tatsächlich mit KI beschäftigt hat bevor er dieses Buch geschrieben hat. Er philosophiert so vor sich hin, und mit philosophieren meine ich eher polemisieren. Er trollt seine technokratischen Widersacher, ohne tatsächlich eine Ahnung von der Materie zu haben. Das Kapitel über autonome Fahrzeuge war fast schon eine Beleidigung meiner Intelligenz. Precht kann schöne Sätze formulieren, das muss man ihm lassen und dafür gibts den zweiten Stern.
Dieser Precht ist wichtig auch wegen der Verve, mit der er das kapitalistische System mitsamt seinem Szientismus verwirft. Aber nicht nur deshalb- "Systemkritik" gibt es ja schon genug und sie ist mittlerweile billig. Wichtig ist das Buch, weil der Autor stellvertretend für viele Jugendliche die Fragen stellt, die der technikgläubigen (oder sie blind nutzenden) Generation selbst nicht kommen und an die Eltern nicht denken. Und anders als Harari bleibt er nicht bei der Phänomenologie stehen, sondern geht mit seinen Antworten tief in die Probleme hinein und das auf der Basis profunden philosophischen Wissens. Kurz: Es ist ein aufregendes Buch zum Tage! Um 2020 gibt es, so Precht, ca. zehn Millionen Roboter (10 000 000), aber nur noch einen "Rest von 400 000 Elefanten, 30 000 Nashörnern und 20 000 Löwen." (S. 18) Damit ist der Ausgangspunkt benannt. Anders als bei fossilen Brennstoffen spielt die unglaubliche Ressourcenvernichtung durch "smarte Technologien" in den Diskussionen um die "Segnungen" durch das Silicon Valley kaum eine Rolle. Die Tech- Gurus selbst thematisieren sie nicht. Damit ist diese Technologie nicht Zukunft, sondern vielmehr Vergangenheit. Sie ist NUR "Innovation" und eben kein "Fortschritt". Immer wieder kommt Precht auf diese wichtige Verwechslung zurück. Die "User" wie die "Nerds" haben keinen Begriff mehr von (gesellschaftlichem!) Fortschritt. Sie reden von Effizienz, begreifen aber nicht - so der Autor - dass man den Genuss von gutem Wein so wenig effektivieren kann wie die Liebe oder das Kinderkriegen. In dieser Weise findet der Philosoph stimmige und überzeugende Bilder und sprachliche Formulierungen, die klar machen, wozu wir Philosophen brauchen: Sie sollen das, was wir eigentlich wissen und denken, so treffend formulieren, dass es sofort überzeugend neu klingt. Precht kann das wie kein Zweiter in Deutschland. Daher rührt wohl die Feindschaft der Lehrstuhl- und Kommissionsphilosophen gegenüber ihrem erfolgreichen Zunftgenossen, denn es stimmt wohl, dass dieser nichts wirklich Neues verkündet. Aber WIE er das tut, das stellt die meisten anderen in den Schatten! Mal abgesehen davon, dass auch Technik- Philosophen erblassen, wenn ihnen in kurzen Sätzen die Verwirrung ihrer Begriffe vorgeführt wird. "Künstliche INTELLIGENZ", davon handelt das Buch, ist dem Menschen eben nicht überlegen und wird es nie sein, denn ein Computer- "Hirn" ist nur "intelligent", ist nur schneller, effektiver usw., aber es schafft und hat kein BEWUSSTSEIN. Zum "Bewusstsein" gehört der "ganze" fühlende, irrationale, bockige, kleingeistige, groß denkende, irrende, hoffende usw. Mensch. DIESER Mensch kann "Sinn" produzieren und für diesen Menschen ergibt das persönliche Erleben, ergeben die Erfahrungen eine "Moral". Hingegen ist ein Computer per se unmoralisch, denn er wird immer die "Moral" haben, auf die er programmiert ist. Precht zeigt, woher ein Denken kommt, das "ethisches Programmieren" (z.B. von Killer- Robotern!) für möglich und wünschenswert hält und doch nichts anderes ist als Theorie gewordene kapitalistische Lebenspraxis. Für den homo oeconomicus des Kapitals ist alles ein "Problem", das er "lösen" muss, um mehr und mehr und noch mehr Geld zu verdienen. Menschen lösen aber freiwillige gar keine Probleme, sondern sind gern faul, liegen im Urlaub am Strand, hassen die "Probleme", denen sie auf Arbeit begegnen. Auf diese Probleme zielt KI, z.B. im Hochfrequenzhandel an den Börsen. Man muss keine künftige KI "ethisch" programmieren, die Idee stammt aus science fiction, nein, die gegenwärtige ist schon unmoralisch genug, z.B. dann, wenn durch erfolgreiche Lebensmittelspekulationen Menschen in Hunger und Tod getrieben werden, Es kommt nicht auf "ethisch denkende (?)" KI an, sondern darauf, was WIR damit machen wollen. Dazu bedarf es einer breiten gesellschaftlichen Diskussion, die man eben nicht den Mathematikern oder Informatikern überlassen darf. Die denken in Algorithmen, aber der Mensch ist kein Algorithmus und Statistik ist Analyse von big data, aber nicht "denken". Man kann es sogar aktuell lesen: Sind es Mathematiker oder Physiker, die eine A- Bombe erfanden, oder Raketen in den Himmel schicken? Ist es Elon Musk, der den Mars besiedeln wird? Precht zeigt, wie kultur(!)abhängig schon die Idee ist, auf den Mars fliegen zu wollen. Ein Indianer am Amazonas würde fragen, wozu das gut sein soll und viele andere Kulturen haben "ihren Erfindern" nicht die Mittel (Bildung! Wissen! Gesellschaftliche Organisation!) an die Hand gegeben, über Technik überhaupt nachdenken zu können. Das wird doch zu oft vergessen! Was kommt jedenfalls dabei heraus, wenn man im Sinne der Kapitals technischen Fortschritt nur als Mittel zur (Gewinn)Maximierung denkt? Dann wird man das "Glück" von mehr Menschen gegen das von weniger Menschen abwägen müssen, wie man es uns heute täglich lehrt. Precht zeigt das am Beispiel des selbstfahrenden Autos, das er aus guten Gründen ohnehin ablehnt. Alle Diskussionen darüber, ob die KI im Falle eines Unfalls das Leben von drei Omas oder das eines Kindes "opfern" soll, quantifiziert Leben und wiegt dessen "Wert". Vehement verteidigt der hier sprachgewaltig ausflippende Philosoph das deutsche Grundgesetz und mithin das Kantsche Erbe gegen jeden Behaviorismus. "Die Würde DES Menschen ist unantastbar." Wenn man schon so eine KI programmiert, dann sollte die im Falle des Falles nach links ausweichen und wenn das nicht geht nach rechts und wenn es dabei zu einem Schaden kommt, dann ist das eben "Schicksal", so, als wäre menschliches Versagen im Spiel. Mit diesem Beispiel geißelt der Autor alle Versuche, mittels KI eine "heile Welt" herzustellen, weil das nur ginge, wenn man den Menschen dieser Welt anpasst! Programmiert man nämlich die KI im Auto so, dass sie keinen Menschen schädigen darf, was wohl selbstverständlich scheint, dann reicht ein "Radikaler" (Demonstrant) oder ein besoffener Radfahrer und der Verkehr einer Stadt steht still. Da das nicht sein darf, käme sofort die Polizei, die natürlich ALLES über die Situation weiß, weil autonomes Fahren die TOTALE AUFZEICZHNUNG ALLER Lebensäußerungen ringsumher notwendig voraussetzt. Mehr "1984" ist gar nicht denkbar! In diesem Sinne charakterisiert Precht nach gründlicher Auseinandersetzung mit den Aposteln des Trans- oder Posthumanismus solche Denkrichtungen als nur scheinbar der Zukunft zugewandt. In Wirklichkeit kämen sie aus der Mottenkiste finsterster Diktaturen und propagieren ein Menschenbild, das nur der "Verwertbarkeit" des Menschen als Anhängsel von Maschinen folgt, die dazu da sind, alles für den Menschen zu tun, der sie KAUFT oder nutzt. Keine gesellschaftliche Reflexion. Aber für Technik- Freaks ist ein Mann wie Kurzweil eben deswegen kurzweilig. Seine Bücher lesen sich "futuristisch" und begeistern eine Informatik- Jugend, die nie gelernt hat, Technik als Teil von Gesellschaft, als Teil von Macht etc. zu begreifen. Man erkennt ohne Probleme die Defizite unserer MINT-Schulen! "Wer ein Computerprogramm bedient, passt sich ihm weitgehend an. Und sollten mehr und mehr Menschen den größten Teil ihrer Erfahrungen solchermaßen mit Computern machen statt in ihrer sonstigen Lebenswelt, warum sollten sie nicht zunehmend so denken wie Computer?" (S.143) Ja, warum sollten sie nicht? Sie tun es doch heute schon täglich! Serienfilme werden ein paar Minuten angeschaut, dislike, der nächste; Musiktracks werden ein paar Sekunden "angehört" und wenn nicht gleich ein hammermäßiges Motiv kommt, wird weggedrückt. Lehrer? Bieten nicht genug... - dislike. Kann der Lerner etwas nicht, ist nicht er, sondern der Lehrer schuld. Wo haben sie das gelernt? Nun, sie liken eben... Ok. Das nur als Beispiel. Unmöglich hier alle Aspekte des Buches zu berühren. Precht führt seine Leser stringent und in sich logisch Schritt für Schritt durch das Labyrinth falsch verstandener Heilserwartungen in Sachen "KI" und endet folgerichtig mit dem Aufruf, endlich eine breite gesellschaftliche Debatte darüber zu beginnen, welche Technik wir wozu wollen. Dabei ist er schlau, denn er weiß, dass die "Entwicklung der Produktivkräfte" die (kapitalistischen) "Produktionsverhältnisse" mehr revolutionieren wird als jede Revolution. Revolutionen waren auch für Marx nur Ausdruck dieser Entwicklung. Deshalb kann Precht eine Überwindung DES Kapitalismus ablehnen, denn was ist "Kapitalismus"? Einen Begriff kann man nicht überwinden! Man kann nur die Sache selbst so gestalten, dass sie in der Überwindung ihrer Widersprüche sich selbst verändert und - wenn das Reformpotential erschöpft ist - sich letztlich in den Aktion unzufriedener Menschen selbst abschafft. Dem Buch ist eine breite jugendliche Leserschaft und eine eingreifende Wirkung zu wünschen. Das muss man lesen, wenn man verstehen will, wohin wir steuern. Harari ist dagegen nur ein Seelentröster! Ok, für Ältere, die denken, sie muss das nicht mehr interessieren, ist es mindestens genauso wichtig! Bisher Prechts bestes Buch, denn es bringt seine ganze philosophische Erfahrung auf den Punkt und stellt sie in den Dienst radikaler und notwendiger Kritik!
Ich war sehr enttäuscht von der Herangehensweise dieses Buchs. Das Hauptziel ist es, die Meinungen von Sillicon Valley Vorreitern wie beispielsweise Kurzweil oder Bostrom zu diskreditieren. Diese sind unter anderem der Auffassung, dass der Mensch als Zwischenschritt der Evolution nur dazu dienen sollte, eine K.I. zu entwickeln. Gegen solche extreme Ansichten lässt es sich natürlich leicht argumentieren. Was mir jedoch gefehlt hat, sind eigene Ansätze wie die Menschheit mit K.I. umgehen könnte oder sollte. Wie Precht richtig sagt, wird die KI Forschung hauptsächlich vom Kapitalismus angetrieben. Das heisst solange dieses System weiter besteht, wird höchstwahrscheinlich auch KI weiter erforscht. Ich verstehe hingegen nicht, warum Precht Personen wie Stephen Hawking oder Bill Gates, die versuchen auf mögliche Gefahren aufmerksam zu machen, belächelt. Allgemein wurde mir der Autor mit jeder Seite unsympathischer, da er konstant andere Personen schlecht redete, selber aber nicht zu einer konstruktiven Diskussion über KI beigetragen hat.
Richard David Precht liefert aus meiner Sicht den Wegweiser für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Indem er leidenschaftlich gegen diejenigen Vertreter des Silicon Valley argumentiert, die in KI und Trans- bzw. Posthumanismus unsere menschliche Zukunft sehen, betont der Philosoph gerade die Eigenschaften, welche uns fundamental von Maschinen unterscheiden. Die entscheidende Aussage des Buches (welche ich nun vorwegnehme) liegt darin, dass der Mensch der Tier-und Pflanzenwelt, also der Natur, deutlich näher ist, als der kalten Maschinenwelt. Der Chemiker in mir würde es so sagen: Unser Kohlenstoff unterscheidet sich vom Silizium der Festplatten und Prozessoren elementar.
Precht ist in der Lage, diese Kernaussage in nicht einmal 250 Seiten von vielen verschiedenen Perspektiven zu betrachten und durch kluge und treffende Beobachtungen und Analysen zu stützen. Dabei geht es nicht nur um die Anthropologie. Es geht vielmehr um gegenwärtige Zukunftstendenzen, Utopien, Dystopien und besonders um die Frage, was unser Leben so lebenswert macht.
Es gibt unglaublich viele Aspekte, die ich aufgreifen könnte, doch ich möchte mich auf drei Erkenntnisse fokussieren, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind.
Zunächst hinterfragt Precht den als alternativlos propagandierten technischen Fortschritt. Er zitiert Technikpioniere, die in der Entwicklung künstlicher Intelligenz einen notwendigen Schritt der Evolution sehen. Dabei wird "die" Evolution personifiziert, d.h. mit konkreten Absichten und Zielen ausgestattet, und als unanfechtbare Macht charakterisiert. Doch diese Annahme sei nach Precht falsch und keineswegs eine Legitimation für KI Forschung. "Nothing is written". Die Entwicklungsgeschichte der Menschheit und unsere Zukunft ist kein abgeschlossenes Buch. Erst unsere Taten verändern die Welt und wir haben es selbst in der Hand. Somit widerspricht Precht dem fatalistisches Dogma des Silicon Valley energisch.
Ein weiterer zentraler Aspekt im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz liegt in ihrem Wesen an sich. Intelligenz (ob künstlich oder natürlich) löst Probleme auf eine logische Art und Weise. Seit der Antike hat der logos einen besonderen Platz in den Geisteswissenschaften. Er wurde lange als göttlich angesehen und als die Eigenschaft, die den Menschen prinzipiell von der Natur unterscheidet. Jedoch zeigen uns die Entwicklungsversuche einer künstlichen Intelligenz, dass wir Menschen viel mehr sind als nur logos. Precht sieht in dem Menschen eine unglaubliche Fülle an Eigenschaften, Emotionen und Veranlagungen, von denen das logische Denken nur ein kleiner Teil ist. Unsere Innenwelt ist demnach so komplex, dass nicht mal wir uns selbst verstehen. All diese Dimensionen von Sinn, Erfüllung und Phantasie zugunsten einer rein rationalen Intelligenz zu opfern sei zutiefst inhuman.
Ein letzter großer Aspekt umreißt das Thema der Moral. Der Glaube, Computern Moral beizubringen, ist nach Precht fundamental irrsinnig und geht an ihrem wahren Wesen vorbei. Dieses sei nämlich eine allgemeine Subjektivität. Moralisch handeln bedeutet demnach sich in einem verzwickten Netz aus Normen, Intuitionen, Emotionen und Ethikbegriffen zurechtzufinden. Auch hier ist der logos wieder nur ein Teil der Menschlichkeit! Der gesamte situative Kontext ist für eine moralische Entscheidung wichtig und aufgrund der singulären Berechnung ist menschliche Moral für KI prinzipiell unverständlich. Zwar gäbe es mit dem Utilitarismus eine Konzeption der Ethik, die durch das Nützlichkeitsprinzip und das hedonistische Kalkül Moral berechenbar macht, doch Precht führt hier wieder unsere vielschichtige Menschlichkeit an, für die Nützlichkeit nicht das alleinige Kriterium für gut und schlecht sei, und zeigt treffend, dass eine utilitaristische KI mit unserer kantischen Auffassung von der Würde des Einzelnen (durch das Grundgesetz in unserer liberalen Demokratie fest verankert) unvereinbar ist.
Es gibt noch so viel mehr, dass ich ausführen könnte. Aber all das hat Richard David Precht auf diesen 240 Seiten bereits perfekt zum Ausdruck gebracht. Dieses Werk will uns dazu animieren, unsere Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Es zeigt, wie sich aktuelle Entwicklungen durch fehlende Leitlinien in inhumane Dystopien verwandeln und unsere liberalen Werte zerstören können. Daher sollten nicht unser Heil nicht allein in zukünftiger Technologie oder alleiniger ökonomischer Expansion suchen. Denn eine lebenswerte Zukunft erreichen wir nicht durch selbstfahrende Autos und Gehirn-Computer Schnittstellen. Es ist vielmehr die Abkehr von einem blinden Vertrauen in KI und stattdessen Selbstverwirklichung und Sinnsuche in der analogen, "natürlichen" Welt. Dazu müssen wir die Krisen des Klimawandels und Ressourcenverbrauchs dringend angehen. Technologie kann uns dabei helfen, aber ist immer nur ein Mittel unter vielen. Und dieses Mittel sollte nie zu einem Zweck an sich werden. Denn das ist nur der Mensch. Er muss im Zentrum stehen und mit ihm seine komplexe und phantastische Innenwelt. Und dafür kann uns doch jede künstliche Intelligenz nur beneiden.
Das langweilige und praetentioese Pamphlet drischt und mischt phantasielos immer wiederholte oberflächlich durchdachte Platituden, sieht die AI-Welt durch die Brille des vermeintlich wissenden Zoowaerters, der sich des Überblicks wähnt, sich aber tatsächlich im Käfig seiner wenig originaeren Denke imaginationslos eingeschlossen hat, sich aber vermutlich auf weiter freier Steppe seiner philosophischen Vorbeter wähnt, aber tatsächlich auf abgelaufenen Pfaden seinen Vordenkern nur ermüdend nach plappert. Schon Galilei hatte Probleme seiner verstoerten und verängstigten Zuhörerschaft beruhigend nahezubringen, dass sie nicht ins tiefe All herabfallen werden, obwohl die Welt keine Scheibe sei, sondern rund wie eine fette Melone.
It is the nearly the complete opposite opinion then harrari what made it super interesting. I can understand why people love or hate it. In the end it shows that no one really knows how AI will influence us. But it is important to think about where to use it and where not to use it. Many things I knew before but it opened my eyes in so many cases that it is my favorite book of Precht so far. Everyone should read it to discuss this topic open in society.
A notably unilateral view on massively fascinating topics as artificial intelligence, the peril in the pursuit of such and the involvement of the, of course, male, capitalist programmer.
(A note for non german speakers: We do differ between genders in words, so the author refusing to use the proper terms including female computer scientists as well already did not sit right with me - female computer scientist in training speaking. We do exist. And we did in 2020 already, too.)
Precht's writing style might work for some, less for others, to me in this essay it was more tiresome than usual. He also shows pretty clearly what kind of prejudices he has towards the people "programming AI" (choice of words already showing how much he is missing here), while simultaneously revealing his lack of knowledge about quite a few of the topics he touches. It seems as if, while highlighting his concern and relying on antique ideas without taking their historical context into consideration, the author gets lost in the various and enormously different concepts of modern computer science. He seems to lack fundamental understanding of some of these sub-areas he tries to utilise to undermine his point of view.
While he does raise valid questions, provides a number of thought-provoking impulses and does this in that unsurprisingly very polemic way of his (he strives to provoke and is known for that), his essay failed me both as a purely philosophical view on AI/KI as he does not provide the knowledge necessary to a reader new to the topic of AI who reads this for the philosophical insight only, as well as the IT focused variant, due to the obvious lack of knowledge on the subject.
2 and a bit stars for raising good questions, the lack of the rest for failing to back them up properly and presenting his concerns in a manner that shows only one side of a coin without even considering the beneficial possibilities of a whole concept.
Mir hat das Buch leider überhaupt nicht gefallen. Es liest sich wie ein Monolog von jemandem der sich über ein Thema aufregt, über dass er eigentlich nicht genug weiß. Ich komme selbst aus der Informatik und bin erstaunt wie wenig KI Gehalt in dem Buch enthalten ist. Es werden viele Annahmen gemacht, wie KI Entwickler angeblich denken und wie technologischer Fortschritt ‚tatsächlich‘ gemeint ist. Ich habe einen sehr anderen Eindruck von dem Thema. Die Struktur ist sehr schwer zu fassen und der rote Faden somit nicht ganz deutlich. Es werden viele Philosophen aufgezählt, um einzelne Sätze zu zitieren und den Inhalt meiner Meinung nach fundierter erscheinen zu lassen als er ist. Kurz gesagt wird das Motto „Die böse Technik, die arme Menschlichkeit“ sehr flach und oberflächlich plattgetreten. Ich hätte mir tiefergehende Gedanken und Informationen zu der Thematik gewünscht.
Schwache Sprache und Argumente; stellenweise stark das Gefühl, Precht hört sich einfach zu gerne selbst schwadronieren. Eine differenzierte Befassung mit dem Thema KI scheint Precht wohl nicht für notwendig erachtet zu haben, wäre aber für eine adäquate Analyse des Themas nötig gewesen. Stattdessen pauschalisiert er über sämtliche Mitwirkenden im Bereich KI.
Argumente über menschliche Intelligenz im direkten Vergleich mit KI sind ohne tiefere Betrachtung der unterliegenden kognitiven/psychologischen/neurowissenschaftlichen Mechanismen eher substanzlos.
So sind mitunter Aussagen wie:
„Reales menschliches Leben besteht nicht aus dem fortwährenden Abwägen von Leiden und Glück. Den größten Teil des Tages stellen wir uns die Frage gar nicht. Die Mühe, ein dickes Buch zu schreiben, ist kaum in Glück aufzuwiegen. Kinder, so lautet ein berühmter Befund der Sozialpsychologie, bereiten ihren Eltern sehr viel mehr Sorgen als Glück. Warum bekommt man noch immer welche? Nur aus einem Mangel an Information heraus? Und selbst schwer leidende Menschen hängen meistens am Leben. Utilitaristisch kaum zu begreifen - aber sie tun es!”,
“Und dieser Sinn ist nicht das Zusammenzählen von Sinnelementen, sondern ein Emergenzphänomen. Das Ganze hat Qualitäten, die die Teile nicht haben. Dass Sinn deshalb nicht programmierbar ist, erklärt sich von selbst. Er besteht nicht aus einer Codierung von Sinn und Nichtsinn, und er ist hoch individuell.”,
“Echte Menschen funktionieren auch nicht binär, sondern halten vieles in der Schwebe, überlassen es dem Zufall oder dem Lauf der Zeit.”
wissenschaftlich und philosophisch unpräzise und untragbar. Precht scheint kein nennenswertes Verständnis dafür zu haben, was Mathematik ist, geschweige denn leisten kann, ansonsten würde er es vermeiden, solch offensichtliche Falschaussagen zu tätigen, um nur auf einige einzugehen. Wo Precht meint, einen kategorischen Unterschied zwischen menschlicher und maschineller Rechenleistung erkennen zu können, sehe ich kein klares Argument dafür, sondern lediglich ein Nichterkennen, dass auch hier auf neuronaler Ebene Berechnungen, nur eben von einer derartigen Komplexität und Feinheit, dass dies dem Menschen subjektiv nicht zugänglich oder klar ist, stattfinden.
Jedoch hat Precht die Themen Kapitalismus und KI, die Notwendigkeit von Innovation und Fortschritt als auch den Zerriss des selbstfahrenden Autos und deutscher Ethikräte/Kommissionen gut gemacht, daher zwei Sterne.
Ich habe das Buch geschenkt bekommen, und als solches die Verpflichtung empfunden, es auch zu lesen.
Und damit könnte an dieser Stelle auch alles gesagt sein, was zu diesem Buch zu sagen ist. Es sind gedruckte Buchstaben auf weißen Papier.
Wenn man etwas darüber hinaus sagen möchte, ist zumindest zu bemerken, dass Prechts Duktus auffallend herabwürdigend ist. Fast das gesamte Buch bezieht sich auf Bewertungen, inwieweit andere Denker zu kurz denken und analysieren, wobei Herr Precht viel zu häufig offen lässt, was nun das zu kurz gedachte sein mag und inwieweit man es besser denken könnte. Dabei schert der Autor KI-Denker, Philosophen, Kabarettisten und alles, was denkt oder seiner Ansicht nach auch nicht, über einen nicht sehr feinen Kamm.
Was er dabei aber nicht sieht, ist, dass er die Möglichkeiten von KI, aber auch die Gefahren nicht ausreichend beschreibt. Einerseits belächelt er selbst die Utopisten und die Dystopisten von KI, andererseits entlehnt er seine Argumente dort zentral und verkürzt diese. Seine offenkundig eigenen Stellungnahmen grenzen bisweilen ans Naive.
So richtig will einem auch nicht klar werden, inwieweit er sich mit diesem Buch als Kassandra darstellen möchte, die vor Big Data und der moralischen Verrohung durch Anonymisierung warnen will, aber wohl - von Apollon verflucht - nicht gehört wird, und inwieweit er nicht doch auch Chancen und Möglichkeiten sieht.
Am Ende bleibt der Autor also zurück als diffuser Alarmmelder, der trotz anderslautendem Vorwort und dem kruden Versuch im Epilog nicht wirklich überzeugend darstellen kann, was er mit diesem Buch überhaupt will. Der Buchtitel suggeriert auf jeden Fall eine tiefgehendere und analytischere Beschäftigung, aber auch als rein populärwissenschaftliche Lektüre ist das Buch - und zu solchen harten Urteilen gelange ich selten, und ich tue mich auch jetzt schwer - ein Gähner.
Der Kritik an der KI ist nichts neues hinzugefügt, den Worten pro KI auch nicht. Die Argumente, wie beschrieben, sind verkürzt, und in der herablassenden Bewertung anderer Denker und Denkrichtungen steckt weder Witz noch Esprit, sodass es sich am Ende schlichtweg belanglos anfühlt und auch liest.
Der Autor hat ehedem sorgfältigeren Umgang mit dem geschriebenen sowie dem gedachten Wort gepflegt, und ich würde mir wünschen, dass er dorthin zurückkehrte.
Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens. Da muss man auch erst mal darauf kommen. Precht will uns nicht sagen wie KI technisch funktioniert. Okay (fair genug), aber so gar keinen Schimmer zu haben und dann ein Buch zu schreiben, das nenne ich Chuzpe. Fur ihn ist KI etwas, das „Programmierer programmieren“. Da ist kein Unterschied Zwischen AlphaZero und einem Taschenrechner. Übrigens immer der Programmierer. Im Jahre 2020 ist das unanstândig. Oder nur borniert?
Er beklagt sich, dass der Klimawandel in einem Buch über KI nicht vorkommt. Er schreibt eines, in dem Turing nicht erwähnt wird. Das ist als würde man über das Christentum schreiben ohne Jesus zu erwähnen.
Turing ist schon deshalb wichtig, weil er vorausgesagt hat, dass egal was KI leistet, es immer Menschen gibt? Die erklären, was KI nicht kann und niemals können wird.
AlphaGo weiß nicht einmal warum Menschen Go spielen. Und kann Züge nicht erklären. Ich weiß auch nicht warum ich Go spiele. Und KI kann inzwischen wunderbar Züge erklären in der einzigen Währung, die zählt: wieviele Punkte ist der Zug wert. Menschliche Experten sagen früher oder später: Dieser Zug ist gut. Trust me.
Sehr viel Geschwafel. Nicht mal alles dumm. Natürlich kann man auch und vielleicht gerade in einem Buch über Ki gegen den Kapitalismus wettern. Gegen die unkritische WachstumsIdeologie. Gegen den Autowahn etc. Aber insgesamt ist das zu flach.
Und der Sinn des Lebens? Diese Frage zumindest klärt er.
Ein meiner Meinung nach solides Buch. Lesenswert, aber nicht für bare Münze zu nehmen. Das Buch regt an einigen Stellen zum kritischen Denken unser derzeitigen Gesellschaft an und inwiefern Künstliche Intelligenz hier einen Strich durch die Rechnung machen kann. Das Buch beschäftigt sich sehr stark mit den Nachteilen bzw. Gefahren beim Einsatz einer Künstlichen Intelligenz und vermittelt somit für hoffnungsvolle Leser einen recht pessimistischen Eindruck der neuen Technologie. Dies trifft oftmals auf Ablehnung und Empörung. Man muss einfach seine Erwartungen anpassen und sich evtl. nicht vom Titel selbst leiten lassen, der ja durchaus auf eine Gegenüberstellungen von Nutzen und Gefahren verhoffen lässt. Das Buch überspitzt die Gefahren durchaus auch an einigen Stellen, aber dennoch regt es ausgiebig zum Überdenken derzeitiger Gesellschaftsmuster an. Vor allem darin liegt der Mehrwert des Buches. Es liefert eher weniger Antworten auf konkrete Fragen (wie viele sich vielleicht erhoffen), sondern wirft Fragen beim Leser auf. Oftmals Fragen die mit der Künstlichen Intelligenz selbst nur im übertragenen Sinn etwas zu tun haben. Das gefällt mir persönlich und macht dieses Buch definitiv lesenswert. Es ist kein Allrounder, der einem erklärt wie künstliche Intelligenz funktioniert und was alles (auch positives!) damit möglich ist, aber offenbart dennoch Schwachstellen und einhergende Gefahren.
Buchtitel: Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens Autor/in: Richard David Precht Verlag: Goldmann ISBN: 9783442142743 Ausgabe: Taschenbuch Erscheinungsdatum: 15.11.2021
Inhalt: "Richard David Precht beschäftigt sich mit den wichtigsten Fragen rund um das Thema »Künstliche Intelligenz« – und bezieht dabei auch die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen durch die aktuelle Krise mit ein. Während die drohende Klimakatastrophe und der enorme Ressourcenverbrauch der Menschheit den Planeten zerstört, machen sich Informatiker und Ingenieure daran, die Entwicklung einer Künstlichen Intelligenz voranzutreiben, die alles das können soll, was wir Menschen auch können – nur vielfach »optimierter«. Ausgehend von völlig falschen Annahmen soll den Maschinen sogar eine menschenähnliche Moral einprogrammiert werden. Richard David Precht macht uns eindringlich klar, dass das nicht möglich ist. Denn unser Leben besteht nicht aus der Abfolge vorausberechneter Schritte. Wir sind viel mehr als das."
Meinung: Zuerst möchte ich mich beim Bloggerportal, dem Verlag und beim Autoren für dieses Rezensionsexemplar bedanken! Da wir uns derzeit in der Uni mit dem Thema Künstliche Intelligenz beschäftigt hatten und ich ja sowieso Philosophie studiere, ist mir das Buch direkt in die Augen gesprungen. Vor allem hatten wir Precht auch in dem ein oder anderem Kurs näher besprochen, weswegen ich dann auch selbst interessiert an seinen Werken war. Kommen wir aber auch schon zum Inhalt. Aufgrund der oben genannten Gründen, war ich bereits vor dem Lesen recht gespannt, was mich beim Lesen von Prechts Essay erwarten würde. Ich wurde auf jeden Fall großteils nicht enttäuscht. Denn der Inhalt selbst war eigentlich genau das, was ich erwartet hatte: eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Digitalisierung und wie weit man in der Hinsicht gehen sollte. Ich persönlich habe mich schon mehr als nur einmal mit diesem Thema auseinandergesetzt. Tatsächlich teile ich auch in vielen Punkten die Ansicht vom Autoren, welcher der Meinung ist, dass wir KI's mit Vorsicht genießen sollten. Oftmals spricht er mir regelrecht aus der Seele. Vor allem die Thematik mit den "Todesalgorithmen" im Zusammenhang mit autonomen Fahren fand ich spannend, da Precht auch hier Argumente aufzeigt, welche bei genauerem Betrachten einen Menschen durchaus stutzig machen. Denn eine Maschine soll eine Schätzung über den Wert eines Menschen abgeben und dementsprechend handeln. Mal davon abgesehen, dass die Tatsache, dass sich die Nutzer von KI's sich eigentlich nur an den Maschinen bereichern möchten und es ein reines Geschäftsinteresse ist, nicht nur einmal vom Autoren erläutert wird. Der Schreibstil ist für einen philosophischen Essay relativ angenehm, wodurch sich das Buch trotz schwieriger Thematik recht leicht lesen lässt. Das Einzige, was ich wirklich recht stark bemängeln muss, ist das Abschweifen von Precht bei jedem Kapitel. Natürlich muss man irgendwo im Hinterkopf behalten, dass es eigentlich ein Essay und weniger ein Buch ist, jedoch empfand ich das Abschweifen zwischendurch als recht störend.
Fazit: Insgesamt ist es auf jeden Fall ein Buch, dass es sich zu lesen lohnt, vor allem wenn man sich sowieso für Philosophie und Digitalisierung interessiert!
Ich habe mich im Zuge meiner Bachelorarbeit unter anderem mit dem Thema KI beschäftigt und Precht hat mir dafür einige Anhaltspunkte zur weiteren Forschung gegeben. Viel mehr aber leider nicht. Als kleine Einführung in das Thema könnte ich das Buch wohl empfehlen, gäbe es da nicht andere Bücher, die auf wesentlich weniger Seiten einen tieferen Einblick in das Thema bieten. Das Buch bleibt ziemlich oberflächlich und ich war beim Lesen gelegentlich irritiert, da der Autor einige merkwürdige Kommentare einstreut, deren Sinn sich mir nicht erschließt. Natürlich ist keine Perspektive und kein Buch so richtig objektiv, aber was für Vorurteile Precht von Menschen im IT-Bereich hat, interessiert mich wirklich nicht. Ich wollte eine philosophische Perspektive auf ein technisches Themengebiet. Die habe ich auch bekommen, aber so richtig weiter gebracht hat mich das nicht, da Precht hier zwar viel erzählt, aber wenig erklärt. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass dieses Buch gut geeignet sein könnte, wenn man schon ein Konzept von KI hat und kritische Gedanken zum Thema entwickeln möchte, ohne dabei zu technisch und konkret zu werden.
Man kann sich auch hineinsteigern... Es gibt natürlich auch sehr viele kluge Passagen. Aber an sich finde ich ihn, dafür dass er Pessimismus so verachtet (n bisschen zugespitzt formuliert) und sich selbst als Optimist bezeichnet (in Interviews), ganz schön pessimistisch. Er ist in seiner Meinung relativ extrem und polemisch. Fast schon so anstrengend wie Nietzsche. Sowohl inhaltlich, als auch sprachlich. (Da hat er zumindest etwas mit ihm gemeinsam, auch wenn Precht ihm nicht sonderlich viel abgewinnen kann)
Super interessantes Buch. Precht ist definitiv unserer Zeit voraus mit seiner Sicht auf diese relevanten Themen. Für mich persönlich war dieses Buch das erste Hineinschnuppern in die Welt der KI & die verschiedenen Meinungen darüber. Gepaart damit, dass ich es mir als Audiobook angehört habe, war es jedoch stellenweise schwierig seinem Gedankengang zu folgen. Ich werde es definitiv nochmal lesen, damit ich in meiner eigenen Zeit die ganzen Informationen so verarbeiten kann, wie es ihnen gebührt.
Aber eins steht fest: sehr wichtiges Buch. Meiner Meinung nach, werden alle relevanten Themen des 21. Jahrhunderts angesprochen und aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.
Um Welten besser als Tegemarks Life 3.0. Sehr interessante Perspektive nicht aus der Sichtweise eines Informatikers sondern aus der eines Philosophen. Precht entzaubert ziemlich heftig all die utopischen Zukunftsfantasien und teilweise auch Spinnereien die in Zusammenhang mit AI meistens von fachlich nicht kundigen Personen auserdacht werden. Eine Superintelligenz in den naechsten paar Jahren ist weder realistisch noch wuenschenswert!
Das Buch enthält zahlreiche Anstöße zum Nachdenken. Prechts Wortwahl ist ein Genuss beim lesen. Leider habe ich als Informatiker den Eindruck dass er sich nicht tief genug mit künstlicher Intelligenz auseinandergesetzt hat, da einige seiner Thesen darüber dem Stand der Technik zum Zeitpunkt als der das Buch schrieb widersprechen. Dennoch war seine Sichtweise auf Innovation, Fortschritt und das Menschsein sehr bereichernd für mich als Informatiker.
Richard David Precht erinnert mich an jene Germanistikstudentin, die sich auf jede Frage gemeldet hat und dann stundenlang mit leuchtenden Augen quasseln konnte. Ihm scheint jedes Verständnis für das Selbstverständnis, die Grundannahmen und die Arbeitsweise so mancher wissenschaftlicher Disziplinen zu fehlen. Das ganze Buch strotzt vor Polemik ("Kommissionsphilosophen") und einzig hübsche Formulierungen scheinen ihm wichtig zu sein. Immerhin, im letzten Kapitel kommt er zu dem, was ich mir als Ausgangspunkt des Buches gewünscht hätte. Zwei Sterne nur deshalb, weil ich bis zum Ende durchgehalten habe. Schwache Lektüre.
Ich habe beim Lesen viel gedanklich mit dem Autor gestritten. Die Schlüsse zu denen Richard David Precht oft kommt, sind häufig extrem und unrealistisch. Dann wiederum gut durchdacht und treffend analysiert. Gerne auch beides in einem einzigen Satz.
Schauen wir uns zum Beispiel seine Prophezeiung für autonome Autos an:
„Privatsphäre im öffentlichen Raum und vollautomatisiertes Fahren sind ein unauflösbarer Widerspruch. Nicht nur sammeln die Autos selbst unausgesetzt riesige Datenmengen, um sich dadurch fortwährend zu optimieren. Nicht nur wissen sie alles über den jeweiligen Standort ihrer Fahrgäste und deren Verhalten und leiten sie an den Fahrzeughersteller und den Provider weiter. Nicht nur scannen sie mit Sensoren in den Sitzen zukünftig die emotionale Befindlichkeit und registrieren die Körperausdünstungen der Insassen. […] Als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, verlangt der vollautomatisierte Verkehr auch, dass Staat, öffentliche Hand, Geheimdienst und Polizei, jederzeit bestens über jeden Vorgang auf jeder Straße und auf jedem Bürgersteig, informiert sind.“
Die Punkte zur Sammlung von Datenmengen sind glaubwürdig. Aber das Registrieren von Körperausdünstungen ist noch längst nicht so wahrscheinlich, wie hier dargestellt. Und ob autonomes Fahren so gläsern wie im letzten Satz dargestellt ablaufen wird, oder ob doch Datenschutzbedenken greifen, sei ebenfalls noch offen.
Es schlich sich beim Lesen oft das Gefühl ein, dass der Autor einfach gerne den führenden Persönlichkeiten des K.I.-Bereichs widerspricht. Dabei greift Precht ihre Aussagen auf und verzieht sie ins Extreme. Hat er die Werke von Bostrom und co. denn überhaupt in Gänze gelesen oder hat er nur ein paar Internet-Schlagzeilen überflogen und diese dann in der Dusche lauthals demontiert?
Kontra: - viele Behauptungen in diesem Buch fühlen sich fadenscheinig herangezogen an – so sind manche „Schlussfolgerungen“ eher reißerische worst-case Szenarien, die genauso gut auch komplett anders ablaufen können
Pro: - bietet einen Blick auf die Ethik der K.I. abseits von technophilem Mainstream - hinterfragt sich abzeichnende Trends und Grundannahmen, z.B. ob autonomes Fahren grundsätzlich unumgänglich ist
Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens ist ein Essay des Volksphilosophen Richard David Precht rund um das Thema der KI in der heutigen Gesellschaft. Es dreht sich hauptsächlich um das Konzept der Menschlichkeit im Vergleich zu dem der KI. Für mich ist diese Lektüre gerade sehr spannend, da ich momentan meine Bachelorarbeit schreibe, in der es um KI aus der Sicht der Verlagsbranche und der Literaturwissenschaft geht. Ich habe mich also sehr ausgiebig mit Themen rund um künstliche Intelligenz, vorallem mit kreativen, erschaffenden und ethischen Standpunkten, beschäftigt. Das Buch ist für mich aus wissenschaftlicher Sicht jedoch nicht relevant, es interessiert mich eher persönlich. Als erstes muss ich kurz erwähnen, dass das Buch leider keine Gliederung oder ein Index hat. Die Navigation, wenn man tatsächlich mehrere Kapitel vergleichen will, oder etwas finden will, fällt etwas schwer. Die Ansichten und Theorien die Precht aufstellt sind definitiv provokant und interessant, sie regen zum Nachdenken an. Noch besser hätte ich es gefunden, wenn er sich auf realistischer Szenarien bezogen hätte und nicht direkt mit der Bewusstseinübertragung auf Maschinen und Menschen als Cyborgs gestartet hätte. Modelle und Theorien der schwachen KI werden nicht wirklich thematisiert, Precht konzentriert sich eher auf Superintelligenz oder sehr fortgeschrittene Varianten der KI. Man hört eine klare Kritik am Konzept des Posthumanismus und des Kapitalismus aus dem Buch heraus, auch die künstliche Intelligenz an sich wird eher kritisch besprochen. Das Essay war durchaus interessant, wenn auch vielleicht etwas einseitig und trocken. Schade auch, dass das Buch aus technischer Sicht so unwissenschaftlich ist, die philosophische Gesellschaftskritik stellt ganz klar den Mittelpunkt des Essays dar.
Mein erstes Buch von Precht und zugegebenermaßen hat es dieses Werk in sich. Es beschäftigt sich mit verschiedenen (potentiellen) Anwendungen der Künstlichen Intelligenz, was diese für Folgen hätten und welche Probleme entstehen könnten oder bereits bestünden. Precht bezieht sich dabei auf eine Vielzahl an Autoren, die das Themengebiet der KI geprägt haben, kritisiert deren Meinungen und bezieht selbst Stellung dazu. Die Entwicklung seines eigenen Standpunktes ist zwar durchaus nachvollziehbar, doch wirkt zuweilen eher wie ein Austeilen nach allen Seiten hin. Mehr als das Aufbauen einer eigenen Position wird eine Abgrenzung zu anderen vollzogen. Inhaltlich ist das Buch jedoch einigermaßen überzeugend. Precht fordert eine strikte Trennung der rationalisierten Welt der Maschinen und der emotionalen Welt der Menschen, wettert gegen Post- und Transhumanisten und vor allem gegen den Utilitarismus. Während seine Meinung zum Umgang mit KI im Alltag und die Hinwendung zu einem nachhaltigen Leben größtenteils nachvollziehbar sind, ist es doch fragwürdig, ob einige Einschätzungen, wie z. B. zum autonomen Fahren, wirklich fundiert sind und nicht viel eher nur ein Gegenpol zur allgemeinen Auffassung sein wollen. Insgesamt kann ich dieses Buch eher nicht als Einstieg in die Thematik KI empfehlen. Auch wenn es einen Abriss über viele Teilgebiete anbietet, wird Vieles wahrscheinlich erst einsichtig, sobald einem die zitierten Autoren ein Begriff sind. Der "Sinn des Lebens"-Teil kommt aber auch nicht zu knapp und manchmal ist es auch einfach das, was man braucht.
An absolute must read! The book ponders the question of humanity in times of artificial intelligence. What does it mean to be human, have the human experience, when many of the fundamental human activities are offloaded to AI. The book argues that it was unlikely that AI would go rouge and kill humans, much worse than that. AI will take our humanity if we are not careful. The process is slow and irreversible. The author canvases various application of AI discussing the intend of the application of AI in medicine, transportation, consumerism, military, etc. The author argues that "ethic programming," as advertised by the producers of AI, is an illusion, since humans don't understand ethics, its origin and mechanism full. A very timely book for all of us to read. We have to protect humanity and nature rather than melt with machines. We don't need to worry, nature and planet Earth will survive humanity. It is humanity itself that continuously tries to eradicate itself. Audiobook read (in German) by author.
Basically: KI "kommt" nicht so wie in den Filmen, vor allem weil uns halt vorher auf jeden Fall die Ressourcen ausgehen, und auch weil, naja, Computer haben kein Bewusstsein. Der Computer ist nur schlecht wenn er schlecht programmiert ist. Macht alles soweit Sinn und ist sehr nachvollziehbar. Sehr interessanter Exkurs zum Utilitarismus, Liberalismus und Kant: sind wir bereit, unsere Freiheiten aufzugeben, damit es möglichst vielen gut geht, oder ist die Würde jedes Einzelnen wichtiger. Insoweit fand ich alle philosophischen Diskurse sehr interessant, dafür aber hätte er für mich etwas weniger Programmer-Bashen können: Silicon Valley findet er nämlich auf jedem Fall schlecht, und alle Post- und Transhumanisten sowieso (obwohl er selbst ja nicht alle KI für schlecht haltet). Etwas Nuance hätte zum Teil gut getan, und etwas direkter zum Punkt kommen ebenso.
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