Die Geschichte ist unterhaltsam und besitzt einige spritzige, neue Elemente, die dafür Sorgen, dass die Welt, in der sie spielt, logisch funktioniert. Die praktischen Zusammenhänge von Baum, Orden, Zeitreise und die Regeln der Zeitreise sind gut erdacht.
Ansonsten bin ich auf die gleiche Weise enttäuscht, wie bei vielen anderen Büchern dieser derzeit modernen Kategorie, in die auch Werke wie "Die Magische Gondel", "Rubinrot", "Twilight" und "A Discovery of Witches" fallen, auch wenn ich deren Überbegriff nicht kenne. Die Bücher haben nämlich eines gemeinsam: Weibliche Protagonistinnen, die sich Hals-über-Kopf in ihre männlichen Love-Interests verschießen, welche dann auf entsetzlich dominante, sexistische Art mit diesen Protagonistinnen umgehen. Die einigen haben es mehr (A Discovery of Witches), die anderen weniger (Rubinrot). Die Protagonistinnen werden dabei zwar oft als selbstsichere, ich-lass-mir-nichts-sagen Power-Frauen dargestellt, lassen sich aber aufgrund blinder, zerfließender Liebe, die wohl romantisch sein soll, trotzdem immer wieder unterdrücken und dominieren.
Auch "Die Erbin der Weißen Orchidee" ist dafür ein Paradebeispiel. Der männliche Counterpart zur Protagonistin widert mich in etwa so sehr an wie Edward aus Twilight, nicht ganz so sehr wie der Typ aus A Discovery of Witches. Zusätzlich wirken die Charaktere in diesem Roman aber auch noch so widersprüchlich und inkonsistent, dass ich mir nicht mal 2 Wochen lang (zwischen Audiobuch hören und Review schreiben) deren Namen behalten konnte.
Trotzdem möchte ich dem Buch seinen Unterhaltungswert nicht absprechen. Die Handlung enthält viele gute Ideen und der Schreibstil ist wunderbar kurzweilig. Die Konflikte zwischen den verschiedenen Frauen der Familie habe ich genossen. Ein bisschen mehr hätte sich die Autorin an einer Sprache versuchen dürfen, die einer Zeitreisegeschichte gerecht wird. Natürlich möchte niemand ein Buch im exakten Wortlaut eines andren Jahrhunderts lesen, aber einen sprachlicher Kompromiss während der Handlung in der Vergangenheit hätte sich vermutlich gelohnt. Hier und da gab es ungenutzte Möglichkeiten zum Ausbau.
Fazit: Nicht sonderlich gut, aber unterhaltsam genug für eine lange Autofahrt. Die restlichen Bände werde ich mir nicht zulegen.