Eine Geschichte über ein Theater in Kopenhagen, eine Geschichte, in der sich die großstädtische, gehobene Gesellschaft um 1880 als Ganzes erkennen lassen soll. Wie gerne wäre man mondän!
Bang nutzt ein erzählerisches Verfahren, das mich an eine seitlich mitfahrende Kamera erinnert: viele Szenenwechsel, viel Kulisse, viele Gespräche und Feste, viel gezeigtes Personal, keine Deutungen, keine Kontextualisierungen, kaum Innensichten. Außerdem dialogisiert das Personal häufig ellenlang, ohne erkennbar bedeutsame Themen allerdings.
Dadurch war das Buch für mich nur bedingt genussvoll zu konsumieren. In meinen Augen ist Bangs "Markenzeichen" auch kontraproduktiv, da man sich während des Lesens keine Personen aufbauen und mit ihnen mitfühlen kann. Die Abenteuer des jungen Herluf Berg flossen daher so unbemerkt und emotionslos an mir vorbei, wie der Sand auf Amrum über die Dünen rieselt.
Die moralische Ebene, sozusagen die Lehre des Buchs, ist zwar seit der Steinzeit gültig und von Bang deutlich umgesetzt, aber auch trivial: Der Mensch mag den Schein, er hechelt dem einfachen Gewinn hinterher. Keine Geschichte, die mich fesseln konnte.
5 Punkte