Bonnie Black ist 78 Jahre alt, schwer schlaganfallgefährdet und blickt am scheinbaren Ende auf ihr bisherigen Leben und die vielen Verluste zurück. Als Atheistin glaubt sie nicht an Gott, den Himmel und die Hölle, hat aber auch gerade wegen dieser Ungewissheit Angst vor dem bevorstehenden Tod. Als sie an den Folgen eines letzten Schlaganfalls stirbt, warten weder Gericht, Fegefeuer, noch Himmelspforte, sondern die Wiedergeburt in Adystria, einer gewaltigen Welt, in der jeder Verstorbene zurückkehrt, ob gut oder böse.
Bonnie bleibt wenig Zeit, sich an die neuen Umstände zu gewöhnen. In dem Körper ihres fünfundzwanzigjährigen Ichs muss sie eine lang überlieferte Prophezeiung erfüllen, einen Krieg zwischen Gut und Böse entscheiden und ihren ermordeten Mann finden. Zusammen mit ihrem Vater Tom und ihrem Hund Roy-Boy macht sie sich auf, das blutige Abenteuer zu bestehen.
Mark Millar ist zwar einer der Namen in der Comic-Szene, ich hadere aber leider mit seinen Geschichten und wurde weder von Empress, Kingsman noch Kick-Ass wirklich überzeugt, die ich entweder schlecht (Empress) oder durchschnittlich (Kingsman) bis „okay“ (Kick-Ass) finde. „Reborn“ lässt sich grundsätzlich erst mal als klassischen Miller einordnen. Für manche wird das ein Grund zum Kauf sein, andere werden gleich dankend ablehnen.
Wir haben hier eine actiongeladene, sehr schnell erzählte Geschichte (deren Prämisse mich sehr an "die Brüder Löwenherz erinnert hat) mit einer Reihe an meistens oberflächlich ausgebauten Figuren. Entsprechend lesen sich die sechs Hefte sehr zügig, zum Schluss wartet ein krachendes Finale.
Es gibt wie z.B. bei Empress eine Reihe sehr interessanter Ideen, sei in Bezug auf Orte, Figuren, Designs im Allgemeinen, die aber nicht entwickelt werden und an denen sich der Leser nur ein, zwei Panels erfreuen kann. Geschuldet ist das wieder dem hohen, manchmal gehetzt wirkendem Erzähltempo, das gefühlt viele der Ideen einfach hinter sich lässt. Ich finde das sehr schade und frage mich manchmal, ob man für diese Ideen kein Konzept entwickeln konnte oder wollte. Es ist nicht so, als müsste jede Fantasy-Sci-Fi-Welt bis in die letzte dunkle Ecke ausgeleuchtet werden, aber der Geschichte hätte es m.E. gut getan, wenn die Serie auf mehr Ausgaben ausgelegt gewesen wäre. Reborn ist visuell sehr opulent, es bleibt aber das Gefühl, dass es wichtiger war, die Serie schnell zu Ende zu bringen, als etwas aus den ganzen Ideen zu machen.
Das gilt im Übrigen auch für die Charaktere. Bonnie Black lernen wir als alte Damen kennen, die nicht an Gott glaubt, nach dem Todes ihres Mannes verbittert ist und dann in Adystria zur Kämpferin für das Gute aufsteigt. Es sind immer wieder einzelne Dialoge und Monologe, denen zu entnehmen ist, dass da mehr unter der Oberfläche steckt oder zumindest stecken könnte, nur dringt der Autor nicht dahin vor. Ich schrieb es schon, ich wiederhole mich: Vor allen Dingen finde ich das schade.
Die Handlung selbst ist dabei einfach gestrickt. Millar vermeidet an einigen Stellen zwar den Fehler, Handlungswendungen zu vorhersehbar zu gestalten und das verdient auch eine positive Erwähnung, an anderen entscheidet er sich dann genau für das Gegenteil, vor allem zum Finale hin. Das würde ich an der Stelle jetzt einfach mal durchgehen lassen, dafür kam Millar die bescheuerte Idee, Bonnie ihren früheren Kater Frost gegenüberzustellen, der sie dafür töten möchte, dass sie ihn hat kastrieren lassen ...
Schlussendlich: Die Zeichnungen von Greg Capullo sind wie gewohnt von hoher Qualität, da lässt der Autor bei der Partnerwahl wieder mal nichts anbrennen.
Fazit: Wieder sehr viel Potential mit tollen Zeichnungen, aber mehr als einmal musste ich während des Lesens an das Schlagwort "lazy writing" denken.