Familienpsychologin Sophie Seeberg erlebt tragische, rührende und so absurde Dinge, dass sie auch nach zwanzig Jahren Berufserfahrung noch immer nach der versteckten Kamera sucht. Zum Beispiel, wenn eine junge Mutter auf die Nachricht, dass ihre Tochter nicht bei ihr, sondern in einer Pflegefamilie leben wird, strahlend erklärt, das sei gar nicht schlimm, denn sie habe sich ja jetzt schon einen Hund gekauft. Wenn Maik-Tylors Mutter der festen Überzeugung ist, dass ihr kleiner Sohn keinerlei Bio-Produkte vertrage und sie ihn daher ausschließlich von Fast-Food ernährt. Oder wenn sich Lenas Stiefvater vor ihrem leiblichen Vater durch eine Selbstschussanlage im Vorgarten schützt.
Wenn man über das erste Kapitel hinaus kommt, ist das Buch recht ok. Jedoch kann ich nicht umhin in meine Bewertung die Reduzierung einer Dame auf ihre sekundäre Geschlechtsorgane miteinzubeziehen. Das hat nichts mit Erziehung zu tun und die dauernde Erwähnung im ersten Kapitel ist schon over the top. Ansonsten scheint sich Frau Seeberg durchaus Mühe in ihrer Arbeit zu geben und versucht den Eltern immer wieder begreiflich machen, dass das Kindeswohl an erster Stelle steht. Die geschilderten Fälle sind interessant und es gibt ein breites Spektrum an Eltern und deren Vorstellungen von Kindererziehung.
Als Sozialarbeiterin fragen mich immer wieder Bekannte aus anderen Berufsgruppen, wie mein Arbeitsalltag so aussieht. Manchmal empfehle ich dann einen Blick in die Bücher von Sophie Seeberg. Der Autorin gelingt das quasi unmögliche: humorvoll über Familien in teilweise skurrilen Situation zu schreiben, ohne den Respekt vor den Menschen und ihren Lebenswelten zu verlieren.
„Der Maik-Tylor verträgt kein Bio“ ist der dritte Band über Sophie Seebergs Erlebnisse als Gerichtsgutachterin und Familienpsychologin. Die drei Bände können vollkommen unabhängig voneinander gelesen werden, sie bauen weder inhaltlich noch chronologisch aufeinander auf.
Auch im dritten Band der Reihe plaudert Sophie Seeberg munter aus dem Nähkästchen ihrer Erfahrungen und erzählt, was sie bei der Begutachtung von Maik-Tylor, Janis und Jimi und weiteren Kindern und Jugendlichen erlebt hat. So nimmt sie den Leser mit in eine Hippie-WG, in Sozialwohnungen oder eine durch eine Selbstschussanlage geschützte Villa. Bei der Auswahl der geschilderten Fälle hat die Autorin bewusst, wie sie auch im Vorwort bestätigt, nur solche ausgesucht, die für die betroffenen Kinder auf die eine oder andere Art gut ausgegangen sind und bei denen sich die Situation durch Frau Seebergs Gutachten gebessert hat. Alle Daten sind natürlich anonymisiert.
Der Schreibstil ist humorvoll und vor allem lebendig. Man kann die gezeichneten Personen quasi vor sich sehen und hat das Gefühl, zusammen mit der Autorin über matschige Bauernhöfe zu stapfen, mit den Kindern zu spielen oder mit Familien und Anwälten im Gerichtssaal zu sitzen.
Ich liebe ,liebe,liebe die Bücher von Frau Seeberg. Man merkt ihr ganz genau an, dass sie ihren Beruf sehr mag und menschen gegenüber immer fair und hilfsbereit ist. Auch hatte ich im Buch nie den Eindruck als sei irgendeine Geschichte despektierlich oder gar bösartig gemeint. Der Schreibstil ist klasse und hat einen enormen Wiedererkennungswert. Jede Geschihcte ist so perfekt aufbereitet und erzählt, dass die Gratwanderung zwischen Fremdschämen, Heulen und Wut und heimlichem Gekicher auf die jeweils vorgestellten Personen absolut gelungen ist. Bitte bitte liebe Frau Seeberg mehr davon.
Da ich nicht so schöne Sätze drechseln kann wie einige andere, beschränke ich michdarauf zu sagen, daß dieses Buch mir erwartungsgemäß wunderbar gefallen hat. Es war aber etwas nachdenklicher als die Vorgänger und hatte mit den Tipps für Eltern und Erziehungsbegleiter irgendwie einen abschließenden Charakter, soll das heißen, daß es keinen Nachschub gibt?
Habe nach 16% abgebrochen, weil die Autorin sehr herablassend über ihre Klientin gesprochen hat. Ich verstehe, dass viele Menschen, die der Autorin tagtäglich begegnen, schlimme Dinge tun. Die Aufbereitung und Darstellung gefällt mir überhaupt nicht, deshalb lese ich nicht weiter.
Inhalt: Auch in ihrem dritten Buch beschreibt Sophie Seeberg Fälle, die sie in ihrer Tätigkeit als Gutachterin beim Familiengericht erlebt hat. Dabei versucht sie immer, die Lösung zu finden, die das Beste fürs Kind ist. Sie geht dabei aber durchaus selbstkritisch an die Aufgabe heran, was es recht erfrischend zu lesen macht. Wenig normative 'So ist es'-Botschaften an zu begutachtende Familien, wenn auch in diesem Buch doch einmal normative Sätze fallen. Nicht aber zu den Fällen, sondern an die Leser gerichtet. So finden sich hier Ratschläge und Bitten, wie man umgehen könnte, überhaupt erst ein Fall für das Familiengericht zu werden.
Leseeindruck: Hier muss ich mein Erleben beim Lesen mal als einen gesonderten Punkt darstellen, weil dieses Buch eine recht emotionale Reise war. Zunächst einmal sei vorangestellt, dass auch dies kein per se lustiges Buch ist. Das 'reißerisch' wirkende Titelbild und der Name lassen für dein Käufer, der die Vorbände nicht kennt, diesen Eindruck entstehen, aber dem ist nicht so. Und das sollte es auch nicht sein. Zumindest finde ich besser, wie es jetzt, hier, auf Papier ist. Denn nur lustig zu sein, würde der Sache ihren Ernst nehmen und die Möglichkeit, Mitgefühl beim Lesen zu entfalten, begrenzen. Es gibt lustige Stellen und gerade Sophie Seebergs Vorstellungskraft, ihr Kopfkino in manchen Situationen ist einfach nur auf niedliche Weise lustig. Aber das sind die wenigsten Stellen. Aber gehen wir chronologisch zwei Momente durch, die ich mir markiert habe. Da gibt das Kapitel, in dem eine Mutter ihre Kinder eiskalt im Stich lässt, bei fremden Menschen in einer Kommune, und sich aus dem Staub macht. Und dennoch schreibt Seeberg, die dafür gesorgt hat, dass die Kinder in eine liebevolle Pflegefamilie kommen, dass ihr die Mutter leid tut. "Sie hat ihre Kinder verloren. Selbst verschuldet zwar und im Grunde ja sogar selbst gewählt. Aber ich glaube nicht, dass Joan Huber glücklich ist mit ihrem Leben." Diese drei Sätze wirken völlig unscheinbar, waren für mich dennoch aber etwas Besonderes. Denn hier sieht man, dass die Autorin nicht nur das Beste für die Kinder zu erreichen versucht, sondern auch Mitgefühl für die 'Böse' in der Geschichte aufbringen kann. Etwas, wozu ich möglicherweise nicht die Größe gehabt hätte. In einem anderen Kapitel habe ich heiße, beklemmende Wut gespürt. Nicht auf die Autorin, sondern auf eine ihrer Kolleginnen. Es hat mir den Hals zugeschnürt. Und dennoch ... mochte ich das. Weil ich es mag, wenn ein Buch mich erreichen und berühren kann. Das Buch war eine Achterbahnfahrt der Emotionen. Ich habe mehrfach geweint, einmal laut losgelacht, ich war wütend, verzweifelt, glücklich und traurig. Aber langweilig war mir nie. Und es hat mir einen Ohrwurm verpasst, der mir zwei Tage im Ohr blieb und mir durch eine schwierige Situation geholfen hat.
Fazit: Eigentlich hatte ich diesem Buch vier Sterne geben wollen. Ich mochte es, glaubte aber kurz vor Ende, mich nicht in es verliebt zu haben. Das ist für mich der Maßstab für den fünften Stern, ich muss ein Buch lieben, heiß und innig. Dann kam aber das letzte Kapitel und die entsprechende Ankündigung. "Das hier ist nun das letzte Kapitel." Und schon hatte ich Tränen in den Augen. Das passiert mir sonst nur bei Serienfinalfolgen. Und dann auch jedes Mal wieder, egal wie oft ich sie schaue. Aber auch hier hatte ich dieses bittersüße 'Es ist vorbei und es wird nie wieder das erste Mal lesen geben'-Gefühl und ich habe geweint. Geweint, weil ein Buch nicht zu Ende sein sollte. Und da war mir klar, dass ich es wohl doch liebe. Ich möchte es jedem raten. Kann das aber nicht. Man sollte schon eine gewisse Toleranz für dramatische Situationen haben. Dies ist kein Feel-Good-Buch, sondern erfordert Empathie und auch, dass man auch das eigene Gefühlsleben erkunden möchte. Es ist mehr ein Drama als eine Komödie. Aber all den Menschen, die sich für die Thematik interessieren, auch den Magen haben, um zu ertragen, dass Kinder zuerst in unangenehmen Situationen sind, all denen, die gut unterhalten werden wollen, in jeder Richtung des Gefühlsspektrums, denen sei dieses Buch ans Herz gelegt.
Wieder ein sehr gutes Buch von Sophie Seeberg. An einer Stelle musste ich tatsächlich weinen, bei manchen schmunzeln, und ich fühlte mich sehr gut unterhalten. Ein paar mal triftete die Autorin für meinen Geschmack etwas zu sehr ab (Beispiel ihre Erinnerungen an Taschenmesser), ich mag aber den Schreibstil ansonsten und nehme es ihr zu 100% ab, ihren Beruf zu lieben und immer im Wohle der Kinder zu handeln.
„Der Maik-Tylor verträgt kein Bio“ ist bereits der dritte Band über Sophie Seebergs Erlebnisse als Gerichtsgutachterin und Familienpsychologin. Die drei Bände können vollkommen unabhängig voneinander gelesen werden, sie bauen weder inhaltlich noch chronologisch aufeinander auf. Trotzdem empfehle ich gerne die Lektüre aller drei Bände, in beliebiger Reihenfolge. Nicht, weil es zum Verständnis nötig wäre, sondern weil sie einfach toll sind.
Auch im dritten Band der Reihe plaudert Sophie Seeberg munter aus dem Nähkästchen ihrer Erfahrungen und erzählt, was sie bei der Begutachtung von Maik-Tylor, Janis und Jimi und weiteren Kindern und Jugendlichen erlebt hat. So nimmt sie den Leser mit in eine Hippie-WG, in Sozialwohnungen oder eine durch eine Selbstschussanlage geschützte Villa. Dabei zeigt sie viel Humor, bleibt aber stets respektvoll, ohne auf die teilweise (aber bei weitem nicht nur) bildungsfernen Familien hinunterzublicken. Bei der Auswahl der geschilderten Fälle hat die Autorin bewusst, wie sie auch im Vorwort bestätigt, nur solche ausgesucht, die für die betroffenen Kinder auf die eine oder andere Art gut ausgegangen sind und bei denen sich die Situation durch Frau Seebergs einfühlsames Eingreifen gebessert hat. Sei es, dass die Eltern eingesehen haben, dass sie Fehler begangen haben (oder schlicht nicht genügend wussten, um n mit dem Kind richtig umgehen zu können), oder dass die Kinder in einer liebevollen Pflegefamilie aufwachsen durften. So wurde ich zwar bei einigen der Geschichten ziemlich wütend auf die verantwortlichen Erwachsenen, konnte die Kapitel aber immer mit einem Lächeln (und das eine oder andere Mal auch mit ein paar Tränen vor Rührung in den Augen) beenden.
Nicht komplett überzeugen konnten mich die Anekdoten, die nicht mit konkreten Fällen, sondern Sophie Seebergs Ausbildung zu tun hatten oder den Lesern allgemeine Anregungen geben sollten. Sie passten meines Erachtens von der Stimmung her nicht zu den restlichen Geschichten. Ich fand sie aber nicht so unpassend, dass ein Punkteabzug gerechtfertigt gewesen wäre.
Der Schreibstil von Sophie Seeberg hat mich auch in diesem Band wieder sehr angesprochen, er ist so lebendig, dass ich bei der Lektüre den Eindruck hatte, zusammen mit der Autorin über matschige Bauernhöfe zu stapfen, mit den Kindern zu spielen oder mit Familien und Anwälten im Gerichtssaal zu sitzen. Da alle Fälle tatsächlich so passiert sind, sind natürlich alle Namen (inklusive der der Autorin) frei erfunden, um die Privatsphäre der Betroffenen zu schützen.
Mein Fazit
Zum dritten Mal hat mich Sophie Seeberg voll überzeugt. Ich freue mich schon auf Band vier.