Ein Jahrhundertsommer über dem ganzen Land, ein Mordfall, dessen Lösung zu viele Fragen offen lässt, und ein hartnäckiger Journalist, der den Zweifel zum Prinzip erhebt: In unnachahmlichem Ton entwirft Gila Lustiger ein Bild der Grande Nation, das Land und Leute lebendig werden lässt und einen der empörendsten Wirtschaftsskandale Frankreichs in einem fesselnden Gesellschaftsroman präsentiert. Zehn Zeilen – mehr hat Marc Rappaport einem 27 Jahre zurückliegenden Prostituiertenmord, der jetzt durch DNA-Abgleich gelöst sein soll, nicht zu widmen gedacht. Und doch will er mehr über die Geschichte der jungen Frau erfahren, die mit 18 aus der Enge ihrer Industriekleinstadt nach Paris floh, um zu studieren, und dort in die Prostitution schlitterte. Dabei stößt er bald auf einen Skandal von schockierendem Ausmaß, der die unlösbaren Verstrickungen von Wirtschaft, Geld und Politik durchscheinen lässt. Was als klassische Ermittlungsgeschichte beginnt, entpuppt sich bald als ein atmosphärisch dichter und mit souveräner Leichtigkeit erzählter Gesellschaftsroman über ein ganzes Land und unsere Gegenwart.
Durch neue Untersuchungsmethoden wie die DNA-Analyse steht ein alter Mordfall vor der Aufklärung. Vor 28 Jahren wurde die junge Prostituierte Emilie Thevenin vergewaltigt und zu Tode geprügelt. Der Verdächtige hat die Tat allerdings nicht gestanden. Der Journalist Marc Rappaport hat durch seine guten Kontakte zur Polizei die Möglichkeit nahe an den Verdächtigen heranzukommen. Seiner Meinung nach kann etwas mit der Geschichte nicht stimmen. Rappaport beginnt, nach den Hintergründen der Tat zu forschen. Immer mehr verbeißt er sich in seine Untersuchung. Er überredet seinen Chefredakteur, einen ausführlichen Artikel zu bringen und Marc zu unterstützen.
Eigentlich kommt der Journalist Marc Rappaport aus gutem Haus. Sein Großvater hat ein milliardenschweres Unternehmen aufgebaut. Doch Marc konnte sich nie mit der Firma identifizieren. Wie seine Eltern hat er sich entschlossen, einen normalen Beruf zu ergreifen. Wenn er für einen Bericht recherchiert, vertieft er sich dermaßen in seine Arbeit, dass er alles um sich vergisst und der Rest unwichtig wird. Das begeistert seine Freundin Deborah nicht so sehr. Hilfe bekommt er dafür durch seinen Praktikanten Antoine, der sich entgegen aller Erwartung als echter Gewinn erweist. Und so entblättert er nach und nach Schicht um Schicht der Ereignisse um den Tod einer jungen Frau.
Zunächst mögen einige Beschreibungen etwas ausschweifend erscheinen, doch je länger man sich in diesen Roman vertieft, desto interessanter und verwickelter wird die Handlung. Man muss schon aufpassen, damit man jede Nuance erfasst. Unterschiedliche Geschichten bilden Schnittmengen oder berühren sich. Die verschiedenen Verschachtelungen formen sich zu einem Gesamtbild, das nach und nach immer mehr fesselt. Kaum zu glauben, was sich dort offenbart. Mit einem vermeintlich einfachen Mordfall zeigt sich lediglich die Spitze eines Eisberg. Die Story reicht bis in höchste Kreise von Industrie und Politik. Hervorragend wie Marc Rappaport und seine Helfer jede kleine Information nutzten, die sie dem Inneren des Spinnennetzes näher bringt.
3,5/5- Es war ganz nice, teilweise aber einfach ein wenig lang gestreckt, das war bisschen anstrengend. aber ansonsten eine sehr interessante story mit einem coolen fall und vielen eindrucksvollen gedankengängen und gesprächen.
Die Suche danach, was Frankreich, vielleicht unser aller globalisiertes Leben, ausmacht
„Wir brauchen keine Gerechtigkeit. Ein Kompromiss ist uns lieber als der gerechte Krieg.“ S. 328 Eine ernüchternde Aussage ernüchterter Menschen, die nicht zu den Gewinnern gehören, aber einmal nicht zu den Verlieren zählen wollen. Und dann gibt es andere, Menschen wie Marc Rappaport und wie Emilie Thevenin, die nicht nachgeben wollen. Das wenig begüterte Provinz-Mädchen Emilie geht nach Paris zum Geschichts-Studium, lässt sich ein auf das schnelle Geld für die schnelle Nummer und wird ermordet, 1984. Nur eine weitere tote Prostituierte – doch DNA-Spuren führen jetzt, dreißig Jahre später, weiter. Marc wittert eine Geschichte dahinter und beginnt, zu graben, er ist „Einer, der noch nicht gelernt hatte, sich mit Kompromissen herumzuschlagen wie jedermann.“ S. 24
Er wird tief graben in diesem Buch, das die französische Geschichte der Gegenwart darstellt, ohne dass man sich dafür großartig anstrengen muss, in einem Frankreich, das gewaltige Umbrüche erfahren musste, den Niedergang der traditionellen Industrien, der ganze Regionen veränderte. Einige Gymnasien erlauben neben dem Erwerb des Abiturs parallel den Abschluss einer Berufsausbildung, strikt auf die Bedürfnisse der lokalen Konzerne ausgerichtet. „Die Erfahrung der Arbeitslosigkeit saß der Provinz zu tief in den Knochen, hatte zu sehr die Erbsubstanz verändert, als dass einem eingefallen wäre, diese Kinder etwas lernen zu lassen, das kein sicheres Einkommen gewährte.“ S. 191 Eine Umverteilung der Macht und der Freiheit hat längst stattgefunden – die Konzerne entscheiden. Warum musste Emilie sterben? Welche Rolle spielt ihr Geburtsort? Im Verlauf der Recherche wird Marc von Prinzipien abweichen, in die Schusslinie geraten, unerwartete Wendungen erleben, Erschütterung.
„Der ganze Trick…ist, die Welt mit den Augen deiner Personen zu sehen.“ S. 304 so erklärt Marc, wie er es schafft, bei der Recherche die winzigen Details nicht zu übersehen. Wie ein Süchtiger taucht er in seine Recherche ein – und der Leser mit, in die Abgründe von Reise- und Zwangsprostitution, gesellschaftlichem Wandel, von Konzernen ohne Gewissen, von der Angst um den Arbeitsplatz, von Lücken in der Gesetzgebung, der Bündelung von Macht, den sinnlosen Gewaltexzessen, der Islamisierung. „Die gesamte journalistische und politische Elite nahm schon lange nicht mehr am gesellschaftlichen Leben ihres Landes teil. Sie war so isoliert wie Strafgefangene, nur dass sie sich selber ausgeschlossen hatte.“ S. 302. Emilies Vater war einer der Verlierer dieser Entwicklung.
Lustiger vertraut darauf, den Leser die Welt mit den Augen Marcs sehen zu lassen, aber nicht durchgängig. Zwischendurch kommen erklärende Absätze, lässt sie Marc philosophische Erwägungen anstellen. Das hebt das Buch weit über das Krimigenre, wenngleich es spannend bleibt, kommt jedoch nicht ganz ohne den erhobenen Zeigefinger aus. Und auch jüdische Identität muss erörtert werden, fast schon „Attack“-ähnliche Schlüsse müssen gezogen werden „Der Produktionsfaktor Mensch ist schon lange ersetzbar.“ S. 381. Ich mag dafür nur einen halben Stern Abzug geben, weil sie es so grandios schreibt, auch wenn sie gar viele Themen bedient und häufig glauben macht, die Komma-Taste der Tastatur am liebsten bedienen zu wollen: „Und obwohl es als Lob gedacht war, als Anerkennung seiner Fähigkeiten, diese Frau ergattert zu haben, hätte er den Eindringling, der unbefugt an etwas teilgenommen hatte, was er, Marc, alleine hatte genießen wollen, am liebsten zusammengestaucht.“ S. 144
„Französische Verhältnisse“ überschreibt der Verlag den Text auf der Rückseite. Das heißt statt StayFriends „Copain d’avant“ oder RTT Réduction du temps de Travail, das System der französischen Bildung – aber das wenige, was Lustiger nicht sofort erklärt, lässt sich fix nachschlagen. Was mich ernüchtert zurückließ war, wie stark sich bestimmte Muster auch bei uns finden. Da bemühen sich Menschen, sich nicht die Missgunst anderer zuzuziehen, während die Nivellierung sozialer Unterschiede zweitrangig ist „Gleichheit war schon seit Jahrzehnten ein Synonym für Neid geworden.“ S. 70. Überhaupt, die Bilder, die Sätze, die Gila Lustiger erschafft. Unverzichtbar für jeden, der sich für das aktuelle Frankreich interessiert – ein Gewinn, falls man zu aktuellen Themen angeregt werden möchte.
Eine passende Lektüre (vor oder nach diesem Buch) ist Karine Tuil: Die Zeit der Ruhelosen https://www.goodreads.com/review/show... (Dîner du Siècle, Judentum, Banlieues, Aufstieg, französische Eliten, Islamismus, Macht), wobei die in Frankfurt geborene und seit 1978 in Paris lebende Lustiger dem deutschsprachigen Leser das Hintergrundwissen (dadurch zugänglicher) mitliefert und sich dieses Buch hier wohl besser als erstes von beiden Büchern für nicht sehr tief mit Frankreich vertraute Leser eignen dürfte.
Der Journalist Marc Rappaport hat einem 27-jährigen Mordfall, der nun durch einen DNA-Abgleich gelöst scheint, eigentlich nur ein paar Zeilen zugedacht. Aber die Geschichte der jungen Frau, die aus einer kleinen französischen Industriestadt nach Paris floh um zu studieren und in die Prostitution abschlitterte, lässt Marc keine Ruhe. Bei seinen Recherchen stößt er auf einen schockierenden Skandal in dem Wirtschaft, Geld und Politik eine Rolle spielen.
Das Buch beginnt wie ein normaler Krimi, eine junge Prostituierte wird ermordet, der Fall nicht gelöst, erst 30 Jahre später durch eine DNA-Analyse steht ein Verdächtiger fest. Marc Rappaport fängt an zu recherchieren und deckt dabei einen Skandal auf der sich um Wirtschaft, Politik und natürlich Geld dreht. Aus der klassischen Ermittlungsgeschichte über Mord wird ein Polit- und Wirtschaftskrimi mit einer guten Portion Gesellschaftskritik.
Marc Rappaport, der Hauptprotagonist, Sohn aus reichem Haus, der sich als Journalist gegen das Establishment auflehnt, kommt sympathisch rüber, hat mir persönlich aber zu viele klischeehafte Eigenschaften, die ich anderen Romanen/Filmen über einen Ermittler schon gelesen/gesehen habe. Es hatte für mich etwas von einem alten Bekannten wieder zu treffen. Hier fehlte mir einfach was eigenes oder neues um mich wirklich für diesen Protagonisten einzunehmen.
Die Geschichte selbst war gut geschrieben, aber auch nicht wirklich was neues - Mord an einer Prostituierten und die Ermittlungen führen zu einem Chemieskandal. Punkten kann dieses Buch bei mir durch den Einblick den es mir auf die französische Gesellschaft, Wirtschaft und Politik von den 80igern bis heute gewährte.
Mein Fazit: Spannung kam bei mir leider nicht wirklich auf, die Geschichte plätscherte für mich so dahin und fütterte mich mit neuen Informationen. Für mich ein netter Gesellschaftsroman verpackt in einer Ermittlungsgeschichte aus Mord und Wirtschaftskriminalität, gewürzt mit einem Chemieskandal.
Eine neue DNA-Probe führt einen Journalisten dazu, einen alten Mord an einer Prostituierten aufzurollen - seine Nachforschungen führen ihn von einem Skandal zum anderen - eine Rundreise durch die dunklen Niederungen der französischen Gesellschaft, Politik, Wirtschaftsintrigen und Machenschaften. Ein Panorama der Gesellschaftskritik, das einen alten Wirtschaftsskandal aufgreift.
Drei Sterne, denn aufgrund der ständigen Erwähnung der Familiengeschichte und der damit verbundenen Konflikte kann man als geübter Krimileser schon nach einem Viertel des Buches vorhersagen, dass da noch was in die Richtung kommen wird. Das wie und warum bleibt zwar länger unklar, daher Generell: cool geschrieben, schöne vielschichtige Figuren, cooler Plot. Nur eben absehbares Ende.
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Nach der Lektüre dieses Romans habe ich mich gefragt, ob ich nun primär einen Kriminalroman gelesen habe der sich hintergründig mit der moralischen Verdorbenheit der französischen Eliten beschäftigt oder ob es gerade umgekehrt ist, ein anklagender, zeitgenössisch anmutender Gesellschaftsroman für den der kriminelle Teil nur das Scharnier ist um eine wichtige Aussage zur politischen- und wirtschaftlichen Macht der Oberschicht gegenüber der einfachen Arbeiterschaft aufzuzeigen. Ich tendiere aus zwei Gründen zur zweiten Aussage. Der aufzulösende kriminelle Handlungsstrang ist alles in allem viel zu einfach gestrickt um bei versierten Krimileser Begeisterung auszulösen und nachdem man das letzte Wort gelesen hat, bleibt das gallige Gefühl der Ohnmacht der Besitzlosen gegenüber der Allmacht der Kapitalisten zurück. Da die Romanhandlung im Frankreich angesiedelt ist, verwende ich die leicht abfälligen sozialen Klassenbegriffe der Bourgeoisie und des Proletariats. Das die Autorin der Geschichte ein Zitat von Karl Marx voranstellt sagt einiges aus.
Ein Mordfall an einer Prostituierten der 27 Jahre zurück liegt konnte anhand neuer DNA Analysen aufgeklärt werden und der mutmassliche Täter, ein Banquier, wird verhaftet. Für den Journalisten Marc Rappaport auf den ersten Blick ein Ereignis, dem die Zeitungen nicht viel Platz einräumen werden und das bloss zu einer kurze Randnotiz der vom täglichen Bohei von Big Business und Politik geprägten Printmedien verkommt. Je länger sich Rappaport mit dem Fall beschäftigt und von der einen zur nächsten Auskunftsperson weitergereicht wird desto tiefer zieht es ihn in den Fall hinein und er kommt einer grossen Sauerei der Vergangenheit auf die Spur. Was heisst es als Industrieller Verantwortung zu tragen und wie weit darf der Patriarch einer Firma für Produkte und Aufträge, die gegen bestehenden Gesetze verstossen und die Gesundheit schädigen aber dem Bestehen der Firma dienen und schlussendlich die Lohnzahlungen an die Angestellten sichern, gehen? Oder ist dieser Gedankengang nur das Feigenblatt um falsche Taten zu rechtfertigen? Rappaport muss sich bis zum Schluss mit ein paar der zentralen Fragen des Lebens beschäftigen.
Der Roman beginnt eher gemächlich und es ist der gepflegte Schreibstil der Schriftstellerin Gila Lustiger der mich fürs Erste an die Geschichte bindet. Die Handlung köchelt relativ lange auf kleiner Flamme und man begleitet als Leser Marc Rappaport bei seinen Recherchen bis sein Weg ihn zum Brennpunkt des Übels führt. Ab da wird die Geschichte richtig spannend und die Autorin ritzt mit Korruption, Vertuschung von Schuld immer wieder das innere Gerechtigkeitsgefühl der Leserschaft. Man dringt zum Kern der Geschichte vor der sich im Titel widerspiegelt: Die Schuld der anderen. Muss man hinter diesem Titel als Satzzeichen einen Punkt oder ein Ausrufezeichen oder gar ein Fragezeichen setzen? Der Verlag lässt dies offen und als Leser kann man mutmassen welches Satzzeichen da angebracht wäre.
Ein Roman mit französischer Prägung dessen Handlung aber auch in jedem andern Land spielen könnte. Da Frankreich sich die Parole der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf die Fahne geschrieben hat, verleiht der frankophone Handlungsort der Geschichte dennoch eine besonders delikate Note. Ein sehr empfehlens- und lesenswerter Roman der die Leser auf mehreren Ebenen anspricht.
Ein paar Zeilen, mehr hat der Journalist Marc Rappaport einem siebenundzwanzig Jahre zurückliegenden Mord, der jetzt durch DNA-Abgleich gelöst sein soll, eigentlich nicht zugedacht. Und doch will er mehr über die Geschichte der jungen Frau erfahren, die mit achtzehn aus der stickigen Enge ihrer französischen Industriekleinstadt nach Paris floh, um zu studieren, und dort in die Prostitution schlitterte. Dabei stößt er auf einen Skandal von schockierendem Ausmaß, der die unlösbaren Verstrickungen von Wirtschaft, Geld und Politik durchscheinen lässt. Was als klassische Ermittlungsgeschichte beginnt, entpuppt sich bald als ein atmosphärisch dichter und mit souveräner Leichtigkeit erzählter Gesellschaftsroman über ein ganzes Land und unsere Gegenwart.
Der erste Satz:
Es hatte ununterbrochen geregnet, doch schon in den frühen Morgenstunden war sämtliche Feuchtigkeit wieder verdunstet.
Meine Meinung:
Ich hatte die Leseprobe zu diesem Buch gelesen und von da an war es um mich Geschehen. Die Autorin hat einen ganz besonderen Stil. Einfach Worte und doch poetisch und wortgewaltig. Erzählt vor der atemberaubenden Kulisse Frankreichs, teilweise kam es mir selbst so vor wäre ich selbst dort.
Die Protagonisten allen voran natürlich Marc sind vollkommen authentisch beschrieben. Marc ist ein vielschichtiger Charakter der auf manchen Leser vielleicht ein wenig eigenbrötlerisch rüber kommen mag. Sein Beruf bedeutet ihm alles, er gibt nie auf und gelangt auch auf Umwegen immer an sein Ziel.
Die Handlung ist mitreißend und spannend. Die Spannung baut sich immer weiter im Verlauf der Geschichte auf. Neben der eigentlichen Recherche an dem Mordfall deckt Marc immer tiefere Verstrickungen auf.
Die Autorin zeigt dem Leser gleichzeitig andere Defizite Frankreiches auf, sei es Jugendkriminalität, Religion, Bestechung, Korruption. Dies sind nur einige Beispiel, sie zeigen wie vielseitig dieses Buch ist.
Dieses Buch hat mich wirklich völlig überrascht. Ich hatte große Erwartungen doch diese Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Selten habe ich mich durch ein Buch besser unterhalten gefühlt.
Dieses Buch empfehle ich uneingeschränkt, aber vor allen Leser niveauvoller, komplexer und mitreißender Bücher werden hiermit bestens bedient.
Zitat:
"Hatte ihm keiner gesagt, dass der Mensch, der moderne Mensch, derjenige, der alles konnte, alles durfte, nicht mehr wusste, was er wollte?" (S.125)
Cover:
Das Cover fiel mir sofort auf, es wirkt auf mich geheimnisvoll und mysteriös. Es passt hervorragend zur Geschichte und gefällt mir richtig gut!
Fazit:
Mit Die Schuld der anderen ist der Autorin ein Roman gelungen der mich vor allen durch seine komplexe und spannende Handlung überzeugen konnte. Ich bin gespannt auf weitere Titel der Autorin und werde auch diese mit Genuss lesen. Von mir gibt es daher 5 Sterne!
Wie schade: Dies ist eigentlich eine spannende Geschichte - investigativer Report will einen dreißig Jahre zuvor begangenen Prostituiertenmord aufklären und stößt auf kriminelle Kungeleien von Großindustrie und korrupten Politikern - aber leider wird sie von der Autorin sehr behäbig und aufgesetzt erzählt. Das Buch sich streckenweise wie ein erster Versuch, die Aufnahmeprüfung in einem Creative Writing Grundkurs zu schaffen. Es ist voll von grammatikalisch unsauberen Satzvehikeln - „Marc drehte sich um und schritt zu den Aufzügen. An der Kaffeemaschine tauschten zwei Kollegen leise den neuesten Tratsch aus, er zog mit dem Umschlag, der ein brennendes Gefühl in seinen Händen verursachte, an ihnen vorbei.“ Oder: „Jemand hat befürchtet, dass dieser Fall von Korruption eines Tages aufgedeckt werden könnte, und hat sich als Schutz dieses Foto zugelegt.“ - und eher belanglosen, für die Handlung irrelevanten Belehrungen: „..., er lauerte auf die passende Gelegenheit, um zum Verbrecher zu werden, und die konnte ihm allein Paris bieten. Verglich man die Einwohnerzahl der Hauptstadt mit den 17 Millionen Menschen in Shanghai, den 13 Millionen in Istanbul oder den 12 Millionen, die in Mumbai lebten, war das freilich nichts, bedachte man jedoch, dass nur Marseille mit seinen 800 000 Einwohnern überhaupt an die Metropole heranreichte und dass schon in der drittgrößten Stadt des Landes, Lyon, mit ihren 500 000 Einwohnern um zehn Uhr abends die Rollläden heruntergelassen wurden, so begriff man schnell, dass einem klugen, umsichtigen Wolf, der mehr noch als alle anderen die Anonymität brauchte und suchte, um zu wildern, nur die Hauptstadt jene unbegrenzten Möglichkeiten bot, die auszuschöpfen er als sein Recht erachtete.“ Um wirklich wirklich wirklich zu beweisen, dass sie sich in Paris auskennt, streut Lustiger überdies auch immer wieder französische Worte in den Text oder beschreibt wiederholt "träge" vorbeifahrende oder -schlendernde Touristen. Das vermittelt weder Lokalkolorit noch überrascht es wirklich: Touristen in Paris? Ach ... Meine Schlussfolgerung zu diesem Buch: Man muss es nicht lesen. Den "komplexen Politthriller", den andere Rezensent_innen in "Die Schuld der anderen" erkennen, sehe ich leider nicht.
Ich mag ja Dennis Scheck und seine Sendung Druckfrisch sehr und dadurch bin ich auch auf dieses Buch aufmerksam geworden. Obwohl sicherlich auch Scheck den Klappentext gelesen hat und ausführliches Pressematerial vom Verlag bekommen hat, beharrte er darauf, dass es sich hier um einen Kriminalroman handelt. MMn trifft die Verlangseinschätzung als Gesellschaftsroman sehr viel besser zu.
Als Kriminalroman wäre "Die Schuld der Anderen" sehr enttäuschend. Es kommt nur wenig wirkliche Spannung auf und wohin die Reise geht, ist eigentlich schon sehr früh in der Geschichte klar. Auch wenn ich mir als Kriminfan gewünscht hätte, dass Lustiger aus der Idee einen französichen Stieg Larsson hätte machen können. Aber dafür fehlte dann doch irgendwie der Biss, die Spannung und auch die Gefahr.
Als Gesellschaftsroman funktioniert die Geschichte etwas besser, wobei auch hier für mich das gewisse je ne sais quoi fehlt. Letztendlich taucht sie dann doch nicht tief genug in die französische Gesellschaft ein; das Gespräch mit Dennis Scheck verspricht hier mehr als der Roman dann halten kann. Sprachlich ist es flüssig zu lesen, auch wenn Lustiger manchmal sehr verquirlt schreibt. Die sommerliche Trägheit von Paris kann sie sprachlich gut umsetzen. Völlig unnötig sind die französischen Sätze. Das Französische dient der Geschichte nicht sondern zeugt nur von einer affektierten Effekthascherei. Die Autorin lebt seit Jahren in Paris, ja, ich weiß, ihr Französisch ist fließend, muss man nicht extra beweisen.
Am Ende hört's dann einfach auf. Das ist sicherlich Absicht, aber da ich eine Leserin bin, die gerne alles vorgekaut bekommt, hätte ich mir doch einen anständigen Epilog gewünscht. Die Hauptfigur Marc ist jetzt niemand, den man als Leserin so richtig ins Herz schließt, aber für ihn wird es am Ende erst richtig interessant. Da hätte Lustiger auf Fälle mehr draus machen können.
Che delusione! Accentuata dal fatto che fino a pagina 300 +/-, Lustiger crea una storia veramente avvincente. Purtroppo, al momento di cominciare a dipanare la matassa e svelare le soluzioni, si perde completamente. L'arroganza del carattere principale, inizialmente sopportabile per via della buona trama e del suo avvicendarsi, diventa completa tracotanza, perlopiù gratuita. La trama si sbrandella completamente, all'autore scappano evidentissime incongruenze, personaggi centrali Gino a qualche pagina prima scompaiono senza motivo. Lo stile poi... Se le prime 300 pagine sono abbastanza bene, anche se con uno stile non raffinatissimo, il resto del libro è scritto semplicemente con i piedi. Non si può fare a meno di pensare che Lustiger si sia reso conto di avere intessuto una trama al di sopra delle proprie capacità e che resosene conto abbia cercato di terminare più alla svelta possibile. Un vero peccato.