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Die Leben der Elena Silber

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Alexander Osang schreibt den großen Roman seiner Familie – es ist der Roman des 20. Jahrhunderts.

Russland, Anfang des 20. Jahrhundert. In einer kleinen Provinzstadt östlich von Moskau wird der Revolutionär Viktor hingerichtet. Wie eine gewaltige Welle erfasst die Zeit in diesem Moment Viktors Tochter Lena. Sie heiratet den deutschen Textilingenieur Robert Silber, folgt diesem 1936 nach Berlin und Schlesien, wo sie den Zweiten Weltkrieg überleben. Aber dann verschwindet Robert in den Wirren der Nachkriegszeit, und Lena muss vier Töchter alleine durchbringen. Sie sollen den Weg weitergehen, den Lena begonnen hat zu gehen – hinaus aus einem zu engen Leben, weg vom Unglück. Aber stimmt diese Geschichte, wie Lena sie ihrer Familie erzählt hat?
2017, mehr als zwanzig Jahre nach Lenas Tod, macht sich ihr Enkel, der Filmemacher Konstantin Stein, auf den Weg nach Russland. Er will die Geschichte des Jahrhunderts und seiner Familie verstehen, um sich selbst zu verstehen.

624 pages, Hardcover

Published August 14, 2019

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Alexander Osang

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9 (5%)
Displaying 1 - 30 of 35 reviews
Profile Image for Buchdoktor.
2,397 reviews193 followers
August 9, 2019
1923 arbeitet Jelena Krasnowa als Sekretärin einer russischen Fabrik für Angelschnüre und Fischernetze. Um die industrielle Großproduktion von Fischreibedarf auf Vordermann zu bringen, hat sich ein Experte aus Deutschland angekündigt, den Jelena betreuen und für den sie dolmetschen soll. Robert Silber lernt schnell Russisch, ist überhaupt hoch motiviert für seine Arbeit als Unternehmensberater. Auch Jelena lernt fix, dass sie als Dolmetscherin wie ein Scharnier zwei Gesellschaftssysteme verbindet und jeder Seite besser nur das mitteilt, was die Person verarbeiten kann. Als Robert und Jelena heiraten, Robert in Moskau Direktor einer Spinnerei wird und immer längere Reisen in den Westen unternimmt, fragte ich mich, ob er im Kostüm des Textilexperten als Doppelagent aktiv war. Jelena fragt Robert nicht nach den beiden Welten, in denen er lebt, sie folgt ihm und hält sich für frei von Gefühlen. 1945 verschwindet Robert Silber ganz, zusammen mit den Wertgegenständen der Familie, die er auf der Flucht hätte in den Westen retten sollen.

Als Kind hatte Pawel seiner kleinen Schwester Jelena eingeschärft „traue den Geschichten nicht, die sie dir erzählen, Feuerköpfchen.“ (S. 68) Die Legende vom Tod des einfachen Seilers Viktor Krasnow, die die Mutter offiziell vortrug, hatte Jelena schon immer bezweifelt. Der abwesende Bruder Pawel wird selbst zur Legende, mit dem Jelena lange Zeit Briefe wechselt, weil sie das halbgare Wissen nicht begreifen kann, das Lehrer und Stiefvater im kommunistischen Russland ihr einzutrichtern versuchen.

Die Legendenbildung im Clan der Krasnows/Silbers beginnt mit Viktor Krasnows Tod bereits 1905 in Gorbatow östlich von Moskau, setzt sich im Moskau der 30er fort und ist in der unmittelbaren Gegenwart noch immer nicht beendet. Weitere Stationen der Familie sind Schwarzenberg/Erzgebirge, der Familiensitz der Silbers in Sorau/Lausitz, Pirna und das russisch besetzte Ost-Berlin der 40er. Aus Jelena wird im Westen Elena, Lena, schließlich für ihre Enkelkinder Baba. In der Gegenwart nimmt Elenas Enkel Konstantin Stein die Spur seines verschollenen Großvaters auf. Konstantins Vater Claus hatte sich im DDR-System als Tierfilmer in die innere Emigration begeben, musste jedoch feststellen, dass selbst das Familienleben der Füchse in seinem Staat nicht unpolitisch genug war, um unbehelligt leben zu können. Die Generation von Kostjas Eltern und Tanten war fest in der Ost-Berliner Kunst-Bohéme verankert, Kostjas Tante Vera lebt noch heute in einer Kultur aus gegenseitigen Gefälligkeiten wie in DDR-Zeiten. Konstantins Entscheidung, beruflich ausgerechnet in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, lässt befürchten, dass ein weiter Weg vor ihm liegt, ehe er seinen Familienkanon abgeschlossen ins Regal stellen kann. Als Dokumentarfilmer scheint er mit 40 Jahren noch immer kein Thema gefunden zu haben, für das er brennt. Selbst seine als Coaching verklärte Psychotherapie konnte ihm bisher nicht verdeutlichen, dass sein Lebensthema seine Mutter Maria ist, von der er sich nie angenommen fühlte, und in gerader Linie seine hartherzige Großmutter.

Konstantin sticht auf seiner Suche förmlich in einen Ameisenhaufen, in dem hinter jeder Frage das ganz große Drama lauern kann, er entdeckt brodelnde Temperamente, es wird beschönigt und relativiert, was das Zeug hält. Alle Fäden treffen in der komplexen Persönlichkeit Elenas aufeinander, die ihren überlebenden vier Töchtern stets genau den Lebensweg aufzuzwingen versucht, der die jeweilige Tochter unglücklich machen wird. Die jüngste Tochter Katja muss aufgrund einer fragwürdigen Diagnose jahrelang im Heim leben und flüchtet später in den Westen. Was Maria als Kind erlebte, während sie von Jelena als Schutzschild mit zum Dolmetschen genommen wurde, würde wohl eine ganze Generation von Therapeuten beschäftigen. Am liebsten hätte Elena die Mädchen vermutlich - wie im Jahr nach Kriegsende - ganz bei fremden Menschen ausgesetzt. Erst 1965 kann Elena ihren Bruder Oleg in Russland treffen, der mit dem zweiten Familienzweig nach Kasachstan verbannt wurde und der als einziger Pawels Schicksal kennt. Konstantin erkennt, dass Familientrauma auch bedeuten kann, dass Menschen an der Suche nach Angehörigen gehindert werden.

Eine Hauptfigur, die sich in Kriegs- und Nachkriegswirren neu erfindet, ein nicht gerade zuverlässig wirkender Erzähler und Staatsideologien, die Bürgern als Legenden aufgezwungen werden, fordern die Geduld von Alexander Osangs Lesern kräftig heraus. Nach einem eher unspektakulär wirkenden ersten Drittel hat das Zusammenwirken dieser drei Elemente mich doch noch gefesselt. Die Frage, wer Robert Silber war, hat mich im Text ebenso vorwärts getrieben wie die Symbolik der 6 Flüsse in Elenas Leben, ihre Ost-West-Perspektive (Berlin lag aus ihrer Sicht lange im Süd-Westen) und das Rätseln, ob sie - an Altersdemenz erkrankt -, gerade authentische Ereignisse durchlebt oder eine ihrer Legenden. Erleichtert wurde mein Bild des Silber-Clans durch Landkarte und Stammbaum im Buch. Die zahlreichen Handlungsorte und Zeitebenen ließen sich problemlos zuordnen, vermutlich weil Elenas Bewegung Richtung Westen der Zeitgeschichte folgt. Ein Roman um staatlich verordnete und persönliche Legendenbildung, Schuld, Verdrängung der nationalsozialistischen Vergangenheit, getrennte Familien und ungeliebte Kinder. Der Kalte Krieg der Nachkriegszeit teilte Ost und West auch sprachlich. Wer ein Ohr für Euphemismen, Verharmlosungen und Legendenbildung jener Zeit hat, sollte hier unbedingt bis zum Schluss durchhalten.
Profile Image for nettebuecherkiste.
701 reviews182 followers
March 30, 2022
Es war der Zufall, der mich Mitte Februar ausgerechnet zu einem Hörbuch mit einer russischen Protagonistin führte. Auch, dass ich gerade die Geo Epoche zur Russischen Revolution gelesen hatte und Stefan Kaminski mein Lieblingshörbuchsprecher ist. Wir begleiten einerseits Elena, die im revolutionären Russland aufwächst, durch die verschiedenen Phasen des 20. Jahrhunderts in Russland und der DDR, andererseits ihren Enkel Konstantin Stein, einem eher erfolglosen Filmemacher in der Jetztzeit. Elenas Schicksal führt sie aus der Provinz über Moskau und Leningrad nach Deutschland, Konstantin hadert mit der Entscheidung seiner Mutter, seinen dementen Vater in einem Heim unterzubringen, und seiner mauen Filmkarriere. Laut seiner Mutter findet er sein Thema nicht. Ein Roman mit zwei Zeitebenen also. Elena ist eher keine Identifikationsfigur, man wird nicht wirklich mit ihr warm, ihren Lebensweg durch die ereignisreiche erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verfolgen, ist aber interessant. Konstantin ist vergleichsweise sympathisch, die Schilderungen über seinen Umgang mit dem dementen Vater sind berührend, gerade für jemand, der selbst ein Elternteil an die Demenz verloren hat. Nicht ganz unterdrücken konnte ich die Frage, wie Konstantin das bitte alles finanziert, da er ja keinen Erfolg mit seinen Filmprojekten zu haben scheint. Ganz zum Schluss klärt sich schließlich auch die Frage, was mit Elenas Ehemann und Konstantins Großvater passiert ist. Empfehlenswerter historischer Roman über ein russisch-deutsches Schicksal.

Über Stefan Kaminski muss ich nicht viel sagen, er macht das wie immer brillant.
Profile Image for Wedma.
438 reviews12 followers
July 31, 2019
Nach der Leseprobe dachte ich, es wird ein richtig toller, süffiger Schmöker, der die angebrochene Sommerpause besser überbrücken lässt. Leider ist es etwas ganz anderes geworden.
Nach dem ersten Drittel fing ich an, mich zu fragen, warum ich das bitte überhaupt lese. Es war so langatmig, dank der ständigen Stoffwiederholungen, die Spannung fehlte, da man wusste, wie das Ganze am Ende aussah. Zudem gab es keine Figur, die mitreißen würde, mit der ich durch diesen Roman hätte gehen können: Alles kaputte, missbrauchte, verlorene Existenzen, die sich durchs Leben wurschteln, ob Konstantin, der als Hauptfigur in der Gegenwart einen mit seinem trostlosen Leben zu Tode langweilt oder auch Elena aus dem Erzählstrang, der in der Vergangenheit zu verschiedenen Zeiten angesiedelt ist. Konstantin ist ein erfolgloser Filmemacher, der sein Thema nicht findet. Das kann man breiter verstehen. Wie es aussieht, findet er sich selbst in seinem Leben nicht. Eine blasse, uninteressante Gestalt, ein Möchte-gern-kann-nicht-so recht. Er geht jeden Tag seinen Vater besuchen, der an Demenz leidet und von der Mutter ins Heim abgeschoben wurde. Diese Szenen, die das Verhalten des alten, kranken Mannes bildhaft an den Leser tragen, lassen die Geschichte noch trostloser erscheinen. Demente Menschen kenne ich persönlich. Sehe nicht ein, warum ich darüber in einem Roman in zig Wiederholungen lesen muss. Dieses Thema ist gnadenlos überzeichnet, wie so vieles in diesem Buch. In der Vergangenheit liest man über Elena, die eine gute Partie mit einem deutschen Fabrikantensohn gemacht hat, nun aber unter Lieblosigkeit uvm. in ihrem Familienleben leidet. Sie ist ebenso passiv, steht wie Opfer ihrer Zeit da, das Ganze trostlos ohne Ende.
Wie gesagt, ich bin hoffnungsfroh gestartet. Spannende Familiengeschichten lese ich sehr gern. Aber je weiter ich hier las, desto öfter dachte ich ans Abbrechen. So etwas tue ich nicht gern und nicht oft. Da gehört schon einiges zu.
Nach zwei hundert Seiten, die sich erst recht schnell weglesen ließen, fing an diese Art zu erzählen zu nerven. Die Geschichte ist von hinten nach vorne erzählt worden. Man weiß das Ende vom Anfang an und liest die Vergangenheit in Stücken im Wechsel mit den Bildern der trost- wie sinnlosen Gegenwart. Auch dieses Abgehackte der Sätze, der Satzbau insg. brachten mir keine Freude. So schreibt einer, der das Schreiben literarischer Texte nicht gewohnt ist. Recht unbeholfen kamen seine Bemühungen rüber.
Diese Ausweglosigkeit, die Verlorenheit irgendwo im Leben, ob in der Vergangenheit oder in der Gegenwart, Passivität, Schwermut, Leid, Elend, oft seelischer Natur. Gepflegte Langeweile.
Ich gewann leider den Eindruck, ich wurde geradezu erschlagen durch Überzeichnungen und Wiederholungen des bereits paarmal Erzählten. Das machte echt keinen Spaß. Hinzu kamen Sach- und Syntaxfehler, frei nach dem Motto, sieht eh keiner. So einen Umgang mit dem Leser schätze ich gar nicht.
Und als Tüpfelchen auf dem i wurde in der Mitte eine gehörige Portion Russophobie serviert, in Bildern, damit diese auf dem direkten Wege an die Emotionen der Leser appellieren und das Feindbild Russland in den Köpfen der Leser verfestigen. Da sind die Richtigen. Kennen das Land und Leute max. vom Hörensagen, oft aus dem Munde der Russlandhasser, selbst machen dümmliche Fehler in Namen, Bezeichnungen usw., sind aber ohne Skrupel bereit, antirussische Propaganda zu betreiben. Klischee wie im Buche steht. Traurig genug. Lesen Sie mal z.B. „Feindbild Russland. Geschichte einer Dämonisierung“ von Hannes Hofbauer oder auch „Der Krieg vor dem Krieg“ von Ulrich Teusch. Da wird Ihnen klar, warum dies heute gemacht wird. Keine schönen Gründe.
Meine Geduld war am Ende. Ich wollte aber nicht so schnell aufgeben und beschloss, eine Pause einzulegen. Paar Sachbücher gelesen, einen sehr gekonnt geschriebenen Roman gehört. Zurück zu diesem Buch. Paar Seiten gelesen, und das hat gereicht. Ich wollte das Ding nie wieder in die Hand nehmen.
Das Leben ist zu kurz, um sich so etwas anzutun. Pure Zeitverschwendung, sich durch solche Werke zu quälen, die weder etwas Neues zu sagen haben noch durch die Figuren oder Schreibstil oder eine spannende Geschichte oder noch sonst wie überzeugen können. Es gab nicht viel zu sagen, aber daraus wurde ein 617 Seitiges Wälzer mehr schlecht als recht zusammengebastelt, der selbst um ein Sommerloch zu stopfen zu schwach ist.

Enttäuscht und genervt blieb ich zurück.
Profile Image for Elisabeth Bulitta.
134 reviews3 followers
August 6, 2019
Bewegende Familiengeschichte(n) des 20. Jahrhunderts
Alexander Osangs Familienroman „Die Leben der Elena Silber“ ist im August 2019 im Fischer Verlag erschienen und umfasst 624 Seiten.
Konstantin Stein ist ein mäßig erfolgreicher Filmemacher. Als sein Vater, Claus, in ein Pflegeheim kommt, beginnt der Sohn, seine Familiengeschichte zu erforschen. Diese führt ihn zurück in das noch zaristische Russland, wo sein Urgroßvater einst als Revolutionär hingerichtet wurde. Für dessen Tochter, Elena, Konstantins Großmutter, beginnt damit ein neues Leben, das sie schließlich nach Deutschland führt und sich noch auf das Leben der heutigen Generation auswirkt.
Alexander Osang erzählt die gut ein Jahrhundert umfassende Geschichte dieser Familie auf verschiedenen Zeitebenen, wobei er auch anachronisch vorgeht: Die Begebenheiten in der Gegenwart werden immer wieder durch Phasen, die in der Vergangenheit spielen, unterbrochen. Dabei thematisiert er wichtige Ereignisse des 20. Jahrhunderts, die deutsche und auch russische Geschichte betreffend: Russische Revolution, Aufbau und Leben in der UdSSR, Zweiter Weltkrieg, Kriegsende und Nachkriegszeit, die Gründung zweier deutscher Staaten und schließlich das Leben in der DDR. Zudem werden die verschiedenen Handlungsorte nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart dargestellt, wenn Konstantin zum Beispiel mit seinen Eltern nach Sorau, dem heutigen polnischen Żary, in die Niederlausitz reist, oder mit seinem Cousin zusammen in die Heimatstadt seiner Großmutter, nach Gorbatow im Oblast Nischni Nowgorod.
Blitzlichtartig werden bedeutsam Episoden aus dieser Familiengeschichte beleuchtet und sehr lebendig sowie plastisch geschildert; man hat beim Lesen fast das Gefühl, dabei zu sein. Insbesondere die letzten Kriegstage im ursprünglich deutschen Żary, der Einmarsch der Roten Armee, aber auch das Verschwinden von Konstantins Großvater, Robert Silber, haben mich sehr beeindruckt. Sicher regen solche Szenen auch dazu an, über die eigene Familiengeschichte nachzudenken – mir ging es beim Lesen jedenfalls so, da ich mit Erzählungen aus dieser Zeit groß geworden bin.
Ein weiteres Thema, das diesen Roman durchzieht, ist der Umgang mit den alternden Eltern, die man irgendwann einfach nicht mehr allein versorgen kann und die vielleicht irgendwann zu Pflegefällen werden. Hier habe ich vieles beim Lesen ebenfalls als sehr realitätsgetreu empfunden, sei es Konstantins Unverständnis für diesen letzten Schritt, sei es die Entwicklung seines Vaters selbst.
Osangs Sprache und Stil sind flüssig zu lesen. Zu Beginn eines jeden Kapitels sind Handlungsort und –zeit angegeben, weshalb es leicht fällt, sich trotz der verschiedenen Handlungsstränge zu orientieren. Zu Beginn des Romans gibt es eine Auflistung der Familienmitglieder sowie in der vorderen und hinteren Buchklappe eine Karte, auf der die Orte eingezeichnet sind, bzw. einen Familienstammbaum; auf beides habe ich beim Lesen immer wieder gerne zurückgegriffen, erleichtert es doch ebenfalls die Orientierung.
Das Cover zeigt einen Mädchenkopf mit einem geflochtenen Haarkranz von hinten, passt also sehr gut zu den unterschiedlichen Epochen sowie der Titelfigur, Elena Silber.
Insgesamt präsentiert Alexander Osang mit „Die Leben der Elena Silber“ eine eindrucksvolle Reise in die Geschichte des 20. Jahrhunderts, die sich flüssig und interessant lesen lässt, zum Nachdenken und ggf. Reflektieren der eigenen Familiengeschichte anregt, die aber auch viel Wissenswertes über diese Zeit zu bieten hat für diejenigen, die hier weniger bewandert sind. Ich kann dieses Buch jedenfalls als Lektüre wärmstens empfehlen.
Profile Image for Elena.
261 reviews8 followers
August 3, 2019
Alexander Osang veröffentlicht mit „Die Leben der Elena Silber“ eine Familiengeschichte, die sich über Zeit und Länder erstreckt. Wir Leser lernen zu Beginn die 2-jährige Jelena kennen, die gerade in der russischen Heimat im Jahr 1905 ihrem Bruder hilft Holz aus dem Schuppen zu holen. Alles fühlt sich wie ein normaler Tag an, bis das Leben eine ganz neue Richtung einschlägt: Jelenas Vater Viktor ist tot. Viktor begehrte gegen das zaristische System auf und wurde auf offener Straße ermordet. Die Familie flieht. Von da an begleiten wir das Mädchen auf ihrem Weg zur Frau, wie sie sich durch ihr Leben schlägt und mit einem deutschen Fabrikantensohn vier Töchter bekommt.

Durch Jelenas Lebensspanne erleben wir viele geschichtliche Ereignisse, erhalten einen Einblick in das damalige Leben in Russland und begleiten die Protagonistin auf ihrem Weg von Russland über Schlesien und Deutschland. Tod, Verlust, Krieg, Flucht, Überlebensangst, Einsamkeit, all das beschreibt Jelenas Leben und legt oft eine Decke von Traurigkeit und Schwermut über die Geschichte. Sie versucht stark zu sein, aber die Suche nach ihrem persönlichen Glück scheint ausweglos.

Parallel spielt das Buch im Jahr 2017, Jelenas Enkel Konstantin ist Filmemacher und auf der Suche nach einer inspirierenden Idee für ein neues Projekt. Er reist mit einem Verwandten nach Russland in den Geburtsort seiner Großmutter und recherchiert die eigene Familiengeschichte. Er blickt zurück, stößt auf Unerklärtes und versucht herauszufinden welches Schicksal und welche Tragödie er in seinen Wurzeln trägt. Konstantin wirkt dabei verloren, verwirrt und irgendwie mehr auf der Suche nach sich selbst.

„Die Leben der Elena Silber“ sticht durch seine Reise durch die Zeit hervor, gibt Einblicke in die politische Entwicklung und die Lebensbedingungen der Menschen. Geschickt und authentisch webt der Autor geschichtliche Geschehnisse in die Erzählung ein.

Leider schafft Alexander Osang es nicht, dass ich eine emotionale Bindung zu seinen Figuren aufbaue. Jelenas Charakter ist vielschichtig und ihre Erlebnisse bildgewaltig, aber doch wirkt sie zu weit entfernt als dass sie mich berühren könnte. Konstantin ist blass gezeichnet, findet nicht mein Interesse und erreicht mich daher gar nicht. Der sachliche, nüchterne Schreibstil lässt sich schnell lesen, aber ist nicht förderlich, um dieser Geschichte die Distanz zu nehmen. Die Spannung leidet, Passagen wirken langatmig und obwohl es sich um eine Familiengeschichte handelt, nimmt der Roman die Form einer sachlichen Familienabhandlung ein. Da wir Leser von Anfang an schon das Ende des Buchs kennen, ziehen sich die 617 Seiten dahin.

Fazit
„Die Leben der Elena Silber“ ist eine Familiengeschichte, die in verschiedenen Handlungssträngen erzählt wird. Alexander Osang nimmt uns Leser auf eine Reise durch die Zeit mit und erzählt gut recherchiert von einem Leben in Russland, Schlesien und Deutschland zu Anfang des 20 Jahrhunderts. Sehr schade ist die Unnahbarkeit der Hauptfigur Jelena, die oft distanziert und passiv wirkt und so dem Buch die Spannung nimmt. Die Umsetzung der ganzen Erzählung hätte besser sein können.


Profile Image for Franziska.
183 reviews19 followers
January 12, 2020
Nachdem ich „Metropol“ von Eugen Ruge beendet hatte, stieß ich auf „Die Leben der Elena Silber“ von Alexander Osang. Auch Osang verarbeitet in Romanform die Geschichte seiner Familie in/ aus der Sowjetunion im 20. Jahrhundert. Dennoch haben die beiden Bücher wenig gemein. Sie haben mich beide fasziniert, aber auf ganz unterschiedliche Weise.

Osang erzählt anhand des Lebens von Jelena/ Elena/ Lena/ Baba die Geschichte seiner Großmutter, die in der tiefen Provinz der Sowjetunion beginnt und in Berlin endet. Jelena verlässt ihre Heimat in der Nähe von Nishni Nowgorord nachdem sie Robert F. Silber geheiratet hat, einen dtsch Textilingenieur, der die sozialistische Industrie mitaufbauen sollte.
Sie bekommt mit ihm zusammen 5 Töchter: Lara, Vera, Maria, Katarina und Anna. Über Moskau u Leningrad gelangen sie nach Sorau in der Niederlausitz (heute: Zary und Teil Polens), wo Roberts Familie lebt und Ansehen genießt. Jelena bekommt einen deutschen Pass, wird aber nie richtig von der Familie akzeptiert u lernt auch bis ins hohe Alter die deutsche Sprache nicht fehlerfrei zu sprechen.
Als der Krieg ausbricht, verliert Jelena ihren Mann aus den Augen. Sie will nach Berlin, aber es dauert lange bis sie dort ankommt. Robert wird sie nie wiedersehen, dafür aber Alexander, ihre alte Jugendliebe aus der Heimat...

Vieles wird in Erinnerungen erzählt. Manche widersprechen sich. Einiges wird nicht ausgesprochen. Anderes ist schlichtweg nicht mehr zu recherchieren, wie Konstantin, genannt Kostja, 20 Jahre nach Jelenas Tod feststellen muss. Er ist ein Enkel von ihr und versucht die Geschichte seiner Familie aufzuarbeiten. Er reist bis nach Russland, versucht Verwandtschaft von Roberts Seite der Familie in (West-)Deutschland aufzuspüren. Aber am Ende bleiben einige Fragen unbeantwortet.

Dennoch hat Alexander Osang einen sehr interessanten Familienroman geschrieben, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts beginnt u erst 2017 endet. Er erzählt die Geschichte s/einer Familie, aber gleichzeitig auch eine Geschichte, die teilweise so oder so ähnlich in vielen Familien stattgefunden hat. Teilweise hat das Buch Längen, vor allem auch am Ende. Deshalb 4 Sterne.
Profile Image for Julia.
679 reviews
September 19, 2020
Knapp. Ich kam bis zum Schluss nicht richtig rein. Die Personen blieben mir fast alle fremd. Das ist sehr schade, da mich die Geschichte hätte packen könnenmüssensollenwollen :)
146 reviews3 followers
September 4, 2019
Der Autor Alexander Osang greift in seinem Roman auf die eigene Familienhistorie, vor allem auf die Biographie seiner Großmutter zurück.

Elena Silber hinterließ ihren Nachkommen ihre Lebengeschichte, doch ist sie wahr?

„Man brauchte Hoffnung, man brauchte eine Geschichte.“ (S.593)

Elena
Der Einstieg in den Roman ist bereits heftig:

„Sina Krasnowa schob die letzten Scheite in den Ofen, als sie draußen in der Stadt ihrem Mann einen Holzpfahl in die Brust schlugen.“

Mit diesem martialischen Einschnitt in das Leben der zweijährigen Tochter Jelena der Sina Krasnowa beginnt auch deren erste Kindheitserinnerung. Der revolutionäre Familienvater wurde Opfer des Mobs, der von der zaristischen Geheimpolizei aufgestachelt worden war. Dieses Ereignis wurde fortan zur Familienlegende, wie die Flucht der Restfamilie aus der kleinen russischen Provinzstadt Gorbatow, 400 km östlich von Moskau, nach Nischni Nowgorod  (später Gorki).

Jelenas älterer Bruder Pawel schreibt ihr viel später dazu:

„Dann erzähle ich Dir, was damals passiert ist. Oder wenigstens das, woran ich mich erinnere. Traue den Geschichten nicht, die sie Dir erzählen, Feuerköpfchen. Die Menschen erinnern sich nur an das, was in ihre Lebensgeschichte passt.“ (S. 524)

Der Roman heißt nicht umsonst „DIE Leben der Elena Silber“, denn die Lebensabschnitte, die der kleinen Jelena (später Elena genannt) bevorstehen, führen sie zu unterschiedlichsten Orten und Gesellschaftsordnungen, ja förmlich durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Ihre Kindheit beginnt im zaristischen Russland, die Jugend ist geprägt von der Russischen Revolution und der jungen Sowjetunion. Das Schicksal verschlägt sie dann von der stalinistischen Heimat in das Deutschland unter den Nationalsozialisten und später der DDR.

Jelena findet in der nunmehr sowjetischen Heimat eine Arbeit und lernt 1923 dort einen interessanten Mann aus Deutschland kennen. Ihr Herz verliert sie dabei nicht, denn das schenkte sie schon einem anderen.

Der fesche, gepflegte, wohlriechende Robert Silber, ein deutscher Ingenieur, der in der Sowjetunion wirtschaftliche Aufbauarbeit in einer Textilfabrik leisten möchte, sticht (J)Elena ins Auge. Robert ist gebildet, weiß sich zu benehmen, spricht russisch und kennt sich mit russischen Gepflogenheiten aus. Damit bietet er ihr eine Möglichkeit aus der ärmlichen Enge der eigenen Familie und den Nachstellungen des Stiefvaters auszubrechen.

Nach der Heirat werden die ersten beiden Töchter der jungen Familie noch in Russland, in Leningrad und Moskau geboren. Dann kehren sie gemeinsam der Sowjetunion den Rücken. Elena Silber lernt 1936 ihre neue deutsche Heimat und ihre wohlhabende Schwiegerfamilie kennen. Für die Besitzer einer Textilfabrik wird sie „die Russin“ bleiben.

Elena bekommt noch drei weitere Töchter und lernt ein Deutsch, das nie seinen starken Akzent verliert. Doch in Familie und Land bleibt sie eine Fremde. Dazu kommt noch der Verlust der jüngsten kleinen Tochter im Krieg, daran trägt Elena schwer.

Am Kriegsende verschwindet zudem ihr Mann Robert unter ungeklärten Umständen. Für Elena macht das kaum einen Unterschied, da ihr Gatte in den letzten Jahren meist abwesend und in geheimen Geschäften unterwegs war. Nie ist sie auf die Idee gekommen, ihn nach diesen dunklen Machenschaften zu befragen, immer hat sie dies verdrängt.

Nun muss sie ihre vier verbliebenen Töchter ganz allein durchbringen. Was für die Töchter Heimat ist, bleibt für Elena die Fremde. Irgendwie werden Mutter und Töchter nie richtig glücklich in ihrem Leben und mit den Menschen um sich herum.

Ihre bisherige Biographie passt sie den jeweiligen Gegebenheiten an -  „die“ Leben der Elena Silber. Sie hat beschlossen, alles zu vergessen, zu verdrängen:

„Vergessen war eine Wohltat, ein warmes Bad. Jede Nacht in der Dunkelheit leere sie ihren Kopf, löschte die Erinnerungen, bis sie nicht mehr wusste, wer sie war und wo sie sich befand. Erst dann konnte sie schlafen.“  (S. 592)

Konstantin
Neben der Perspektive Elenas wird der Roman auch von der ihres rund 40jährigen Enkels Konstantin bestimmt. Seine Großmutter Elena ist längst vor zwanzig Jahren 93jährig verstorben. Auf der Suche nach einem Thema wird der erfolglose Filmemacher Konstantin von seiner recht dominanten Mutter Maria, einer Tochter Elenas, auf die eigene Familiengeschichte gestoßen.

Die Gründe für die innerfamiliären Dissonanzen und Probleme (auch seine eigenen)  beschäftigen Konstantin, der sich auf die Spur seiner Großmutter begibt. Ihn bewegt die Frage, warum die Familienmitglieder so geworden sind, wie sie heute sind. Was für Lasten von einer Generation an die nächsten weitergegeben werden.

Gewalt und Flucht sind wichtige Motive in Elenas Leben. Sie flieht vor den Mördern ihres Vaters, vor der Gewalt des Stiefvaters, vor dem Stalinismus, den Erlebnissen in der Nazizeit, vor der eigenen Geschichte. Eine Rückkehr in die Heimat wird nicht mehr möglich sein. Weitere Motive sind die Geheimnisse, die sie mit sich herumträgt, jene, nach denen sie nie fragt oder forscht und das Gefühl des Fremdseins. Es scheint, als hätte sie diese Bürden auch an die nächsten Generationen weitergegeben, ohne dass sich diese dessen bewusst sind.

Aus übernommenen Traditionen, Familienlegenden und ins Unterbewusstsein abgerutschten Erinnerungen bastelt sich jeder die Grundlage für sein eigenes Leben.

„Jeder wollte eine Geschichte, auf der er sein Leben aufbauen konnte.“ (S. 509)

Fazit
Osangs Roman liest sich gut und flüssig, weist aber wenig Spannung auf. Die verschiedenen Charaktere sind gut beschrieben. Aber sie schaffen es nicht, mich innerlich zu bewegen. Das ist eigentlich schade, denn die Familiengeschichte und der Umgang damit, sind an sich recht interessant. Zudem legt sich durch Konstantins Wesensart eine schwere Melancholie auf die Geschichte.

Da der 600 Seiten starke Roman einige Längen und Wiederholungen des immer wieder gleichen Motivs und wenig Tempo aufweist, hätte ihm eine Kürzung bestimmt sehr gut getan.

Durchaus lesenswert mit etwas Geduld.
Profile Image for Sabine .
116 reviews17 followers
September 2, 2019
Ein historischer Roman, aber kein typischer Schmöker....

Der Familienroman mit Deutsch-Russischer Geschichte beginnt im zaristischen Russland und spannt über seine Protagonistin Elena einen weiten Bogen in das seit 30 Jahren wiedervereinte Deutschland.
Das komplizierte Gefüge einer Familie, die Suche über mehrere Generationen hinweg nach dem Platz in der Welt und dem eigenen Ich bilden den Kern der Handlung. Keine der Figuren ist durchweg sympathisch, dafür aber vielschichtig dargestellt. Der Roman zeigt, dass nicht alles im Leben mit "entweder-oder" entschieden werden kann und menschliche Schwäche sich in einer Vielzahl von Lebensentscheidungen widerspiegelt.
Alexander Osang erzählt seinen Roman in einer angenehmen Erzählsprache, die allerdings nicht über einige Längen (vor allem in der ersten Buchhälfte) hinwegtäuschen kann.
Profile Image for Britta.
399 reviews38 followers
November 30, 2019
Eine Familiengeschichte, aber vielmehr noch eine deutsch-russische Geschichte, eine Jahrhundertgeschichte. Ich werde Familie Silber vermissen.
Profile Image for Hans-werner.
9 reviews
September 9, 2020
Der Roman beschreibt die bewegte Lebensgeschichte von Elena Silber, im vorrevolutionären Russland geboren und kurz vor Ende des Sozialismus in der DDR gestorben, sowie die Versuche ihres Enkels Konstantin Stein, die ungelösten Fragen in ihrer und seiner Familiengeschichte aufzuklären. Elena Silber wird Anfang des 20. Jahrhunderts geboren; ihr Vater, Anhänger der Sozialisten, wird 1905 von einem reaktionären Mob getötet. Damit beginnt eine Geschichte von Vertreibung, Flucht und Suche nach besseren Lebensmöglichkeiten. Elene heiratet einen deutschen Ingenieur und landet dadurch in NS-Deutschland; nach dem Krieg bleibt sie in Berlin hängen, wo sie 1982 stirbt. Ihr Enkel Konstantin, Anfang vierzig, geschieden, Filmemacher, wird von seiner dominanten Mutter (einer von Elenas fünf Töchtern) dazu bewegt, Elenas Lebensgeschichte zu erforschen, in dem es ungelöste Widersprüche gibt, besonders um das Verschwinden ihres Mannes nach Kriegsende. Laut Klappentext wurde der Roman von der Familiengeschichte seines Verfassers inspiriert.
Der Roman wird mit vielen Rückblenden mal aus der Sicht Elenas, mal aus der Sicht Konstantins erzählt. Abgesehen von den Rückblenden ist der Erzählstil geradlinig und gut lesbar. An vielen Stellen, besonders wenn aus der Sicht von Konstantin geschrieben, wird sie vom Dialog vorangetrieben. Die Stellen aus Elenas Sicht wirken oft distanziert, wie angelesen, und Elenas Persönlichkeit bleibt fern und verschwommen. Das trifft vor allem auf die Stellen zu, die ihr Leben in Russland beschreiben, während ihr Leben in Schlesien kurz vor und nach Kriegsende und die Jahre in Berlin lebendiger beschrieben ist, so, als wenn die größere geografische Nähe auch eine größere Nähe zur Person bewirkt. Konstantin dagegen und seine Welt gewinnen ein sehr viel klareres Profil; man merkt, dass der Verfasser die Welt, die er beschreibt – Konstantins Kindheit die dominante Mutter, die Demenz des Vaters, die Beziehung zum Sohn aus der geschiedenen Ehe, die verschiedenen Ostberliner Milieus, in denen Konstantin sich bewegt – gut kennt.
Insgesamt ein gut lesbares Buch. Die russischen Elemente bieten eine gewisse Exotik, aber wirken oberflächlich auf jemanden, der eine gewisse Vertrautheit mit Russland mitbringt. Interessanter ist es als Teil eines großen Mosaiks, als ein weiterer Blick auf vertraute Fragen – was bedeutet Familie, wie gehen Menschen mit Beziehungen um, in welchen Formen suchen sie nach Nähe und Distanz, nach Liebe, Anerkennung, wo ist Heimat, was für Geschichten erzählen sie sich selbst und anderen. Dieser Roman ist ein weiteres Steinchen in diesem Mosaik, und dabei ein unterhaltsames, auch wenn nie wirklich aufgeklärt wird, was aus den verschwundenen Männern in der Familie der Silbers geworden ist.
This entire review has been hidden because of spoilers.
123 reviews1 follower
August 10, 2021
Alexander Osang. Die Leben der Elena Silber.

Familiengeschichte vereint mit 100 Jahre russischer Geschichte haben mich in den Bann gezogen – 617 Seiten sehr gut geschriebene Literatur von Alexander Osang.

Worum geht es?

Es geht um die bewegte Lebensgeschichte von Jelena, die 1902 in Russland geboren wurde, um ihre Familie und um diverse Umsiedlungen. Auf einer zweiten Zeitebene begleitet man ihren Enkel Konstantin, der mehr über die Vergangenheit seiner Familie erfahren möchte. Die Geschichte der Elena Silber wird eingekreist und von verschiedenen Seiten beleuchtet. Man durchlebt Kriege und Revolutionen, Stalins Geburtstag, radikale Umbrüche voller Brutalität, einen Urgroßvater, der als Revolutionär von Befürwortern des Zaren umgebracht wird, eine Großmutter, die fünf Töchter großzieht und vieles mehr.
Meine Meinung:
Ein lesenswerter Schmöker mit einer Portion Witz und Leichtigkeit, der mir auch inhaltlich gut gefällt. Insgesamt ein sehr vielschichtiges Buch über das Erinnern und das Vergessen und über das Begreifen der eigenen Familiengeschichte.
Profile Image for Muphyn.
628 reviews71 followers
February 28, 2023
The book tries to tackle so many pain points ... from dementia, family jealousies, loss, grief, oppressive regimes, pogroms, alienation and isolation in foreign lands, rejection, lost love, and the decisions we make. All cleverly woven together in a narrative spanning a century...

But it was a bit slow in parts where I lost interest and had to force myself to come back to it. Overall, it's a good, slow-burning book, just not a great one.

3.5 stars with an amazing narration by Stefan Kaminski (5 stars!)
Profile Image for Julia Menger.
25 reviews6 followers
May 16, 2022
Ich kann dieses Buch gar nicht gehen lassen, so sehr hat es mich berührt und beschäftigt. Alexander Osang hat diesen wunderbaren, ja perfekten Stil, mit wenigen Worten und absolut unkitschig ausschweifend zu erzählen. Seine Geschichten vermitteln mir immer das Gefühl, dabei zu sein, auch in diesem Roman, der aus der Sicht von zwei Figuren erzählt. Ich hätte gerne noch ewig weiter gelesen und hoffe, Konstantin geht’s gut.
Profile Image for Inge.
233 reviews5 followers
May 27, 2023
Nicht zu empfehlen.
Ab Seite 200 bietet das Buch nur noch Redundanzen, es gibt keine Spannung, keine Höhepunkte.
Der Autor hat seine Familiengeschichte erforscht und beschreibt jeden Schnaps, den er mit dem jeweiligen Gesprächspartner dazu kippen musste.
Zeitverschwendung.
Profile Image for Wandaviolett.
475 reviews67 followers
December 6, 2019
Schachfiguren in den Wirren der Zeit

Positiv überrascht hat mich der 17. Roman, den ich von der Longlist des Deutschen Buchpreises 2019 lese. Und mehr werden es auch nicht. Dreien habe ich mich versagt.

Wer russische Folklore und Romantik a là Doktor Schiwago erwartet, muss von „Die Leben der Elena Silber“ enttäuscht sein. Aber wer relativ erwartungslos an den Roman herangeht, kann durch die Lektüre nur bereichert werden.

Der Roman zeichnet, wenig überraschend, das Leben der Elena Silber auf. In Russland geboren, wird Elena zeitlebens eine Art Flüchtling sein. Was an den Zeiten liegt, in denen sie geboren ist, den Orten, an denen sie leben muss, an der Familie, in die sie heineingeboren wird, den Menschen, auf die sie treffen wird - und an den Herrschaftsstrukturen in den Ländern Russland und Deutschland. 1905-Revolution in Russland, 1918-Revolution in Russland, Lenin, Stalin. Das Leben der Menschen oft durch Zufall bestimmt, häufig keinen Pfifferling wert. Es kommt durch, wer den Mund hält, Glück hat und sich anpasst. Oder wer die Seiten wechselt. Oder wer brutal unterdrückt. Die Seele nimmt notwendigerweise Schaden. Man muss hart sein wie Stahl oder weich wie Wachs. Je nach den Gegebenheiten. Das hält keiner aus ohne zu zerbrechen. Aber man darf es nicht zeigen, denn das ist der sichere Untergang.

Konstantin, als Vertreter der Enkelgeneration, die ihrerseits schon wieder Kinder gezeugt hat, versteht weder sich selber noch seine Eltern, besonders die mütterliche Seite nicht. Die fünf Töchter seiner Großmutter bleiben nebulös für ihn. Nebst seinem Mutterkomplex und tiefem Mitleid für seinen Vater, ist er unsicher, ein herumtastender, zögerlicher Mensch, der an seiner Vergangenheit krankt, die er doch nicht genau genug kennt, um sie abzuhaken. An der Heldenbrust des Vaters, der einzigen männlichen Bezugsperson, findet er leider auch keinen Trost, weil der eben gar kein Held ist, wie die Mutter den Vater gnadenlos herunterbricht, fast zelebriert sie den Zerfall ihres Ehemannes.

Das Leseerlebnis:
Weswegen mir der Roman „Die Leben der Elena Silber“, der sehr gut geschrieben ist, völlig ohne Floskeln daherkommt und ohne Pathos erzählt wird, besonders ans Herz wächst, ist seine Realitätsnähe. Wann kennt man seine Familie denn richtig, wenn man erst einmal über die Elterngeneration hinausgeht? Welche Familienchronik ist lückenlos? Woher weiß man und in diesem Fall, woher weiß Konstantin, was wahr ist und was erfunden, erstunken und erlogen, aus der Not geboren zusammengeschwindelt wurde. Man kann nicht dahinterkommen. Es bleiben Lücken. Dieses Lückenhaft hat mir sehr gut gefallen.

Gnädigerweise dürfen wir, die Leser, immer einen Blick mehr in die Familiengeschichte von Elena tun als der suchende Konstantin selber, der oft vor Mauern steht, mit seinen Forschungen nicht weiterkommt. Einige Dinge läßt uns Alexander Osang früh wissen, andere bleiben für immer in den Wirren von Revolution, Krieg und Flucht verborgen.

Einige Leser haben geschrieben, die vielen Wiederholungen des Romans, die immergleichen Themen, die in den Dialogen zwischen den Figuren ständig aufgeworfen und verhandelt werden, würden sie nerven. Das ist bei mir nicht der Fall. Ich kann mich in die Köpfe der Figuren gut hineinversetzen, verstehe, wie dieselben Fragen immer und immer wieder umgewälzt werden und sich nicht vertreiben lassen. Ungefragt drängen sie bei Tag und Nacht ins Bewusstsein. Das ist so gut gemacht von Alexander Osang: Chapeau!

Weder Konstantin noch wir haben die Lebensgeschichte Elenas völlig durchdrungen noch jeden Baustein der Silber/Steinschen Geschichte heben können. Ist es denn wirklich notwendig? Kann man nicht einfach die Gegenwart akzeptieren, wie sie sich darstellt? Schade, dass diese Frage gar nicht gestellt wurde. Trotzdem kam ich den Figuren sehr nahe. Sie haben mich an meine eigene Familiengeschichte erinnert. Sie haben mich nachdenken lassen, was ich über meine Großeltern eigentlich wusste. War mein Großvater ein Nazi? No idea. Meine Tanten waren jedenfalls alle in der Hitlerjugend. Zu spät, um jemanden zu fragen.

"Leben", sagt Elena, zu ihrem Enkel eines schönen Tages, sie habe ja mit 15 gedacht, sie wüssste, wie Leben geht. Aber „Leben ist anders, ganz anders.“ Da hat sie nur allzu recht!

Die Kritik darf nicht fehlen. 200 Seiten weniger hätten es auch getan und es sind zu viele Vergleiche. Insgesamt fallen diese kleinen Mängel aber nicht ins Gewicht.

Fazit: Eine sehr reale Story über eine Familiengeschichte, die gut aufgebaut und durchdacht ist. Russlands Willkürherrschaft, Hitlers Deutschland, alles eher am Rande behandelt, aber dennoch prägend für jeden, der in diesen Zeiten leben musste, faszinierend. Wie Schachfiguren herumgeschoben, so ist Elenas Familie. Und nicht nur sie: denn letzlich sind wir alle Figuren des jeweils gerade gespielten Aktes der Menschheitsgeschichte, ob als Könige oder Bauern, durch Zufall hierhin- oder dorthin geschubst.

Kategorie: Anspruchsvoller Roman
Verlag: S. Fischer, 2019

Auf der Longlist des Deutschen Buchpreises, 2019
Profile Image for Pedro.
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November 26, 2019
Schon wieder einer dieser „Jahrhundert-Romane“, könnte man sagen, die die Geschichte einer Familie durch die zeitgeschichtlich bedeutsamen Wirren eines Jahrhunderts verfolgen und damit in der Tradition von Nino Haratischwilis „Das achte Leben. Für Brilka“ und nicht zuletzt Thomas Manns „Buddenbrooks“ stehen. Aber warum sollte man Osang lesen, wenn man stattdessen Mann oder Haratischwili lesen kann (was man, nebenbei bemerkt, auch unbedingt tun sollte)? Was zeichnet diesen Roman vor anderen seines Genres aus?

Kommen wir erst einmal zum Plot: Konstantin Stein, ein Dokumentarfilmer, der starke Parallelen zu Osang hat, hat „sein Thema nicht gefunden“: er versucht eine Geschichte zu erzählen, an die er selbst nicht richtig glaubt, die eines mehr oder weniger erfolgreichen Tennisspielers mit Ostblock- Migrationsgeschichte. Schließlich sieht er ein, dass es in Wahrheit die Geschichte seiner verstorbenen Großmutter ist, die ihn umtreibt und die wie ein Schatten über der Familie schwebt, Elena Silber, die 1902 in einer kleinen russischen Provinzstadt geboren wird, aus der sie mit zweieinhalb Jahren fliehen muss, als ihr Vater, ein kommunistischer Revolutionär, von Zarentruppen ermordet wird, und zwar, indem ihm (genau wie dem Urgroßvater des Autors selbst) ein Pfahl durchs Herz gerammt wird. Später heiratet Elena den deutschen Ingenieur Robert Silber, der als Experte nach Russland kam, um dort ein industrielles Unternehmen auf Vordermann zu bringen, und folgt ihm 1936 nach Berlin. In den Wirren nach dem Zweiten Weltkrieg verschwindet der Mann und Elena muss die vier Töchter alleine durchbringen. Das hat der Enkel gehört, als er die Geschichte zu erzählen beginnt, es sind die Legenden seiner Familie. Nun macht er sich auf die Suche, fliegt nach Russland, interviewt Familienmitglieder, und versucht die Geschichte seiner Großmutter, seiner Familie zu verstehen. War der Ururgroßvater wirklich ein sozialistischer Held? Wie und wohin verschwand der Großvater? War er überzeugter Kommunist oder überzeugter Nazi gewesen? Wer war Elena Silber? Je mehr er nachforscht, desto weiter klafft die Geschichte auseinander, voller innerer und äußerer Widersprüche. Und das tut sie immer noch nach den 617 Seiten dieses Romans: aus Opfern werden Täter und aus Tätern Opfer. „Traue nicht den Geschichten, die sie dir erzählen, Feuerköpfchen“ ist ein Satz, den Elenas Bruder ihr einmal in einem Brief geschrieben hatte, ein Satz übrigens, der mit einem etwas zu erhobenem Zeigefinder etwas zu oft (gute zehn Mal) in dem Roman wiederholt wird.

Am Ende geht Konstantins an Alzheimer erkrankter Vater bei einem Spaziergang aus dem Altersheim verloren, und als der Sohn ihn in einem Park wiederfindet, heißt es: „Konstantin hatte das Gefühl, dass seine Familienrecherche hier auf dieser Parkbank zu Ende ging. Sein Ururgroßvater war womöglich ein Revolutionär gewesen, wofür auch immer er gekämpft hatte. Sein Großvater war in Sibirien gestorben, in Mannheim, Schlesien oder in Paraguay. Sie waren tot. Sein Vater aber lebte. Er hatte ihn gefunden. Er saß neben ihm. Konstantin hatte erst mal alles, was er brauchte.“ – Überhaupt scheinen dem Autor die Passagen mit dem an Alzheimer erkrankten Vater des Protagonisten am meisten am Herzen gelegen zu haben, denn sie sind die schönsten des Romans, glaubhaft und mit Liebe geschildert.

Eine Geschichte über die Leben der Elena Silber bekommen wir in dem Roman „Die Leben der Elena Silber“ also nicht zu hören. Mehr eine Geschichte darüber, dass man Geschichten nicht trauen darf. Das wiederum ist es auch, was diesen Roman vor anderen Vertretern seines Genres auszeichnet, das und der Realismus der Figuren, die alle so gewöhnlich und moralisch ambivalent sind, wie es die Figuren aus der eigenen Familie oft sind, und leider ist beides auch der Grund dafür, warum es einen nach (oft auch während) der Lektüre dieses Werkes so unbefriedigt zurücklässt. Die Idee ist gut, die Umsetzung leider misslungen.
34 reviews1 follower
February 8, 2020
Ein wunderbares Buch, was sicherlich auch an Kaminski liegt, der die Figuren sprachgewaltig interpretiert, vor allem Jelena, die im Laufe der Geschichte immer wieder einen Buchstaben verliert, und erst zu Elena, dann zu Lena und dann zu Baba wird. Wie er den russischen Akzent nachahmt ist einfach großartig.

Die Wirren der russischen Revolution, der Zweite Weltkrieg und später die DDR – Jelena hatte ein ereignisreiches Leben, welches vor allem von Verlust von Heimat, Sprache und Kultur, aber auch der Familie gekennzeichnet war. Mit eiserner Hand bringt sie ihre Familie durch die Kriegszeiten, beeinflusst deren Leben aber auch noch Jahrzehnte nach ihrem Tod, und dies nicht gerade positiv.
Interessant auch, wie sie einem Schriftsteller ihr Leben erzählt, und er es bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Wie man sich dabei wohl fühlt?

Die Erzählung um ihren Enkel Konstantin fand ich deutlich schwächer, auch wenn er noch einmal Vieles aufdeckt, was sie nicht erzählt hat.

Fazit

Ein wunderbares Hörbuch.
Profile Image for Kathrin Schröder.
Author 11 books3 followers
December 28, 2019
Das Leben der Elena Silber von Alexander Osang
gelesen dank Netgalley im Dezember 2019
Es gibt Bücher bei denen trägt ein besonderer Schreibstil oder eine starke Art des Erzählens eine dünne Geschichte. Für mich ist dieses Buch das genaue Gegenteil.
Die Geschichte der Jelena Silber beginnt in Russlands kleinster Stadt mit einem Paukenschlag. Ihr Vater fällt dem Lynchmob zum Opfer (starker Einstiegssatz). Sie flieht mit Mutter und Bruder, erlebt die Veränderung ihrer Position zur Tochter eines Märtyrers. Bei ihrer Arbeit lernt sie dann den deutschen Ingenieur Silber kennen, den sie verführt und heiratet. Später gelangt sie nach Deutschland, erlebt das Kriegsende im heutigen Polen mit mittlerweile 5 Töchtern ... Erzählt wird die Geschichte vom Ende her, sie wechselt zwischen der Perspektive von Jelena, später Elena, den Familienlegenden der Töchter und der Recherche des Enkels etwa 20 Jahre nach ihrem Tod, der als erfolgloser Filmemacher der eigenen Familiengeschichte nachspürt um "sein Thema zu finden".
Leider sind die meisten Personen bis zur Karikatur überzeichnet dargestellt. Der einzig sympathische Charakter ist der demenzerkrankte Vater des Enkels, der ins Heim abgeschoben wurde. Jelena wird mit Fortschreiten ihres Lebens immer liebloser dargestellt. Sie wird immer mehr nur Spielball ihres Lebens, mit ihr geschieht etwas und sie hat weder Motivation ihr Leben selbst zu lenken, noch die Chance dazu. Stattdessen zwingt sie ihre Töchter in Berufe, die sie auswählt und damit in einen dauerhaften Konflikt mit dem Leben.
Aus der Geschichte hätte etwas werden können, doch ohne Personen, die man entweder lieben oder hassen mag, sondern die nur langweilen, mit endlosen Wiederholungen derselben Situationen aus verschiedenen und doch fast gleichen Blickwinkeln und einem Schreibstil, der mich bei wörtlichen Reden mehr als genervt hat, konnte das Buch mich nicht überzeugen.
Die Stoffsammlung, Recherche, Darstellung des demenzkranken Claus, geben eine Basis, für die es am Ende bei 3 Sternen bleibt.
Autor und/oder Lektor hätten bei der wörtlichen Rede den ständigen Schlagabtauscht sagte/sagte/sagte fast ohne andere Verben dringend ändern sollen.
#DasLebenderElenaSilber #AlexanderOsang #Netgalleyde #KathrinliebtLesen #Rezension #Bookstagram #Booklove #Russland #Demenz #Familiengeschichte
426 reviews4 followers
August 21, 2019
Ich habe just die letzten Seiten inhaliert und tada! Alexander Osang steht auf der Longliste für den Deutschen Buchpreis 2019. Und hier mit diesem Roman muss man in doppelter Hinsicht sagen: ER steht auf der Longliste, denn sein Roman erzählt auch seine Familiengeschichte. Klar, es ist ein Roman, aber Alexander Osang ging auf eine Reise seine eigene Vergangenheit zu ergründen und hat es in diesem Roman „Das Leben der Elena Silber“ aufgearbeitet. Ein fiktiver Roman, der als Grundlage seine eigene Geschichte hat und die startet mit der echten Begebenheit, dass sein Urgroßvater zu Tode kommt. Danach ergeben sich durch die Großmutter, also hier im Roman (J)elena, Parallelen, aber die Geschichte selbst ist erfunden.
Es beginnt mit diesem schon erwähnten dramatischen Auftakt, da kommt der revolutionäre Großvater Anfang des 20. Jahrhunderts östlich von Moskau zu Tode. Die Tochter Jelena, wächst in ärmlichen und kargen Verhältnisse auf. Flieht dann aus Kalkül in die Arme des Deutschen Robert Silber, der eine Textilfabrik aufbaut. Im weiteren Verlauf kommt sie nach Deutschland, zunächst mit den Nazis an der Macht. Letztendlich landet sie in Ostdeutschland.
Hab ich zu viel verraten? Nein! Das Buch macht nicht die Fakten aus, sondern wie die Geschichte erzählt ist und wie Elena sich in der Welt zurechtfindet und wie diese Familie über Generationen hinweg noch aus dieser harten Grundkonstellation besteht und wie Elena eine immer Fremde bleibt.
Alexander Osang sagt über dieses Buch selbst, dass es das privateste ist, was er bisher schrieb. Wo doch die anderen Romane eher Vergangenheitsbewältigungen der deutschen Wendeerfahrungen waren, ergründet er hier seine Familie.
Ich bin gespannt – ob er seiner Preissammlung (u.a. Theodor-Wolff-Preis) den Deutschen Buchpreis dieses Jahr hinzufügen kann.
Fazit: Ein wahres Epos über Generationen hinweg mit dem wir die russische Seele wieder ein bisschen besser verstehen.
Profile Image for Margarethe.
572 reviews
August 15, 2019
Ich wollte Jelena-Elena-Lena die ganze Zeit Sympathie entgegenbringen sie verstehen – doch es ist mir nicht gelungen Sie erscheint so herzlos berechnend und da wird sie auch schon wieder von einem Strudel der Geschichte fortgerissen.
Und alles auf Anfang. Und am Ende bleibt eine tiefe Traurigkeit.

Jelena ist seit Kindestagen auf der Flucht immer am Strom entlang bis er versickert.
Sie flieht in eine Ehe mit einem Deutschen, sie flieht in die DDR und sie entflieht ihrem Leben.
Ihre Töchter versuchen durch ein reglementiertem Leben etwas entgegenzusetzen. Aber die nächste Generation, die die Geschichte erzählt ist orientierungslos.,
Es gibt die Heldengeschichte des Urgroßvaters, es gibt den verschollenen Großvater, dessen Schicksal sich nicht aufklären will und es gibt die sich gegenseitig ignorierenden Tanten.
Alle hadern.

Der Handlungsstrang in der Gegenwart ist ganz Osang-Style, die Berichte aus der Vergangenheit haben ein wenig die Russenmelancholie in sich keiner weiss genau irgendwas.
Und die Familiengeheimnisse lassen sich nicht alle lüften oder ist es zwischen den Zeilen versteckt.

Die Ausstattung des Buches weist im vorderen Teil eine Karte auf, um die verschiedenen Orte der Handlung zu lokalisieren, der hintere Teil zeigt den Stammbaum der Protagonisten auf. Sehr schöne Idee….nur das Lesebändchen hat gefehlt.
Wer Familiengeschichten mag, wer russische Geschichten mag, wer Osang mag – einfach zugreifen und lesen.
Profile Image for Hortensia13.
454 reviews3 followers
August 4, 2019
In einem kleinen russischen Provinzstädtchen muss Jelena als Kleinkind mitten in der Nacht mit ihrer Mutter und Bruder vor der Meute fliehen, die gerade ihren Vater ermordert haben. Ihr Leben bleibt durch Revolutionen, Aufstände und Weltkriege sehr bewegt und unstet. Sie heiratet den deutschen Textilingenieur Robert Silber, bekommt Kinder und versucht ein Zuhause zu finden. Als dann Robert in den Wirren der Nachkriegszeit verschwindet, verzweifelt Jelena, alleine gelassen mit vier Töchter, an ihrem Lebensweg. Doch stimmt diese Version der Erzählung? 2017 versucht ihr Enkel Konstantin die Familiengeschichte und -geheimnisse aufzuschlüsseln. Wird es ihm gelingen?

Jelenas Geschichte fand ich toll. Sie durchlebt wichtige Meilensteine der Weltgeschichte. Man sollte als Leser auch etwas Ahnung der russischen Geschichte haben, um die Tiefe dieser Erzählung und ihre Perspektive zu verstehen. Leider war für mich die zweite Zeitebene des Enkelns komplett nicht nachvollziehbar. Seine inneren Konflikte und Probleme hatten für mich kaum Zusammenhang mit der Suche nach seiner Familiengeschichte. Viele Wiederholungen und dazu die nicht enden wollenden Gedanken von Konstantin machten alles zäh und die tolle Erzählung von Jelenas Leben ging für mich darin unter. Daher gibt es von mir nur 2 Sterne.
Profile Image for Marley Thomspon.
258 reviews
August 1, 2019
Ich habe mir dieses Buch aufgrund der Leseprobe ausgesucht und wurde nicht enttäuscht. Erzählt wird das Buch einerseits in Rückblicken der Jahre 1905 bis 1990 und aus der heutigen Sicht von Konstantin, dem Enkel von Elena.
Konstantin, auf der Suche nach Antworten, nach sich selbst. Elena, Protagonistin des Buches, auf der Suche nach ihrem Anker, nach ihrem Daheim. Beide kommen nicht dort an, wo sie hinmöchten. Geschrieben in einer Zeit, die von Geheimnissen lebt. Beginnend in Russland, hinweg über den zweiten Weltkrieg bis zum Kalten Krieg … eine Geschichte, die tausenden ähnelt. Viele haben aus diesen Zeiten Geheimnisse, die niemals entschlüsselt werden können oder konnten. Konstantin erfährt viel über die Geschichte seiner Großmutter, aber auch zu wenig. Geheimnisse in seiner Familie, in der jeder sich selbst vertuscht und schweigt. Düsternis legte sich zwischendurch beim Lesen über die ganze Szenerie, niemand scheint ein erfülltes Leben zu haben.
Stilistisch ist das Buch einwandfrei geschrieben jedoch zwischendurch auch sehr schwer zu lesen. Manche Geheimnisse werden nie gelöst und den LeserInnen bleibt ihre Phantasie, um ein Ende zu finden.
Fazit: Teilweise schwierig zu lesen, Hintergrundwissen über die Zeit von 1900 bis zum Fall der Mauer schadet nicht.
Profile Image for Inge H..
471 reviews9 followers
August 14, 2019
Russisch – Deutsche Lebensgeschichte
Der Journalist und Schriftsteller Alexander Osang schreibt seinen Roman „Die Leben der Elena Silber“ wunderbar flüssig.
Es gibt zwei Erzählebenen, die Vergangenheit und die Gegenwart.

Der Roman spielt ab Anfang des 20. Jahrhundert in einer kleinen Stadt in Russland. Elena ist noch jung als ihr Vater der Revolutionär Victor hingerichtet wird. Später wird ein Gedenkstein für ihn errichtet.

Elena heiratet einen Deutschen, den Robert Silber. So kommt sie mit ihren Töchtern 1936 mach Berlin. Das Leben spielt ihr ordentlich mit. Vor ihren Töchtern hält sie einige geheim.

2017 macht sich ihr Enkel Konstantin auf den Weg der Familiengeschichte nach zu forschen.
Er versucht seine Tanten und seine Mutter wieder zusammen zu bringen Dann sucht er nach den Verwandten seines Großvaters. Zum Schluss fährt er sogar nach Russland in die Heimat seiner Großmutter.

Ich konnte Elenas Aktionen nicht immer gut heißen, aber sie hatte es meistens ziemlich schwer. Das Schicksal Elenas und ihrer Töchter berührt.

Der Autor hat einen einfühlsamen Schreibstil.
Er versteht es einen Sog hinein zu legen. Der Roman ist eine empfehlenswerte Lektüre.

2,312 reviews13 followers
July 29, 2019
Zum Inhalt:
Lena hat es nicht leicht im Leben. Ihr Vater wird in Russland als Revolutionär hingerichtet, sie heiratet einen Deutschen, folgt diesem nach Berlin und Schlesien, muss nach dessem Verschwinden die vier Töchter allein durchbringen und hat es dadurch schon sehr schwer. Fast 20 Jahre nach Lenas Tod will ihr Enkel Konstantin die Geschichte des Jahrhunderts und seiner Familie verstehen, um sich selbst zu verstehen.
Meine Meinung:
Was für ein gewaltiger Roman und dass meine ich nicht nur in Bezug auf die gewaltige Anzahl der Seiten des Buches. Es ist ein wortgewaltiges Buch, die Geschichte ist fesselnd und teilweise schon ziemlich bedrückend. Man möchte mit Jelena sicherlich nicht tauschen. Besonders lebendig wird das Buch natürlich auch durch die Wechsel zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Obwohl das Buch teilweise schon schwere Kost ist, ist es dennoch gut lesbar, da es ein angenehmen Schreibstil hat, der einen durhc die doch vielen Seiten trägt.
Fazit:
Wortgewaltig und intensiv.
Profile Image for Angelika Altenhoevel.
260 reviews
November 13, 2019
Zum Inhalt: Lena hat es nicht leicht im Leben. Ihr Vater wird in Russland als Revolutionär hingerichtet, sie heiratet einen Deutschen, folgt diesem nach Berlin und Schlesien, muss nach dessem Verschwinden die vier Töchter allein durchbringen und hat es dadurch schon sehr schwer. Fast 20 Jahre nach Lenas Tod will ihr Enkel Konstantin die Geschichte des Jahrhunderts und seiner Familie verstehen, um sich selbst zu verstehen. Meine Meinung: Was für ein gewaltiger Roman und dass meine ich nicht nur in Bezug auf die gewaltige Anzahl der Seiten des Buches. Es ist ein wortgewaltiges Buch, die Geschichte ist fesselnd und teilweise schon ziemlich bedrückend. Man möchte mit Jelena sicherlich nicht tauschen. Besonders lebendig wird das Buch natürlich auch durch die Wechsel zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Obwohl das Buch teilweise schon schwere Kost ist, ist es dennoch gut lesbar, da es ein angenehmen Schreibstil hat, der einen durch die doch vielen Seiten trägt. Fazit: Wortgewaltig und intensiv.
Profile Image for Otto.
750 reviews51 followers
September 22, 2019
#lesejahr2019 #deutscherbuchpreis #longlist #alexanderosang schreibt ein Familienepos. 4 Generationen, ausgehend vom 1905 ermordeten Revolutionär, dem in seiner russischen Heimatstadt 1918 ein Denkmal errichtet wird, über die im Babyalter die Flucht erlebende Revolutionärstochter, die dem Roman den Namen gibt - sie heiratet einen in seiner Rolle undurchschaubaren Deutsche- ihre 5 Töchter bis zu ihrem Enkel Konstantin, der die Jelenageschichte rekonstruieren möchte. Alexander Osang packt viel hinein in den Roman: #russland #revolution #neueökonomischepolitik #flucht #nazideutschland #ostdeutschland #westverwandte und dann noch #demenz #geschwisterrivalität und das schadet eher als es nutzt. Mir fehlt der erzählerische Kern, alles wirkt etwas konstruiert. Kein Wunder, dass der Roman, der vom Plot her durchaus ein großer hätte werden können, es nicht auf die #shortlist geschafft hat.
Profile Image for Gijs Zandbergen.
1,084 reviews28 followers
November 9, 2019
Luisterboek van 17 uur. Flinke pil die past in de trend van auteurs die de eigen familie uitpluizen en daarover een boek schrijven. Osang doet dat voornamelijk aan de hand van zijn grootmoeder van moeders zijde, die als dochter van een Russische vermoorde revolutionair trouwde met een Duitse ingenieur en die vijf dochters kreeg, van wie de laatste drie in Duitsland werden geboren. Stalin, Hitler, Tweede Wereldoorlog, DDR. Weinig bleef haar bespaard. Der Spiegeljournalist Osang heeft over de reconstructie een literair sausje gegoten door de geschiedenis te laten uitzoeken door een mislukte filmer Konstantin. Vlot geschreven, maar met weinig te raden overblijvend tussen de regels.
Profile Image for Agnieszka Hofmann.
Author 24 books57 followers
October 18, 2019
Es war nicht die Familiengeschichte, die mich hier am meisten berührt hat, sondern die Art und Weise, wie der Autor hier über das Altern schreibt: unheimlich realistisch, direkt, aber gleichzeitig warmherzig, und im Falle des Vaters von Konstantin mit einer Prise Humor. Dabei war es gar nicht das Hauptthema in diesem Roman, der von der Suche nach Wurzeln und Identität erzählt.
Die Hörbuchversion des Romans kann ich wärmstens empfehlen, Stefan Kaminski liest genial: Seine "Baba" und der Vater von Konstantin bleiben so für immer in meiner Erinnerung.
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