Vorab möchte ich nur sagen, dass ich Liebesromane liebe. Nichts lese ich lieber als Liebesromane. Nachdem ich vor ein paar Jahren die Again Reihe von Mona Kasten gelesen hatte und problematisch fand, habe ich mit deutschem New Adult einfach aufgehört. Es sind ja jetzt einige Jahre ins Land gezogen und ich dachte, ich gebe dem mal wieder eine Chance. Aber das hier ist genauso schrecklich und problematisch wie Mona Kasten.
Zuerst treffen wir unsere Pappfigur Louisa in einem Cafe, das Firefly, während sie auf ihren Mitbewohner Aiden wartet. Die beiden bewohnen eine WG auf dem Campus. Anfänglich dachte ich, Aiden sei ein Mädchen, aber Aiden ist ein Typ. Schon daran wird klar, dass die Autorin keine Ahnung von Amerika und amerikanischen Universitäten hat. Man muss nicht mal in den USA gewesen sein, um zu wissen, wie es richtig funktioniert. Aber Recherche dazu war wohl einfach zu viel. Auf einem amerikanischen Campus gibt es keine WGs und erst recht nicht unter verschiedenen Geschlechtern. Es gibt Dorms und da teilt man sich ein Zimmer mit einer Person, des gleichen Geschlechtes und hat einen Minikühlschrank. Gegessen wird in der Mensa. WGs funktionieren nur Off Campus, also wenn man als Student sich selbst eine Wohnung sucht. Das ist hier aber nicht der Fall. Google oder Filme aus der Popkultur hätten geholfen. Auf jeden Fall bekommt Louisa einfach so einen Job, weil die Kellnerin Trish (eine Freundin von Aiden und später Louisa) sie anspricht und ihr einen anbietet. Einfach so. In so einer Welt würde ich auch gerne leben. Dann wechseln wir mitten im Kapitel die Sicht (das wird im jeden Kapitel mindestens 3 Mal sein) und treffen die Pappfigur Paul, der Louisas Arsch geil findet. Und das ist so ziemlich alles woran er denkt, wenn er an Louisa denkt und an ihre orangen Haare, die Louisa selbst als rot bezeichnet. Was ist es denn nun? Außerdem hasst Paul Frauen und wenn wir schon Frauen für Sex Slut shamen (weiter unten), können wir auch Paul als Slut bezeichnen. Außerdem hat er Bernsteinfarbene Augen - denn das wird zu jeder erdenklichen Gelegenheit erwähnt. Das Problem mit Louisa und Paul ist, dass sie Pappfiguren sind und keinerlei Eigenschaften haben. Louisa hat ein Notizbuch in dem sie "coole" Wörter sammelt - ein Versuch sie als möchtegern poetisch darzustellen. Ich hatte mit 13 ein Notizbuch, in dem ich mir Sprüche aufgeschrieben habe, die ich irgendwo gesehen habe und cool fand. 9 Jahre später kann ich nur drüber lachen und sagen, dass das super peinlich ist. Aber wieso macht man das mit 22? Das habe ich leider nicht verstanden. Wie dem auch sei. Louisa hat ein Geheimnis und deswegen lässt sie niemanden an sich heran (Kennen wir ja auch erst eine Millionen Mal). Und es ist wirklich nervig. Sie wird Sachen gefragt wie: "Was ist dein Lieblingsfilm?" Und in ihren Gedanken ist sie immer so: Niemand darf etwas über mich wissen. Nichts privates preisgeben!1!!1! OOOOkay, aber was soll man machen. Paul ist genauso eine Pappfigur. Dieser Typ wird uns als Bad Boy verkauft, weil er mit soooo vielen Frauen am Campus geschlafen hat und NIEMALS mit einer Frau zwei Mal schläft. Hier stellt sich mir eine Frage, auf die ich keine Antwort finde. In Montana wohnen 1 Millionen Leute und Redstone ist eine Kleinstadt. Ich bezweifle, dass viele Leute für ihr Studium nach Montana ziehen, also hat Paul mit so 10 Frauen geschlafen? Oder wie stell ich mir das vor, wie viele Frauen da sind? Außerdem ist Paul reich und es ist wirklich peinlich, wie wenig Sophie Bichon von Privilegien versteht. Paul sitzt in seinem rostigen Pickup Truck vor der Villa seiner Eltern und philosophiert darüber, dass er kein Geld von ihnen nimmt und sich seine Finger wundknetet als Pizzabäcker und sooo viel Geld sparen musste, um sich seinen rostiges Auto zu kaufen. Und dann regt er sich über seine Eltern auf. Dude, du bist immer noch ein fucking rich kid. Wenn es hart auf hart kommt, kriegst du Geld von deinen Eltern, während andere das nicht haben. (Am Ende des Buches treffen wir seine Eltern und seine Mutter ist nett. Die würde ihm bestimmt 500k in die Hand drücken ohne mit der Wimper zu zucken.) Zu einem späteren Zeitpunkt erzählt er Louisa, dass er mit seinem Bruder immer im Sommer nach Deutschland fliegt und dass sie ja mitkommen soll und sie verneint, weil sie nicht einfach so nach Deutschland fliegen kann. Das versteht der Bad Boy Paul überhaupt nicht - wie denn auch, wenn er nicht mal versteht, dass seine Familie reich ist und er immer noch davon profitiert? Von einem Pizzabäcker Gehalt kann man nicht einfach so nach Deutschland fliegen, also muss es von seinen Eltern kommen. Ach und Paul ist so stolz auf seine deutschen Wurzeln, dass er Kant und Nietzsche im Original liest - wow sehr cool, wir sind alle beeindruckt. Er erklärt Louisa das Wort "Fernweh", damit sie es in ihr peinliches Notizbuch schreiben kann und diese Szene hat mir eine Gänsehaut der Fremdscham beschert. Man hätte es wirklich streichen können.
Irgendwann mal küssen Louisa und Paul sich und er zieht sie auf seinen Schoß. Es ist wichtig, dass wir uns das alle merken. Denn in einer Streitszene ein paar Seiten weiter GASLIGHTET Paul Louisa indem er sagt: "Wer hat sich am Lake Superiror einfach auf meinen Schoß gesetzt und mir etwas von Versuchungen sollte man nachgeben erzählt?" DU HAST SIE AUF DEINEN SCHOSS GEZOGEN; DU PAPPFIGUR!! Louisa macht übrigens keine Anstalten, das zu erwähnen. Aber in der gleichen Szene musste ich Paul zustimmen, denn Louisa wirft ihm vor, dass sie dachten, sie wären Freunde, aber das ist ja nicht so. Und Paul sagt, dass sie doch aus allem, wirklich allem ein riesen Geheimnis macht und wie soll man da zu Freunden werden, wenn eine Person nichts erzählt. Versteht Louisa aber nicht, weil sie nur ihre komischen Wörter im Kopf hat. Zwei Seiten später erzählt Louisa heulend Aiden, dass sie Streit mit Paul hatte. Paul, Aiden und Trish sind BESTE FREUNDE. Aiden sagt: "Ich wusste gar nicht, dass ihr beiden befreundet seit." Wirklich, beste Freunde? Das sollen wir glauben, Sophie Bichon?
Kurz zu Louisas Vergangenheit: Ihr Vater ist bei einem Autounfall in Kalifornien, ihrer Heimat, ums Leben gekommen. Sie saß auch im Auto. Mehr wissen wir nicht. Paul hat auch eine dunkle Vergangenheit, die wir das ganze Buch über nicht erfahren. Erst auf den letzten Seiten. Mein Tipp war von Anfang an, dass er den Unfall verursacht hat, aber wie er nach Kalifornien kam, war mir ein Rätsel. Tja, er hat wirklich den Unfall verursacht und in Kalifornien war er, weil er mit seiner damiligen Freundin ein College besichtigen wollte. Hier können wir nochmal über Privilegien reden. Pauls Papa holt seinen Sohn nach Hause und zahlt viel Geld, damit er keine Konsequenzen erleben muss. Ja, Paul, leb du ruhig in deiner kleinen armen Pizzabäcker Cosplay Fantasie.
Paul hat ja den Ruf als Bad Boy (muss er auch immer selbst betonen, sonst ist es ja nicht wahr) und es gibt da eine Olivia, die auf einer Party mit allen Pappfiguren in dem Buch ist. Paul und Louisa küssen sich (die oben beschriebene Szene mit dem Lake Superiror), aber Paul hat kein Bock, weil er kann sich ja nicht in eine Frau verlieben. Also lässt er sich von Olivia zum Campus mitnehmen. Dann fängt dieses krasse Slut shaming von Louisa und Trish an. Das war wirklich ekelhaft. Die Beiden schieben nämlich die Schuld auf Olivia. Dabei ist Paul doch der Einzige, der von Louisa weiß. Woher soll die arme Olivia das denn wissen? Paul will dann irgendwann mit Olivia schlafen, um Louisa zu vergessen, lässt es aber und das Slut shaming geht weiter. Obowhl für uns Leser nicht klar ist, ob Olivia Paul wirklich geil findet, oder einfach nur mal Sex haben will. Denn als er sagt, dass er nicht mir ihr schlafen will, hat sich die Sache erledigt. Aber wir müssen es trotzdem auf dei Frau schieben, weil Paul ist sooooo hot und er kann einfach nichts dafür! Toller, internalisierter Frauenhass, den Sophie Bichon darstellt. 1) Haben wir doch schon genug solche Bücher gelesen
2) Ist es mittlerweile so langweilig und unoriginell (wie das komplette Buch). Ich hätte lieber eine Freundschaft zwischen Olivia und Louisa gesehen, aber mich fragt ja keiner.
Die Freundesgruppe, die aus Aiden, Trish, Paul, Louisa und anderen Pappenheimern besteht macht einen Ausflug über Thanksgiving und sie spielen die langweiligsten Runden von Ich hab noch nie. Hier eine Kostprobe. Louisa sagt es und das zeigt ziemlich gut, wie oberflächlich sie als Charakter gehalten wurde und es wird gerechtfertigt mit dem "Niemand darf etwas über mich wissen" Ding. "Ich habe noch nie beim Lesen geweint", sagte ich schnell. Also bei dem Spiel wäre ich lieber nicht gewesen. Eine Seite später rennen Aiden und Paul nackt ums Haus, was als so lustig und QuIrKY dargestellt wird, dass es meinen Augen wehtat.
Wie wir wissen ist Louisa nervig und es wird nicht besser. Ich glaube wirklich, dass Louisa und Paul einfach zehn Jahre zu spät sind, wenn es um ansprechende Charaktere geht, denn Louisa weint vor Freude, weil ihre Freunde ihr einen schönen Geburtstag beschert haben und ihr geht durch den Kopf: "Wie war es möglich, dass ich fünf Jahre lang nicht geweint hatte und es, seit ich in Redstone war, ständig zu tun schien?" Cool, du hast also deine Emotionen einfach unterdrückt. Ich dachte, wir sind als Leser schon weiter, dass wir gerne Charaktere lesen, die nicht so komisch auf ihre Emotionen reagieren. Pauls Geschenk ist Sterne von dem Auto aus schauen und ein Notizbuch, das gleichzeitig alt und neu aussieht. Und auch hier muss Louisa wieder beweisen, wie unglaublich nervig sie ist.
Paul: "Wenn wir genau jetzt eine Sternschnuppe sehen würden, was würdest du dir wünschen?"
"Wünsche sind gefährlich", sagte ich leise. Halt einfach deinen Mund, Louisa. Du bist weder cool, edgy, quirky oder sonst irgendwas. Selbst ich war mit 13 nicht so nervig und das obwohl ich auch eine dumme Notizbuchsache am Laufen hatte.
Nach dieser Szene wechseln wir in Pauls Sicht und er sagt: "Auch wenn die Umstände echt beschissen waren, bin ich froh, dass du mir das mit deinen Eltern erzählt hast." WAS?! Wo waren wir da als Leser? Ich hab sicherlich nicht geschlafen. Und solche Szenen gibt es öfter. Wichtige Dialoge werden uns entweder vorenthalten, wie hier, oder wir bekommen sie erzählt und nicht gezeigt. Ich kann nur spekulieren, dass ihre Lektorin angemerkt hat, dass der Leser das nicht nachvollziehen kann und dann hat sie aus Faulheit einfach so etwas reingeworfen.
In dem gesamten Buch passiert original nichts. Als Paul ihr von seiner schrecklichen Tat (also dem Autounfall, bei dem er ihren Vater umgenietet hat) erzählen will, hält sie ihm den Mund zu und sagt ihm, dass sie seine Vergangenheit nicht wissen braucht, weil sie kennt seine Gegenwart. Pseudoscheiße einfach. Es gibt eine Szene in der er sie leckt und sie bläst ihn einem. Lange passiert nichts und auf den letzten 70 Seiten haben sie zwei Mal Sex. War einfach komisch von der Aufteilung her. Auf den letzten Seiten erfahren wir ja, was es mit Paul auf sich hat und der letzte Satz lautet: "Und dann, irgendwo zwischen Leben und Tod, änderte ich meine Meinung: Vielleicht war Sterben doch die bessere Option."
Weiter geht es in Band zwei, den ich nicht lesen werde. Allerdings vermute ich stark, dass er versucht sich umzubringen (Falls es jemand weiß, würde ich mich über eine Erklärung freuen) und das finde ich absolut ekelhaft. Ich lese Liebesromane der Liebe wegen und nicht wegen einem geschmacklosen Ende, bei dem Selbstmord oder zumindest der Versuch einfach so reinkommt, obwohl es überhaupt nicht zu dem Buch passt.
Also halten wir fest: Wir sind das Feuer besteht aus Pappfiguren, die genauso spannend sind wie meine Uni Texte und dazu gibt es eine ordentliche Portion reicher "Bad Boy", der seine Privilegien nicht versteht und es super ekelhaft rüberkommt sowie Slut shaming von der armen Olivia, die nicht mal wusste, dass Paul mit irgendjemanden etwas am Laufen hat. Schön, dass im Jahr 2021 immer noch Bücher existieren in denen wir Frauen einfach shamen, wenn sie Sex wollen. Aber hey, wir verpacken es als New Adult und dann ist es okay! Ich denke, die ganze Handlung steckt im zweiten Band, denn das hier war nichts. Man hätte die Hälfte einfach rausnehmen können und sie mit den wichtigen Stellen aus dem zweiten Band füllen können und dann hätten wir alles in einem Buch gehabt, so wie sich das gehört. Ist aber viel lustiger wenn die Leser 12,99€ für je zwei Bücher zahlen müssen. Nicht jeder von uns ist aber Paul Berger, der einfach so knapp 26€ für zwei unterirdische Bücher ausgeben kann. Alles was ich von diesem Buch mitnehme ist, dass Olivia etwas besseres verdient hat. Eine FF würde ich definitiv über sie lesen.
Ps.: Dass die da Mac and Cheese mit TOMATEN machen ist eine ganz andere Art von Kriminalität und verdient eine besondere Hölle.