Ich gehöre zu den Lesern, die nach "Schlafes Bruder" sehr gespannt waren auf die kommenden Werke dieses neuen Schriftstellers. Aber die nächsten drei Bücher, die ich, zugegeben viele Jahre später, von ihm lesen sollte, waren alle durchweg enttäuschend. Auf sprachlicher Ebene sind die Werke von Robert Schneider höchst eigenwillig. Der Inhalt, die literarische Landschaft, und die sperrige, anachronistische Diktion in Schneiders Debütroman waren in sich sehr stimmig und konnten darum überzeugen. Teil II seiner Rheintalischen Trilogie spielt hingegen in den 70er / 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, und innerhalb dieses zeitlichen Rahmens kann die zopfige Erzählweise keinen Charme mehr versprühen.
Inhaltlich empfand ich "Die Luftgängerin" als höchst unzureichend, in gewisser Hinsicht stellenweise gruselig. Keine der Figuren kann überzeugen oder Sympathie erwecken. Maudi, die eigentliche Titelfigur, tritt lediglich am Rande auf. Der Autor bevorzugt es, detailliert von den vielen bizarren, dysfunktionalen Einwohnern des vorarlbergischen Städtchens Jakobsroth zu erzählen. Zu viele Handlungsfäden werden hier aufgegriffen, die sich nie zu einem narrativen Gesamtbild verdichten. Gruselig fand ich vor allem dies: Was das übersinnlich begabte Mädchen Maudi zur engelsgleichen Gestalt, zur Luftgängerin macht, ist offenbar die Tatsache, dass sie sich aus Mildtätigkeit prostituiert, und sich aus Mitleid beliebig den Männern hingibt. In Anbetracht der Tatsache, dass der Autor in seinem nächsten Buch, "Die Unberührten", mit seiner Hauptfigur Antonia Sahler ähnlich verfährt, stellt sich mir die Frage, über welches Frauenbild Robert Schneider wohl verfügt und seinen Lesern vermitteln möchte.
„Ein Luftgänger ist ein Mensch, der nur auf sein Herz hört. Er gehorcht niemandem auf der Welt. Der Luftgänger tut, was er will. Der Luftgänger hat vor nichts und niemandem Angst. Vor allem nicht vor sich selbst. Und weil er keine Angst hat und immer auf sein Herz hört, kann er durch die Lüfte gehen.“
Maudi ist eine Luftgängerin und damit für andere schwer zu (be-)greifen. Der Roman bleibt zwar oft mystisch umnebelt, hat mich aber von der Stimmung mehr angesprochen als sein Vorgänger, mit dem er sonst nur den Handlungsort gemein hat.
Als ich nach 2/3 des Buches auf wikipedia las, es sei von der Kritik zerrissen worden, war ich höchst überrascht. Ich gebe zu, den zopfigen Stil hatte ich kaum bemerkt, weil ich selbst auch zopfig schreibe, und die freie Liebe war nicht Neues für mich, nachdem ich Denaerde (wo die Wirklichkeit allerdings anders aussieht) und Alexandre Jardins „Insel der Linkshänder“ gelesen hatte. Er beschreibt auch wenig, was Maudie macht, obwohl sie seine Hauptfigur ist; trotzdem fanden es wohl viele „shocking“. Die Rheintäler kommen ganz schlecht weg, obwohl er selber einer ist. Das (dass er einer ist) merkt man in der Panzer-Episode: dem Autor scheinen seine Figuren egal zu sein, er kann sie ebensogut alle plattmachen. Außer einigen, denn das Buch soll nicht damit enden; tut es aber praktisch doch. Positiv ist, neben dem Humor und dem Stil, auch, dass er, der mit Márquez verglichen wird, das Fantastische auf für mich erträgliche Weise darstellt, während mir Márquez nicht den Hals runter geht. Allerdings war es für mich deshalb weniger unglaubwürdig, weil ich selbst Ähnliches erlebt habe.
Kaikille kirjoille on lukijansa, tällekin varmasti. Mutta suoraan sanottuna huonoin kirja, mitä muistan pitkään aikaan lukeneeni. Yhdessäkään hahmossa ei ollut mitään, mikä olisi saanut välittämään heistä. Miljöö olisi voinut olla kiinnostava, mutta... no, ei vaan ollut. Ehkä se johtui käännöksestä, en tiedä. Toisaalta, ei kääntäjäkään ihmeisiin pysty, jos alkuteksti on mitä on...