As this book is written in German, the review will follow in German in order to help the German readers:
Vielen Dank an Netgalley and den Autor für die kostenlose Bereitstellung des Rezensionsexemplars, im Austausch für meine ehrliche Meinung.
Leider war dieses Buch absolut nichts für mich, obwohl die Beschreibung großartig klang und ich auf das Buch sehr gespannt war. Die Geschichte hat echt riesiges Potenzial und hätte großartig werden können! Ich hätte dieses Buch allerdings mehrmals abgebrochen, hätte ich es nicht zum Zwecke einer Rezension gelesen. Einmal bei ca. 22%, einmal bei ca. 40% und ein drittes Mal etwa bei 70%... Deshalb kann ich guten Gewissens nur 2 Sterne vergeben...
Doch fangen wir erst einmal mit den positiven Aspekten an:
Positiv
Das Buch war sehr schnell und einfach zu lesen, der Lesefluss war dank vieler Dialoge sehr gut. Für mich persönlich hat die Geschichte außerdem eine optimale Plotgeschwindigkeit. Ständig passiert etwas, Ereignisse kommen auf Ereignisse, sehr viel Action, sehr viele Twists. Die Informationen werden in guten Häppchen geliefert, man fühlt sich nie überfordert, obwohl es bei dieser kreativen Welt sehr viel zu erklären gibt.
Die Welt an sich war unfassbar spannend. Ich habe alle magischen Aspekte geliebt und es gab unzählige davon – die Kämpfe, die Fähigkeiten, die Portale, die Anima, die magischen Wesen, die verschiedenen Talente der Häuser, die Reisemöglichkeiten etc etc. Leider ist damit auch verbunden, dass ich nicht wirklich hinter die Logik dieser magischen Welt gestiegen bin. Sehr viele Sachen sind, wie vorhin aufgezählt, möglich. Andere aber nicht.Weshalb? Es gibt nicht wirklich Erklärungen zu den Regeln. Das fand ich etwas schade.
Weiterhin bin ich kein Fan von Romance und habe mich gefreut, dass es zwar natürlich (wie so ziemlich in jedem Buch für Jugendliche auf dieser Welt...) Romantikaspekte und Beziehungen gab, diese aber nie wirklich extrem im Vordergrund standen.
Auch fand ich es spannend, dass die Personen augenscheinlich aus verschiedensten Winkeln der Welt stammen. Brazilien, Kanada, GB, wahrscheinlich Russland und Afrika etc. Es gab eine gute Mischung zwischen männlichen und weiblichen Charakteren. Es gab homosexuelle Charaktere und alles wirkte natürlich. Das war sehr schön.
Leider hört es hier auch schon mit den positiven Punkten für mich auf.. Kommen wir daher zu den verbesserungswürdigen Aspekten des Buches:
Verbesserungswürdig
Charaktere und Geschlechterrollen
Obwohl der Hauptcharakter Nic und seine Freunde 21 Jahre alt sein sollen und die Schule/ Uni erfolgreich beendet haben, hätte ich Nic eher auf 15 Jahre alt geschätzt, was seinem Verhalten und seiner Sprache mehr entsprechen würde. Das hat mich unfassbar geärgert, hatte ich mich doch auf ein Jugendbuch gefreut, das endlich mal einen älteren, reiferen Charakter beinhaltet. Leider hat sich Nic jedoch darauf begnügt, aus Prinzip alle seine Lehrer doof zu finden, einen muskulösen Lehrer aus Neid auf seinen Körper zu hassen und ihm im Kopf infantile Namen, wie „Nackter-Oberkörper-ich-bin-so-toll-Angelo“ zu vergeben, Erwachsene nachäffen zu wollen, blöde Entgegnungen zu geben usw. Auch hießen bei ihm Menschen, denen er zum ersten Mal begegnet ist und deren Namen er nicht wusste „Nerd“ und „Babyface“.
Das ist einer der wichtigsten Punkte, weshalb ich das Buch mehrmals gerne in die Ecke geschleudert und nicht mehr weiterlesen hätte. Ich finde es sehr traurig, wenn wir 2019 ein Buch schreiben, in dem Personen aus Prinzip einfach so beleidigt werden und so kindisch reagieren.
Die Frauen in dem Buch sind in wunderbaren 60-er Jahre Geschlechterrollen gefangen, vor allem zu Anfang des Buches. Aus diesem Grund hätte ich mein Lesen gerne nach 20% abgebrochen. Die Mutter von Jane hat ein Schönheitssalon und möchte, dass ihre Tochter sich vor dem Abschluss der Uni hübsch aufmacht, um sich somit einen mächtigen Mann zu angeln. Besagte Jane wird uns in ihrer ersten Szene im Buch als ein nacktes Mädchen, nur von einem Slip bekleidet, vorgestellt, die beim Reden mit ihren Freunden Worte „säuselt“. Die Mutter vom Hauptcharakter Nic hat nach dem Ende ihrer Ausbildung keinen Job angenommen, sondern wollte einen schönen Garten, ein tolles Haus und tolle drei Kinder aufziehen. Und arbeitet ein bisschen als Nebenjob für Kinderbücher.
Der Vater des Hauptcharakters Nic ist ein unnahbarer Karrieremann, der niemals da ist für seine Kinder, sich wie ein Fremder mit ihnen verhält und von seinem Sohn beinahe gehasst wird.
Ein paar Auszüge zur Vater-Mutter-Dynamik: Nic fragt seinen Vater, ob die Mutter von einem Geheimnis von ihm Bescheid weiß. Darauf der Vater: „Nein. Ja. Was ich meine: Ich habe es ihr nicht erzählt, doch deine Mutter ist zu schlau, als dass sie nicht wüsste, dass da etwas unter unserem Haus ist“.
Eine weitere Passage: „Manchmal fragte sich Nic, wie es möglich war, dass aus den beiden ein Paar wurde. Vermutlich hatte sein Dad sich geräuspert, worauf seine Mum das kurzerhand als „Willst du mich für alle Zeit hegen und pflegen“ missinterpretiert hatte.“
Diese Passagen möchte ich gar nicht erst anfangen, zu kommentieren. Nur: Großartig. Willkommen 2019. Wow. Wooow.....
Plot
Es gab sehr viel Drama in diesem Buch, um Spannung zu kreieren. Diese wurde allerdings nur künstlich herbeigeführt, nämlich durch fehlende Kommunikation und Auslassungen. A la „Was meinst du, ob es daran liegen könnte, dass … Ach, vergiss es“ oder Szenen wie
Person A: „Was hast du gemacht?“
Person B: „Das sag ich dir nicht“
Person A: „Doch, sag es mir“
Person B: „Nein, sag ich nicht“
Person A stürmt aus dem Raum.
Das fand ich sehr schade. Es wirkte nicht echt, sondern nur als Mittel zum Zwecke der Aufrechterhaltung der Spannung. Echte Menschen hätten in solchen Situationen niemals so gehandelt.
Es gab, wie schon erwähnt, sehr viele Twists. Während ich diese am Anfang recht genossen habe, wurde es ab ca. 80% des Buches echt zu viel. Es fühlte sich an, wie Ping Pong, der ist der Bösewicht, nein der, nein der... Und ich wurde echt müde des Ganzen.
Es gab den berühmten und berüchtigten Bösewicht-Dialog zum Ende des Buches. Mehrmals. Was bedeutet, dass uns der Bösewicht aufgeklärt hat darüber, was er/sie gemacht hat, weshalb er/sie das gemacht hat, wann er/sie das gemacht hat. Viele dieser Handlungen hatten mit Magie zu tun, von der wir bisher überhaupt keine Ahnung hatten, dass sie so möglich ist auf diese Art und Weise, was ich ebenfalls für einen sehr schwachen Aspekt halte. Wenn schon Spannung aufbauen und Fragen schaffen, dann diese doch bitte so aufklären, dass wir es uns hätten irgendwie mit dem Wissen aus den bisherigen Ereignissen erklären können.
Sprache und Kultur
Der Autor hat ganz offenbar versucht, die Sprache der Charaktere jugendlich zu gestalten. Es gibt sehr viele Anglizismen, Nic sagt gerne „Mum“, „Dad“ und „nice“. Andererseits sagt er gerne so etwas wie „du elende“ oder „Das war aber gemein“ und andere Sachen, die ganz ehrlich ein 20-Jähriger niemals in den Mund nehmen würde. Hier entstand für mich eine Diskrepanz, die die Charaktere nicht lebendig gemacht hat, sondern ganz eindeutig als eine geschriebene Person, die so gar nicht existiert.
Wie bereits erwähnt, stammen die Charaktere aus allen möglichen Kulturen, außer der Deutschen. Weshalb, erschließt sich mir nicht ganz. Wahrscheinlich würde es die Zielgruppe des Autors langweilig finden, etwas über Charaktere aus Deutschland zu lesen? Leider hat sich mir an keiner Stelle im Buch wirklich logisch gezeigt, wie genau sich denn nun zeigt, dass die entsprechenden Personen den jeweiligen Kulturen und Ländern angehören. Nic, der eigentlich Kanadier ist, macht zum Beispiel mindestens zwei Mal Witze über Datenschutz, a la „Wow, das ist ja echt cool. Aber da hat wohl keiner an den Datenschutz gedacht“. Und ich habe die starke Vermutung, dass ganz ehrlich niemand auf dieser Welt jemals an den Datenschutz einfach so in seinem Leben denken würde, wie es Deutsche tun. Wirklich niemand. Auch nicht Kanadier.
Ich könnte noch viel viel mehr schreiben, die Rezension wird damit allerdings eher zu einem Essay... Es ist bereits jetzt schon viel zu lang. Allerdings könnt ihr sehen, dass mich das Buch sehr beschäftigt hat und ich unfassbar traurig bin über all die Sachen, die nicht gestimmt haben, da die Geschichte für mich so viel Potenzial hatte!
Ich werde die Serie leider nicht weiterführen, hoffe aber sehr, dass er Autor sich weiterentwickelt und uns in Zukunft ein paar schöne, magische Geschichten, die mehr in sich stimmig sind, liefern kann.