Ich habe mich blind in Marlene Dietrich‘s Autobiographie gestürzt, da ich nicht viel über sie wusste und mich die Hollywood-Szene der 30er interessiert. Ich bin mir am Ende immernoch unschlüssig, was für eine Frau sie wohl gewesen sein mag, denn die Art und Weise ihres Erzählens ist voller paradoxe. In einigen Aspekten erscheint sie mir als ein „Opfer ihrer Zeit“; die ständigen Verehrungen ihrer männlichen Beziehungen wirken extrem Unsicher, welches sie zwar offen zugibt, ich aber als ihre negativste Eigenschaft einstufe. Ab einen gewissen Punkt langweilten sie mich sogar, ich wollte mehr über sie lernen, und nicht von irgendwelchen Regisseuren.. Ich habe mehr von ihrem persönlichem Leben erwartet, und nicht von ihren konstanten Versuchen, Bestätigungen von ihren männlichen Kollegen am Set zu gewinnen. Schade finde ich, dass sie ihre eigenen Leistungen und Entscheidungen stets in den Hintergrund schiebt, um die sowieso erfolgreicheren, reicheren und mächtigeren Männer in der Industrie noch mehr ins Rampenlicht zu stellen. An sich ist es nie verkehrt, Dank auszusagen oder Bewunderung auszurücken, nur bin ich mir sicher, dass es auch genug weibliche Beziehungen in ihrem Leben gab, die bestimmt die gleiche Danksagung verdient hätten, beispielsweise die Kostümbildnerinnen. Aus heutiger Sicht würde man dieses Verhalten wahrscheinlich als „Pick Me“ einstufen, allerdings muss man hier wirklich auch auf die Zeit Achten, zu der sie geschrieben hat. Mehrmals nennt sie andere Schauspielerinnen dumm, slut-shamed Marilyn Monroe, Menschen die in die Diskothek gehen statt zu lesen, es scheint tatsächlich so, als hat sie den Drang, andere Frauen oder gar Menschen runterzumachen, um selbst mehr hervorzustechen. Das Gefühl, permanent einen Mann um sich haben zu müssen, der alle Entscheidungen für sie trifft, und dann von sich zu behaupten, dass sie stets für sich selbst einsteht und sich immer wieder als selbstständig und einsam beschreibt, scheint mir einfach zu paradox. Nun zum positiven: Begeistert bin ich von ihrer Offenheit, ihre politische Lage derart kundzugeben und sich dafür einzusetzen, und zu sagen, dass sie eigentlich nie wirklich Freude am Schauspielen empfand. Ich bin mir auch sicher, dass Sie wirklich die Wahrheit erzählt, klar, vom Patriarchat geformt und definiert, aber definitiv für sie Real. Auch wenn ich ihrer Ansichtsweisen aus heutiger Sichweise nicht folgen kann oder möchte, es ist immer gut, aus den Geschichten anderer zu lernen. Es hat ja auch keiner behauptet, dass Dietrich ein Vorreiter des Feminismus war.
Das trübe und pessimistische Ende hat mich (wohl absichtlich) unwohl fühlen lassen. Lustig, dass das von jemanden kommt, der sich stets einen Optimisten nannte…