Julia Friedrichs untersucht in ihrem Buch den Begriff Elite, der zunehmend in Politik und Wirtschaft benutzt wird. "Wir brauchen wieder mehr Elite" ist dieser Tage eine beliebte Formulierung. Doch was bedeutet er überhaupt? Die Autorin bittet Schüler und Studenten an Internaten und Privatuniversitäten um eine Definition und was sie hört ist oft furchterregend bis unerträglich. Mit einem ekelhaften Selbstverständnis behaupten diese jungen Leute, die meistens nur wegen Papis Geld Porsche fahren und die Privatuni besuchen können, wer es nicht nach oben schafft, ist selbst schuld. Leistung zählt, sonst nichts. Die Welt lässt sich in Verlierer und Gewinner einteilen, so lautet der allgemeine Konsens. Verschwiegen wird dabei, wie man in diese Welt der Topgehälter kommt: nur durch die richtigen Verbindungen und die werden vererbt wie Omas Perlenkette. Das Buch stellt infrage, warum die Menschen, die sich Elite nennen, den Anspruch erheben, Verantwortung übernehmen zu können. Wer bestimmt denn, wer Elite ist und wer nicht? Wer kommt nach oben? Die Reichsten, die ohnehin schon oben sind? Die Klügsten, die es ohne das entsprechende Elternhaus auch nicht nach oben geschafft hätten? Oder die Angepassten, die brav machen, was im Lehrbuch für Karrieristen steht? Sehr kritisch, aber auch neugierig begegnet Julia Friedrichs ihren Interviewpartnern. Sie begibt sich in eine komplett andere Welt als die, die sie aus ihrer Studenten/Lebenskünstler WG kennt, in eine Welt auf die das Etikett Paralellgesellschaft weitaus besser passt als auf Dönerbudengesäumte Stadtteile in Berlin. Denn was die Elite vor allem auszeichnet, ist die Abschottung vom Rest, den Normalen, die einen 16-Stunden Tag rückständig finden und die 1000 Euro im Monat verdienen, nicht für die Kita ausgeben. Friedrichs Buch ist aufschlussreich, sie liefert ein interessantes, wenn auch oft schockierendes Portrait einer Gesellschaftsschicht, die schon lange den Bezug zur Realität verloren hat.
Nicht mehr neu, aber wahrscheinlich immer noch gültig. Und einigermaßen beängstigend. Einer der interviewten Studenten (der sich auch mit dem Elite-Begriff kritisch auseinandersetzt) sagt dazu: "...Ein Großteil hier denkt nur: Was ist gut für die Wirtschaft? Aber wir müssten doch eher fragen: Wie kann die Wirtschaft allem anderen dienlich sein?" Und dann schaue ich mir die aktuelle politische Entwicklung an und frage mich, wie lange schon Menschen aus diesen "Eliteschmieden" unser Land führen. Und wohin...
Absolut lesenswert also, ohne wirklich neue Erkenntnisse, dafür aber endlich mit Worten und Zahlen für ein bisher eher difuses Gefühl.
Sehr schnell gelesen, aber man muss auch mitbedenken, dass das Buch 2008 erschienen ist. Viele "Neuheiten" sind heute weitgehend bekannt. Trotzdem interessant zu lesen, mich hätten aber auch mehr persönliche Geschichten interessiert.
Nur eines: absolut unerträglich war die Angewohnheit der Autorin, im Text zu behaupten, dass Leute sie "beim Nachdenken" mit ihren Ansichten stören oder unterbrechen würden. In einem Gespräch, einen Interview, um das sie selbst gebeten hatte! Es wirkt jedes Mal aufs neue als wäre sie überhaupt nicht an ihrem Gesprächspartner interessiert.
Ich hatte zuvor ein Buch zum Thema Talente/Gene ("Die Durchschnittsfalle" gelesen und bin durch Zufall auf das Buch von Julia Friedrichs gestoßen. Insgesamt hat es mir gut gefallen, da sie einem einen umfassenden Einblick in die "deutsche Elite" gegeben hat. Viele Dinge würde man so nicht erfahren, weil man als "Normalbürger" gar nicht in diesen Kreisen verkehrt. Daher war das Buch umso interessanter.
I liked the idea of the book that I had when I read the blurb, but unfortunately, I didn't enjoy the execution. Perhaps it's because I've already delved into the topic on a scientific level and have read a lot of technical literature. In any case, the book seemed a bit too superficial and one-sided to me. The topic is more complex than it's portrayed. It often repeats itself and doesn't tell me anything new. I'm therefore glad that it's over.
3.5 Persönliche Auseinandersetzung der Autorin mit dem Elitebegriff. Teilweise veraltet inzwischen, aber dadurch auch ein ganz lustiges Zeitdokument. Spannende Einblicke in die Welt von reichen Karriereleuten. Persönliche Einschübe und WG-Geschichten hätten von mir aus weggelassen werden können.
"Gestatten: Elite" beschäftigt sich mit einem interessanten Thema und ist auf jeden Fall lesenswert. Es würde mich wirklich interessieren inwiefern sich das Thema seit Veröffentlichung des Buches weiterentwickelt hat.
Mit ihrem tollen Schreib- und Erzählstil, der mir schon in "Working Class" gefallen hat, berichtet Julia Friedrichs von ihren persönlichen Erfahrungen, die sie mit der jungen, deutsche Elite gemacht hat und zeigt auf, dass das Mantra "Jeder kann es schaffen" eine Lüge ist.
Sie gibt Einblick in eine sich immer weiter abschottende Elite, die sich mehr und mehr von der Realität der meisten Menschen entfernt, weil der Eintritt in ihre Reihen einen Habitus braucht, den man nur erlernen kann, wenn man in eine solche Elitendynastie hineingeboren wird.
Am Ende entsteht, den Eindruck gewinnt man, ein Eliten-Feudalismus, der ein massives Problem für die demokratische Stabilität ist, auch wenn man mit manchen Protagonisten aus dem Buch durchaus Mitleid bekommt, wenn man sieht, wie sie das Gatekeeping kaputt macht.
Very nicely written. I find the author gives a valuable and critical insight into this publicly not very well known part of German society. Alone from a political perspective I hope a lot of Germans read this book and start thinking and comparing... I found some of the authors quotes very insightfull. They show quite well the attitude of some of those generally referred to as "elite". Very insightfull was one quote: "you unemployed are the reason why we can only drive three Porsches"...
Großartiges Buch, das Einblick in so viele vermeintliche Elite-Schmieden gibt. Viele Interviews und interessante Beobachtungen. Aus einer sehr persönlichen Perspektive geschrieben, so dass es nicht langweilig wird. Besonders zu empfehlen für Leute, die gerade auf der Suche nach ihrem Karriere-Weg sind, z.B. nach Abitur oder Ende des Studiums.