Ohne Hans Scholl hätte es die Weiße Rose nicht gegeben. Aber wie kam der 23-Jährige dazu, sein Leben im Kampf gegen Hitler zu riskieren? Robert Zoske zeichnet auf der Grundlage von bisher unbekannten Dokumenten ein neues, faszinierendes Bild von einem jungen Mann, den der Heroismus des Nationalsozialismus ebenso anzog wie eine naturmystische Frömmigkeit, dessen Freiheitsdrang aber seine größte, kompromisslose Leidenschaft war. „Ganz leben oder gar nicht!“, notierte Hans Scholl, und es ist erstaunlich, welche Erfahrungen sich in seinem kurzen Leben verdichten. Während er zum Fähnleinführer in der Hitlerjugend aufstieg, leitete er eine verbotene Jugendgruppe, die abenteuerliche Fahrten unternahm und verpönte Schriftstellerlas. Er liebte Jungen und Mädchen, schrieb Gedichte und Erzählungen. Als Medizinstudent interessierte er sich vor allem für Philosophie und erlebte als Sanitätssoldat das Grauen an der Front. Er war mit Künstlern und Schriftstellern befreundet, verehrte Stefan George und zunehmend Thomas Mann. Robert Zoske zeigt, wie sehr dessen Rundfunkansprachen die Flugblätter der Weißen Rose beeinflussten, die Hans Scholl verfasste und zusammen mit seinen Mitstreitern verbreitete. „Es lebe die Freiheit“, waren seine letzten Worte. Das fesselnd geschriebene Buch lässt dieses Vermächtnis eindrucksvoll lebendig werden.
Die beeindruckende Biographie eines Menschen, der während seines kurzen, aber intensiven Lebens immer und bis zuletzt und mit bedingungsloser Überzeugung für die Freiheit gekämpft hat. Am Ende schreibt Zoske zusammenfassend: "In seiner christlich-politischen Zielstrebigkeit ist Hans Scholl eine irisierende Ikone der Freiheit, ein brennendes und strahlendes Licht. Er war so frei." Indem wir uns an Menschen wie Hans und Sophie Scholl erinnern, und an ihren Kampf für die Freiheit und Würde eines jeden Menschen, wird dieses Licht - die Flamme, die sie entfacht haben - weiterleuchten. Somit fordert uns Ihr Leben und ihr Tod heute noch dazu auf, Widerstand zu zeigen, damit solche furchtbaren Verbrechen, wie sie im Dritten Reich geschehen sind, nie wieder passieren. Ich würde sogar sagen, gerade in einer Zeit wie heute, in der rechte, nationalsozialistische Bewegungen wieder stärker werden, ist es unsere Pflicht (!) diese Flamme am brennen zu halten. Wir alle müssen Erben der Weißen Rose sein!
“Flamme sein!” zeigt neue Perspektiven in Hans Scholls Leben. Das Buch ist teilweise in anspruchsvoller Sprache verfasst und ermöglicht einen theologischen Blick auf Hans Scholl und die Weiße Rose. Auf jeden Fall lesenswert, für jeden, der historisch und vor allem an der Weißen Rose interessiert ist.
Eine Biographie, die viele neue Details bietet - das macht das Buch mehr als interessant und wertvoll. Und der Zeitgeschmack der Sprache mag in den Zitaten für heutige Ohren übertrieben schwülstig klingen - und man mag die Religiosität von Hans Scholl nicht immer nachvollziehen können. Aber für mich klingt die Sprache an manchen Stellen zu sehr nach theologischem Extrakt. Dennoch - lesenswert!